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Mannheim: Kurdistan-Demo und Polizeischikanen
Am Samstag, den 17. November fand in Mannheim eine Demo des Kurdischen
Kulturvereins unter dem Motto "Für eine demokratische Lösung in
Kurdistan" statt. Es beteiligten sich anfangs über 1000 Leute, bis zur
Abschlusskundgebung war die Teilnehmerzahl noch einmal stark
angewachsen. Die Polizei begleitete die Demo mit einem Großaufgebot und
sorgte mit etlichen Schikanen für Unmut. Die Stimmung auf der Demo war
trotz allem laut und kämpferisch.
Kurz vor 16 Uhr trafen die ersten TeilnehmerInnen auf dem Alten
Messplatz in der Mannheimer Neckarstadt ein. Das Bild, das sich der
BetrachterIn dort bot, erinnerte doch sehr an eine linke Demo vor sechs
Wochen. Bereits am 3. Oktober war die Polizei mit einem Großaufgebot
gegen eine linke Demo unter dem Motto "Kein Frieden mit Deutschland"
aufgefahren. Auch diesen Samstag war die Neckarstadt grün-weiß. Die
Polizei hatte den Alten Messplatz umstellt, war mit BFE, Pferdestaffel
und einer großen Anzahl Zivi-Bullen am Start. Teilweise wurden
Vorkontrollen durchgeführt.
Die Kundgebung begann mit etwas Verspätung. Offenbar gab es technische
Probleme. Die Redebeiträge wurden auf türkisch, kurdisch und deutsch
gehalten und es gab ein deutschsprachiges Flugblatt. Dann ging die Demo
los. Etwa 1000 Leute waren es zu diesem Zeitpunkt, fast auschließlich
Kurden. Die deutschen UnterstützerInnen konnte man an zwei Händen
abzählen. Die Demo lief in voneinander getrennten Blöcken, Kurdistan-
und Öcalan-Fahnen bestimmten das Bild. Die Sprechchöre waren meist
kurdisch und richteten sich gegen den türkischen Staat, forderten
Demokratie und Dialog, die Freiheit des PKK-Chefs Öcalan und Frieden
für Kurdistan.
Die Polizei zog um die Demo herum ein Spalier und beeinträchtigte damit
massiv die Außenwirkung. Das Fronttransparent wurde verdeckt,
PassantInnen hatten den Eindruck, es handelte sich hier um einen
Gefangenentransport. Von Vorne und von der Seite wurde ununterbrochen
gefilmt. Unangenehm waren auch die Zivi-Bullen, die mit etwa 30 bis 40
Männern und Frauen (90% Männer) um und in der Demo herumschwirrten.
Rechts und links von der Demo liefen jeweils Gruppen von knapp 10 ZiviBullen,
die auf den ersten Blick nach Fascho-Schlägern aussahen. Die
Zivis waren meist Anfang 20, deutsch und bemühten sich um einen nicht
allzu unauffälligen Hooligan/Straßenschläger-Style. Viele weitere
Kleingruppen von 2-3 Zivis liefen um die gesamte Demo herum. Die
türkischen Zivi-Bullen wurden vermutlich in die Demo gesteckt und waren
unauffälliger.
Es gab eine mir nicht bekannte Zahl Festnahmen, die von den Zivi-Trupps
durchgeführt wurden. Die Festnahmen betrafen offenbar vor allem Ordner,
die angeblich die TeilnehmerInnen "anheizten". Weitere Schikanen waren
das Verbot der Mitführung des Lautsprecherwagens und eine Verkürzung
der Wegstrecke. Statt wie geplant bis zum Wasserturm zu laufen, musste
die Demo kurz nach dem Paradeplatz umdrehen.
Im Verlauf der Demo schlossen sich zahlreiche PassantInnen an. Es gab
aber auch einige Provokationen am Rande, zum einen von türkischen
Nationalisten, zum anderen von Deutschen, die die Kurden rassistisch
beschimpften. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Marktplatz statt.
Dieser war fast zur Hälfte gefüllt, die Zahl der TeilnehmerInnen hätte
sich erheblich erhöht. Es gab Redebeiträge auf türkisch/kurdisch (?)
und auf deutsch, in denen der türkische Nationalismus und die
rassistischen Übergriffe der letzten Wochen thematisiert wurden, weiter
wurde Freiheit und Demokratie für Kurdistan gefordert und an die
deutsche Regierung appeliert, sie solle sich für eine friedliche Lösung
des Konflikts einsetzen.
Ein Rückblick auf die türkisch-nationalistische Demo vor zwei Wochen,
im Vergleich zur Kurdistan-Demo, verdeutlicht die politische
Positionierung von Politik und Presse. Die türkische Demo kam ohne
Polizeispalier aus, durfte frei laufen und ihre Aggressionen äußern.
Die Stimmung war dort deutlich aggressiver, die Thematik
nationalistisch und rassistisch, die faschistischen Grauen Wölfe und
die MHP waren mit dabei. Die Presse schrieb von einer Demo "für den
Frieden", dabei wurde der Krieg gegen die Kurden/PKK gefordert. Die
Linke in der BRD sollte die Vorfälle zum Anlass nehmen, sich eine
Positionierung zu erarbeiten. Ein erster Ansatz: Kritik am
Nationalismus der kurdischen Widerstandsbewegung, bei gleichzeitiger
Solidarität mit den Opfern von Krieg und rassistischen Übergriffen.
Dazu eine klare Positionierung gegen die türkisch-nationalistische
Ideologie.
[Quelle: MESOP, 20.11.2007]
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