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stern: Illegale Bespitzelung von Mitarbeitern nicht nur bei Lidl
Hamburg (ots) - Nicht nur der Lebensmitteldiscounter Lidl
überwacht gesetzeswidrig seine Mitarbeiter. Wie das Hamburger Magazin
stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet,
setzen auch die Discounter Penny, Plus, Netto und Norma systematisch
versteckte Kameras und Detektive ein, um ihre Beschäftigten zu
kontrollieren. Dem stern liegen Protokolle aus 150
Einzelhandelsfilialen verschiedener Fimen vor. Selbst Unternehmen wie
Rewe, Edeka, Tegut, Hagebau oder Famila ließen ihre Mitarbeiter
bespitzeln und die Beobachtungen schriftlich festhalten.
Die ältesten Protokolle stammen aus dem Jahr 2003, die jüngsten
vom Dezember 2007. Sie zeigen, dass die Detektive permanent gegen
Gesetze verstoßen haben. Beschäftigte heimlich auszuspähen, ist nur
bei begründetem Verdacht einer Straftat erlaubt. Und dann auch nur,
wenn es kein anderes Mittel gibt, den Sachverhalt aufzuklären.
Die Protokolle zeigen allerdings, dass jeder Mitarbeiter
bespitzelt werden konnte. Die Detektive interessierten sich auch für
private Beziehungen: "Herr U. hat im Augenblick Probleme mit seiner
Ehefrau, die aus Albanien kommt." Es geht um die Krankheiten wie das
Augenleiden und die nötige Brille einer Mitarbeiterin oder den
Bandscheibenvorfall eines Ehemannes. Notiert wird die Automarke, die
die Mitarbeiter fahren, und wer welche Laster hat: "Herr N. ist ein
starker Raucher. Weiter fielen seine stark zitternden Hände sofort
auf. Auch der Schweiß auf seiner Stirn während der Ruhephase war
ungewöhnlich."
Auch das Unternehmen Aldi Süd, dem bisher keine
Mitarbeiterüberwachung nachgewiesen werden konnte, hat nach
Recherchen des stern in mindestens sieben Fällen in Brandmeldern
versteckte Kameras installiert, die die Laderampe überwachen. Aldi
versichert, alle Mitarbeiter und langfristige Lieferanten hätten dies
gewusst. Warum die Kameras versteckt angebracht wurden, konnte der
Discounter nicht erklären.
Die Handelskonzerne leugneten gegenüber dem stern in den meisten
Fällen die Überwachung nicht. Rewe (Penny) teilte auf Anfrage mit,
dass die Detektive auch Mitarbeiter überwachen sollten, allerdings
ausschließlich, um Diebstähle aufzuklären. "Eingriffe in die
Privatsphäre unserer Mitarbeiter" wolle man nun aber "vorbehaltlos
aufklären". Edeka erklärte: "Einen Auftrag für die Erstellung von
Protokollen über das Verhalten der Beschäftigten in den Pausenräumen
gab es nicht." Tegut bestätigte dem stern, dass mit einer Detektei
vier Aufträge vereinbart wurden. Allerdings "hatte der Dienstleister
keinen Auftrag, Mitarbeitende zu observieren". Famila teilte auf
Anfrage mit, dass sich die Aufträge an die Detekteien "ausschließlich
auf das Aufdecken von Ladendiebstählen" bezogen hätten.
Geschäftsführer Torsten Hauschild: "Wir können nicht gänzlich
ausschließen, dass es in Einzelfällen zu Fehlverhalten gekommen sein
kann." Plus räumte ein, dass es "einzelne Fälle aus Norddeutschland"
gebe, in denen Notizen "zu einzelnen Filialmitarbeitern erscheinen".
Aber: "Diese haben wir weder ausgewertet noch genutzt." Künftig
würden derartige Notizen "nicht mehr akzeptiert", so
Plus-Geschäftsführer Alfred Glander zum stern.
Originaltext: Gruner+Jahr, stern
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