|
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
http://www.golem.de/0802/57436.html
Afghanischer Journalist für Download zum Tode verurteilt
Strafe für "Blasphemie"
Der afghanische Journalist Sajed Perwes Kambachsch ist von einem
islamischen Gericht in Nordafghanistan zum Tode verurteilt worden,
weil er einen Artikel aus dem Internet heruntergeladen und
verbreitet hat, der sich mit den Rechten von Frauen im Islam
auseinander setzt. Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen
fordern die Aufhebung des Urteils.
Am 22. Januar hat ein islamisches Gericht in Masar-i-Scharif, wo
das Hauptquartier der deutschen Truppen in Nordafghanistan liegt,
Sajed Perwes Kambachsch (23) wegen Blasphemie zum Tode verurteilt.
Kambachsch hatte 2007 aus dem Internet einen Artikel zu
Frauenrechten im Islam heruntergeladen und Kopien davon unter
Kommilitonen verteilt. Am 27. Oktober 2007 war er deswegen von
afghanischen Sicherheitskräften verhaftet und nach acht Tagen dem
Gericht übergeben worden. Nach Aussage seines Bruders, des
bekannten Journalisten Sajed Jakub Ibrahimi, wurde Kambachsch
während der Haft misshandelt. Vor Gericht wurde Kambachsch ein
Rechtsbeistand verwehrt. In Übereinstimmung mit dem islamischen
Recht, der Sharia, wurde Kambachsch zum Tode verurteilt.
Das Urteil findet laut Welt[1] Zustimmung bei den religiösen,
juristischen und parlamentarischen Instanzen des Landes. Das
Oberhaus des afghanischen Abgeordnetenhauses soll in einer
Abstimmung das Urteil bestätigen. Der Senatssprecher forderte die
unverzügliche Vollstreckung des Urteils. Der afghanische
juristischen und parlamentarischen Instanzen des Landes. Das
Oberhaus des afghanischen Abgeordnetenhauses soll in einer
Abstimmung das Urteil bestätigen. Der Senatssprecher forderte die
unverzügliche Vollstreckung des Urteils. Der afghanische
Journalistenverband hat gegen das Urteil protestiert.
Grundsätzlich steht Kambachsch zur Berufung der Weg vor das
höchste Gericht offen. Sollte das höchste Gericht das Urteil
bestätigen, was als wahrscheinlich gelten darf, da Afghanistan das
islamische Recht zur Grundlage der Verfassung hat, bliebe
Kambachsch nur noch die Hoffnung auf eine Begnadigung durch
Präsident Karsai.
International hat der Fall für Aufsehen gesorgt. Die Vereinten
Nationen (UN) verlangen ebenso nach einer Untersuchung des Falles
wie der Europarat. Human Rights Watch[2] und Reporter ohne
Grenzen[3] fordern die Aufhebung des Urteils, hinter dem sie eine
Kampagne gegen den Bruder von Kambachsch sehen. Sajed Jakub
Ibrahimi, Journalist des internationalen Instituts für Kriegs- und
Friedensberichterstattung (IWPR), hatte 2007 eine Folge von
Artikeln über Brutalitäten von afghanischen Milizen gegen Frauen
und Kinder veröffentlicht, in die weltliche und geistliche
Machthaber verwickelt sein sollen. Kritiker der
Afghanistan-Politik der USA und ihrer Verbündeten sehen in dem
Urteil ein klares Zeichen für das Versagen beim Aufbau ziviler
Institutionen in dem Land. "[von Robert A. Gehring]" (ji)
- Links
- 1. http://www.welt.de/welt_print/article1624431/Er_soll_sterben_weil_er_den_Koran_kritisiert_hat.html
2. http://hrw.org/english/docs/2008/02/01/afghan17967_txt.htm
3. http://www.rsf.org/article.php3?id_article=25207
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
|