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ZDF, 08.05.2008
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,7236476,00.html
AKW Neckarwestheim
Schrottbeton für Atom-Zwischenlager in Neckarwestheim?
Bericht. Ex-Mitarbeiter erhebt Vorwürfe gegen Firma
Billiges Steinmehl statt hochwertigen Zements? Für das Zwischenlager des
AKW Neckarwestheim in Baden-Württemberg soll teils schlechter Beton
verwendet worden sein. Ex-Mitarbeiter erheben einem Bericht zufolge
schwere Vorwürfe gegen ihre alte Firma.
Beim Bau des Zwischenlagers habe ein Unternehmen etwa 35.000 Kubikmeter
Beton geliefert, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Ein ehemaliger
Mischmeister des Herstellers behaupte nun, dass überall dort, wo der
fragwürdige Beton eingesetzt worden sei, "deutlich vor Ablauf der
erwarteten Lebenszeit teure Sanierungen oder sogar die Abrissbirne
drohen". Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüfe Anschuldigungen von ExMitarbeitern
des Betonherstellers.
Ermittlungen gegen Firma
Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen den 40-jährigen Firmeninhaber,
einen mittelständischen Unternehmer aus dem Raum Stuttgart, berichtete
das Blatt weiter. Er werde von mehreren früheren Mitarbeitern schwer
belastet. Der Zeitung lägen eidesstattliche Versicherungen der ExAngestellten
vor. In dem unterirdischen atomaren Zwischenlager des AKW
Neckarwestheim werden abgebrannte Kernelemente aufbewahrt, bevor sie zur
Wiederaufbereitung gebracht werden. Das baden-württembergische
Umweltministerium kündigte dem Bericht zufolge an, es werde den
Sachverhalt umgehend prüfen.
Messe und Museen betroffen?
Unter Berufung auf die Aussagen der Ex-Mitarbeiter berichtete die "SZ",
der minderwertige Beton sei unter anderem auch beim Bau der Neuen Messe
Stuttgart sowie bei den Museen der Autohersteller Mercedes-Benz und
Porsche eingesetzt worden, ferner beim Bau der Stuttgarter Arena, der
Landesbank sowie der Schwabengalerie. Ein Sprecher des Betonherstellers
sagte der Zeitung, er könne sich "im Hinblick auf das laufende
Ermittlungsverfahren zu den Vorgängen nicht äußern": "Es ist völlig
unverständlich, dass solch offensichtlich falsche Behauptungen
aufgestellt werden."
Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte der "SZ" indes, gegen
den Unternehmer werde "unter anderem wegen des Verdachtes des Betruges"
ermittelt. Der Firma werde vorgeworfen, "teilweise Beton geringerer
Qualität als vereinbart und abgerechnet geliefert" zu haben. Zudem werde
überprüft, ob "Kunden auf der Grundlage fingierter Lieferscheine zu hohe
Rechnungen bezahlt" hätten. Ende 2007 seien das Privathaus des
Unternehmers und Firmenbüros durchsucht worden. Die Unterlagen würden
noch geprüft. Gesicherte Erkenntnisse gebe es noch nicht, auch sei noch
unklar, welche Bauten womöglich betroffen seien.
Ex-Mitarbeiter: Billiges Steinmehl
Ex-Mitarbeiter schilderten der Zeitung, wie an den Betonmischanlagen
manipuliert worden sein soll. Demnach soll es unter anderem getrennte
Steuerungskreisläufe gegeben haben. "Durch schlichtes Umstellen auf
Kreislauf zwei" sei anstelle von "hochwertigem Zement billiges Steinmehl"
beigemischt worden. Der Mischmeister habe dies nicht verhindern können,
da der Prozess via Internet aus der Firmenzentrale oder vom Chef "mit
seinem Laptop sogar auch aus dem Auto heraus" gesteuert worden sei.
"Die Folgen der Manipulationen" seien nicht auf den ersten Blick
erkennbar, erklärte ein früherer Mitarbeiter an Eides statt: "Auch der
minderwertige Beton härtet aus und Bauwerke scheinen standsicher."
Allerdings sei die Lebensdauer kürzer. 8
Mit Material von dpa
C ZDF 2008
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