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Klima und Umweltschutz Aktivisten tun das Geschehen negativ analysieren,
aber nie faktisch sich damit auseienandersetzen! Die gruene Forschungen
schiessen weit weg von dem was tatsaechlich der Fall ist, und
kanibalisieren (wie Immer) den Sieg des Liberalismus. im Laufe der
Geschichte kamm es immer wieder zu klimatischen Veraenderungen, ohne dass
es industrie gab! gruene Herschaften hatte es aber damals natuerlich
gegeben!!!!!
<greenhouse@jpberlin.de> schrieb am 25.06.07:
>
> Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
> persönlichen Information.
> ----------------------------------------------------------------
>
> http://www.jungewelt.de/2007/06-23/021.php
>
> 23.06.2007
>
> Wachstum über alles
>
> Kapital tötet Raum und Zeit: Globalisierung, Transportinflation und
> Privatisierungen (Teil I)
>
> Von Winfried Wolf
>
> Nach Heinrich Heine beginnt mit den »Eisenbahnen ein neuer Abschnitt in
der
> Weltgeschichte. (...) Durch die Eisenbahnen wird der Raum getötet, und
es
> bleibt uns nur noch die Zeit übrig (...) Mir ist, als kämen die Berge
und
> Wälder aller Länder auf Paris angerückt. Ich rieche schon den Duft der
> deutschen Linden; vor meiner Tür brandet die Nordsee.«
>
> Dieses Zitat wurde vielfach angeführt, immer wie hier wiedergegeben,
> allerdings ohne die Auslassungszeichen und damit unzulässig verkürzt.
Im
> Original heißt es wie folgt: »Durch die Eisenbahnen wird der Raum
getötet,
> und es bleibt uns nur noch die Zeit übrig. Hätten wir nur Geld genug,
um
> auch die letztere anständig zu töten!«1
>
> Mit der Globalisierung ist es soweit. Es ist »ausreichend Geld«, es ist
> genügend gewalttätiges Kapital vorhanden, um Raum und Zeit »anständig
zu
> töten«. Meine Thesen lauten: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen
dem
> »modernen Kapitalismus«, der auch als »Neoliberalismus« und
»Globalisierung«
> bezeichnet wird, einer »Transportinflation«, den Privatisierungen (u. a.
der
> Eisenbahnen) und schließlich der Zerstörung der Umwelt und der
wachsenden
> Belastung des Weltklimas.
>
> Interessanterweise sind in der globalisierungskritischen Bewegung der
> »internationale Transportsektor« und »die Transportinflation« kaum ein
> Thema. In der 2006er Ausgabe des »Atlas der Globalisierung«, der von Le
> Monde Diplomatique herausgegeben wird, tauchen die Themen »Verkehr« und
> »Transporte« schlicht nicht auf.
>
> Letzten Endes ist die aktuelle Form der kapitalistischen Globalisierung
nur
> möglich, indem alle Barrieren und Schutzmechanismen niedergerissen
werden -
> alle natürlichen (z.B. topographischen), alle institutionellen und
> gesetzlichen und alle kulturellen Begrenzungen und Eingrenzungen. Auf
diese
> Weise werden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und alle
Regionen
> und Winkel auf dieser Welt allein dem Grundprinzip kapitalistischer
> Produktion unterworfen: dem der Erzielung eines maximalen Profits in
> kürzestmöglicher Zeit. In diesem Sinn ist die Voraussetzung der
> Globalisierung die Rücksichtslosigkeit gegenüber allen natürlichen,
> moralischen und gesetzlichen Begrenzungen. In den Worten von Elmar
Altvater:
> »Globalisierung ist die Folge der Beschleunigung aller Prozesse in der
Zeit
> - in der Produktion wie im Transport - und der Expansion in alle Räume
mit
> Waren, Dienstleistungen, Kapital, Menschen.«2 Im Kapitalismus
existierte
> immer die grundlegende Tendenz einer solchen Beschleunigung und
> Rücksichtslosigkeit. Allerdings gibt es erst seit jüngerer Zeit
ausreichend
> technische Mittel, Geld und Kapital, um sie Wirklichkeit werden zu
lassen.
>
> Der Spontispruch aus den 1970er Jahren »Nieder mit den Alpen - freier
Blick
> aufs Mittelmeer!« erhält durch den Lötschberg-Tunnel (gerade
realisiert),
> den Gotthardt-Tunnel (zur Hälfte realisiert) und den
Brenner-Basistunnel
> (projektiert) eine interessante Konkretisierung. Vergleichbares gilt für
die
> Scanlink-Brücken- und Tunnelverbindungen zwischen Dänemark und Schweden
> (realisiert), für die Fehmarn-Verbindung Deutschland-Dänemark
(projektiert),
> für den Somport-Tunnel in den Pyrenäen und für die
> Hochgeschwindigkeitsstrecken über die Pyrenäen (alles realisiert).
>
> Das sind keine zufälligen »Entbettungsprojekte«. In der Europäischen
Union
> gibt es den European Round Table (ERT), eine Art ZK der EU-Bourgeoisie,
in
> dem rund 50 Bosse der 50 mächtigsten Konzerne mit Sitz in der EU, der
> Schweiz und Norwegen zusammenarbeiten. Einer der ersten strategischen
Texte
> des ERT trug den Titel »Missing Links«, veröffentlicht 1985. In diesem
Text
> wurden die oben genannten Infrastrukturprojekte konkretisiert und als
> »europäische Aufgabe« präsentiert. Wenige Jahre später übernahm die
> EU-Kommission diese Zielsetzungen als »TEN-Transeuropäische Netze« und
> garantierte mit Milliarden-Euro-Summen ihre Realisierung. Diese
Projekte
> sind Teil der neuen Rücksichtslosigkeit gegenüber Umwelt, Natur, Klima
und
> Menschen. Sie sind wichtige Beiträge für schranken- und grenzenlose
> Transporte und für ein ungehemmtes Profitdiktat vor allem im Logistikund
> Transportsektor.
>
> »Entbettung der Ökomonie«
>
> Wachstum wird im Kapitalismus als einzig gangbarer Weg für eine
> zukunftsfähige Entwicklung fetischisiert. Es gerät in Vergessenheit, daß
die
> Menschheit jahrtausendelang kein Wachstum kannte bzw. daß sich dieses
> weitgehend auf das (geringe) Wachstum der Bevölkerungszahl reduzierte.
