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Ein kurzer Bericht von der Aktion am 6.11. gegen
Vorratsdatenspeicherung in Stuttgart:
Erfolgreiche Aktion gegen Vorratsdatenspeicherung in Stuttgart
Ungefähr 250 Menschen nahmen gestern an der kurzfristig organisierten
Aktion gegen die Pläne der Bundesregierung zur Neuordnung der
Vorschriften über die Telekommunikationsüberwachung und zur Umsetzung
der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Stuttgart teil.
Ungefähr 150 Menschen unterstützen direkt vor Ort die geplante
Sammelklage mit ihrer Unterschrift. Bereits am Freitag und in nur 30
Minuten will der Bundestag die umstrittene Vorrats-Speicherung
sämtlicher Kommunikations-Daten beschließen.
Die Pläne zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sehen vor,
ab dem nächsten Jahr alle Telekommunikationsunternehmen zu verpflichten,
Daten über die Kommunikation ihrer Kunden auf Vorrat zu speichern.
Angeblich um Straftaten besser verfolgen zu können, soll gespeichert
werden, wer im vergangenen halben Jahr per Handy, Festnetz-Telefon oder
E-Mail mit wem in Verbindung gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten und
SMS sollen auch der jeweilige Standort des Benutzers und die eindeutige
Seriennummer des Telefons festgehalten werden. Bis spätestens 2009 soll
zudem die Nutzung des Internet nachvollziehbar werden.
Die Sorge um demokratische Rechte, aber auch der Wille, gegen deren
Zerschlagung zu kämpfen kam in einem von Hanno Böck gehaltenen
Redebeitrag zum Ausdruck:
"Liebe anwesende Freundinnen und Freunde der Privatsphäre,
Wir demonstrieren heute gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung, die
diesen Freitag im Bundestag zur Abstimmung gebracht werden soll. Für
sechs Monate soll zukünftig gespeichert werden, wer mit wem telefoniert,
wem eine eMail schreibt, wann online geht und wo ein Handygespräch führt.
Wir demonstrieren auch dagegen, dass in den letzten Jahren der
Datenschutz mit dem Holzhammer demontiert wurde, selbstverständlich
immer im Namen der Sicherheit. Biometrische Pässe mit Funkchips,
erhebliche Ausweitung der Telefonüberwachung, Videokameras an fast allen
öffentlichen Orten. Mit der Sicherheit lässt sich allzu viel rechtfertigen.
Aber ist das überhaupt ein Problem? »Wer nichts zu verbergen hat, hat
auch nichts zu befürchten« heißt es gerne.
Das Argument »Ich hab ja nichts zu verbergen« ist ein fadenscheiniges.
Es geht davon aus, dass Strafverfolgungsbehörden ihre Machtmittel
niemals mißbrauchen. Dass dies auch in Deutschland weit von der Realität
entfernt ist, durfte vor kurzem der berliner Soziologe Andrej Holm
erfahren - er wanderte, wegen Verdacht auf Mitgliedschaft in einer
terroristischen Vereinigung - für mehrere Tage in den Knast. Die
Begründung der Bundesanwaltschaft liest sich wie eine Satire, leider ist
sie bittere Realität. Andrej hatte die falschen Bekannten, mit denen er
sich traf, und, noch schlimmer, er tat dies sogar, ohne sein Handy
mitzunehmen. Desweiteren sei er intellektuell in der Lage, die Texte der
»militante gruppe« mitverfasst zu haben. So schnell wird man in
Deutschland Terrorist.
Wer immer noch glaubt, dass die bei der Vorratsdatenspeicherung
erhobenen Daten in sicheren Händen sind, dem sei gesagt, dass neben
deutschen auch mehrere Duzend ausländische Strafverfolgungsbehörden
Zugriff erhalten sollen.
Das allein wäre schon schlimm genug - jedoch wollen noch mehr Menschen
wissen, wer wann online geht und mit wem telefoniert. Inhaber
sogenannter geistiger Eigentumsrechte, also in erster Linie die Musikund
Filmindustrie, sollen direkten Zugriff auf die Vorratsdaten erhalten
- ohne Richtervorbehalt, ohne externe Kontrolle.
Dass diese Industrien in der Vergangenheit nicht gerade sorgsam bei der
Ermittlung von mutmaßlichen Raubkopierern vorgingen, dürfte bekannt
sein. So wurden schon Menschen verdächtigt, illegales Filesharing zu
betreiben, die garkeinen Computer besaßen. Auch gegen bereits gestorbene
Menschen hat die Musikindustrie schon ermittelt.
Eine alte Datenschützerweisheit lautet: Wo Daten anfallen, entstehen
Bedürfnisse. Deshalb haben bereits weitere Gruppierungen Interesse an
den Vorratsdaten angemeldet, so forderte etwa der Philologenverband den
Zugriff für Schulleitungen, um aufmüpfige Schüler zurechtweisen zu können.
Ein letztes noch: Ich habe kürzlich gelesen, dass momentan die erste
Generation heranwächst, die mehr Geld für Technik als für Kleidung
ausgibt. Für die meisten Anwesenden vermutlich kaum vorstellbar, dass es
jemals anders war. Man spricht auch von der Generation MySpace.
Ich finde diese Entwicklung einerseits spannend, andererseits
besorgniserregend. Was ich mir wünschen würde, wären Menschen, die
technikbegeistert sind, die aber gleichzeitig auch kritisch mit Technik
umgehen. Die zwar wissen, wie man ein Blog schreibt oder ein Podcast
betreibt, aber nicht unbedingt alle persönlichen Details im StudiVZ
ausbreiten. Teil einer solchen Bewegung würde ich gerne sein. Ich hoffe
ihr seid dabei. Danke."
- Quelle
- http://www.trueten.de/archives/3437-Erfolgreiche-Aktion-gegen-Vorratsdatenspeicherung-in-Stuttgart.html
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Bonan tagon,
Thomas Trueten http://www.trueten.de
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