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Proteste gegen Maulkorb - Schliessung von kurdischem Sender in Deutschland von Medien weitgehend ignoriert

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junge Welt, 05.07.2008

Proteste gegen Maulkorb

Schließung von kurdischem Sender in Deutschland von Medien
weitgehend ignoriert. Linksfraktion für Aufhebung des PKK-Verbots. Solidaritätsaktionen am Wochenende Von Nick Brauns

»Roj TV – Stimme der Freiheit« – Unter dieser Parole demonstrieren »zahlreiche Kurden seit Donnerstag bundesweit gegen das vom »Bundesinnenministerium verfügte Verbot des Satellitensenders Roj »TV. Viele Teilnehmer einer zweitägigen Mahnwache vor dem
»Bundesinnenministerium in Berlin trugen eine schwarze Augenbinde, »um auszudrücken, daß die vom Grundgesetz garantierte Meinungs- und »Pressefreiheit offenbar nicht für Kurden gilt. Kundgebungen fanden »außer in Berlin unter anderem in Düsseldorf, Bremen, Kiel und »Hannover statt. Weitere Proteste sind für Samstag in Hamburg, »Kassel und Stuttgart angekündigt.

Das Bundesinnenministerium hatte das in Dänemark lizenzierte Roj TV vergangene Woche innerhalb der BRD verbieten lassen, da der Sender Propaganda für die in Deutschland verbotene Arbeiterpartei
Kurdistans PKK betreibe und gegen »Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland« gerichtet sei. Die Fernsehstudios der gleichfalls verbotenen TV-Produktionsfirma Viko in Wuppertal wurden geschlossen. Roj TV ist für viele der 800000 in Deutschland lebenden kurdischstämmigen Bürger die einzige Möglichkeit, in der eigenen Sprache authentische Informationen aus Kurdistan zu erhalten.

Mit einer scharfen Erklärung hat der Exekutivrat der aus der PKK hervorgegangenen Gemeinschaft der Kommunen Kurdistans KCK reagiert: »Die westlichen Kräfte – allen voran Deutschland – behindern eine friedliche demokratische Lösung der kurdischen Frage ernsthaft.« Die Bundesregierung wird aufgefordert, »von der feindlichen Politik gegen das kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung abzusehen«. Andernfalls müsse die Regierung die Konsequenzen tragen. Von den meisten deutschen Medien, aber auch Journalistenverbänden und Gewerkschaften wird das Verbot des Senders bislang weitgehend ignoriert. Proteste kamen lediglich von einzelnen Politikern der Partei Die Linke. »Durch das Verbot des kurdischen Senders macht sich Innenminister Schäuble zum Handlanger türkischer Interessen«, kritisierte die Europaabgeordnete Feleknas Uca, und die
innenpolitische Sprecherin Bundestagsfraktion der Linken, Ulla Jelpke, warf der Bundesregierung vor, mit dem Verbot Öl ins Feuer des türkisch-kurdischen Konfliktes zu gießen.

Nun will sich die Die Linke im Bundestag mit einem Antrag dafür stark machen, daß die Bundesregierung die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei für eine friedliche Lösung der kurdischen Frage nutzt. Neben einem Abschiebestopp und einem Ende der
Waffenlieferungen an die Türkei wird in dem vom außenpolitischen Sprecher der Fraktion, Norman Paech, ausgearbeitete Antrag auch ein Ende der Verfolgung der PKK als »kriminelle Vereinigung« in Deutschland gefordert. Der Antrag war innerhalb der Fraktion stark umstritten und von der Fraktionsspitze bis vergangene Woche auf Eis gelegt worden. Eine Reihe von Abgeordneten befürchtet, in die Nähe der »terroristischen PKK« gerückt zu werden.

Soliaktionen

– Hamburg: Samstag, 15 Uhr, Hachmannplatz, Hbf.: Demonstration

– Kassel, Samstag, 13 Uhr, vor der Stadtverwaltung: Kundgebung

– Stuttgart: Samstag, 13 Uhr, Hbf.: Demonstration

07.07.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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