Nadeshda
Forum: cl.politik.atom-presseschau
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Ahaus: Kampfansage an die Atommafia!

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information.


Deutschland, 2008-05-06

Ahaus: Kampfansage an die Atommafia!

Am Wochenende trafen sich rund 150 Atomkraftgegner, um sich international zu vernetzen. Aus der gesamten Bundesrepublik sowie aus Rußland, Finnland, Schweden, Ungarn, Frankreich und den Niederlanden reisten Aktivisten ins westfälische Ahaus. Die Teilnehmer stellten zunächst ihre örtlichen Aktivitäten vor: Russische Aktivisten kämpfen zur Zeit besonders gegen Atommüllimporte. »Wir haben Container aus Frankreich und den USA entdeckt«, erzählte der Petersburger Rashid Alimow. Doch auch deutscher Müll wird nach Rußland gebracht. Die russische Regierung plant, in den nächsten zwölf Jahren 38 neue Atomkraftwerke zu bauen. Dabei seien nach neuesten Umfragen 78 Prozent der Bevölkerung gegen die Errichtung neuer Reaktoren, berichtete Wladimir Sli=wjak aus Moskau.

Mit ähnlichen Problemen schlägt sich auch Ulla Klötzer aus Finnland herum. Dort befindet sich gerade der weltweit größte AKW-Prototyp im Bau. Die Fertigstellung des Reaktors läßt auf sich warten - schon heute hat das Projekt weit über ein Jahr Verspätung. Auch die Kosten explodieren: Mit drei Milliarden Euro wurde kalkuliert, nach neuesten Erhebungen sind jedoch sechs Milliarden realistisch. Außerdem soll in Finnland 2020 das erste atomare Endlager der Welt in Betrieb gehen. Die finnischen Umweltschützer befürchten, daß ihr Land bald zur radioaktiven Müllkippe für ganz Europa verkommt. Auch im Nachbarland Schweden soll demnächst die Planung für ein Endlager beginnen.

Ungarische Atomkraftgegner haben für ihr Land ein Konzept zum Umsteigen von Atom- und Kohlestrom auf erneuerbare Energien erstellt. Außerdem arbeiten ungarische Greenpeace-Mitglieder seit mehr als einem Jahr an einer Anti-Uran-Kampagne.

In Frankreich kämpfen Aktivisten momentan gegen einen neuen Testreaktor in Flamanville, berichtete Cécile Lecomte. Dabei sind sie verstärkter staatlicher Repression ausgesetzt.

In Deutschland hat in letzter Zeit vor allem die Kinderkrebsstudie über Leukämiefälle rund um Atommeiler für Aufsehen gesorgt - Horst Blume von der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm bedauerte, daß der mittlerweile stillgelegte Hochtemperaturreaktor in Hamm nicht von der Studie erfaßt wurde. Der BI seien zahlreiche Krebsfälle in der Region bekannt.

Am Sonntag endete die Konferenz mit einem Autokorso zur deutschen Urananreicherungsanlage Gronau. Zuvor wurde eine gemeinsame Abschlußerklärung verfaßt: Hauptforderung der Konferenzteilnehmer ist der sofortige Atomausstieg. Zudem wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es noch immer kein sicheres Endlager für Atommüll gibt.

Dem an die Frühjahrskonferenz angelehnten Anti-Atom-Camp direkt gegenüber dem Ahauser Zwischenlager drohte zeitweilig die Räumung durch die Polizei. Das bunte Camp begann bereits am 1.Mai - nach einem Rundgang von 30 Demonstranten um die Anlage kam es zu Übergriffen seitens der Ordnungshüter. Willkürlich wurden Personalien festgestellt, ein nervöser Polizist drohte gar mit seiner Waffe.


Thema: Aktion / Termin - Rubrik:
Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/05-06/033.php

gefunden bei contrAtom.de

07.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.atom-presseschau