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Risse am Kernmantel des KKW Muehleberg/Schweiz

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Schweiz, 2008-05-04

Bis an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten
Risse am Kernmantel des KKW Mühleberg/Schweiz

Seit Mitte der 1990-er Jahre ist die Rissbildung am Kernmantel des Reaktors im KKW Mühleberg in der Nähe von Bern bekannt. Das Kernkraftwerk aus dem Jahr 1972 ist das einzige schweizerische Kernkraftwerk mit einer befristeten Betriebsbewilligung, die 2012 ausläuft. Jedoch kann die Bewilligung auf Antrag des Betreibers von der zuständigen Behörde verlängert werden.

In den letzten 10 Jahren sind die Risse in den Wärmeeinflusszonen der Rundnähte des Kernmantels zum Teil um über einen Meter gewachsen. Die letzte periodische Sicherheitsüberprüfung zeigt, dass bereits 25 % der Länge der meistbetroffenen Rundnaht gerissen sind und die maximale Risstiefe bereits über 3 Zentimeter beträgt. Die zuständige Behörde sieht allerdings weiter die Sicherheitserfordernisse erfüllt. Die Schweizerische Antiatomgruppe Fokus Antiatom kritisiert diese Vorgehensweise jedoch aufs Schärfste.

Zunehmend werden KKW auf Grund rein wirtschaftlicher Überlegungen bis an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten betrieben - diese Entwicklung ist für die WUA inakzeptabel. Die Kernenergie ist eine Hochrisikotechnologie, bei welcher Risikominimierung und höchste Sicherheitsanforderungen an erster Stelle stehen müssen. Die Folgen eines schweren Unfalls in Mühleberg, der durch die Schwächung von Sicherheitskomponenten noch gravierendere Folgen haben könnte, wäre nicht nur für die Schweiz katastrophal. Die möglichst rasche Stilllegung ist die sicherste Methode um derartige Unfälle zu verhindern.

KKW Mühleberg (KKM) ist das kleinste der fünf Schweizer Kernkraftwerke. Die Anlage besitzt einen Siedewasserreaktor vom Typ BWR 4 des amerikanischen Herstellers General Electrics und liegt am Rheinzufluss Aare in der Westschweiz, etwa 15 Kilometer von der Bundeshauptstadt Bern entfernt. Das Kraftwerk wurde in den Jahren 1967 bis 1971 errichtet und zählt nach heutigen Kriterien zu den kleineren Kernkraftwerken mit einer elektrischen Einspeiseleistung von 355 MW. Es dient der Grundlastabdeckung innerhalb des Großraums Bern und der Westschweiz.

KKM ist im Eigentum der BKW FMB Energie AG (BKW) und wird durch diese auch betrieben. Das Unternehmen gehört zu den größeren Schweizer Energieunternehmen und befindet sich zu über 50 % im Besitz des Kantons Bern und zu ca. 20 % der deutschen EON (Stand 2007). Von allen fünf schweizerischen KKW ist Mühleberg das am Stärksten umstrittene.

Aufgrund seines inzwischen hohen Alters sind zahlreiche Sicherheitssysteme nicht mehr auf dem Stand heutiger Technik, obwohl im Jahr 2000 umfangreiche Investitionen auch im Bereich Sicherheit umgesetzt wurden. Ein wesentlicher Streitpunkt in der öffentlichen Diskussion stellte die Länge der Gültigkeit der Betriebsbewilligung für das Kraftwerk dar. Während die vier anderen Schweizer KKW über eine unbefristete Betriebsbewilligung verfügen, wurde von Umweltgruppen und kritischer Öffentlichkeit eine sofortige Schließung oder eine Beschränkung der Bewilligung für Mühleberg gefordert. Durch die Schweizer Aufsichtsbehörde und den Weg über gerichtliche Instanzen wurde die Bewilligung zwar neu erteilt, aber bis 2012 befristet. Dem Antrag des Betreibers nach unbefristetem Betrieb wurde nicht stattgeben.

Bei Materialuntersuchungen wurde festgestellt, dass der Kernmantel - eine Sicherheitshülle um den eigentlichen Reaktor - von Rissen durchzogen ist. Dies hat keinen unmittelbaren Effekt auf den Betrieb der Anlage, führt aber bei Störfällen zu geringeren Sicherheitsreserven. Als Auflage der Schweizer Aufsichtsbehörde HSK wurden zusätzliche Konstruktionen eingebaut, um ein weiteres Aufklaffen der Risse zu verhindern, seither wird der Zustand der Schäden regelmäßig untersucht und auf dessen möglichen Einfluss auf die Betriebssicherheit bewertet. Untersuchungen zeigen ein rasantes Anwachsen der Risse. Die aktuelle PSÜ (Periodische Sicherheitsüberprüfung) zeigt, dass die Risse in den letzten 5 Jahren mehr als einen Meter gewachsen sind. Die meist betroffene Rundnaht ist bereits auf 25 % ihrer Länge eingerissen.

Ein anderes Problem stellt die Nachkühlung der Kondensatoren mit Wasser aus dem Fluss Aare dar. Die Wassertemperatur darf aus ökologischen Gründen 18 Grad nicht übersteigen. An wasserarmen Sommertagen ist der Wärmeeintrag durch das Kraftwerk zu hoch, sodass die Produktionsleistung reduziert oder das Kraftwerk sogar für einige Tage ganz heruntergefahren werden muss, um die maximal zulässige Erwärmung der Aare nicht zu überschreiten.

KKM wurde als Komplettsystem mit Siedewasserreaktor bei General Electrics bestellt, die beiden Maschinensätze wurden von BBC aus Mühleberg geliefert. Die ursprüngliche Produktionskapazität lag bei 306 MWe über zwei zweistufige Turbinen und wurde bis heute auf 355 MWe Nettoleistung gesteigert. Die thermische Leistung des Reaktors beträgt etwa 1000 MW.


Thema: Atomstandorte - Rubrik: Mühleberg
Quelle: http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=12522

gefunden bei contrAtom.de

04.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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