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Offener Brief von Guenay Aslan an Innenminister Schaeuble

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Offener Brief von Günay Aslan an Innenminister Schäuble

[…] Ich lebe seit dem 10. Februar 1995 als politischer Immigrant in Köln. Ich bin 48 Jahre alt und vom Beruf Journalist und Schriftsteller. Ich war 1995 gezwungen aus der Türkei zu fliehen und ihn Ihrem Land Asyl zu beantragen. In der Türkei wurde ich aufgrund meiner Artikel, Kolumnen und Bücher als "Meinungstäter" mehrmals verurteilt.

[…] Das Asylgericht, das meine rechtliche Verfolgung in der Türkei untersuchte, räumte mir am 8 Juni 1995 Recht auf Asyl nach Paragraph 16 ein und ich erhielt eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Auch in Deutschland setzte ich mein Tätigkeit als Journalist fort. Ich habe bei dem Fernsehsender MED TV, der mit großer Mühe und für einen hohen Preis des kurdischen Volkes geschaffen wurde vier Jahre lang als Moderator und Nachrichtenchef gearbeitet. Auch heute nehme ich zweimal im Monat an einer Diskussionssendung teil und versuche meine Gedanken über dem Sender ROJ-TV mit dem kurdischen Volk, dass großer Unterdrückung ausgesetzt ist, zu teilen.

Verehrter Herr Schäuble,

diesen offenen Brief richte ich an Sie, weil Sie beschlossen haben ROJTV zu verbieten. Lassen sie es mich gleich sagen: ROJ-TV ist die Stimme des kurdischen Volks, die zum Schweigen gebracht werden soll, die verleugnete Identität und ausgebeutete kulturelle Werte des kurdischen Volkes, also es ist sein Herz und sein Gehirn. ROJ-TV ist die wirksamste visuelle Adresse für die Wahrung der Grundrechte und Freiheiten, allen voran der Pressefreiheit, die sie mit den Füßen treten. Es verfolgt das Ziel eines friedlichen Zusammenlebens der Völker auf der Grundlage von Freiheit und Gleichberechtigung. ROJ TV ist im gleichen Maße wie für die Kurden für alle anderen unterdrückten Völker, Kulturen, Religionen und Glaubensrichtungen ein Luftröhre, eine demokratische Plattform. Dies alles hätten Sie berücksichtigen müssen, als sie beschlossen ROJ-TV zu verbieten und den Demokratie- und Freiheitsbestrebungen der unterdrückten Völker mehr Respekt aufbringen müssen. Aber sie haben genau das Gegenteil gemacht: Sie haben versucht die demokratische Plattform der unterdrückten Völker, ROJ-TV für ihre ökonomischen Interessen zu verkaufen.

Somit haben sie Deutschland einen Schandfleck eingebracht. Sie haben auf diese Weise die demokratischen Werte des deutschen Volkes sowie die universellen Freiheiten mit Füßen getreten. Weil Sie die Grundrechte, allen voran das Recht auf Informationserhalt eines verfolgten Volkes verletzt haben, verurteile und protestiere ich aufs Schärfste. Ich möchte auch hinzufügen, dass ich Ihre Begründung in dem
Verbotsbeschluss ROJ-TV würde das friedliche Zusammenleben der Völker schaden, als äußerst absurd erachte.

Sehr geehrter Herr Minister,

es ist offensichtlich, dass Sie die Sendungen von ROJ-TV gar nicht verfolgen und kennen. Wer sich den 45-seitigen Verbotsbeschluss ansieht wird, wird sofort erkennen, dass alle Anschuldigungen von dem türkischen Staat übernommen sind. […] Für drei Cent machen Sie Zugeständnisse in der Frage der Demokratie, Menschenrechte und Freiheiten. Wegen Ihrer Interessen lassen sie sich für die Menschenrechtsvergehen des türkischen Staates instrumentalisieren und beteiligen sich daran.

Herr Minister beharren Sie nicht auf dieser Haltung, stellen Sie sich nicht gegen den Ablauf der Geschichte. Greifen Sie nicht die Menschenrechte, Freiheiten, demokratische Werte und den Frieden an. […]

Mit freundlichen Grüssen

(Özgür Politika, 2.7., ISKU; hier zitiert nach: Nûçe - wöchentliche Informationen aus Kurdistan und der Türkei, Nr. 368, 4. Juli 2008, www.isku.org)

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04.07.08    Kurdistan Infos <kigb@gmx.de>
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