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SAFERCITY.DE informiert (13.09.04): Kommerzielle Private unterstützen den
Staat
1.) Worms: Das von der Stadt beauftragte und von den Steuerzahlern
finanzierte Sicherheitsunternehmen WR-Security soll enge Kontakte zu
Neozazis unterhalten - Konkurenz kritisiert zudem Auftragsvergabe an
WR-Security
2.) Wetterau: Detektiv-Firma kontrolliert Baustellen auf "Schwarzarbeit" -
Personalien-/ Identitätsfeststellungen (vorgetäuschte Befugnisse) der
Detektive sind gesetzwidrig!
3.) Wiesbaden: Ehemaliger Gerichtsvollzieher macht im Auftrag der Stadt
"Kohle" - "old-boy-network" in der Inkasso-Branche
4.) Alsdorf: Ordnungsamt lässt sich privat sponsern - "Fader
Beigeschmack"
5.) Der überwachungsindustrielle Komplex
Vorausgegangene SAFERCITY.DE-Nachrichten (2004) im Internet unter:
http://www.trend.infopartisan.net/trd0904/t100904.html
http://x-berg.de/article.pl?sid/08/21/1438200&mode=thread
http://www.nadeshda.org/foren/cl.politik.repression/p457s457a20.html
1.)
"Erfahrung, Referenzen und Erfolg"
Stadt verteidigt Verpflichtung von "WR-Security" / "Kostenlose
Streifengänge locken nicht"
Erfahrung, überzeugende Referenzen und erfolgreiches Arbeiten: Die Stadt
steht zur Verpflichtung des Unternehmens "WR Security" für das Pilotprojekt
gemeinsamer Streifengänge mit dem kommunalen Vollzugsdienst.
Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Müller
Auch die Kosten seien nicht zu hoch und: "Bei diesem geringen Umfang war
keine Ausschreibung notwendig". Wolfgang Brinkmann, Leiter des
Ordnungsamtes, nahm Stellung zu Aussagen von Ralf Mühlberger und Harald
Weiland. Die Chefs von Wormser Sicherheitsunternehmen hatten moniert, nicht
zum Zuge gekommen zu sein beim Pilotprojekt der Stadt, bei dem private
Wachleute gemeinsam mit dem uniformieren Vollzugsdienst Streifengänge
machen. Sie hätten kostengünstigere Angebote abgegeben. Außerdem sei keine
Ausschreibung gemacht worden.
Brinkmann verwies auf die nur 6 000 Euro für die eingekauften 450
Bewachungsstunden: "Bei dieser Größenordnung können Verträge direkt
geschlossen werden". Selbstverständlich habe die Stadt aber Angebote
verglichen: "Seit mehreren Jahren haben wir eine Reihe von Bewerbern für
zusätzliche Sicherheitsleistungen, auch die Unternehmen der Herren
Mühlberger und Weiland sind uns bekannt." Diese besäßen aber nicht die
Erfahrung, die andere und besonders das nun verpflichtete Unternehmen aus
Kaiserslautern vorweisen könnten. Und in einem so sensiblen Bereich, der
Begleitung bei staatlichen Aufgaben, könne nur ein erfahrenes Unternehmen
verpflichtet werden: "Da lockt auch kein Angebot, vier Wochen lang
kostenlos auf Streife gehen zu wollen", so Brinkmann. So etwas lasse eher
skeptisch werden denn überzeugend zu sein. Das nun verpflichtete
Unternehmen "WR" aus Kaiserslautern sei sehr erfahren, "reich an
Referenzen", arbeite unauffällig und erfolgreich. Auch in Worms waren
Mitarbeiter vor den neuen Streifengängen schon aktiv: Als Objektschützer
auf dem Backfischfest für Schausteller.
