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Wackernagel: Europa geht "enormes Risiko" einer Ressourcenkrise ein

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information.


http://www.euractiv.com/de/nachhaltige-entwicklung/article-171808

EurActiv - 21. April 2008

Interview: EU geht "enormes Risiko" einer Ressourcenkrise ein

Da die EU-Bürger mehr als die doppelte Menge der auf europäischem Boden verfügbaren Ressourcen verbrauchten, bestehe die Gefahr einer 'ernsten Notlage' durch ein ökologisches Defizit. Dies sagte Mathis Wackernagel vom Global Footprint Network in einem Interview mit EurActiv.

"Ebenso wie ein Bankrott problemlos verhindert werden kann - wenn man versteht, wieviel man gewinnt und wieviel man ausgibt - muss man das gleiche Grundprinzip für ökologische Posten anwenden", sagte Wackernagel. Er ist der Meinung, um eine übermäßige Nutzung von Ressourcen zu verhindern, sollten ökologische Posten in die Konten der einzelnen Länder aufgenommen werden, die genutzt würden, um das Bruttoinlandsprodukt zu bestimmen.

"Wenn wir einen ökologischen Bankrott verhindern wollen, muss mehr getan werden, da dies nicht von allein geschehen kann - und nur "Konten" aufzustellen, ist keine Lösung. Es ist jedoch eine notwendige Bedingung, um dem, was wir verbrauchen, das gegenüber zu stellen, was wir haben", sagte er.

Wackernagels Bedenken über Rohstoffknappheit wurden in den vergangenen Wochen von internationalen Nachrichten verdeutlicht: In Malaysia, Ägypten, Mexiko und einer Reihe weiterer Länder ist es aufgrund in die Höhe schießender Lebensmittelpreise und Lebensmittelknappheit zu Unruhen gekommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte gestern (20. April 2008), dass die Situation den Weltwirtschaftswachstum, die Sicherheit und die Armutsbekämpfung ernsthaft untergraben könnte.

Die weltweit durchschnittlichen Lebensmittelpreise seien laut der Weltbank über die vergangenen drei Jahre um 83% angestiegen. Eine zunehmende Nachfrage nach Getreide in China und Indien, klimawandelbedingte Missernten, höhere Preise für fossile Brennstoffe und die Kultivierung von Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen statt Lebensmitteln werden weithin als Faktoren dieses Anstiegs gesehen.

Unterdessen äußerte auch der EU-Kommissar für Handel, Peter Mandelson, seine Bedenken, dass ein Anstieg der Lebensmittelpreise zu landwirtschaftlichem Protektionismus führen und somit den Fortschritt der Doha-Runde zu Gesprächen über eine weltweite Öffnung des Handels behindern könnte. Man könne der Lebensmittelknappheit nicht begegnen, indem man weitere Knappheit schaffe. Neue Handelsschranken aufzubauen, sei das letzte, das man in Erwägung ziehen sollte, sagte Mandelson in einer Presseerklärung vom 17. April 2008.[1]

Wackernagel sagt, die Angelegenheit sei schlussendlich eine Frage des Etats.

"Es ist ein sehr einfaches Aneinanderreihen aller ökologischen Dienste, auf die wir angewiesen sind und die im gegenseitigen Wettstreit stehen. Ein Wettstreit ist beispielsweise: Wollen wir diesen Platz nutzen, um Kartoffeln oder Nutzholz anzubauen, oder um Kohlenstoffdioxid zu binden? Einige von ihnen können sich eventuell überschneiden. Meistens geschieht die Nutzung jedoch in gegenseitigem Wettbewerb", sagte Wackernagel. Er gesteht jedoch auch ein, dass die größte Wissenslücke darin bestehe, wie man ein langes und gesundes Leben führen kann, Gesundheit, Sicherheit, qualitative Lebensmittel und Schutz haben kann sowie die Fähigkeit, sich uneingeschränkt zu bewegen. "Können wir diese Funktionen gewähren, wenn viel weniger Rohstoffe vorhanden sind?", fragt Wackernagel.

Die EU wird für ihren Mangel an einer kohärenten Strategie für die Handhabung von Rohstoffen kritisiert. Sie soll am 14. Mai 2008 Aktionspläne für Nachhaltigkeit in Verbrauch und Produktion und für nachhaltige Industriepolitik vorlegen (EurActiv vom 21. Februar 2008 [2]). Die Aktionspläne werden Maßnahmen enthalten, die eine Verschwendung von Rohstoffen vermindern und gleichzeitig die Produktpolitik der EU umweltfreundlicher machen sollen.

Weiterhin werden Rat und Parlament am 22. April 2008 mit der Kommission eine Debatte über das Problem der durch die steigenden Lebensmittelpreise verursachten Unruhen führen.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier: http://www.euractiv.com/de/nachhaltige-entwicklung/article-171805

[1] http://ec.europa.eu/trade/issues/bilateral/regions/acp/pr170408_en.htm [2] http://www.euractiv.com/de/nachhaltige-entwicklung/eu-erwagt-grune-produkte-verbraucherverhalten/article-170454

23.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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