Es
> muß ins Gedächtnis gerufen werden, daß, so Elmar Altvater, »die
> jahresdurchschnittliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes sich
> zwischen 1820 und 1998 auf einen globalen Durchschnitt von etwa 2,2
Prozent
> im Jahr verzehnfachte, nachdem sie in den Jahrtausenden zuvor bei
höchstens
> 0,2 Prozent gelegen hatte.«3
>
> Im Zeitalter der Globalisierung kommt es zu einem immer stärker »nach
außen
> gerichteten« Wachstum. Zwischen 1980 und 2000 hat sich das weltweite
> Bruttoinlandsprodukt in etwa verdoppelt. Der Welthandel wuchs im
gleichen
> Zeitraum, in deflationierten US-Dollar-Werten gemessen, um das
Dreifache.
> Die stofflichen weltweiten Transporte (z.B. in Form der umgeschlagenen
> Tonnage in den Häfen oder der zurückgelegten Tonnenkilometer) haben sich
im
> selben 20-Jahres-Zeitraum verzehnfacht.
>
> In globalisierungskritischen Kreisen wird vielfach das »Abheben der
> Finanzmärkte« als Bedrohung beschrieben. Das ist zutreffend, wobei die
> daraus resultierenden Gefahren »nur« die Finanzmärkte selbst betreffen
und
> der größte (daraus resultierende) anzunehmende Unfall ein Kollaps der
> Finanzmärkte und eine Weltwirtschaftskrise wäre. Doch es gibt auch ein
> »Abheben der Transportmärkte«, eine beschleunigte »Entbettung der
Ökonomie«,
> das noch bedrohlicher sein könnte, da hier der GAU in einem stofflichen
> Kollaps, u. a. in einer unverträglichen Klimaveränderung, besteht.
>
> Three-Letter-Word: TEU
>
> Die wichtigste technische Voraussetzung für das Abheben der
Transportmärkte
> ist die TEU. Dieser Begriff sollte, ähnlich wie andere
»Three-Letter-Words«
> à la WTO, IWF und MAI, baldmöglichst in die Terminologie der
> Antiglobalisierungsbewegung aufgenommen werden. TEU steht für »Twenty
Foot
> Equivalent Unit« und meint den internationalen Standardcontainer.
Dieses
> Behältnis ermöglicht erst in sich geschlossene Transporte von Anfang bis
zum
> Ende einer Transportkette, also vom Versandstart im Inland, dem ersten
> Transport zu einem Seehafen, der Verschiffung auf einem Containerschiff
zu
> einem anderen Seehafen und schließlich einem neuen Landtransport zum
Kunden.
> Bei dieser Transportkette per Container wurden Lager und Warenhäuser in
den
> Häfen zunehmend überflüssig, was den entscheidenden Beitrag zur
> Transportbeschleunigung und zur Verbilligung der Transporte darstellte.
> Interessanterweise waren es der Zweite Weltkrieg und der Koreakrieg, in
dem
> Vorläufer des Containers - dort für die US-Truppen - erstmals eine
größere
> Rolle spielten. Und es war die Ware Whiskey, bei deren Transport
Container
> erstmals massenhaft zum Einsatz gelangten, u. a. weil die
Diebstahlquote
> dieses ebenso hochgeistigen wie höchst teuren Getränks in den
Hafenlagern
> sehr hoch war.
>
> Nur 17 Prozent der Schiffe der gesamten Welthandelsflotte sind
> Containerschiffe. Doch bereits mehr als 70 Prozent aller international
> gehandelten Waren werden in Containern und auf Containerschiffen
> transportiert4, was wesentlich dazu beigetragen hat, daß die weltweiten
> Transporte in einem Ausmaß wie nie zuvor beschleunigt wurden. Dies
stellt
> den stofflichen Kern der Globalisierung dar. 1985 gab es in den Häfen
der
> Welt einen Umschlag von 57 Millionen Standardcontainern, im Jahr 2000
waren
> es 236 Millionen TEU und 2006 bereits 436 Millionen. Damit kam es im
> 20-Jahreszeitraum zu einer Verachtfachung der Transporte und allein in
den
> vergangenen sechs Jahren zu einer Verdopplung. Bis 2012 soll der
> Containerumschlag nochmals um mehr als 50 Prozent wachsen.
>
> Die zukünftigen Beschleunigungen und Verbilligungen im Transport sind
vor
> allem durch neue Größenordnungen bei den Containerschiffen und durch
einen
> enormen Ausbau der Infrastruktur bedingt. Die gängigen großen
> Containerschiffe transportieren 6000 bis 7000 TEUs. Mit dem Carrier
»Emma
> Maersk« ist bereits ein Containerschiff unterwegs, das offiziell 11000
TEUs
> transportiert, nach anderen, realistischen Berechnungen sind es jedoch
> 13500.
>
> --
> Bild 1
> http://www.jungewelt.de/serveImage.php?ids16&type=o
> Weltbruttoinlandsprodukt, Welthandel in US-Dollar (deflationiert) und
> stofflicher Umschlag in den Häfen der Welt (in Tonnen)
> --
>
> Neue Wege für den Profit
>
> In den letzten Jahren gab es einen enormen Konzentrationsprozeß im
> internationalen Hafen-, Reeder- und Logistikgeschäft. So bilden sich
> zunehmend internationale Hafenbetreiber-Konzerne heraus, die teilweise
auch
> eine vertikale Komponente enthalten und mit den Reedereien und
> Logistik-Konzernen verbunden sind. 2005 übernahm der staatliche
> Hafenbetreiber von Abu Dubai, Dubai Ports World (DP World), den auf
eine
> 165jährige Tradition zurückblickende britischen Hafenbetreiber P&O. Die
> weltweit führenden Hafenbetreiber sind Hutchison Whampoa (Hongkong), AP
> Moeller-Maersk (Dänemark), Eurogate (Deutschland; Hamburg und Bremen)
und
> PSA International (Singapur).
