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Pressemitteilung 3.05.12
Die verlorenen Mädchen
BI: Die Region fühlt sich im Stich gelassen
Rufschädigung des Wendlands hat begonnen
Im Umkreis um das Zwischenlager in Gorleben werden deutlich weniger
Mädchen als Jungen geboren. Das hatte der Mathematiker Hagen Scherb
herausgefunden. Er rechnete vor, dass seit 1996 bereits 1000 Mädchen in
der Statistik fehlten. Der Humangenetiker Karl Sperling aus der
Berliner Charité vermutet, dass radioaktive Niedrigstrahlung das
X-Chromosom des potentiellen Vaters schädigen kann mit dem Effekt, dass
weibliche Embryonen in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft
unbemerkt absterben.
"Wenn man bedenkt, dass 1995 die ersten Castoren in Gorleben
eingelagert wurden und bereits ein Jahr später die Zahl der geborenen
Mädchen zurück geht, liegt die Vermutung nahe, dass da ein Zusammenhang
besteht", kommentiert die Bürgerinitiative Umweltschutz
Lüchow-Dannenberg (BI) die neuen Erkenntnisse.
Aus Kreisen der Atomindustrie war zu hören, es gäbe keine Beweise für
einen Zusammenhang. Geburtenraten unterlägen natürlichen Schwankungen
und die gesetzlichen Grenzwerte würden eingehalten. "Forscher weisen
schon seit Jahren darauf hin, dass auch Niedrigstrahlung einen Effekt
auf Organismen haben könne", kontert BI-Sprecher Lennart Müller. Seit
2010 seien diese neuen Erkenntnisse auch in den Empfehlungen des
"Europäischen Komitees für Strahlenrisiken" (ECRR) zusammen gefasst.
Die Nachrichten sind eine große Belastung für die Region und schürten
die Verunsicherung, die Rufschädigung des Wendlands hat begonnen: "Ob
es nun die Strahlenwerte des Castorlagers, die verlorenen Mädchen oder
das Endlagerprojekt ist, die Region fühlt sich in entscheidenden
Momenten von der Landesregierung im Stich gelassen. Strahlenwerte
werden runter gerechnet, über die möglichen Folgen der Niedrigstrahlung
informiert seit Jahren die Bürgerinitiative und die Landesregierung
taucht ab, statt jetzt endlich zu intervenieren. Das Gezerre um
Gorleben raubt einem den Nerv", sagte Wolfgang Ehmke (BI).
Lennart Müller 0175 199 29 89
Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06
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