Und: "Alle Männer, die ,WR´ in Worms einsetzt, kommen auch aus Worms", so
Brinkmann. Deshalb greife der Vorwurf nicht, das Unternehmen habe weite
Anfahrtswege und kenne sich vor Ort nicht aus. (Wormser Zeitung,
09.09.04)
Die von der Stadt Worms beauftragte Sicherheitsfirma WR-Security aus
K'lautern soll enge Kontakte zu Neonazis unterhalten schreiben die
Jounalisten Andrea Röpke und Helmut Lorscheid:
(...) Auch in den alten Bundesländern sind Neonazi-Aktivitäten bisher kein
Hindernis für eine Tätigkeit im Security- Bereich. So sorgt die Firma "WRSecurity"
in Kaiserslautern nicht nur für die Sicherheit des
Bundesliga-Fußballclubs 1. FCK, sondern bewachte nach eigener Darstellung
in Mainz auch schon die Rheinland-pfälzische Staatskanzlei - ebenso wie das
ZDF und den SWR. Im Kampfsport trainiert wurden die so prominent
eingesetzten Securityleute von einem der bekanntesten Neonazis des Landes,
Axel Flickinger, bis vor einigen Monaten noch Landesvorsitzender der
"Jungen Nationaldemokraten".
Hinweisen aus der rechten Szene zufolge stammt neben Flickinger ein
weiterer "WR"-Trainer aus dem gewaltbereiten Hooligan-Milieu und ein
anderer war Anhänger des militanten "Stahlhelm-Kampfbund für Europa". Es
soll immer wieder zu brutalen Ausfällen der "WR-Security" gekommen sein,
zum Beispiel als Flugblattverteiler anlässlich einer Veranstaltung zur
deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft am 15. Oktober 2000 gegen die
Todesstrafe in den USA protestieren wollten. Der Besitzer von "WR", Werner
Rohde, wusste seit langem von Flickingers politischem Engagement bei der
Jugendorganisation der NPD, hatte jedoch nichts dagegen einzuwenden.(...)
(Quelle: DRR, Informationen für und von AntifaschistInnen,
http://www.nadir.org/nadir/periodika/drr/archiv/NR81/81-3.html)
2.)
Eigenheim-Detektive - Wie das Handwerk gegen Schwarzarbeit vorgeht
Schwarzarbeit boomt – vor allem im privaten Hausbau. Beim Neubau allemal
und auch bei der Modernisierung hilft gerne der "nette Nachbar". Was als
Freundschaftsdienst getarnt wird ist Schwarzarbeit pur! Beim Fließenlegen
im neuen Bad oder am Samstag beim Decken des Daches. Arbeit ohne Rechnung –
dem Staat entgehen Milliarden an Steuern und die ehrlichen Handwerker
schauen dumm aus der Wäsche. Jetzt reicht´s, sagen viele! Und die Innung
schickt jetzt Privatdetektive raus auf Kontrolle. Die Jagd nach
Schwarzarbeitern und ihren privaten Auftraggebern: M€X ist mit den
Detektiven unterwegs.
"Baustellenkontrolle, Kreishandwerkerschaft in Friedberg. Sind sie der
Bauherr?", fragt der Detektiv. M€X ist in Büdingen, in der Wetterau
nördlich von Frankfurt. Freitagnachmittag. Wir sind unterwegs mit dem
Detektiv der Kreishandwerkerschaft. Unangemeldet kontrolliert er
Baustellen. Der Detektiv sucht Schwarzarbeiter. Er will anonym bleiben,
denn Freunde macht er sich mit den überfallartigen Kontrollen nicht. Die
meisten hier in der Gegend können sich die entstehenden Eigenheime zu
vollen Handwerkerpreisen nicht leisten. Also, legen sie selbst Hand an oder
lassen es schwarz machen. "Alle 14 Tage kommen die zu Kontrollen her. Das
geht mir langsam auf´n Sack", schimpft der Vater des Bauherren. Um kein
Risiko einzugehen, lässt sich der Detektiv von einem Kollegen den Rücken
frei halten. Der Detektiv befragt jeden Arbeiter auf der Baustelle. Wer
sich versteckt, scheint verdächtig.
Nachbarschaftshilfe geht nicht immer durch
"Das sind meine Arbeitskollegen. Der Edgar hat mir damals bei meinem Haus
geholfen", beschwichtigt einer der Handwerker. Ein Freund? Ein Kollege?
Auch er könnte ein Schwarzarbeiter sein, wenn seine Dienste nicht als
Nachbarschaftshilfe durchgehen. Der Detektiv ist misstrauisch. Einer der
Helfer ist Mitarbeiter der Firma, wo der Großvater der Bauherrin arbeitet.