>
> Ausgebaut werden auch die internationalen Schiffahrtswege. Die
> spektakulärste Entscheidung wurde in diesem Bereich 2006 in Panama mit
dem
> Referendum zugunsten des Ausbaus des Panamakanals getroffen. Dieses für
den
> Welthandel wichtige Nadelöhr - rund fünf Prozent des Welthandels
passieren
> den Panamakanal - wird bis 2014 für gigantische »Post-Panamax-Frachter«
> schiffbar gemacht: Bisher kann er von Containerschiffen mit maximal 294
> Meter Länge und bestückt mit 4500 Standardcontainern passiert werden,
> zukünftig soll er für 366 Meter lange Frachter mit bis zu 12000 TEU
> befahrbar werden. Das Frachtaufkommen soll sich mehr als verdoppeln.
>
> Bahnchef Hartmut Mehdorn und die russische Regierung betreiben das
Projekt
> einer schnellen, durchgehenden Schienenverbindung von China durch
Rußland
> und bis nach Deutschland, um auf diese Weise den klassischen
Transportweg
> von Asien nach Europa zur See um mehrere Tage zu verkürzen.
>
> Konkreter als das Projekt der Deutschen Bahn AG scheint dasjenige der
VR
> China zu sein, die in Europa einen neuen großen Hafen für den
> Containerschiffsverkehr zwischen -Asien und Europa und mit
Drehkreuzfunktion
> für Europa bauen will. Die Wahl fiel dabei auf den griechischen Hafen
Piräus
> bei Athen. Investiert werden soll rund eine Milliarde Euro; die
Kapazität
> des Hafens würde auf 4,5 Millionen TEU verdreifacht. Zusammen mit dem
> Containerhafen von Thessaloniki (3,5 Millionen TEU), der im Verbund mit
> Piräus betrieben werden soll, würde eine Kapazität in der Größenordnung
des
> Hamburger Containerhafens erreicht werden. Der chinesische
Hafenbetreiber
> Cosco, der für das Engagement in Griechenland im Gespräch ist,
kontrolliert
> bereits 70 Prozent des Containerhafens im italienischen Neapel. Die
enge
> chinesisch-griechische Zusammenarbeit erklärt sich aus den Tatsachen,
daß
> Griechenland mit der weltweit drittgrößten Containerflotte den größten
Teil
> seiner neuen Schiffe in der VR China fertigen und daß die VR China im
> Gegenzug 80 Prozent ihrer Erdöl- und Rohstoffimporte in griechischen
Tankern
> und Trockengutfrachtern importieren läßt.
>
> Viele Projekte zum Ausbau der Infrastruktur werden damit begründet,
Engpässe
> und »Nadelöhre« zu beseitigen. Doch wie bei den »Anti-Stau-Projekten«
im
> Straßenverkehr ergibt sich immer: Die Beseitigung eines Engpasses durch
> »Weitung« mündet darin, daß sich neue Passagen als neue »Nadelöhre«
> herausstellen. Insbesondere werden im Anschluß gewaltige Ausbaumaßnahmen
im
> sogenannten Hafenhinterland gefordert. Hier stehen dann neue Ausbauten
von
> Straßen, Binnenwasserwegen und Schienenwegen auf der Tagesordnung.
>
> Die erwarteten Steigerungsraten im Schiffsverkehr sind derart groß, daß
sich
> am Ende die gesamte Infrastruktur der Binnenökonomie als ein einziger
Engpaß
> erweisen muß. Eine im Oktober 2006 vorgelegte Studie des Hamburger
> Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Hamburger Berenberg Bank über
die
> »Langfristigen Trends der maritimen Wirtschaft und Logistik« kommt zu
dem
> Ergebnis, daß sich das Frachtvolumen in den europäischen Seehäfen bis
zum
> Jahr 2030 verdoppeln wird, daß gleichzeitig das Volumen des
> Containerumschlags in den europäischen Häfen sich »mehr als
versechsfachen«
> würde. Das sind Steigerungsraten, die jede bestehende Infrastruktur
> überfordern, die den Begriff »Entbettung« erneut konkretisieren und die
> negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima potenzieren.
>
> Transportweltmeister Deutschland
>
> Eine wichtige Debatte innerhalb der Antiglobalisierungsbewegung wird
zur
> Frage geführt, inwieweit das Kapital seine nationalen Fesseln
abgestreift
> und als »internationales«, anonymes Finanzkapital agiere. Ich habe
solche
> Aussagen als einseitig kritisiert und betont, daß es parallel zu den
> Internationalisierungstendenzen die verschärfte internationale
Konkurrenz -
> auch eine Blockkonkurrenz und die Konkurrenz zwischen einzelnen
> Nationalstaaten - gibt.5
>
> Zu Recht wird immer wieder unterstrichen, daß der größte Teil der
> Handelsschiffe unter Billigflaggen segelt. Dies ist eine entscheidende
> Grundlage für das Lohndumping auf den Schiffen und damit wiederum für
die
> niedrigen Frachtraten bei der Schiffahrt. (Darauf wird in Teil II
nochmals
> näher eingegangen.) Hier interessiert zunächst die Frage, welche
»Flagge«
> die Eigner der Schiffe haben. Tatsächlich befindet sich rund ein Drittel
der
> TEU-Stellplatzkapazitäten der weltweiten Containerschiff-Flotte in
deutschem
> Eigentum. Deutschland, seit mehreren Jahren Exportweltmeister, ist seit
> wenigen Jahren auch größter Eigentümer bei der für die globalen
Transporte
> entscheidenden Form: die Containerschiffe. Auf Rang zwei folgt Japan,
auf
> Rang drei und vier Griechenland und Dänemark. Der Bestellbestand
deutscher
> Reeder für neue Schiffe liegt so hoch, daß die führende deutsche
Position in
> den kommenden Jahren noch ausgebaut werden dürfte.
>
> Die deutschen Häfen galten im internationalen Vergleich lange Zeit als
> abgeschlagen. Das hat sich im letzten Jahrzehnt radikal verändert.
