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Deutscher Strahlenexperte fordert drastische Senkung der Grenzwerte

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tirol.com, 9.5.08

Deutscher Strahlenexperte fordert drastische Senkung der Grenzwerte

Eine Senkung der Grenzwerte um den Faktor 50 hat der deutsche Strahlen-Experte Edmund Lengfelder am Freitag in einer Pressekonferenz mit oberösterreichischen Atomgegnern in Linz verlangt. Die dafür nötige Umrüstung würde seinen Schätzungen nach allerdings "mehrere hundert Mio. Euro" pro AKW-Block kosten. Eine im Dezember 2007 veröffentlichte Kinderkrebsstudie ist für ihn "der letzte Nagel, um den Sarg der Atomkraft zu schließen".

Die Studienautoren waren nach Untersuchungen des deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz zu dem Ergebnis gekommen, dass von 1980 bis 2003 im Umkreis von fünf Kilometern um Atomreaktoren 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie, erkrankt waren. Im statistischen Durchschnitt seien 48 Krebsfälle (17 Leukämie) zu erwarten gewesen.

Häufige Pannen

Hätte man die Studie im Gebiet um das 50 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernte tschechischen Atomkraftwerk Temelin durchgeführt, wären die Ergebnisse noch dramatischer ausgefallen, gab sich Lengfelder überzeugt. Grund seien die häufigen Pannen in dem Reaktor - laut Zählung der Plattform "atomstopp_oberoesterreich" hat sich Mittwochnacht bereits der 115. Zwischenfalle ereignet.

Radioaktive Partikel werden vorwiegend über die Atmung oder über die Nahrung aufgenommen, erklärte Lengfelder, der dem Otto-Hug-Strahleninstitut in München vorsteht. Besonders problematisch seien radioaktiver Wasserstoff (Tritium) und radioaktiver Kohlenstoff in Form von CO2, denn diese Stoffe würden nicht herausgefiltert und seien schwer zu messen. Der menschliche Körper nehme sie rasch auf. Auch Flusswasser, das im Kraftwerk zum Kühlen und später beispielsweise zum Bewässern von Gemüse verwendet wird, sei eine Quelle für Strahlenbelastung, so der Experte.

Nicht verharmlosen

Für ihn gibt es nur eine Konsequenz: Die derzeit bestehenden Grenzwerte drastisch senken. Das Argument, dass sie sich ohnehin an der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlung orientieren würden, will der Experte nicht geltenlassen. Die in der Natur vorkommende Strahlung sei allein für fünf bis zehn Prozent aller Krebsfälle verantwortlich, daher dürfe man sie nicht verharmlosen.

Ein deutsches AKW mache pro Tag rund eine Mio. Euro Reingewinn, rechnete Lengfelder vor. Das sei knapp doppelt so viel wie bei einem anderen Kraftwerk. Aus Gründen der Versorgungssicherheit sei die Atomkraft "bei uns nicht nötig". Eine technische Nachrüstung, um die von ihm angeregten niedrigeren Grenzwerte zu erreichen, würden die Technologie wohl unwirtschaftlich machen, ist für ihn die Abkehr von der Atomkraft unausweichlich.

10.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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