Auch dieser Mann ist als Nachbarschafthelfer angegeben. Der Mann wohnt aber
in einem ganz anderen Ort. "Das überprüfen wir, ob Nachbarschaftshilfe hier
überhaupt angewandt wird", sagt der Detektiv. "Wir helfen uns hier
gegenseitig und ich weiß nicht, wer uns da was will", beklagt sich
Bauherrin Nadine Pfeiffer. Sie ist sich keiner Schuld bewusst. Doch ein
Freund oder Kollege, der weiter weg wohnt, ist eigentlich kein
Nachbarschaftshelfer.
Keine klaren Regeln für die Helfer
Vor Ort können die Detektive nicht mehr tun. Ihr größtes Problem: für
nichtverwandte Helfer gibt es keine klaren Regeln. Auch das seit einem
Monat gültige Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit lässt offen, was
Nachbarschaftshilfe ist. Deshalb melden die Detektive die Daten der Helfer
auf jeden weiter. "Der Arbeitgeber wird informiert, das Arbeitsamt und die
überprüfen das weiter. So wird geklärt, ob es Nachbarschaftshilfe ist oder
nicht", sagt der Detektiv. Fließt Geld, ist es in jedem Fall Schwarzarbeit.
Doch ohne Rechnung bleibt das meist im Dunkeln. Die Detektive kämpfen einen
fast aussichtslosen Kampf.
Detektive: Notwehr der Handwerker?
Ihr Auftraggeber, die Kreishandwerkerschaft Wetterau, will aber nicht
tatenlos zusehen, wie Aufträge an die illegale Konkurrenz verloren gehen.
Kreishandwerksmeister Eberhard Mörschel setzt mit den Detektiven auf
Eigeninitiative. "Wir haben damit versucht, der Schwarzarbeit Einhalt zu
gebieten, weil die öffentlichen Stellen, die Schwarzarbeit verfolgen
sollen, gar nicht in der Lage dazu sind. Die Schwarzarbeiten werden an
Freitagen und Samstagen gemacht. Da kriegen sie kein Amt auf die
Baustelle", sagt Eberhard Mörschel, Kreishandwerksmeister Wetterau. Darum
heuerte Mörschel vor zweieinhalb Jahren die Detektive an. Ihre Arbeit sei
erfolgreich. Doch das Problem sind die Preisunterschiede: für 40 Euro die
Stunde bekommt man einen legalen Fließenleger. Schwarz geht das schon für
20 Euro in der Stunde.
Schwarzarbeit und Handwerk – ein ungleicher Kampf
"Wir kämpfen mit ungleichen Waffen. Wir können preislich, wenn wir den
Sozialstaat tragen sollen, nicht mit Schwarzarbeitern konkurrieren. Es kann
nicht angehen, dass wir die sozialen Lasten tragen. Und dass ein
Schwarzarbeiter diese empfängt, von seinen eigenen Einkünften aber nichts
an die Sozialkassen abführt. Und das wollen wir unterbinden", sagt Eberhard
Mörschel, Kreishandwerksmeister Wetterau. Arbeitslos melden, Stütze
kassieren, schwarz dazuverdienen. Diese Masche sollen die Detektive
aufdecken. Doch oft steht den Detektiven die schwammige Regelung der
Nachbarschaftshilfe im Weg. "Wir haben zum Beispiel einen Bauherr gehabt,
dem Bekannte kostenlos helfen. Einer davon war arbeitslos. Ob die
Nebentätigkeit angemeldet ist, werden wir durch die Kreishandwerkerschaft
überprüfen lassen", erzählt der Detektiv. Die Kreishandwerkerschaft gibt
ihre Ermittlungen ans Landratsamt weiter. Und das brummt dem
Schwarzarbeiter vielleicht ein Bußgeld auf. Härtere Strafen gibt es
selten.
"Das ist keine Schwarzarbeit. Er hat mir auch geholfen!"
M€X ist mit den Detektiven auf dem Weg zur nächsten Baustelle. Dort
erwarten sie Widerstand. Deshalb beobachten sie die Arbeiter zunächst aus
sicherer Deckung. Vorsichtshalber forden sie Polizisten zur Unterstützung
an. Erst mit ihrer Hilfe schlagen sie zu. "Kreishandwerkerschaft Friedberg.