Beispiel
> Hamburg: Der Containerhafen der Hansestadt hat New York, Tokio und
London
> bereits weit hinter sich gelassen. Bis 2010 soll er auch den
zweitgrößten
> europäischen Containerhafen, Antwerpen (Belgien), ablösen, vor allem
wegen
> der engen Einbindung in den Asienhandel und weil mehr als ein Drittel
der in
> Hamburg umgeschlagenen Containerfracht aus einem Radius von 100
Kilometern
> stammt - der Vorteil einer Metropolenregion, den Antwerpen nicht
aufweisen
> kann. Zwischen 1995 und 2006 kam es beim gesamten Containerumschlag -
> Empfang und Versand - in Hamburg zu einer Verdreifachung. Die neu
> beschlossenen Ausbaumaßnahmen - in deren Rahmen auch die
Teilprivatisierung
> zu sehen ist - laufen auf eine weitere Verdopplung der
Umschlagkapazitäten
> hinaus. Rotterdam allerdings wird auf absehbare Zeit der führende
> europäische Containerhafen bleiben.
>
> Noch mehr als die Häfen galten in den neunziger Jahren die deutschen
Werften
> als konkurrenzunfähig. Doch in den letzten Jahren gab es auch hier eine
> erstaunliche Expansion. Im Jahr 2002 lagen die Auftragsbestände bei den
> deutschen Werften bei 5,5 Milliarden Euro. 2006 sind sie mit 11,8
Milliarden
> Euro mehr als doppelt so hoch. Die Zahl der vom Stapel gelaufenen
Schiffe
> stieg von 119 im Jahr 2002 auf 230 im Jahr 2006. Zwar sind inzwischen
bei
> den Massenfertigungen die Werften in Südkorea, Japan und China führend,
doch
> die deutschen Werften spielen eine maßgebliche Rolle im
Spezialschiffbau.
> Vor allem aber ist die deutsche Werftenzulieferindustrie - u.a. im
Bereich
> des Schiffmotorenbaus - weltweit führend.
>
> Die neue hervorgehobene deutsche Position im weltweiten maritimen
Komplex
> ist nicht das Ergebnis purer Marktkräfte. Es ist der deutsche Staat,
der
> diese Entwicklung fördert und der eine aktive Industriepolitik betreibt,
wie
> sie angeblich im Zeitalter der Globalisierung keinen Platz mehr hat bzw.
wie
> sie nach gängiger Lesart nur von Ländern mit einer sehr spezifischen
> Tradition, so von Frankreich, betrieben wird.
>
> Seit rund drei Jahren gibt es in der deutschen Werftenpolitik die
> Orientierung auf eine »EADS zur See«. Damit ist gemeint, man zielt ab
auf
> eine neue europäische, insbesondere auf eine deutsch-französische
> Kapitalkonzentra-tion im Schiffbausektor. Gleichzeitig soll dabei ein
> Komplex entstehen, in dem es eine enge Verflechtung zwischen der zivilen
und
> der militärischen Fertigung ermöglicht, über staatliche
Rüstungsaufträge
> zugleich die zivilen Kapazitäten, die auf eine »friedliche Eroberung«
des
> Weltmarkts orientiert sind, zu stärken - just so, wie das beim
Zusammenspiel
> zwischen dem Rüstungssektor von EADS und bei Airbus als EADS-Tochter
der
> Fall ist.
>
> »Nationale Lösungen«
>
> Die aggressive und expansive Orientierung im deutschen maritimen
Komplex
> wird seit Antritt der SPD-Grünen-Regierung Ende der neunziger Jahre
> verfolgt. Es gibt regelmäßige »maritime Konferenzen«, eingerichtet wurde
die
> Position eines »Maritimen Koordinators« in Gestalt eines Staatssekretärs
im
> Wirtschaftsministerium. Die Rüstungsaufträge für die deutschen Werften
> wurden deutlich gesteigert. Wie im Vorfeld der EADS-Bildung - als
zunächst
> die nationalen Kapazitäten bei der Rüstung und im Flugzeugbau
> zusammengebracht wurden, um die bestmöglichen Karten beim
innereuropäischen
> Poker zu haben - kam es 2005 zu einem umfassenden Konzentrationsprozeß
auf
> »nationaler« Ebene: Die Thyssen-Werften Blohm+Voss und Nordseewerke
> fusionierten mit der Kieler HDW-Werft zu dem neuen Werften-Konzern
> ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). Zur TKMS gehören auch Werften in
> Griechenland und Schweden. In Bälde dürfte es zu neuen
> Kapitalkonzentrationsprozessen kommen, die dann eine europäische
Dimension
> und in ihrem Kern die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den
> französischen Schiffsbau-Konzernen haben.
>
> Auch im wichtigen Hafensektor zeichnen sich »nationale Lösungen« ab.
Bereits
> das im Jahr 2006 betriebene Projekt der Deutschen Bahn AG, den
Hamburger
> städtischen Hafenterminalbetreiber HHLA zu übernehmen, zielte auf einen
> nationalen Logistikverbund. Er scheiterte auch aufgrund von
Befürchtungen im
> Speditionsgewerbe, im Fall einer solchen vertikalen Konzentration
erhalte
> der Konkurrent Deutsche Bahn AG mit der Tochter Schenker eine
monopolartige
> Position. Ende März 2007 beschloß der Hamburger Senat, daß 70 Prozent
der
> Anteile an der -HHLA im kommunalen Eigentum verbleiben und 30 Prozent an
der
> Börse verkauft werden, u.a. um einen weiteren Hafenausbau zu
finanzieren. Zu
> dieser Kompromißlösung kam es vor allem aufgrund des erheblichen
> Widerstandes der HHLA-Belegschaft und der Gewerkschaft ver.di gegen den
> zunächst geplanten Verkauf von 49 Prozent der Anteile an einen der
> international operierenden Hafenbetreiber. Letzten Endes entspricht der
> bisher gewählte »nationale Weg« allerdings auch den Interessen eines
> Großteils der deutschen Logistikbranche.
>
>
> 1 Heinrich Heine, Lutetia, Berichte über Politik, Kunst und Volksleben,
in:
> Heinrich Heine Werke, München 1984, 2. revidierte Auflage, Band 5, S.
449;
> hervorgehoben von W.W.
