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Kurdischer Sender soll geschlossen werden
Bundesregierung ließ Räume von Roj TV in Wuppertal
wegen angeblicher Unterstützung der PKK durchsuchen
Von Nick Brauns
Die Bundesregierung versucht, eine Stimme der kurdischen
Freiheitsbewegung zum Schweigen zu bringen. Auf Anordnung des
Bundesinnenministeriums durchsuchten am Mittwoch Staatsschutzbeamte das
Studio des kurdischen Satellitensenders Roj TV in Wuppertal. Auch die
Räumlichkeiten der Produktionsfirma VIKO und die Wohnungen von 15
Mitarbeitern des Senders sowie von Journalisten der Tageszeitung Özgür
Politika wurden durchsucht. Die Polizei beschlagnahmte Filmmaterial,
Computer, CDs, Unterlagen und selbst ein Hochzeitsvideo.
Das Bundesinnenministerium hält sich bedeckt: »Die Aktion erfolgte
aufgrund eines vereinsrechtlichen Verfahrens.« Gemeint ist das PKKVerbot.
So soll Roj TV ein Propagandasender der verbotenen
Arbeiterpartei Kurdistans PKK sein, über den kurdische Jugendliche in
Europa dazu aufgefordert worden seien, sich der Guerilla in Kurdistan
anzuschließen.
Der seit 2004 in Dänemark lizensierte Sender Roj TV mit Studios in
Brüssel und Wuppertal erreicht mit seinen Nachrichten-, Politik- und
Kultursendungen in türkischer, kurdischer, arabischer und persischer
Sprache täglich Millionen Zuschauer in Europa und im Nahen Osten.
Regelmäßig kommen hochrangige Vertreter der kurdischen
Befreiungsbewegung in Live-Zuschaltungen aus den kurdischen Bergen zu
Wort.
Nachdem bereits in den letzten Monaten erhebliche Verschärfungen bei
der Strafverfolgung kurdischer Aktivisten in Deutschland zu beobachten
seien, zielten diese Durchsuchungen darauf ab, eine kritische
Berichterstattung über die eskalierende Situation in der Türkei und
Kurdistan zu verhindern, warnte Monika Morres vom Rechtshilfefonds für
Kurden AZADI in Düsseldorf. Die türkische Regierung drängt seit langem
auf eine Schließung von Roj TV.
Unterstützung bekommt Ankara inzwischen von den USA. Der Direktor der
Antiterrorabteilung im US-Außenministerium, Frank C. Urbancic Jr,
nannte den Sender eine »Speerspitze des Terrorismus« und versprach, die
europäischen Staaten zur Schließung zu bewegen. Ein erster von den USAntiterrorexperten
initiierter Versuch der belgischen Behörden, Roj TV
durch eine angebliche millionenschwere Steuerschuld zum Verstummen zu
bringen, scheiterte Ende Februar. Jetzt soll die Keule des PKK-Verbots
gegen den Sender in Deutschland geschwungen werden.
»Seit Mitte Dezember läuft eine großangelegte Offensive in den
kurdischen Gebieten gegen die Bevölkerung, die Guerilla und die Partei
für eine Demokratische Gesellschaft DTP. Die Polizeiaktionen in
Deutschland haben genau damit zu tun«, sagte Mehmet Demir,
stellvertretender Vorsitzender der Föderation Kurdischer Vereine in
Deutschland Yek Kom, am Donnerstag gegenüber junge Welt. »Auch hier
möchte der Staat die Kurden zum schweigen bringen. Deshalb geht man
gegen die Medien vor, die seit Jahren versuchen, der Öffentlichkeit die
Probleme des kurdischen Volkes nahe zu bringen und Vorschläge für eine
friedliche Konfliktlösung zu verbreiten«, so Demir.
Aus: junge Welt, 09.05.2008
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