Personalausweis zumindest mal", die Kontrolle beginnt. Statt auf
gewalttätigen Widerstand stoßen sie auf vedutzte Russland-Deutsche. "Was
verdienen sie hier auf der Baustelle?", ist die Frage. Die Antwort: "Nix,
das ist meine Verwandschaft, mein Onkel." Das werden die Detektive
überprüfen lassen. Stimmen die Verwandschafts-Verhältnisse ist alles ok,
sonst fällt es unter Schwarzarbeit. "Das ist keine Schwarzarbeit. Er hat
mir auch geholfen als ich gebaut hab!" Diesen Satz hören die Detektive
mehrmals am Tag.
Den Handwerkern entgehen Millioneneinnahmen
Nachbarschaftschaftshilfe über Kilometer hinweg, Verwandschaft um drei
Ecken - wieder bringt die Razzia kein greifbares Ergebnis. Der Nachweis der
Schwarzarbeit ist schwierig. Es fällt so schwer, weil die Gesetze noch
immer wachsweich sind. Unter öffentlichem Druck gab die Bundesregierung
einen Freibrief für Nachbarschaftshilfe – ohne den Begriff abzugrenzen.
Dabei geht es um viel Geld. Allein die Handwerker der Wetterau velieren
jährlich Aufträge über mindestens eine Million Euro an Schwarzarbeiter,
schätzt die Kreishandwerkerschaft und fürchtet: der Verlust verdoppelt
sich, wenn die Detektive nicht ständig wachsam sind. Deshalb werden sie
weiter auf eigene Faust kontrollieren.
(M€X-Das Marktmagazin, hessen fernsehen, 09.09.04 21:15 Uhr,
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik&56&key=standard_document_2212612)
Anmerkung von SAFERCITY.DE:Eine Personalienfeststellung/
Identitätsfeststellung stellt gem. dem Art. 33 (4) Grundgesetz eine
hoheitliche Maßnahme dar und kann somit nicht auf Private übertragen werden
(Gewaltmonopol der Bundesrepublik)!
3.)
Wiesbaden setzt auf Alimente-Detektive
Der Inkasso-Unternehmer Dieter Scholles will säumige Väter davon
überzeugen, Unterhalt für ihre Familien zu bezahlen
Sie streiten die Vaterschaft ab, rechnen sich arm oder tauchen unter:
Tausende von Vätern bleiben jedes Jahr hessenweit den Unterhalt für ihre
Kinder schuldig. Säumige Frauen sind hingegen die große Ausnahme.
VON ROLF SCHRAA, DPA
Wiesbaden · 6. September · In 32 000 Fällen mussten hessische Kommunen
Müttern in Not 2002 mit monatlichen Unterhaltsvorschüssen helfen. Letztes
Jahr wuchsen die Ausgaben dafür auf fast 50 Millionen Euro, die sich
Kommunen, Land und Bund teilen. Nur neun Millionen holte sich die
öffentliche Hand bisher von den Vätern zurück.
Diese Rückholquote wollen die finanziell klammen Städte und Kreise
unbedingt steigern. Wiesbaden nimmt dazu seit Mitte Februar an einem
Modellprojekt von sechs Kommunen mit dem Land teil. In der Landeshauptstadt
ist sogar ein Inkasso-Unternehmen im Einsatz, um säumige Väter an ihre
Zahlungspflichten zu erinnern. Inkasso-Unternehmer Dieter Scholles setzt
dabei nicht nur auf das übliche Repertoire aus Mahnungsbriefen,
Zahlungserinnerungen und Drohungen mit dem Gerichtsvollzieher. Er versucht
auch, seine "Kunden" ans Telefon zu bekommen. "Das ist Ihr Kind - lieben
Sie es nicht?", fragt er die Schuldner. "Dann drucksen sie, dann werden sie
verlegen." Etliche lassen sich dann wenigstens zu einer Ratenzahlung
bewegen. Viele von Scholles Ansprechpartnern haben jedoch bereits eine
eidesstattliche Versicherung ihrer Mittellosigkeit abgegeben. Dann ist mit
Druck meist nichts mehr zu machen.
