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Massive Vorwuerfe gegen G8-"Gefangenenkaefige"

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http://rhein-zeitung.de/on/07/06/08/tt/t/rzo341178.html?markup=rzo341178

Rhein-Zeitung, 8.6.07

Massive Vorwürfe gegen G8-"Gefangenenkäfige"

Rostock - Die Vorwürfe sind massiv: G8-Gegner in Polizeihand, die wie in "Käfigen" gehalten würden. Das Licht brenne Tag und Nacht.

Es gebe nur wenig zu essen und trinken. Den Anwälten festgehaltener Demonstranten zufolge herrschen in den "Gefangenensammelstellen" zum G8-Gipfel skandalöse Zustände.

Die Polizei-Sondereinheit Kavala hüllt sich in Schweigen - nur so viel: Von "Käfigen" könne nicht die Rede sein, im übrigen würden die zu solchen Anlässen üblichen Standards eingehal=ten.

Freitagnachmittag, ein tristes Gewerbegebiet im Norden Rostocks. Hinter einem grünen Zaun mit blauem Sichtschutz erstreckt sich eine lange Lagerhalle. Hier befindet sich eine "Gesa", wie die Gefangenensammelstellen bei der Polizei heißen. Beamte bewachen den Eingang. Gegenü=ber, auf der anderen Straßen=seite, sitzt eine Hand=oll G8-Gegner. Sie halten eine "Mahnwache". Es ist heiß, die Demonstranten schützen sich mit einer Plane vor der Sonne. Auf einem Stofflaken hinter ihnen ist zu lesen: "Knüppel, Tränengas, Wasserwerfer! Sperrt Polizei-Rambos hinter Gitter!" Ein 22-Jähriger sagt: "Wir wollen solidarisch sein mit den Gefangenen."

Die Düsseldorfer Anwältin Gisela Dapprich vom Republikanischen Anwälteverein hat Dutzende von festgehaltenen G8-Gegnern betreut. In 25 Quadratmeter großen "Käfigen" seien bis zu 20 G8-Gegner unter=bracht, eine Kamera sei die ganze Zeit auf sie gerichtet - und die Fes=gehaltenen seien größtenteils unschul=dig. Eine Sonnenbrille, eine Mütze oder Kapuze hätten bereits ausgereicht, um in die vergitterten Sammelzellen zu kommen, es habe sogar "massen=hafte Verschleppungen" gege=ben. Und als ein G8-Geg=ner mit dem Rad an der "Sammelstelle" vorbeigefahren sei und ein Foto gemacht habe, hätten ihn die Polizisten gleich geschnappt und reingebracht.

Dapprichs Kollege Henning Kuhlmann sagt, sein Mandant sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, als die Polizei Leute "eingesammelt" habe. Einmal im Polizeigewahrsam, könnten die G8- Gegner nur schwer Kontakt mit Anwälten aufnehmen, sagt Dapprich. Auch über Nacht seien Demonstranten festgehalten worden, bis sie vor den Richter kamen.

Ein Sprecher der Polizei-Sondereinheit Kavala wollte zu den einzelnen Vorwürfen der Anwälte keine Stellung nehmen. Betroffene könnten sich beschwe=ren, die Standards für solche "Gefangenensammelstellen" - wie etwa auch bei CastorTransporten, seien eingehalten worden.

Wolfgang Grenz von der Menschenrechtsorganisation amnesty international hat die Sammelzellen vor dem G8-Gipfel begutachtet. Sie seien natürlich nicht schön, aber die Festgehaltenen seien dort ja nur für eine kurze Zeit - er habe die Zellen als nicht dramatisch angesehen. Sie hätten zwar die Form eines Käfigs - ein möglicher Vergleich mit dem US-Militärgefängnis Guantánamo aber sei "völlig daneben". Auch Grenz ist zu Ohren gekommen, dass Anwälte nicht zu ihren Mandanten in den "Gesas" zugelassen worden seien und dass die Räume auch nachts beleuchtet sein sollen. Grenz: "Das wären dann schon zwei gravierende Punkte." Von Andreas Hoenig, dpa

10.06.07    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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