>
> 2 Elmar Altvater, »Verkehrtes Wachstum«, in: Oliver Schöller/Weert
> Canzler/Andras Knie (Hg.), Handbuch Verkehr, Wiesbaden 2007, S. 795
>
> 3 a. a. O., S. 792
>
> 4 Dabei sind inzwischen die größeren 30- oder 40-Fuß-Container zum
> Standardtransportgefäß geworden. Sie werden aber statistisch nach wie
vor in
> der Einheit »TEU = 20 Ft. Equivalent« erfaßt und abgerechnet
>
> 5 Ausführlich in: Winfried Wolf, Fusionsfieber - Das große Fressen,
Köln
> 2000
>
>
> -----------------------------------------------------------------------
>
>
> http://www.jungewelt.de/2007/06-25/013.php
>
> 25.06.2007
>
> Entfesselter Warenverkehr
>
> Kapital tötet Raum und Zeit: Globalisierung, Transportinflation und
> Privatisierungen (Teil II und Schluß)
>
> Von Winfried Wolf
>
> Die Globalisierungsbefürworter behaupten, der ständig wachsende Handel
führe
> zu Wohlstandsgewinnen. Daß dies eine Mär ist, verdeutlicht eine
Untersuchung
> der Struktur der Handels- und Transportströme. Drei Strukturelemente
der
> internationalen Warenströme seien als Beleg herausgegriffen.
>
> Strukturelement 1 - Intrafirm-Trade
>
> Bis zu 50 Prozent des weltweiten Handels stellen einen Warenaustausch
> innerhalb ein und desselben - weltweit agierenden - Unternehmens dar.
Dieser
> Austausch findet statt, weil einzelne Standortvorteile (hinsichtlich
des
> Steuerniveaus, der Arbeitskosten, der Umweltstandards) ausgenutzt
werden.
> Die gleichen Waren könnten in der gleichen Qualität und ohne jegliche
> Wohlstandsverluste auch an einem einzigen Standort desselben
Unternehmens
> hergestellt werden. Der dann höhere Preis zur Erstellung dieser Waren
an
> einem Ort oder in einer Region läge dennoch deutlich unter dem Preis,
der
> bei einer weltweit arbeitsteilig organisierten Produktion erzielt wird,
wenn
> die realen Kosten der globalen Transporte von dem entsprechenden
Unternehmen
> bezahlt würden. Oder anders formuliert: wenn diese Kosten nicht auf
andere -
> auf die schmalen und breiten Schultern asiatischer Seeleute auf
deutschen
> Schiffen oder auf spätere Generationen, die die Umwelt- und Klimafolgen
zu
> tragen haben -, umgewälzt würden.
>
> Strukturelement 2 - Austausch von Waren ein und derselben Art
>
> Die traditionelle Wirtschaftslehre besagt, die Vorteile des
internationalen
> Handels lägen darin, daß Produkte, auf die sich ein Land - aufgrund von
> Traditionen, oft begünstigt von klimatischen Bedingungen spezialisiert
> habe, mit Produkten aus einem anderen Land, auf das dieses sich
wiederum
> spezialisiert habe, ausgetauscht würden. Soweit die Theorie.
Tatsächlich
> jedoch entfällt ein großer Teil des gegenwärtigen internationalen
Handels
> auf den Austausch von Gütern ein und derselben Art. Die deutsche Importund
> Exportstatistik weist aus, daß im Jahr 2005 für vier Milliarden Euro
> Milcherzeugnisse exportiert und für fünf Milliarden Euro
Milcherzeugnisse
> importiert wurden. Im gleichen Jahr wurden »Zucker, Zuckerwaren und
Honig«
> im Wert von 1,2 Milliarden Euro importiert und »Zucker, Zuckerwaren und
> Honig« im Wert von 1,3 Mil-liarden Euro exportiert. 2005 wurde von
> Deutschland Tierfutter im Wert von 1,6 Milliarden Euro importiert,
> gleichzeitig wurde Tierfutter im Wert von 1,6 Milliarden Euro
exportiert.
> Ein kleinerer Prozentsatz dieser Austauschvorgänge mag mit
unterschiedlichen
> Geschmacksrichtungen und differierenden Qualitätsmerkmalen
gerechtfertigt
> werden. Doch beim größten Teil derselben dürften Unterschiede in der
> Qualität nicht erkennbar sein.
>
> Strukturelement 3 - Küstenschiffahrt
>
> Die traditionelle Statistik beim Binnenverkehr ist ein sogenannter
> 4-modes-modal split: Als 100 Prozent aller Transporte wird die Addition
der
> vier Transportarten Straße, Schiene, Binnenschiffahrt und Pipeline
gewählt.
> Bereits bei einzelnen Staaten mit längeren Küstenlinien (z.B.
Frankreich),
> ganz besonders aber im Fall der EU ist eine solche Statistik völlig
> irreführend. Tatsächlich gibt es seit geraumer Zeit eine fünfte
> Transportart: die innereuropäische Küstenschiffahrt.
>
> Diese spielt eine entscheidende Rolle. Inzwischen liegt die
Küstenschiffahrt
> (»short sea shipping«) knapp hinter den Lkw-Transporten. Im Jahr 2001
wurden
> 45,0 Prozent der Inner-EU-Transporte (bezogen auf die damals 15
> Mitgliedsländer) auf den Straßen, also mit Lkw, 40,4 Prozent mit der
> Küstenschiffahrt, 7,8 Prozent mit Eisenbahnen, 4,0 Prozent mit der
> Binnenschiffahrt und 2,8 Prozent in Pipelines befördert. Neuere
Statistiken
> für das Gebiet von 25 EU-Mitgliedstaaten weisen vergleichbare
Relationen
> aus.
>
> Das heißt, daß im Vergleich zu den direkten Straßen- und
> Schienenverbindungen gewaltige Umwege in Kauf genommen werden, daß
> Transporte von Hamburg nach Neapel, von Rostock nach Setubal (Portugal),
von
> Bilbao nach Piräus, von Thessaloniki nach Dublin usw. abgewickelt
werden.
> Bei dem zweitwichtigsten Verkehrsträger des Inner-EU-Güterverkehrs
dürfte
> weit mehr als die Hälfte Umwegverkehr darstellen, mit dem die Statistik
> künstlich aufgebläht wird, was dann von vielen Apologeten der
Globalisierung
> als »Wohlstandswachstum« interpretiert wird. Natürlich gibt es
spezifische
> Gründe für die Bedeutung der Küstenschiffahrt und für diese zunächst
absurd
> anmutenden Umwegtransporte. Der entscheidende Grund sind erneut die
> niedrigen, direkt zu bezahlenden Transportkosten aufgrund niedriger
Löhne
> der Seeleute und minimaler Umweltauflagen.