Gelegentlich hilft aber ein Anruf bei der Mutter des Zahlungsunwilligen
weiter: "Ich hab' einen, der für alle drei Kinder nichts überwiesen hat.
Seine Mutter hat ihm in den Hintern getreten, jetzt kommen wenigstens 100
Euro im Monat." Scholles berichtet vom Fall eines Langzeitarbeitslosen, der
jahrelang den Unterhalt für seine Familie mit mehreren Kindern verweigert
hatte und insgesamt nicht weniger als 18 900 Euro Unterhaltsvorschuss
nachzahlen musste. "Rauchen Sie?", habe er den Mann gefragt, der bei einer
neuen Partnerin und von ihrem Geld lebt. "Dann denken Sie an Ihre Kinder,
sparen Sie jede zweite Zigarette und geben Sie etwas." Die Lebensgefährtin
überweist seitdem monatlich 25 Euro.
Mit solchen kleinen Erfolgen hat der Inkasso-Mann in gut einem halben Jahr
schon bei knapp der Hälfte der ihm anvertrauten Fälle einen Durchbruch
erzielt. Das Wiesbadener Sozialamt sieht das mit Freude, aber ohne
Euphorie. "Scholles hat natürlich keine reinen Ausfallfälle bekommen", sagt
Abteilungsleiterin Christa Enders. Wo dauerhaft unterhalb der
Pfändungsgrenze verdient werde, bei Krankheit oder Haft nütze auch eine
Inkasso-Firma wenig. "Diese Ausfallquote liegt bei 40 bis 50 Prozent."
Enders ist auch dafür, nach einem Jahr eine "ernsthafte Bilanz" der Kosten
zu ziehen, die das Eintreiben der Unterhaltsschuld verursacht. Notwendig
sind nach ihrer Meinung auch Organisationsverbesserungen in den Ämtern.
Bisher muss eine Alleinerziehende für ihr Geld fünf verschiedene Stellen
aufsuchen. (Frankfurter Rundschau, 07.09.04)
(...) Ein Inkassounternehmen jagt die Väter
Inkassounternehmer Dieter Scholles macht Jagd auf die Drückeberger. Im
Auftrag der Stadt Wiesbaden macht er den Zahlungsunwilligen Druck. Der
61-Jährige war 30 Jahre als Gerichtsvollzieher Schuldnern auf der Spur.
Scholles kennt die Tricks, weiß wie man sich arm rechnet – man arbeitet
schwarz, hat kein eigenes Konto mehr. Vom Arbeitslosen bis zum Professor
Alimente-Preller gibt es in allen Schichten. Doch Dieter Scholles bleibt an
Ihnen auf den Fersen und droht, wer lange wartet für den wird es richtig
teuer: "Ich als Inkassounternehmer gebe denen einen guten Rat: Zahlen Sie,
sonst wird es richtig teuer. Denn wenn sich die staatliche Maschinerie erst
einmal in Gang setzt, haben sie schlechte Karten", sagt Dieter Scholles.
(...) (M€X-Das Marktmagazin, hessen fernsehen, 02.09.04 21:15 Uhr,
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik&48&key=standard_document_2174888)
4.)
Neuer Dienstwagen: «Fader Beigeschmack»
Alsdorf. Die Stadt hat wenig Geld, das ist bekannt. Und wer wenig Geld hat,
der muss sich Unterstützung holen - in diesem Fall aus der
Privatwirtschaft.
Auch das ist nicht besonders neu. Doch auch eine Stadt sollte bei der Wahl
ihrer Freunde und Förderer Vorsicht walten lassen, warnt jetzt
IG-BAU-Bezirksgeschäftsführer Jürgen Czech. Die Gewerkschaft kritisiert die
Spende der Firma Quadflieg und der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zu
Gunsten eines neuen Dienstwagens für das Ordnungsamt der Stadt Alsdorf und
fragt: «Bleiben Stadt und Ordnungsamt unabhängig?»
Wer jetzt denkt, die IG BAU habe prinzipiell etwas gegen Sponsoring, der
irrt. Hintergrund der Kritik ist vielmehr ein bereits Monate dauernder
Streit zwischen der Gewerkschaft und dem Bauunternehmer Quadflieg um dessen
Lohn- und Arbeitszeitpolitik.
