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Russlands Silberstreif am Horizont: Der neue Superbomber Su-34

Russlands Silberstreif am Horizont: Der neue Superbomber Su-34

18:37 | 21/ 04/ 2008

http://de.rian.ru/analysis/20080421/105558971.html

MOSKAU, 21. April (Ilja Kramnik, RIA Novosti). 2006 hat Russland ein neues Rüstungsprogramm bis 2015 gestartet, das neue und modernisierte Kriegstechnik für das Waffenarsenal vorsieht.

Mit dem Frontbomber Su-34 soll die russische Armee ein grundsätzlich neues Flugzeug bekommen, das erste seit Jahren.

Die Su-34 ist laut Gutachten jener, die mit ihr zu tun hatten, ein sehr gutes Flugzeug. Gebaut auf der Grundlage der bereits bewährten Konstruktion Su-27 ist die Maschine mit einem wirksamen Schutzsystem sowie mit modernster Technik ausgestattet und kann zu diversen Zwecken eingesetzt werden: von Bekämpfung feindlicher Truppen unmittelbar auf dem Kampffeld bis hin zur Zerschlagung von unbeweglichen Zielen im tiefen Hinterland des Feindes. Auch kann die Su-34 Aufklärungsaufgaben wahrnehmen und Seeziele bekämpfen.

Die Su-34 soll in den kommenden zehn bis 15 Jahren die Bomber Su-24M (rund 400 Maschinen) sowie die Aufklärungsflugzeuge Su-24MR (über 100 Maschinen) und die MiG-25RB (etwa 70 Maschinen) ersetzen, die im Dienst der russischen Luftwaffe und der Marine stehen.

Wie daraus ersichtlich wird, müssen etwa 550 bis 600 neue Flugzeuge gebaut werden, was in krassem Widerspruch zu den veröffentlichten Produktionsplänen steht. Das Verteidigungsministerium kündigte mehrmals an, bis 2015 nur 58 und bis 2022 nur 300 Su-34 zu kaufen. Angesichts dessen warnen viele Spezialisten, dass Russland überhaupt ohne Frontbomber und Aufklärungsflugzeuge bleiben kann, nachdem die Su-24 Ende des kommenden Jahrzehntes außer Dienst gestellt werden.

Es gibt aber auch die gegenteilige Meinung, dass die Zahl der zu bauenden neuen Flugzeuge angesichts der neuen Doktrin der russischen Luftwaffe völlig ausreicht.

In der neuen Doktrin wird nicht so auf Gefechtsmöglichkeiten der Su-34 wie auf deren Fähigkeit zu langen Überflügen und zur Nachbetankung in der Luft ein Akzent gelegt. Zur Nachbetankung können andere Su-34 mit zusätzlichen Tanks genutzt werden. Dank dem ergonomischen Cockpit kann die Besatzung die Langstreckenflüge gut durchstehen. Auch kann das neue Flugzeug auf die sonst üblichen Geleitflugzeuge des funkelektronischen Kampfes verzichten: Die Su-34 ist mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet, um Radars und andere funkelektronische Anlagen des Feindes irre zu führen.

Mit der Su-34 ausgestattete Verbände können für so genannte "Pendeleinsätze" genutzt werden: Ein und derselbe Verband kann heute Terroristen in Zentralasien angreifen, morgen einen Raketenstützpunkt in Europa bekämpfen und übermorgen die russischen Kriegsschiffe irgendwo im Indischen Ozean unterstützen. Dabei wird er nur Flugplätze auf russischem Territorium nutzen.

Weitreichende und hochpräzise Waffen der Su-34, seine verbesserten Tiefflugfähigkeiten und verstärkter Schutz sollen die Kampfverluste bei solchen Blitzeinsätzen vermindern, während die relativ geringe Zahl der Flugzeuge die Möglichkeit bietet, jede einzelne Besatzung aufs Beste auszubilden.

Dieses Konzept ist nicht neu. Mit hochklassigen Flugzeugen und ausgezeichneten Piloten ausgestattete Elite-Einheiten, die zwischen verschiedenen Frontabschnitten pendeln, bildeten im Zweiten Weltkrieg den Kern der deutschen Luftwaffe. Von einem ähnlichen Konzept ließen sich im Krieg auch die damaligen japanischen Luftstreitkräfte leiten.

Es gibt aber einen sehr wichtigen Unterschied. Im Zweiten Weltkrieg, einem globalen Ermattungskrieg, konnten die elitären deutschen Einheiten nicht lange dem Druck der riesigen Menge der in Bezug auf Qualität der Flugzeuge und Ausbildung der Piloten mittelmäßigen Luftstreitkräfte der Alliierten standhalten. Aus dieser Sicht erscheint die neue Doktrin der russischen Luftwaffe als schwach. Andererseits hat Russland für einen globalen Krieg Atomwaffen zur Verfügung.

In einem Vernichtungskrieg spielt die Zahl der Frontbomber (200, 600 oder 1500) keine Rolle. Wichtig ist, Sprengladungen zu den Zielen auf der anderen Seite der Erde zu bringen. Geht es um einen Lokalkrieg mit einem oder zwei Nachbarstaaten oder um eine Reihe von Lokalkonflikten, sind mobile Kampfstaffeln von gut geschützten und schwer bewaffneten Schnellflugzeugen ein wichtiger Trumpf.

Selbst 58 Su-34-Maschinen, wenn sie am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt würden, wären eine ernsthafte Kraft. Gäbe es 200 bis 300 solche Maschinen, deren Staffeln in den wichtigsten Regionen stationiert würden, würden sie in der Lage, die schwierigsten Aufgaben zu lösen.

Neben den Su-34 soll die russische Luftwaffe andere Kampfjets bekommen, die trotz der relativ geringen Zahl in der Lage sind, das Kampfpotential der Luftstreitkräfte auf dem erforderlichen Standard zu halten. Neue Staffeln werden neben Jagdflugzeugen aus Bombern, Flugzeugen mit weitreichenden Radarsystemen sowie Tankflugzeugen und Drohnen bestehen. Die neuen Verbände sollen sich durch eine hohe strategische Mobilität auszeichnen und schnell in jede beliebige Region verlegt werden können. Dieses Konzept ahmt faktisch die US-amerikanische AEF-Doktrin (Airpower Expeditionary Force) nach. Die Airpower Expeditionary Force sind ein flexibles und zugleich mächtiges Instrument eines Luftkrieges, das überall auf der Welt einsetzbar ist.

Was die Aufklärungsflugzeuge angeht, so wird es diese künftig wahrscheinlich nicht mehr geben. In den Industriestaaten sollen sie in den kommenden Jahren durch unbemannte Drohnen ersetzt werden. Die Welt ändert sich. Mit ihm auch das Antlitz des Krieges.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.


Hallo zusammen,

die Veröffentlichung dieser Meldung von RIA Nowosti erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch

Dmitri Tultschinski,
Leiter des Deutschland-Büros
Russische Informationsagentur Nowosti
tel. (030) 226 05 681
fax 814
eMail tulchin ät t-online.de

Sollte jemand den Beitrag übernehmen wollen, informiert doch bitte Herrn Tultschinski davon und schickt ihm einen Beleg - dankeschön !!

Gruß

Sabine

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21.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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