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Medienerklärung zu den jetzt bekannt gewordenen Sicherheitsnachweisdefiziten
neuer Castoren
Warnungen der Umweltschützer leider bestätigt
Castor-Sicherheit unbewiesen
Ein zentraler Kritikpunkt gegen die Genehmigung von Deutschlands größtem
Atommüll-Lager, dem Zwischenlager Gundremmingen, war im Jahr 2001:
Der sichere Einschluss des tödlich strahlenden Atommülls wird angesichts der
billigen Leichtbauweise der Zwischenlager nur durch die Castoren
versprochen. Und diese Castoren wurden nie im Original realistischen
Crashtests unterzogen. Die Sicherheit der Atommüllbehälter ist nicht
bewiesen, sondern wurde auf Grund von Tests an kleineren Castormodellen nur
kalkuliert und behauptet.
Wie heute durch eine Veröffentlichung der Süddeutschen Zeitung bekannt
wurde, hat die Bundesanstalt für Materialforschung, BAM, jetzt die Notbremse
gezogen. Nach monatelangem Tauziehen um überprüfbare Sicherheitsnachweise
für einen neuen Castor hat die BAM dem Hersteller der Castoren vorerst die
Typengenehmigung verweigert. Dieser Castorhersteller ist die Essener Firma
GNS und gehört den Stromkonzernen RWE, EON usw.
Es waren Vertreter der GNS, die bei der Günzburger Anhörung für das
Gundremminger Zwischenlager im Oktober 2001 den Sicherheitsbeweis für die in
Gundremmingen zum Einsatz kommenden Castoren V/52 verweigert haben. Mit u.a.
dubiosen Bildern von Sturztests von Castormodellen sowie nicht vorgelegten
Rechnungen wurde die Sicherheit der Castoren nur behauptet.
Und dabei sind die Castoren die gefährlichsten Gegenstände, die man sich
vorstellen kann: In einem einzigen Castor wird so viel langdauernde
Radioaktivität verwahrt, wie insgesamt in Tschernobyl frei gesetzt wurde.
Übrigens: Schon Ende 1992 wurde ein angekündigter Atommüll-Transport von
Gundremmingen nicht durchgeführt, weil Castorprobleme dies verhinderten.
Einzelheiten wurden nie mitgeteilt.
Seit Inbetriebnahme des Gundremminger Zwischenlagers im Sommer 2006 wurden
17 Castoren eingelagert. Bei einem dieser Castoren mußte Ende 2006
wochenlang die Schließung unterbrochen werden, da der Deckel verkantet
wurde. Drei Atommüllbehälter wurden 2007 genehmigungswidrig ins
Zwischenlager gestellt, obwohl der erforderliche Nachweis der
Langzeitdichtheit nicht erbracht war.
Und noch kein einziger Original-Castor V/52 wurde realistischen Crashtests
unterzogen. RWE und EON spielen mit unserer Sicherheit. Wenn nur ein Teil
der in einem Castor isolierten Radioaktivität frei gesetzt würde, hinge es
von der Windstärke und -richtung ab, ob Stuttgart oder München, Ulm oder
Augsburg, Kempten oder Nürnberg und all die Landkreise dazwischen evakuiert
werden müßten.
Wir Umwelt- und Gesundheitsschützer warnen weiter. Leider wird immer wieder
die Notwendigkeit unserer Warnungen durch reale Ereignisse bestätigt.
Wenn wir nicht schnellstmöglich aufhören, diesen gefährlichsten Müll aller
Zeiten herzustellen und anfangen den schon erzeugten Atommüll so sicher wie
nur möglich zu lagern, kann das zum Untergang unserer Atomländer führen.
Raimund Kamm (Vorstand)
FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager
und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.
www.atommuell-lager.de <http://www.atommuell-lager.de/>
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