Deshalb hatte die IG BAU bereits Anfang Juni auf dem Anna-Gelände, wo
Quadflieg insgesamt rund 400 Häuser baut, protestiert und am ehemaligen
Förderturm ein entsprechendes Plakat angebracht. Die Stadt Alsdorf wiederum
hat das ungenehmigte Betreten des Förderturms gar nicht gerne gesehen und
den Gewerkschaftern für den Wiederholungsfall rechtliche Schritte
angedroht.
Wenn jetzt das von der Gewerkschaft angegriffene Bauunternehmen die Stadt
beim Kauf eines Dienstwagens für das Ordnungsamt unterstützt, dann hat das
für Jürgen Czech «einen faden Beigeschmack.» Der IG
BAU-Bezirksgeschäftsführer macht sich Sorgen um einen
Glaubwürdigkeitsverlust der Kommune.
Die Stadt Alsdorf wehrt sich jedoch gegen die Vorwürfe und sagt, dass
sowohl die Firma Quadflieg und die LEG als auch die Stadt als Eigentümer
großer Flächen auf dem Anna-Gelände in erheblichem Maße von Vandalismus
betroffen gewesen seien.
Deshalb habe man die Anrainer des Geländes um Unterstützung gebeten, um den
kommunalen Sicherheitsdienst besser ausstatten und gegen Zerstörungswut und
Verunreinigung vorgehen zu können. Entsprechend begrüßt die Stadt die
Unterstützung, denn schließlich «profitieren davon alle Bürgerinnen und
Bürger», wie der Erste Beigeordnete Klaus Spille sagt. (Aachener Zeitung,
09.09.04)
5.)
Der überwachungsindustrielle Komplex
von Twister (Bettina Winsemann arbeitet u.a. für die Initiative
http://www.stop1984.com), 11.08.2004
Ein Bericht der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation ACLU beschreibt,
wie die Regierung Firmen und Einzelpersonen rekrutiert, um eine
Überwachungsgesellschaft zu etablieren.
Der Staat, nicht nur der amerikanische, legt zunehmend die Sicherheit in
private Hände. Das führt nicht nur im Falle der im Irak tätigen Söldner zu
Problemen. In Deutschland beschäftigt sich die Initiative Safer City seit
längerem mit dem Thema "Die private (Un)Sicherheit" und führt unrühmliche
Beispiele dafür auf, wie private Sicherheitsdienste sich durch Brutalität
und Inkompetenz hervortun. Die zunehmende Zusammenarbeit von Big Brother
mit den privaten Sicherheitsdiensten und der Privatwirtschaft hat nun die
Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union zum Thema gemacht.
Die Organisation warnt in Analogie zum "militärisch-industriellen Komplex"
vor der Entstehung eines "überwachungsindustriellen Komplexes".
Der jüngst veröffentlichte Bericht widmet sich allerdings nicht nur den
privaten Sicherheitsdiensten, sondern gliedert sich in vier Rubriken, um
die Zusammenarbeit zwischen Staat und Gesellschaft zu erfassen:
Rekrutierung von Einzelpersonen, Rekrutierung von Firmen, Nutzung von
riesigen Mengen privater und öffentlicher Daten und Lobbyismus, der sich
für den Ausbau der Überwachung einsetzt. Der "amerikanische
Sicherheitssektor", so ACLU-Direktor Anthony D. Romero, "dringt immer
tiefer in unser Privatleben ein, indem er die Privatwortschaft dazu bringt,
ihn über die Aktivitäten der Einzelnen zu informieren".
Der Bericht macht deutlich, wie eng die Verflechtungen zwischen Wirtschaft
und Regierung in einem von Angst geprägten Land sind und inwieweit man sich
spätestens seit dem 11.09.2001 von Datenschutz und Wahrung der Privatsphäre
entfernt hat. So werden zwar manchmal umstrittene Programme mediengerecht
beendet, ohne jedoch darüber zu informieren, dass deren Aufgabe längst von
anderen Programmen übernommen wurde.
