Nadeshda
Forum: cl.politik.globalisierung
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Umweltschuetzer kritisieren hohe Erwartungen an "Biokraftstoffe"

DNR - EU-News - 25.07.07

Agrokraftstoffe in der Kritik

Kommentar von Juliane Grüning

Umweltschützer kritisieren hohe Erwartungen an "Biokraftstoffe"

Mitte Juli hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) ein Sondergutachten zu "Klimaschutz durch Biomasse" vorgelegt. Die Biomasse könne für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen, aber sie sei keine unerschöpfliche Ressource. Vor allem, wenn Umwelt- und Naturschutzgesichtspunkte angemessen berücksichtigt werden, könnten bis 2030 nur etwa 10% des Primärenergieverbrauchs in Deutschland durch hier angebaute Biomasse abgedeckt werden.

Gerade die Verwendung von Biomasse als Biodiesel und Bioethanol sei weniger effizient als in anderen Energiebereichen. So könne Biomasse bei der Wärmeerzeugung bzw. bei der Kraft-Wärme-Kopplung bis zu dreimal effizienter und wesentlich kostengünstiger eingesetzt werden. Der SRU kritisiert, dass die bisherige deutsche Förderpolitik dies nicht berücksichtige und die Prioritäten falsch setze. Das EU-weite Ziel, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent Biokraftstoffen zu erreichen, könne zudem einen "umweltpolitisch schwer kontrollierbaren Importsog auf Kosten der natürlichen Ressourcen in Drittländern" auslösen.

Auch der NABU kritisiert "unrealistische" Erwartungen, wenn sowohl bei Biokraftstoffen als auch im Wärme- und Strombereich auf hohe Biomasseanteile gesetzt werde. "Darüber hinaus vermissen wir neben Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz im Verkehrsbereich strenge Umweltauflagen zur Herstellung von Biokraftstoffen", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Beim Anbau der Agrotreibstoffe in Brasilien, Indonesien und Malaysia und der damit oft einhergehenden großflächigen Zerstörung von Regenwäldern und Feuchtgebieten werde zudem mehr Kohlendioxid freigesetzt als beim Einsatz der Kraftstoffe eingespart wird. "Da wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben", warnte Miller.

In Entwicklungs- und Schwellenländern werden also energetisch nutzbare Pflanzen für den Export angebaut, ebenso wie hier zu Lande die Intensivlandwirtschaft mit vermehrtem Pestizideinsatz und dem Anbau von Monokulturen ihren Ernteertrag für die Tanks steigern wird. Ernährungssicherheit, nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und soziales Miteinander stehen bei der Förderung von Agrokraftstoffen bisher nicht auf der Prioritätenliste. So können sich in Mexiko manche die Maismehlpreise nicht mehr leisten, weil der Mais knapp geworden ist: in großem Stil wird er von den USA aufgekauft, um Energie zu erzeugen.

Pikante Neuentwicklung bei der Nutzungskonkurrenz in unseren Breiten: die Bierpreise steigen, weil es für Bauern und Bäuerinnen durch Subventionen und andere politische Weichenstellungen lukrativer ist, ihre Ernte an Agrokraftstofferzeuger zu verkaufen als an Brauereien. Die dänische Brauerei "Carlsberg" hat ihre Preise bereits um 3 Prozent angehoben. Vielleicht geht ja ausnahmsweise die Liebe zur Natur durch den Magen von BiertrinkerInnen - und führt zu radikalen ökologischen Entscheidungen bei der Änderung des westlichen Lebensstils.

Sondergutachten "Klimaschutz durch Biomasse": Zusammenfassung [PDF, 27 S., 140 kB] http://www.umweltrat.de/02gutach/downlo02/sonderg/SG_Biomasse_2007_Kurzfassung.pdf

Quellen

Energie-Infoportal
http://www.energie-infoportal.de/portal/2007-07/klimaschutz-durch-biomasse.html

Copenhagen Post (englisch)
http://jp.dk/uknews/business/article1000685.ece

NABU
http://www.nabu.de/m07/m07_05/06831.html

--
Deutscher Naturschutzring
DNR Geschäftsstelle Berlin / EU-Koordination
Juliane Grüning
Telefon: +49 30 / 4433 91-81
e-mail juliane.gruening@dnr.de

Quelle/Text und weitere Informationen:
www.eu-koordination.de/?page=23&vorlage=fuenfb&id=307

26.07.07    DNR Redaktionsbüro Fachverteiler <info-berlin@dnr.de>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.globalisierung