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18.04.2008
Fast vergessene Früchte für ein besseres Klima in Afrika
Mit steigenden Temperaturen werden die landwirtschaftlichen Erträge in
Afrika stetig sinken. Doch es besteht Hoffnung: Im Westen unbekannte
afrikanische Nutzpflanzen könnten Hungersnöte und Armut abwenden.
Ein Bericht des nationalen Forschungsrates in den USA propagiert, eine
ganze Reihe afrikanischer Nutzpflanzen systematisch zu erforschen und
deren Anbau zu fördern. Das Werk nennt sich "The Lost Crops of Africa".
Dazu liegt nun der vom nationalen Forschungsrat der USA in Auftrag
gegebene dritte und letzte Band vor. Dieser befasst sich - nach den
Getreidearten in Band eins und Gemüse in Band zwei - nun mit Obst.
Die Nutzpflanzen Afrikas sind nicht nur hochwertige Nahrungsquellen und
sollen für zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch regionale Vermarktung
sorgen. "Neu angepflanzte Bäume würden außerdem das Lokalklima
beeinflussen", davon ist Hans Herren, Empfänger des Welternährungspreises
1995 überzeugt. Er hat an der Liste der 24 besonders viel versprechenden
Früchte mitgearbeitet und betont die Vorteile dieser Früchte: "In
Zeiten, in denen alles trockener wird, können Pflanzen wie Baobab oder
Butterfruit auch in trockenen Gebieten angebaut werden - also auch trotz
des Klimawandels."
Beliebt wie Zucchini und Tomaten
Bildunterschrift: Das frühere Flussbett des Niger verdeutlicht die
Auswirkungen langer Trockenheit
Von Baobabs, den Affenbrotbäumen, hat jeder gehört, der das Buch "Der
kleine Prinz" von St. Exupery gelesen hat. Doch die meisten anderen
Sorten sind unbekannt: Die Früchte des Marula-Baumes etwa sind besonders
reich an Vitamin C. Butterfruit, zu deutsch Samptapfel, enthält viel
Protein und ist in West- und Zentralafrika so beliebt wie Zucchini und
Tomaten in Europa. Der Samtapfel sei ein gutes Beispiel dafür, dass diese
so genannten "Lost Crops" noch nicht ganz so verloren sind, erklärt Jane
Guyer, Anthropologin an der Johns Hopkins Universität: "Man könnte
meinen, diese Früchte würden derzeit nicht angebaut und erst jetzt wieder
neu entdeckt. Doch im Gegenteil: Sie sind bekannt und recht weit
verbreitet." Das einzige Problem sei, dass die Information über diese
Pflanzen nirgendwo zentral und griffig zusammengefasst worden sind.
Es gibt demnach keine wissenschaftlichen Daten über Vermehrung, Genetik
oder bevorzugte Bodenbeschaffenheit. Doch das sei notwendig, wenn man die
Obstbäume und -sträucher nutzen will, erklärt Hans Herren. Man müsse erst
einmal analysieren, was genau diese Pflanzen ausmache, um die Sorten
verbessern zu können. Hierfür müssten die Variationen der Züchtung
zunächst einmal verringert werden. Dann könnten bessere Erträge erzielt
und Prognosen über Qualität und Ertrag aufgestellt werden. Es braucht
also moderne Züchtungsprogramme. Doch das sagt sich leicht. Die
Vermehrung vieler afrikanischer Obstpflanzen ist kompliziert.
Aus der Geschichte lernen
Die Anthropologin Jane Guyer schlägt vor, zu weiterer
Informationsbeschaffung auch in der kolonialen Geschichte Afrikas
nachzublättern. In Nigeria etwa gebe es die um 1910 für
landwirtschaftliche Forschung gegründete Moor-Plantage: "Die dort
beschäftigten Wissenschaftler waren Beamte und haben dort sehr lange
gelebt. Sie wussten also, wie die Afrikaner ihre Nutzpflanzen anbauten",
vermutet Guyer. Genau dieses Wissen der kolonialen Forscher fehle uns
heute, bedauert die Anthropologin und hofft, es noch in den Archiven zu
finden.
Regionale Märkte aufbauen und Arbeitsplätze schaffen
Bildunterschrift: Der Handel mit den exotischen Früchten würde
Arbeitsplätze schaffen
Die geförderten Früchte, Gemüse und Getreidesorten sollen die Ernährung
bereichern und dabei helfen, regionale Märkte aufzubauen und
Arbeitsplätze zu schaffen. Die Ernte sei ein aufwändiges Unterfangen
betont Guyer. Bei der Egusi-Ernte beispielsweise müsse man die MelonenFrucht
abschneiden und zu Brei schlagen. Dann brauche man ein ganzes
Team, um die Samen einzusammeln, zu waschen und zum Trocknen aufzulegen.
Jemand müsse Wache stehen, um zu melden, wenn es regnet. Würden die Samen
nämlich nass, begännen sie zu keimen. Dies würde ihren Marktwert
verringern. "Man braucht Leute, die das alles machen", betont Guyer
zuversichtlich.
Vorsichtiger Optimismus
Der Anstoß zur intensiveren Kultivierung unbekannter Pflanzen hat bisher
allerdings nur zu wenigen konkreten Projekten geführt. Nimmt man Band
eins über Getreidearten und Band zwei über Gemüse als Maßstab, dann
besteht eher Grund für Pessimismus. Dass Forscher wie Hans Herren sich
dennoch als "vorsichtig optimistisch gestimmt" bezeichnen, liegt an der
Hoffnung, dass die Furcht vor dem Klimawandel vielleicht doch genug
Anreiz darstellt, neue Wege einzuschlagen.
Madeleine Amberger
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Madeleine Amberger | www.dw-world.de | C Deutsche Welle.
siehe auch:
http://www.tagesschau.de/ausland/wfp4.html
http://www.tagesschau.de/ausland/hunger12.html
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