>
> Alle drei Strukturelemente der internationalen Transporte spielen nur
> deshalb die beschriebene große Rolle, weil die von den Unternehmen zu
> tragenden Transportkosten inzwischen nur noch einen minimalen
Kostenfaktor
> darstellen. In einer Flasche Vinho verde, die vom Abfüller in Portugal
zum
> Großhändler in Deutschland transportiert wird, stecken rund 2,5 Cent
> Transportkosten. In einer Flasche Cabernet Sauvignon, die vom Abfüller
in
> Chile zum Großhändler nach Deutschland transportiert wird, stecken fünf
> Cent. Damit konkurrieren Waren mit vorhandenen Standortvorteilen
> (niedrigeres Lohn- und Steuerniveau; weniger kostspielige
Umweltauflagen)
> fast direkt mit Waren vergleichbarer Qualität und Geschmacksausbildung
(z.
> B. mit einem Gutedel-Wein aus dem Badischen oder einem Cabernet
Sauvignon
> aus Frankreich oder Italien) miteinander, ohne daß die realen
> Transportkosten, die weitgehend externalisiert sind, ins Gewicht
fielen.
>
> Lecker China-Walnuß-Eis
>
> Erst diese Exportstruktur - und nicht irgendwelche rationalen
Entscheidungen
> des Marktes - führt zu der absurden stofflichen Zusammensetzung der
> globalisierten Waren. Hierzulande ist Walnußeis die zweitbeliebteste
Art
> Speiseeis, hinter Vanille. »In diesem kühlen Meisterwerk sind Aromen,
> Geschmacksnoten und kulinarische Feinheiten harmonisch vereint«, läßt
das
> Unternehmen Mövenpick auf seine Eissorte »Maple Walnut« drucken. Stünde
> dort: »Jegliches Walnußfleisch stammt garantiert aus der VR China«, so
wäre
> das möglicherweise weniger werbewirksam. Doch so ist es. Alle
> Walnußbestandteile im Eis dieser Sorte stammen aus der Volksrepublik.
Die
> Walnüsse werden dort von Bauern geerntet, geknackt und in Säcken in
Fabriken
> abgeliefert. Dort wird die Ernte sortiert; die Stege und jegliches zu
dunkle
> Walnußfleisch werden aussortiert. Ein eingeflogener deutscher Experte
> kontrolliert die Ware vor Ort, bevor sie in Säcke verpackt wird, die
Säcke
> mit einem Hapag-Lloyd-Container des Konzerns TUI in einen chinesischen
Hafen
> transportiert und dann auf dem Seeweg nach Europa verschifft werden. In
> Europa werden die Walnüsse durch heißen Ahornsirup gezogen
(»karamelisiert«)
> und schließlich dem Eis beigemischt. China hat laut Statistik im Jahr
2002
> 6721 Tonnen Walnußfleisch exportiert; in den deutschsprachigen Raum
gingen
> 500 Tonnen. Derweil verrotten in der EU jedes Jahr Hunderte Tonnen
Walnüsse
> auf dem Boden unter den Bäumen.
>
> Dies ist kein Einzelbeispiel. Grundsätzlich gilt: In einer Ware ein und
> derselben Art und derselben Qualität stecken von Jahr zu Jahr mehr
> Transportkilometer (tkm). Dafür gibt es einen wissenschaftlichen
Begriff,
> den der »Transport-intensität«. Bis zur 1996er Jahresausgabe der
> Verkehrsstatistik »Verkehr in Zahlen«, herausgegeben vom Deutschen
Institut
> für Wirtschaftsforschung (DIW), wurde dort die Kategorie
> »Transportintensität« ausgewiesen. Ab dem Jahr 1997 wurde diese
Statistik
> eingestellt. Sie stellt einen Maßstab dafür dar, wie viele
> Transportkilometer in einer Ware enthalten sind. Es handelt sich, laut
> »Verkehr in Zahlen«, um einen »Index (tkm/Produktmenge), der den
> volkswirtschaftlichen Transportaufwand (Eisenbahnen, Binnenschiffahrt,
> Straßengüterverkehr und Rohrfernleitungen) je produzierte Wareneinheit
> wieder(gibt).«
>
> Nach dieser Statistik steigerte sich die Transportintensität aller in
> Deutschland gefertigten Gütergruppen von Index 100 im Jahr 1970 auf
Index
> 149 im Jahr 1992. In 22 Jahren kam es also dazu, daß in einer Ware ein
und
> derselben Qualität rund 50 Prozent mehr Transportkilometer »stecken« wovon
> der Konsument keinerlei Gewinn hat. Karl Marx schlug sich mit dem Thema
der
> Transportkosten bereits in Band II des »Kapitals« herum. Die
> gesellschaftlich notwendigen Transporte, so seine Theorie, seien
> wertbildend; unnötige Kosten in der Zirkulationssphäre - beispielsweise
> solche in der Lagerhaltung, die daraus resultierten, daß die Waren
nicht
> absetzbar sind, gehörten dagegen zu den »faux frais (zu den toten
Kosten;
> W.W.) der kapitalistischen Produktion« (MEW 24, S. 138). Marx beendete
seine
> Betrachtungen zu diesem Thema mit den Sätzen: »Die kapitalistische
> Produktionsweise vermindert die Transportkosten für die einzelne Ware
durch
> die Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel wie durch die
> Konzentration (...) des Transports. Sie vermehrt den Teil der
> gesellschaftlichen Arbeit, lebendiger und vergegenständlichter, der im
> Warentransport verausgabt wird, zuerst durch Verwandlung der großen
Mehrzahl
> aller Produkte in Waren, und sodann durch die Ersetzung lokaler durch
> entfernte Märkte. Das Zirkulieren, d. h. tatsächliche Umlaufen der Waren
im
> Raum löst sich auf in den Transport der Ware.« (ebd., S. 153)
>
> Der vorletzte zitierte Satz bringt einiges von dem auf den Punkt, was
wir
> aktuell im globalisierten Transport erleben. Doch die Transportinflation
des
> aktuellen Kapitalismus konnte in ihrer konkret pervertierten Form kaum
> vorhergesehen werden: Erstens »vermehrt sich« tatsächlich »die
> gesellschaftliche Arbeit«, die im »Warentransport verausgabt« wird - und
sie
> vermehrt sich auch tatsächlich, weil so gut wie alle »Produkte zu
Waren«
> werden, und weil »lokale durch entfernte Märkte« ersetzt werden.
