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2. Anfrage bezueglich Katzhuette

2. Anfrage bezüglich Katzhütte

Press: 31.03.2008
Bitte um Stellungnahme zur Verantwortung in Katzhütte - The VOICE Forum http://thevoiceforum.org/node/736
-Presse: Flüchtlinge demonstrieren gegen Missstände in Asylbewerberheim 31.03.2008
http://thevoiceforum.org/node/788
-In Saalfeld haben rund 70 Flüchtlinge gegen die Zustände in ihrer Unterkunft in Katzhütte demonstriert. Reporterin Steffi Hammer hat die Proteste ... mdr 1. April 2008 | 11:05
http://www.mdr.de/thueringen/5388247.html)
Presse / Katzhütte: Starke Kundgebung und Unterschriftensammlung in Saalfeld http://thevoiceforum.org/node/738


2. Anfrage bezüglich Katzhütte

Sehr geehrte Frau Landrätin!

Auch wenn auf unsere Anfrage zum 31. März diesen Jahres bisher noch keine Zeit für eine Antwort gefunden haben, möchten wir den heutigen Ablauf Ihres selbst gestellten Ultimatums dennoch zum Anlass nehmen, Sie erneut mir der Bitte um Stellungnahme zu belästigen.
Eine diesbezügliche, telefonische Anfrage beim Fachdienst Medien und Kultur (Pressestelle) Ihres Amtes konnte durch Herrn Modes in Vertretung des ausser Haus befindlichen Herrn Lahann zum heutigen Termin nicht beantwortet werden!

Kernpunkt der in Person von Herrn Dr. Fischer (zuständiger Fachdienst Jugend und Soziales) am 31. März getätigten Einlassung ist die geplante Beseitigung aller baulichen Mängel in der strittigen
Gemeinschaftunterkunft für Asylbewerber in Katzhütte bis zum Ende des Monats April.

"Vor allem der Befall mit Schwarzschimmel in den barackenartigen Unterkünften hatte dazu geführt, dass kurzfristige Hilfe zugesagt wurde. "Wir nehmen die Probleme der Asylbewerber ernst und werden sie bis Ende April gelöst haben", sagte Dr. Jörg Fischer, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt." OTZ Press - Flüchtlinge tragen Protest nach Saalfeld 31.03.2008
http://thevoiceforum.org/node/788

Der aktuelle Stand Ihrer öffentlich zugänglichen Darstellung im "Sanierungsfall" Katzhütte besteht in der Angabe, dass die Aussenarbeiten fertiggestellt seien.

Hierzu ergehen an Sie die folgenden Fragestellungen:

  1. Ausgehend von der Tatsache, dass wir bei unserem Solidaritätsbesuch im Lager Katzhütte am 26. März 2008 ausser einem "neu `gedeckten'" Dach keine weiteren substanziellen Reparaturen etwa der bekannten Risse und Löcher oder gar Wärmedämmung vorgefunden haben, stellt sich die Frage, ob und wann diese Form der `Aussenarbeiten' gegebenfalls stattfinden sollen bzw. werden?
  2. Bezüglich der gesundheitsbezogen vordringlichen Schwarzschimmel-"Beseitigung" ist bis dato keinerlei Fortschritt erkennbar! Hierzu bestünde Aufklärungsbedarf bezüglich der geeigneten Art und Weise dieser "Beseitigung"? Handelt es sich dabei dann ausschliesslich um `Innenarbeiten' - und wenn ja mit welcher Form der Nachhaltigkeit (z.B. Farbanstrich o.ä.)?
  3. Da die durch Ihr Amt aktuell erzielten Verbesserungen der Lebenssituation der Asylbewerber in Katzhütte bisher nicht mit den von Ihnen abgegeben Versprechungen übereinstimmen, stellt sich naturgemäss die Frage nach einer erneuten Deadline zur Einlösung derselben! Bis wann also rechnen Sie mit der Herstellung einer befriedigenden Lösung für die unzumutbaren Lebensbedingungen der betroffenen Flüchtlinge?

Falsche Versprechungen, weitere Vertröstungen und Verschleppung der Gesamtsituation auf dem Rücken der Menschen, die sich in Ihrem Verantwortungsbereich befinden, sind so nicht länger hinnehmbar! Natürlich liegt die örtliche Verantwortung für das Objekt bei der LEG Thüringen als mutmasslichem Eigentümer, sowie der leidlich bekannten Betreibergesellschaft K&S - Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung GmbH & Co. KG ("gut betreut leben!"), doch werden die wohl kaum die politische Verantwortung für nicht eingehaltene Versprechungen übernehmen wollen!

Wir fordern Sie auf, die von gestellten Fragen binnen einer Woche substanziell zu beantworten und möchten im Übrigen explizit bedauern, dass wir Ihnen leider keine längere Frist zur Verfügung stellen können!

