|
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V.
Drawehner Str. 3 29439 Lüchow
www.bi-luechow-dannenberg.de
Büro: Tel: 05841-4684 Fax: -3197
büro ät bi-luechow-dannenberg.de
Pressesprecher: Francis Althoff 05843 986789
presse ät bi-luechow-dannenberg.de
Pressemitteilung 28.01.08
Castortransport: Klage gegen Datenspeicherung
Der Lüchow-Dannenberger Kreistagsabgeordnete Martin Donat hat vor dem
Verwaltungsgericht Lüneburg gegen die Speicherung seiner persönlichen
Daten in Polizeidateien bei einem Castortransport nach Gorleben Klage
erhoben. Damit will er sich gegen die Feststellung seiner Personalien
während einer rechtlich umstrittenen Polizeieinkesselung am 10. November
2006 bei einer Treckerblockade in Pudripp zur Wehr setzen.
Der Abgeordnete und stellvertretende Bürgermeister der betroffenen
Gemeinde Zernien, durfte den nach nicht ordnungsgemäß aufgelöster
Versammlung eingerichteten Polizeikessel erst nach Stunden und
erkennungsdienstlicher Erfassung, auch durch digitale Videoaufnahmen,
verlassen. In einem Klageverfahren vor dem Amtsgericht Dannenberg
begründete die Polizei die Maßnahmen mit der Einleitung eines
Ermittlungsverfahrens wegen Nötigung durch die Treckerblockade. Gegen
über 300 Eingekesselte waren solche strafrechtlichen Ermittlungsverfahren
eingeleitete worden, obwohl keinerlei Anhaltspunkte vorliegen, wie
Unbeteiligte und Traktorfahrer auseinandergehalten werden können.
Nach Auffassung der Hamburger Anwältin Ulrike Donat veränderte die
Polizei danach gesetzeswidrig den Zweck der Datenspeicherung. Nunmehr
wird der Betroffene als "Gefährder" in präventivpolizeilichen Dateien
geführt, nämlich im Auskunftssystem der Polizei Niedersachsen NIVADIS,
und darüber hinaus in der Staatschutzdatei APIS. Beide Dateien sind im
Datenverbund mit allen Polizeibehörden des Bundes und der Länder
vernetzt. BKA, Landeskriminalämter und weitere Polizeibehörden können
diese Daten abrufen. Bei jeder normalen Straßenkontrolle wird der
Abgeordnete dadurch auffällig, obwohl der Strafvorwurf bis heute nicht
belegt werden kann.
Außerdem hat die Sonderkommission "Ermittlungsgruppe Castor" (EG Castor)
offensichtlich eine eigene Datenbank errichtet, in welcher der Kläger
gespeichert ist, nämlich die Datei "Castortransporte - ISAS". "Die EG
Castor ist bekannt für erfolglose Ermittlungen, aber auch für die
Erfindung immer neuer Kriminalisierungsmethoden für Castorgegner, die in
den allermeisten Fällen nur ihre Versammlungsfreiheit wahrnehmen oder
ihre atomkritische Meinung äußern", fasst Anwältin Donat zusammen.
Der Kläger verlangt die Löschung seiner Daten und Auskunft darüber, an
welche weiteren Stellen seine Daten als "Gefährderdaten" übermittelt
worden sind. Seit dem 1. Januar 2008 werden Daten von sogenannten
"Gefährdern" europaweit an Polizeibehörden und Sicherheitsdienste
übermittelt. "Niemand kann dann mehr kontrollieren, wer welche zu Recht
oder zu Unrecht über ihn gespeicherten Daten verarbeitet", beschreibt
Ulrike Donat das Ausmaß der Datensammelung.
Francis Althoff 05843- 986789
RA Ulrike Donat 0171-7175913 u.donat ät hamburg.de
Martin Donat 05863-1281
|