Zweitens
> sinken auch die Transportkosten, u. a. durch »Entwicklung der Transportund
> Kommunikationsmittel und durch die Konzentration« des in der
> Transportbranche angelegten Kapitals. Doch drittens steigen gleichzeitig
die
> volkswirtschaftlichen Kosten der Transporte gewaltig an; diese tauchen
> allerdings nicht in den von den Unternehmen und von den Konsumenten zu
> bezahlenden Warenpreisen auf. Und weil das letztere so ist, werden die
> Transporte immer weiter gesteigert, entstehen immer absurdere
arbeitsteilige
> Prozesse, ist immer noch mehr real verausgabte gesellschaftliche Arbeit
im
> Transportsektor gebunden.
> Umweltschädliches Wachstum
> Es wächst keineswegs »der Transportsektor als solcher«. Vielmehr
wachsen
> neben der Hochsee- und der Containerschiffahrt vor allem der Lkw-Verkehr
und
> die Luftfracht. Der Eisenbahnverkehr und die Binnenschiffahrt
stagnieren
> oder sind rückläufig. Die Privatisierungen der Eisenbahnen sind ein
Element,
> das zu einem weiteren Rückgang der Schiene - und zu einer weiteren
> Steigerung des Straßen- und Luftverkehrs - führen muß.
>
> Es wachsen mit dem Lkw- und dem Schiffsverkehr solche Verkehrsarten
> besonders schnell, die die Umwelt in besonderem Maß belasten und das
Klima
> erheblich schädigen. Bleibt die Frage zu klären: Warum wächst diese Art
> Transport derart beschleunigt? Drei Aspekte sind hierfür
verantwortlich:
>
> 1. Die realen Kosten im Transport steigen, doch die Transportpreise
sinken -
> weil die externen Kosten steigen.
>
> Als vor rund 25 Jahren erstmals Ökoinstitute vorrechneten, es gäbe so
etwas
> wie »externe Kosten des Verkehrs«, reale Kosten der Transporte, die in
den
> Transportpreisen nicht enthalten sind, wurden sie weitgehend ignoriert.
> Inzwischen ist diese Erkenntnis anerkannter Stand der
Verkehrswissenschaft.
> Die Verkehrspolitiker in Brüssel und Berlin verfügen über Analysen, die
grob
> besagen, daß die Transportpreise beim Verkehr mit großen Lastkraftwagen
> höchstens 40 Prozent der realen Transportkosten decken. Der Luftverkehr
bei
> den Billigairlines ist noch weniger kostendeckend. Konkrete Berechnungen
für
> die Schiffahrt fehlen zwar weitgehend; es kann aber davon ausgegangen
> werden, daß die Frachtraten deutlich weniger als 50 Prozent der realen
> Kosten decken.
>
> Der schnell wachsende internationale Schiffsverkehr wird dann
offensichtlich
> als umweltpolitisch problematisch erkannt, wenn es zu schweren Havarien
> kommt - sei es in Alaska (gestrandeter Tanker »Exxon Valdez«), sei es
in
> Galizien (gesunkener Tanker »Prestige«) oder in der Bretagne
(gesunkener
> Tanker »Erika«). Die Reste der zerborstenen Öltanks der Unglücksschiffe
> führten jeweils auf Dutzenden Kilometern zu verdreckten Stränden, die
trotz
> Großeinsätzen oft erst nach vielen Jahren wieder begehbar sind und
> touristisch genutzt werden können.
>
> Doch der Schiffsverkehr stellt auch ohne diese regelmäßigen
Unglücksfälle
> eine dauerhafte Belastung der Umwelt dar. Transportschiffe, aber auch
große
> Fahrgastschiffe können zu Recht als »mobile Müllverbrennungsanlagen«
> bezeichnet werden. Schiffsmotoren verbrennen gewöhnlich »Schweröl«
(oder
> »HFO = heavy fuel oil«). Dahinter verbirgt sich ein Sammelsurium von
> Dreckschemie, unter anderem stark schwefelhaltige Abfallprodukte des
> Raffinerieprozesses, die die Ölkonzerne, würden sie nicht
weiterverwendet,
> nur mit hohen Kosten als Sondermüll entsorgen könnten. Da die
Schiffahrt
> bisher fast komplett von gesetzlichen Bestimmungen zur Luftreinhaltung
> ausgenommen ist, können diese Abfallprodukte der Ölwirtschaft in den
> Schiffsmotoren verbrannt werden. Daran verdienen alle Beteiligten des
> maritimen Komplexes. Die Ölkonzerne können diese Abfälle, die sie
eigentlich
> teuer entsorgen müßten, mit satten Gewinnen verkaufen, die Reeder können
mit
> spottbilligem Sprit über die Weltmeere schippern, die Wirtschaft
insgesamt
> profitiert von den niedrigen und langfristig immer weiter sinkenden
> Transportkosten. In der Folge stößt ein durchschnittliches Schiff 150
bis
> 300mal soviel Schadstoffe je Tonnenkilometer aus wie ein Lkw.
>
> Die bereits beschriebene Bedeutung der Küstenschiffahrt führt dazu, daß
alle
> küstennahen Gebiete in Europa in erheblichem Maß unter dem
Schadstoffausstoß
> des Schiffsverkehrs leiden. In Hamburg beispielsweise stammen rund 80
> Prozent der Schwefeldioxid-Emissionen (SO2) aus der Schiffahrt. Allein
in
> den Gewässern der EU werden jährlich mehr als 35 Millionen Tonnen
Schweröl
> (vor allem durch die Küstenschiffahrt) verbrannt. Dies entspricht 29
Prozent
> der weltweiten Verbrennung von Schweröl (120 Millionen Tonnen).
>
> Spätestens zu dem Zeitpunkt, als die Theorie der »externen Kosten im
> Verkehrssektor« von der offiziellen Politik anerkannt wurden, hätten
diese
> zumindest in der Tendenz und Schritt für Schritt ansteigen müssen, womit
die
> realen Transportkosten in die Preise integriert worden wären. Damit
hätten
> sich die Transportkosten allgemein verteuert. Gleichzeitig hätten die
> Transportarten mit den höchsten externen Kosten die größten
> Kostensteigerungen verzeichnet.
