|
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/afka1638.html
Schattenblick > INFOPOOL > POLITIK > REDAKTION | AFRIKA/1638
Ressourcensicherung - EU sucht Nähe zu China
EU-Entwicklungskommissar will mit China kooperieren
Nachdem der EU-Afrika-Gipfel im vergangenen Monat in Lissabon auf ganzer Linie gescheitert ist, da sich die afrikanischen Staats- und Regierungschef nicht balbieren lassen wollten, haben die Europäer anscheinend Kreide gefressen und bei China wegen einer möglichen Zusammenarbeit angefragt. Denn das Land hat in den letzten Jahren seine Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent enorm gesteigert. Experten rechnen damit, dass es in den nächsten zwei Jahren der wichtigste Einzelhandelspartner für Afrika wird, noch vor den USA und Frankreich.
Im Unterschied zu den Europäern verlangen die Chinesen von ihren afrikanischen Verhandlungspartnern weder gute Regierungsführung noch Einhaltung der Menschenrechte und räumen ihnen Kredite zu günstigen Konditionen ein, auch wenn, wie in Angola, gewaltige Summen in die Taschen weniger Familien fließen. Die Europäer laufen Gefahr, in Afrika ins Hintertreffen zu geraten, zumal auch die USA reges Interesse an den afrikanischen Ressourcen zeigen. Die Etablierung einer eigenen militärischen Kommandostelle für Afrika, Africom (African Command), zeigt die enge Verbindung zwischen Handel und Militär ... und die Bereitschaft Washingtons, bei der Frage der Ressourcensicherung alle Optionen auf dem Tisch zu haben.
Vergangene Woche Mittwoch kündigte der EU-Kommissar für Entwicklung, Louis Michel, an, dass die Europäische Union mit China eine Partnerschaft bezüglich Afrika schließen möchte. Wenn das kein Friedensangebot ist! Die Abkehr der bisherigen Einstellung des Westens gegenüber China verdeutlicht, wie eng es bereits für die Europäer geworden ist. Dazu hat nicht zuletzt ihr Versuch beigetragen, als Anpassung an Auflagen der Welthandelsorganisation das Handelspräferenzabkommen von Cotonou mit den AKP-Staaten zu beenden und statt dessen mit den einzelnen Staaten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen abzuschließen. Einen termingerechten, vollständigen Vertragsabschluss vermochten die Europäer nur mit einem geringen Teil der fast 80 AKP-Staaten unter Dach und Fach zu bringen. Mit einem weiteren Teil wurden lediglich Interimsabkommen vereinbart.
Auf Augenhöhe wolle man sich mit den Vertretern Afrikas treffen, hatte es seitens der europäischen Staaten auf dem Gipfel in Lissabon geheißen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jedoch den simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe mit scharfen Worten attackiert, was bei ihm und seinen Kollegen überhaupt nicht gut ankam. Die Beschlüsse gingen kaum über allgemeine Absichtserklärungen hinaus.
Unterdessen baut China seine Geschäftstätigkeit in Afrika weiter aus. Letzte Woche Montag besuchte der chinesische Außenminister Yang Jiechi den Kontinent und versprach - im Grunde nicht anders als hiesige Politiker -, dass von der Zusammenarbeit beide Seiten profitieren sollten und dass es ihm darum ginge, die Entwicklung Afrikas in der Weltwirtschaft zu fördern.
Michel hingegen bemühte sich um den Eindruck, als trete er China nicht als Bittsteller gegenüber, sondern als würde das Reich der Mitte froh über die Unterstützung durch die Europäer sein. Auf die Frage, welches Interesse denn China an einer Zusammenarbeit mit der EU hinsichtlich Afrika haben könnte, meinte Michel, dass sich die "afrikanische Elite" über Chinas Interesse an dem Kontinent im klaren sei und entsprechende Reaktionen unvermeidlich sein werden. Das "idyllische Verhältnis" zwischen Afrika und China gehe unweigerlich zu Ende, meinte Michel (EUobserver.com, 15.1.2008). Einzelheiten der angepeilten Zusammenarbeit will er bei seiner ersten offiziellen Chinareise im März vorstellen.
Die chinesische Regierung hat auf das Ansinnen der Europäer höflich reagiert. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, sagte tags darauf gegenüber der Presse, dass China bereit sei, mit den Europäern über eine verstärkte Zusammenarbeit und den Austausch über Afrika-Themen, zu verhandeln. Doch müssten die Einstellungen der afrikanischen Regierungen in Zukunft uneingeschränkt respektiert werden (AFP, 10.1.2008).
Die afrikanischen Staaten geraten gegenwärtig in die komfortable Position, dass sie von den Weltmächten umworben werden. Ob dies in eine langfristige Verbesserung der Lebensqualität der Menschen auf diesem Kontinent beiträgt, ist zu bezweifeln. Die Kolonialgeschichte, in der die europäischen Staaten gegeneinander um Afrika konkurrierten, hat etwas anderes gelehrt. Womöglich trifft das alte afrikanische Sprichwort zu: Wenn zwei Elefanten gegeneinander kämpfen, hat vor allem das Gras darunter zu leiden.
15. Januar 2008
Copyright 2008 by MA-Verlag, Dorfstraße 41, 25795 Stelle-Wittenwurth
Telefon 04837/901-229 · Fax 04837/901-230
E-mail: ma-verlag.redakt.schattenblick ät gmx.de
Internet: www.schattenblick.de
|