|
Connection e.V., Eritreische Antimilitaristische Initiative, Hessischer
Flüchtlingsrat
Eritreische Deserteure akut von Abschiebung bedroht
Mahnwache auf dem Opernplatz in Frankfurt/M.
Pressemitteilung vom 9. Mai 2008
Die eritreischen Deserteure Petros Aforki Mulugeta und Yonas Haile Mehari
sind akut von Abschiebung aus der Flüchtlingsunterkunft im Frankfurter
Flughafen bedroht. Damit sehen sie sich einer sofortigen Inhaftierung in
ihrem Heimatland ausgesetzt, wo sie als "Vaterlandsverrräter" gelten.
Ihnen drohen Folter und Haft auf unbestimmte Zeit.
Aus diesem Anlass führen die Eritreische Antimilitaristische Initiative,
Connection e.V. und der Hessische Flüchtlingsrat eine Mahnwache durch:
Samstag, den 10. Mai ab 15.00 Uhr
Opernplatz in Frankfurt/M.
Die Organisationen rufen damit dazu auf, Petros Aforki Mulugeta und Yonas
Haile Mehari asylrechtlichen Schutz zu gewähren.
In Eritrea sind Männer und Frauen wehrpflichtig. Die Dauer des
Militärdienstes beträgt offziell 18 Monate. Entgegen dieser Regelung
werden SoldatInnen jedoch nicht aus dem Militärdienst entlassen, sondern
als ErntehelferInnen oder auch in Betrieben eingesetzt. So musste Yonas
Haile Mehari von 2000 bis 2007 im Militär Dienst leisten, bevor er
fliehen konnte.
Seit dem Jahre 2003 wurde von der eritreischen Regierung auch das letzte
Schuljahr der Oberstufe in das Militärlager Sawa verlegt. Petros Aforki
Mulugeta war damit dazu gezwungen, dort sein Abitur abzuschließen.
In Eritrea gibt es kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Einige Zeugen
Jehovas sind inzwischen seit über 14 Jahren in Haft, ohne dass es jemals
ein Strafverfahren oder eine Verurteilung gegeben hätte. Die Armee
umfasst derzeit über 300.000 Angehörige - bei etwa vier Millionen
EinwohnerInnen. Die Wirtschaft ist in engster Weise mit dem Militär
verknüpft.
Übliche Strafen für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure sind
willkürliche Festnahmen, Folter, Einsatz an vorderster Front und
Zwangsarbeit - alles ohne Gerichtsverhandlung. So werden z.B. als
militärische Bestrafung die Opfer sehr häufig gefesselt für mehrere Tage
oder manchmal sogar für Wochen in die Sonne gelegt.
Abraham G. Mehreteab von der Eritreischen Antimilitaristischen Initiative
betonte heute, dass es in den letzten Jahren eine große Zahl von
Menschenrechtsverletzungen in Eritrea gab. "Die Verfassung ist bis jetzt
nicht in Kraft getreten, politische Parteien sind verboten, es gibt keine
unabhängige Medien und unabhängige Menschenrechtsorganisationen sind
nicht zugelassen. Es ist eine erschreckende Bilanz des Regimes unter
Isayas Afewerki."
Rudi Friedrich von Connection e.V. wies zugleich darauf hin, dass die
derzeitige Praxis der Zwangsrekrutierungen in Eritrea alle zur Flucht
zwingt, die nicht mehr bereit sind, für das Militär zu kämpfen. "Einige
Tausend haben es in westeuropäische Länder geschafft, einige Hundert
kommen jedes Jahr nach Deutschland. Wir sehen, dass ihr Schritt enorm
viel Mut braucht. Sie, die sich dem Krieg entzogen haben, brauchen Schutz
und Asyl."
In einer urgent action in einem vergleichbaren Fall wies amnesty
international im November 2007 darauf hin, dass eine 21-jährige
Wehrpflichtige nach ihrer Abschiebung aus Großbritannien verhaftet wurde
und ihre derzeitiger Aufenthalt nicht bekannt sei. "Abgelehnte
Asylbewerberinnen und -bewerber, die 2002 aus Malta und 2003 aus Libyen
abgeschoben wurden, befinden sich immer noch in geheimer Haft. Der UNHochkommissar
für Flüchtlinge (UNHCR) hat empfohlen, auch die Eritreer,
deren Asylanträge abgelehnt wurden, nicht abzuschieben. Diese Empfehlung
wird von allen anderen Staaten offenbar weitgehend umgesetzt."
gez. Rudi Friedrich, Connection e.V.
Abraham Mehreteab, Eritreische Antimilitaristische Initiative
Timmo Scherenberg, Hessischer Flüchtlingsrat
Yonas Haile Mehari
Der 26-jährige war im Jahre 2000 zur Grundausbildung einberufen worden
und verblieb im Anschluss über Jahre beim Militär. Zuletzt war er als
Wachsoldat in einem Militärgefängnis eingesetzt und selber für einen
Monat in Haft, weil er zu freundlich zu den Gefangenen gewesen sei. Er
floh im September 2007 aus der Armee. Im November 2007 stellte er am
Flughafen Frankfurt/M. einen Asylantrag. Er befindet sich in der
Flüchtlingsunterkunft am Frankfurter Flughafen, wo ihm seit nun fünf
Monaten die Einreise nach Deutschland verwehrt wird. Am 14. Januar 2008
scheiterte der Versuch der Abschiebung, da sich der zuständige Pilot der
Mitnahme verweigerte.
Petros Aforki Mulugeta
Der 20-jährige war im Jahre 2005 mit 17 Jahren zum Militärlager nach Sawa
gekommen, um dort sein Abitur abzuschließen. Im Anschluss an die
Grundausbildung wurde er weiter zum Militärdienst verpflichtet. Als er
sich beschwerte, dass es für ihn und die anderen keine Möglichkeiten des
Studiums gäbe, wurde er für ein halbes Jahr inhaftiert. Im Anschluss
konnte er fliehen und im November 2007 am Flughafen Frankfurt/M. einen
Asylantrag stellen. Er befindet sich in der Flüchtlingsunterkunft am
Frankfurter Flughafen, wo ihm seit nun fünf Monaten die Einreise nach
Deutschland verwehrt wird. Am 19. Januar und 2. Februar 2008 scheiterten
zwei Versuche der Abschiebung, da sich die zuständigen Piloten der
Mitnahme verweigerten.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter den Rufnummern 069-82375534
(Connection e.V.), 01520-4538290 (Eritreische Antimilitaristische Initiative)
und 069-97698710 (Hessischer Flüchtlingsrat) zur Verfügung. Weitere
Informationen sind erhältlich über http://www.Connection-eV.de/eritrea
Fördern Sie die internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
Spenden Sie online oder auf Konto 70 85 700 bei der Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 20 500. Spenden sind steuerlich absetzbar.
E-Mail-News von Connection e.V. abonnieren oder abbestellen:
http://www.Connection-eV.de/EmailNews.html
Connection e.V.
Gerberstr. 5, 63065 Offenbach
Tel.: 069-82375534, Fax: 069-82375535
E-Mail: office ät Connection-eV.de
|