>
> Doch in Wirklichkeit kommt es zu einer gegenteiligen Entwicklung. Die
Kosten
> im Lkw-Verkehr haben sich in den letzten 15 Jahren etwa halbiert. Die
Kosten
> bei Schiffstransporten wurden in den letzten zwanzig Jahren auf rund
ein
> Drittel des Niveaus reduziert. Die Kosten für die gesamten
Transportketten
> dürften - vor allem aufgrund der Containertransporte - noch stärker
gesunken
> sein.
>
> 2. Ehemaliges öffentliches Eigentum finanziert die Kapitalanlage und
die
> Kapitalkonzentration im Transportsektor.
>
> Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Wachstum der
internationalen
> Transporte, den Privatisierungen und dem Abbau von Daseinsvorsorge. Zu
den
> weltweit größten Logistikkonzernen zählen die drei deutschen
Unternehmen
> Deutsche Post mit der Tochter DHL, die Deutsche Bahn (DB AG) mit der
Tochter
> Schenker (zu der wiederum der US-Logistiker Bax-Global gehört) sowie TUI
mit
> Hapag Lloyd. Bei allen drei Konzernen handelt es sich um ehemalige
> Unternehmen in öffentlichem Eigentum oder - im Fall der DB AG - um ein
> öffentliches Unternehmen, das sich in einem Privatisierungsprozeß
befindet.
> In allen drei Fällen gab und gibt es bei diesen Konzernen
> Privatisierungsprozesse, deren Essenz darin besteht, daß das ehemalige
> staatliche Eigentum für extrem niedrige Beträge in private Hände
wechselte
> und daß die Investoren in kurzer Zeit dazu übergingen, die klassischen
> Betätigungsfelder, die zur öffentlichen Daseinsvorsorge zählen,
> zurückzufahren und in den Transport- und Logistikbereich zu
expandieren.
>
> Andere führende Konzerne in der internationalen Transportbranche haben
einen
> ähnlichen Hintergrund. Der weltweit größte Expreßdienstleister Fedex
> profitierte vor allem von der Deregulierung im US-amerikanischen
> Lufttransportsektor. Das niederländische Logistikunternehmen TNT ging
1996
> in das Eigentum der privatisierten niederländischen Staatspost und der
> daraus abgespalteten TPG über, wobei letztere seit 2006 selbst den Namen
TNT
> trägt.
>
> Überall kam es parallel zum Einstieg in die Transportbranche zu einem
Abbau
> von Daseinsvorsorge. Die Privatisierungen erweisen sich als eine neue
> ursprüngliche Akkumulation eines gewaltigen Transportkapitals. Kommt es
zu
> einer Privatisierung der Deutschen Bahn AG nach dem sich abzeichnenden
> Muster, dann wird das zu einem neuen Schub dieser Art
Kapitalakkumulation
> führen. Das Aktionsbündnis »Bahn für Alle« hat vorgerechnet, daß dann
im
> ersten Jahrzehnt nach dem Privatisierungsbeschluß Steuergelder in Höhe
von
> mehr als 150 Milliarden Euro einer teilprivatisierten Deutschen Bahn AG
> zufließen werden. Diese will (u. a. mit diesen Geldern) erklärtermaßen
vor
> allem ihr internationales Logistikgeschäft ausbauen - und den
> Schienenverkehr im Inland abbauen.
>
> 3. Die Transportwirtschaft ist aufs engste verbunden mit der
stofflichen
> Ausformung des aktuellen Kapitalismus, mit dem fossilen Kapitalismus.
>
> Der fossile Kapitalismus beruht in erheblichem Umfang und in ständig
> wachsendem Maß auf dem Verbrauch von Kohle, Öl und seinen Derivaten
(Benzin,
> Diesel, Schweröl, Kerosin), von Gas und von Uran. Alle diese Ressourcen
sind
> endlich. Bei der für die aktuelle Weltwirtschaft entscheidenden
Ressource,
> dem Rohöl, ist der sogenannte Peak Oil seit einigen Jahren erreicht:
Die
> Summe der neu entdeckten Ölreserven ist geringer als der Verbrauch. Die
> Reichweite der vorhandenen Ölreserven wird auf 35 bis 45 Jahre
geschätzt.
> Dabei ist der zusätzliche Verbrauch noch unzureichend berücksichtigt,
der
> mit der schnellen Industrialisierung z.B. von Indien und China
verbunden
> sein wird. Aufgrund der Steuerungselemente des Kapitalismus (es zählt
allein
> die kurzfristig zu erzielende maximale Rendite), des Abbaus von
steuernder
> Politik und Daseinsvorsorge und der Macht der Öl-Auto-Gruppe unter den
> führenden Konzernen kam es in den letzten Jahrzehnten zu einer weiteren
> Verfestigung dieses Transportmodells.
>
> Die gewaltigen neuen Transportkapazitäten, Hafenanlagen und andere
> Infrastruktureinrichtungen sind in der Regel auf eine Lebensdauer von
drei
> bis fünf Jahrzehnten ausgelegt. Gleichzeitig sind sie in dieser
extensiven
> Form kaum ohne Verkehrsmittel zu betreiben, deren Energie auf Rohöl und
> seinen Derivaten basiert. Das heißt, es werden gewaltige Investitionen
> getätigt für ein Transportmodell, dessen Jahre gezählt sind. Dies
stellt
> einen zusätzlichen Faktor der Vergeudung gesellschaftlicher Ressourcen
dar.
>
> Eine auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit orientierende Politik für
den
> internationalen Transportsektor läuft darauf hinaus, die stoffliche Form
der
> Globalisierung in Frage zu stellen: einen Welthandel, der den Globus,
die
> Umwelt und das Klima viel zu stark belastet. Auch mit Blick auf diesen
> Sektor stellt sich die Eigentumsfrage. Eine Weltwirtschaft kann nie
> zukunftsfähig sein, wenn die Ölkonzerne und die gegenwärtig
maßgeblichen
> Konzerne im Transport- und Logistikbereich, die bereits in ihrer
stofflichen
> Form jede Zukunft negieren, tonangebend sind. Sie müssen unter eine
> demokratisch-gesellschaftliche Kontrolle gestellt, vulgo enteignet
werden.
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