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E.on waescht sich gruen

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Deutschland, 2008-05-03

E.on wäscht sich grün

»Etikettenschwindel« bei Kohle und Atom: Umweltschützer protestieren auf Hauptversammlung von Deutschlands größtem Energiekonzern Pannen-AKWs Brunsbüttel und Krümmel nicht vor Juni bzw. August 2008 wieder am Netz.

Der in 30 Ländern tätige multinationale Energiegigant E.on fuhr im Jahr 2007 einen Gewinn von 9,2 Milliarden Euro ein - knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum verlor der Konzern 400000 Kunden. Jetzt stellte die Menschenrechts- und Umweltorganisation urgewald einen alternativen Geschäftsbericht auf der Aktionärsversammlung des umstrittenen Konzerns vor.

In der Werbung stellt sich der Energiekonzern e.on am liebsten als Klimaschützer und sauberer Energielieferant dar und wirbt mit seinem Gezeitenkraftwerk. Anläßlich der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch hatten sich Umweltschützer vor dem Tagungsort - der Essener Grugahalle - versammelt, um über die Machenschaften von Deutschlands größten Energiekonzern aufzuklären. »Unser Schattenbericht zeigt, daß das Herzstück der E.on-Geschäfte nach wie vor dreckige Energie und dreister Machtmißbrauch ist. 37 Prozent des E.on-Stroms kommt aus Kohlekraftwerken und fast 50 Prozent aus Atomkraftwerken (AKW), die Berge radioaktiven Mülls hinterlassen«, erklärte Heffa Schücking von urgewald. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt bei elf Prozent.

Bei Atommüll ganz vorn

Von 17 deutschen AKW werden elf von E.on betrieben oder mitbetrieben. Der Konzern ist Nummer eins in Deutschland bei der Produktion radioaktiven Mülls und liegt europaweit an zweiter Stelle. »E.on ist auch an Pannenreaktoren im Ausland - zum Beispiel am AKW Forsmark, wo es 2006 zu einem Beinahe-GAU kam - beteiligt«, sagte der Anti-Atom-Aktivist Matthias Eickhoff beim Protest vor der Halle. Außerdem ist E.on an der einzigen Urananreicherungsanlage Deutschlands beteiligt. Im nordrhein-westfälischen Gronau wird Natururan von der Betreiberfirma Urenco für rund 15 Kraftwerke spaltbar gemacht. Damit trägt der Energieriese auch eine Verantwortung für obskure Atommülltransporte nach Rußland - wohin der bei der Anreicherung anfallende radioaktive Abfall transportiert wird.

Weiterhin befaßt sich der alternative Geschäftsbericht auch mit der Lobbypolitik des Konzerns: »Im Strommarkt kann man von >A wie Abzocke< reden«, erläutert Alexandra Scheper, Autorin der Studie. E.on betreibe nachweisbar Preis- und Gebietsabsprachen, Börsenmanipulation und taktische Kraftwerksabschaltungen und habe deshalb zu Recht das Bundeskartellamt, die Monopol- und EU-Kommission auf dem Hals. »Die fehlende Transparenz zeigt sich gut am Beispiel der Tochterfirma >E wie Einfach<, die 2007 als Billig=stromanbieter mit einer aggressiven Werbestrategie auf den Markt drängte. Das Unternehmen gehört zu 100 Prozent dem E.on-Konzern - der Energieriese versuchte damit, weglaufende Kunden wieder einzufangen. Doch der Etikettenschwindel geht laut urgewald-Bericht noch weiter: »Seit 2008 bietet >E wie Einfach< mit dem neuen >MeinKlimaTarif< auch eine angeblich >klimaneutrale< Strom- und Gasversorgung an«, heißt es dort. Doch der >E wie Einfach<-Strom werde zu 81 Prozent aus Kohle- und Atomkraftwerken bezogen. Verbraucherschützer bezeichnen das Modell als üble Verbrauchertäuschung und Mogelpackung. »Mit dem Klimatarif schenken sie E.on zwei Cent. Mit dem Geld kann sich E.on vordergründig eine grüne Weste waschen, hat eine gute Werbemöglichkeit und eine renditestarke Finanzanlage. An der Geschäftspolitik des Konzerns wird das jedoch nichts ändern«, kommentiert der urgewald-Bericht.

Kritische Fragen

Auf der Aktionärsversammlung kündigte E.on-Vorstanschef Wulf Bernotat an, auch in den nächsten Jahren weiter auf Atom und Kohle zu setzen. Nicht nur deswegen wurde Bernotat am Mittwoch scharf kritisiert. Mitglieder von urgewald und andere Kritiker schafften es, dem Vorstand des Energiekonzerns vom Rednerpodium aus mehr als eine Stunde lang unangenehme Fragen zu stellen. Urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking fragte den Vorstand über seine Ambitionen in Osteuropa aus, wo der Konzern mehrere Atomkraftwerke errichten will. So erfuhren die Aktionäre, daß E.on in Osteuropa keine erneuerbaren Energien fördern will. Als der Atomkraftgegner Matthias Eickhoff dann noch auf die Urantransporte nach Rußland zu sprechen kam, hatte die Konzern-Führung zunächst keine Antwort parat und forderte eine Pause. Zusätzlichen Druck machte der extra aus Moskau angereiste Umweltschützer Vladimir Slivyak von der russischen Organisation Ecodefense.

Bernotat beantwortete die meisten Fragen nur mangelhaft oder gar nicht. Auf die Mainzer Kinderkrebsstudie, die bewies, daß rund um Atomkraftwerke mehr Menschen an bösartigen Tumoren erkranken als normal, ging Bernotat mit keinem Wort ein. Dennoch konnten die Kritiker der Konzernspitze einige wichtige Informationen entlocken. So sollen beispielsweise die Pannen-AKWs Brunsbüttel und Krümmel nicht vor Juni bzw. August 2008 wieder ans Netz gehen.


Thema: andere/sonstige - Rubrik:
Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/05-03/046.php

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04.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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