Unabhängig von den zu erwartenden Antworten Ihrerseits möchten wir auch im Weiteren auf unseren Kernfoderungen bestehen:

  • Schliessung des Asylbwerberlagers Katzhütte
  • dezentrale Unterbringung aller Flüchtlinge in Ihrem Landkreis

Thomas M. Ndindah
The VOICE Refugee Forum Jena

Wir rufen zur Schließung der Isolationslager in Deutschland auf! http://thevoiceforum.org/node/757
-Saalfeld, Demo zur Schließung des Lagers
Katzhüttehttp://thevoiceforum.org
***

Katzhütte: Wände aus Karton: Klagen über Missstände im thüringischen Asylbewerberheim Katzhütte,

ND Press, 04.2008 http://thevoiceforum.org/node/787

Sozialistische Tageszeitung * Dienstag, 29. April 2008
http://www.neues-deutschland.de/artikel/127898.html
28.04.2008

Wände aus Karton

Klagen über Missstände im thüringischen Asylbewerberheim Katzhütte

Von Anke Engelmann

Schimmelbefall, undichte Dächer und Schikanen durch die Heimleitung - die Liste der Beschwerden von Asylbewerbern über das Flüchtlingsheim Katzhütte ist lang. Flüchtlingsinitiativen fordern jetzt die Verantwortlichen für die Missstände zur Verantwortung zu ziehen.

Die Forderungen des Flüchtlingsnetzwerks »The Voice Refugee Forum« aus Jena sind deutlich: Die Initiative fordert die Auflösung aller Heime für Asylbewerber und die Unterbringung von Flüchtlingen in unabhängigen und privaten Wohnungen. Anlass waren die unlängst bekannt gewordenen Zustände im Asylbewerberheim in Katzhütte unweit von Saalfeld. Die Initiative werde dessen Betreiber wegen Körperverletzung verklagen und eine
Dienstaufsichtsbeschwerde an das Jugendamt richten, kündigte Thomas Ndindah von »The Voice« Jena an. Auf einer Demonstration Ende letzter Woche in Saalfeld, verliehen die 150 Teilnehmer diesen Forderungen noch einmal Nachdruck.

Im Februar hatten sich 20 der seinerzeit 88 Bewohner an die Öffentlichkeit gewandt und die Zustände in dem Heim angeprangert. Von Schimmelbefall war die Rede, von undichten Dächern, von Schikanen durch die Heimleiterin, von Erkältungskrankheiten, weil der Weg zu Gemeinschaftsküche und den Duschen in dem ehemaligen DDR-Ferienlager etwa 300 Meter betrage - im Freien. Sommers wie Winters lebten die Bewohner in schlecht isolierten Bungalows aus Karton und Faserplatten, die eigentlich nur für die warme Jahreszeit gebaut waren. Die Flüchtlinge beklagten ihre Isolation in dem kleinen Ort, dass sie mit ihren Gutscheinen im örtlichen Supermarkt nicht preisgünstig einkaufen könnten, kaum Bargeld zur Verfügung hätten, um die Kinder in Saalfeld zum Arzt zu bringen und dass immer wieder Warmwasser abgestellt und Kühlschrank und Elektroheizer durch die Heimleiterin konfisziert würden.

Nach einem Ortstermin hatte Landrätin Marion Philipp Abhilfe zumindest der baulichen Mängel zugesagt. Ende April sollten die Schäden beseitigt sein. Inzwischen sei die Außensanierung der Bungalows abgeschlossen, teilte das Landratsamt mit. Die Eigentümerin, die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, hatte 3000 Euro für Wärmedämmung und Schimmelbeseitigung bereitgestellt. Für eine fachgerechte Ausführung der Arbeiten schien das Geld allerdings zu knapp: Mit der Schimmelbeseitigung wurde keine Fachfirma beauftragt, sondern die Arbeiten von Mitarbeitern des Landratsamtes durchgeführt, so Amtssprecher Peter Lahann auf Nachfrage. Ndindah fürchtet, dass der Schimmel einfach überpinselt wird. Derzeit würden zudem die Bewohner unter Druck gesetzt, einen Antrag auf Umsetzung zu unterzeichnen - wohl um Unruhestifter zu entfernen. Um Asylbewerber woanders unterzubringen, seien solche Formalitäten nicht nötig, erläutert Ndindah.

Eine Schließung des Heimes stehe nicht zur Debatte, sagte Lahann. Man hofft wohl eher, dass sich das Problem ganz von allein lösen könnte. Im Heim leben jetzt noch 84 Menschen, davon 11 Minderjährige. 70 Prozent von ihnen seien ausreisepflichtig, so das Amt. Auch dem Sprecher der Heimbewohner, dem Palästinenser Mohammed Sbaih, droht die Abschiebung.

Umso wichtiger sind Initiativen wie »The Voice«. Am Wochenende veranstaltete das Netzwerk deshalb in Jena ein Treffen, bei dem Flüchtlinge aus Thüringen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen, ihre Anwälte sowie Unterstützer zu Wort kamen.

01.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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