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Allg. Zeitung Mainz: Gläserne Menschen? (Kommentar zu Gentests)
Mainz (ots) - Versicherer fänden es sicherlich hilfreich: Ein
Blick in die Gene eines potenziellen Kunden, und sie könnten
einschätzen, ob sie ihre Prämien problemlos einstreichen können oder
wegen teurer Behandlungen möglicherweise kräftig draufzahlen müssen.
Und auch mancher Arbeitgeber würde für einen Blick ins Erbgut von
Bewerbern viel geben. Schlimmer noch: Eltern könnten nach Gentests am
Embryo entscheiden, ob sie dieses Kind wirklich wollen. Ein wahres
Horrorszenario! Den sich in rasender Geschwindigkeit entwickelnden
Möglichkeiten, die die moderne Gentechnik bietet, rechtzeitig Grenzen
zu setzen, hatte sich schon Rot-Grün vorgenommen. Zurecht, denn
Diskriminierung aufgrund genetischer Veranlagung darf es nicht geben.
Nach den nun präsentierten Eckpunkten will die Große Koalition zwar
hohe Hürden für Gentests errichten. Aber es soll eben doch Ausnahmen
geben. Bei Versicherungen möglicherweise im Fall sehr hoher
Vertragssummen, bei Arbeitgebern für bestimmte Berufe. Und bei
Ungeborenen? Noch sind sehr viele Fragen offen. Die Materie ist so
komplex, die Entwicklung so schnell, dass der Gesetzgeber sich
zwangsläufig schwer tun muss. Die Realität ist längst weiter: Auf
Internetplattformen werden Gentests für rund 700 Euro angeboten. Und
auch wenn heimliche Vaterschaftstests verboten sein sollen, wer kann
sie heute wirklich verhindern? Wo oft ein Haar oder eine Hautschuppe
reichen, helfen Gesetze nur bedingt. Wirkungslos werden sie zumal
dann bleiben, wenn keine Strafen darauf stehen, heimlich anderer
Leute Erbgut auszuspionieren. Und selbst dann - der gläserne Mensch
ist in der Medizin längst keine Vision mehr. Daran ändern auch
Gesetze nichts. Leider!
Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz
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