Als prominentestes Beispiel für ein solches Programm sei hier das von
Senator John Ashcroft bis zum (bitteren) Ende gelobte TIPS erwähnt. TIPS
stand für Terrorist Information and Prevention System und basierte im
wesentlichen darauf, dass jeder, insbesondere aber Menschen, die wegen
ihrer Tätigkeiten besonders geeignet für eine Überwachung sind wie z.B.
Briefträger, Angestellte von Versorgungsbetrieben etc zu den "Augen und
Ohren der USA werden" (Ashcrofts Spitzelsystem). Tips wurde nach massiven
Protesten eingestellt, seine Fortführung findet sich jedoch nicht nur in
Highway Watch) und den übrigen "Watch-Programmen" wie River Watch oder Real
Estate Watch, sondern auch in den "Cat Eyes".
Der amerikanischen Affinität zu wohlklingenden Abkürzungen folgend heißt
"Cat Eyes" denn auch Community Anti Terrorism Training Institute und ist
hierarchisch aufgebaut: Den Block Watchern folgen die Block Captains und
die Neighborhood Coordinators. Nicht nur dem deutschen Kritiker fiel hier
der Begriff Blockwart ein. Das amerikanische "National Memorial Institute
for the Prevention of Terrorism" bietet als Wegweiser für den hilfreichen
Anti-Terrorismus-Kämpfer gleich 40 verschiedene Programme zur Auswahl.
Von vielen wird die "Neighborhood Watch" beispielsweise nicht per se als
etwas Schlimmes angesehen. Sie gilt vielmehr als eine
Selbstverständlichkeit oder gar als ein Zeichen dafür, dass sich Menschen
umeinander kümmern. Doch bedingt durch die immer vager werdenden
Richtlinien zur "Awareness" ( Vorsicht vor Personen mit großen, schweren
Jacken an warmen Tagen) und den fortwährenden Terrorwarnungen wird so ein
Klima geschaffen, das von Misstrauen und Angst beherrscht wird.
Aber nicht nur das - auch die Bereitschaft von Firmen, Daten freiwillig
herauszugeben, trägt maßgeblich zum Aufbau der Überwachungsnetzwerke bei.
Ob Fluggesellschaften oder Büchereien (um nur zwei Beispiele zu nennen) -
allzu schnell werden sensible Daten freundlich lächelnd überreicht, ohne
nach gesetzlicher Legitimation oder einem richterlichen Beschluss zu
fragen. Der Datenschutz des Kunden bleibt dabei ebenso auf der Strecke wie
das Vertrauen in die Firmen und deren Einsatz für den Kunden. Nicht einmal
eine Benachrichtigung der Betroffenen wird erwogen, im Gegenteil, oftmals
geschehen diese Datendeals weitgehend unbemerkt und werden dann eher
zufällig aufgedeckt. Die Daten sind dann schon lange in die diversen Data
Mining Programme eingeflossen ( Undurchsichtige Spiele mit
Data-Mining-Programmen der US-Regierung).
Diesen Programmen wie dem mittlerweile von Kongress gestoppten Terrorist
Information Awareness oder der Matrix, den historischen "Vorbildern", den
mittlerweile verabschiedeten oder geplanten gesetzlichen Rahmenbestimmungen
wie dem PATRIOT Act und nicht zuletzt den Nutznießern des stetig wachsenden
Datenhungers widmet sich der Bericht.
Ein Kommentar in einer Mailingliste zum ACLU-Report zeigt, wie wahr dieses
Statement heutzutage immer noch ist: "Mein Apotheker sagt, er würde
jederzeit, ohne Gerichtsbeschluss oder irgendetwas, sämtliche Daten
herausgeben. Er sagt, wenn er es nicht tut, würde er befürchten, dass die
Polizei beim nächsten Einbruch bei ihm nicht mehr zur Stelle ist."
- Links
-
[1] http://www.safercity.de/index2.html
[2] http://www.aclu.org
[3] http://www.aclu.org/SafeandFree/SafeandFree.cfm?ID226&c(2
[4] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12915/1.html
[5] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/17783/1.html
[6] http://www.mipt.org/What-You-Can-Do.asp?RecordType=Links
[7] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/17477/1.html
[8] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/18007/1.html
[9] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/15698/1.html
[10] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/15716/1.html
[11] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/15388/1.html
Telepolis Artikel-URL:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/18085/1.html
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