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Fw: [mobilogisch] Biokraftstoffe: "Verwandlung von Natur in profitable, genmanipulierte gruene Wuesten" (Interview)

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Von: mobilogisch! [mailto:redaktion@mobilogisch.de]
Datum: Mittwoch 31. Januar 2007 13:49

"Hurra, wir kriegen den Kriegs-Hunger-Abholz-Diesel!"

Interview mit Reinhard Behrend von "Rettet den Regenwald"

Deutschland will unabhängig von Erdölimporten werden und fördert daher alternative Energien. Doch Wind und Sonne bieten sich nicht unbedingt für den Autoverkehr an. Bleibt die Energiegewinnung aus Pflanzen. Die Sache hat nur einen Haken: Genug Energie für unseren derzeitigen Mobilitätsstandard kann nicht aus hiesigen Äckern gewonnen werden. Die Zeit drängt und schnelle Entscheidungen werden gefällt. - Wir unterhielten uns mit Reinhard Behrend über die neuen Ölfelder im Süden und deren Auswirkungen:

? Sie haben gerade eine Aktion abgeschlossen, in deren Rahmen hiesige Umweltgruppen gegen Soja- und Palmölfelder in Brasilien und Indonesien protestierten. Soll es in Deutschland nur noch Rapsfelder geben? Was ist die Alternative?

! Der liebe Gott hat dem Menschen zwei Füße gegeben und wenn er nett war auch noch 2 Pedalen. Kurz und gut, wir können die Verkehrspolitik für 800 Millionen Autofahrer auf Kosten von 3 Milliarden hungernden Menschen nicht fortsetzen. Es muss nicht nur die Energieeffizienz - wie das so politisch aalglatt heißt - gesteigert werden, es müssen der Konsum und die Wachstumsideologie grundsätzlich abgeschafft werden. Das ist die Alternative.

? Wer macht sich denn bei uns für Biomasse stark und warum?

! Die Diskussion um Biomasse ist ein gutes Beispiel, wie absurde grüne Politikinteressen, Automobillobby, Agrarabzocke und Kriegsvorbereitungen ineinandergreifen. Manche grüne Energiepolitiker sehen nicht rechts und nicht links und es interessiert sie nicht, welche Wirkungen die Klimapolitik hat. Da wird weltweit über Länder und Ressourcen verfügt, ohne die Menschen zu fragen.

Selbst wenn es massive Proteste vom World Rainforest Movement gegen die Verwendung tropischer Rohstoffe gibt, geht der energiepolitische Sprecher der Grünen, Josef Fell, nicht von seiner vorgefassten Meinung ab. Wir können doch die Biomasse aus tropischen Ländern für unseren Energiebedarf verwenden und damit helfen wir denen sogar. Das hätte Kaiser Wilhelm auch nicht besser vertreten können.

Die Agrarlobby ist natürlich glücklich, dass jetzt Zucker, Weizen oder Pflanzenöl staatlich subventioniert verheizt werden. Die Preise sind schon um 30 Prozent gestiegen. Danke! Danke! Die Autoindustrie sieht das Ende vom Öl kommen und sucht nach jedem Grashalm. In diesem Fall fast wörtlich, und die Kriegspolitiker, die einen Angriff auf den Iran kommen sehen, sind froh über 'freedom fuel', wie George Bush die verbrannten Lebensmittel bezeichnet. Ach ja, dann ist noch die Genlobby, die sich freut, weil gentechnisch manipulierte Pflanzen die Basis von Biokraftstoff sein werden.

? Gibt es weltweit nicht genügend Brachflächen, die für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden könnten?

! Nein! Das World Rainforest Movement hat festgestellt: Die Menschheit verbraucht in einem Jahr soviel Energie wie in 400 Jahren Biomasse nachwächst. Da steht die pseudogrüne Energiepolitik dumm da.

? Sie sagen, dass Sie im Namen der indigenen Völker handeln. Aber ist denn der Anbau von Energiefrüchten nicht auch eine wirtschaftliche Chance für diese Menschen?

! Ja, das "Versprochene Land". Danach suchen viele. Die Sozial- und Umweltorganistion Sawit Watch und das Netzwerk Walhi in Indonesien haben gerade die Studie "Promised Land" veröffentlicht, die die Gesetze untersucht, durch die Plantagenkonzerne sich Land aneignen und wie diese Gesetze angewendet werden. "Promised Land" belegt, dass die Einheimischen enteignet, vertrieben werden, ihrer Wälder, ihrer Lebensgrundlage, ihres Erbes beraubt werden. Es gibt bereits sechs Millionen Hektar Palmölplantagen in Indonesien und 20 Millionen mehr sind geplant. In der Fernsehreportage "Fette Beute" haben die Hamburger Filmemacher Inge Altemeier und Reinhard Hornung die Realität der Palmölplantagen auf Sumatra eindrucksvoll dokumentiert.[1]

? Was für Pflanzen werden denn im Süden angebaut, um unsere Autos zum Rollen zu bekommen?

! Zucker für Ethanol, Palm- und Sojaöl für so genannten Biodiesel, in Zukunft wird wohl alles mögliche dazu kommen. Das Problem ist, dass die Menschen ihre Heimat verlieren, die Pflanzen und Tierwelt ausgerottet wird und minimal Arbeitsplätze entstehen. Wie gesagt, alles für die 800 Millionen Autofahrer und Hunger für 3 Milliarden Arme. Es ist eigentlich immer Konsens gewesen, dass der europäische Lebensstandard weltweit nicht eingeführt werden kann und darf. Trotzdem versucht man ihn immer wieder zu verteidigen. Und die Diener dieses Systems sollen dann dankbar sein, dass sie doch dran "verdienen". Es ist wie mit der Bibel. Erst hatten die Afrikaner das Land und die Weißen die Bibel, dann kamen die Missionare und dann hatten die Weißen das Land und die Afrikaner die Bibel.

? Welche sozialen und ökologischen Auswirkungen befürchten Sie eigentlich für die Anbauländer?

! Eine ökologische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, da potenziell alle Natur in profitable, genmanipulierte grüne Wüsten verwandelt werden kann. Der Tuareg hat unbegrenzt Durst!

? Der am 10. Januar von der EU-Kommission im Rahmen des Energie-Pakets verabschiedete "Biomasse-Aktionsplan" war Anlass für Ihren Offenen Brief. Die EU hat doch aber nicht über die Felder in Brasilien zu entscheiden?

! Die EU schafft die Nachfrage nach den Rohstoffen aus den Tropen. Staatlich subventioniert. Das Ergebnis wird vergleichbar sein mit dem Einschlag eines Asteroiden auf der Erde. Die größte Ausrottung von Leben seit dem Untergang der Dinosaurier.

? Vielen Dank für das Gespräch!


[1] Hornung TV, Arnoldstr. 62, 22763 Hamburg, 040 392234, 20 Euro, www.regenwald.org/mov.php
Info
www.regenwald.org und Zeitschrift Regenwald-Report www.biofuelwatch.org.uk

Redaktion mobilogisch!
Exerzierstr. 20, 13357 Berlin
Fon 030/ 492 74 73, Fax 492 79 72
stefan.lieb@mobilogisch.de
www.mobilogisch.de
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01.02.07    Absender/-in: DNR Redaktionsbüro Fachverteiler <info-berlin@dnr.de>
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