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Schweiz: Endlagerforschung am Mont Terri

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Schweiz, 2008-04-28

Schweiz: Endlagerforschung am Mont Terri

Der Opalinuston zieht sich vom Südjura bis ins Zürcher Weinland. Er gilt als die am besten geeignete Erdschicht für die Lagerung radioaktiver Abfälle. Seit 1996 untersuchen Forscher im Mont Terri bei St. Ursanne seine Eigenschaften. Technisch sei die Endlagerung der schwach- und mittelhoch- wie auch der hochradioaktiven Abfälle gelöst, sagte NOK-Chef Manfred Thumann an einem Mediengespräch in St. Ursanne. Es sei nun an der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), die am besten geeigneten Standorte vorzuschlagen. Dabei spielten auch (gesellschafts)politische Faktoren eine Rolle.

Die technischen Details werden am Mont Terri erforscht. Das Geotechnische Institut ist in der ehemaligen Kalkfabrik in St. Ursanne untergebracht. Mit dem Kleinbus werden die Journalisten die steile Strasse hinaufgefahren. Etwas oberhalb des Fabrikgebäudes befindet sich der Stolleneingang. Von dort geht es einen Kilometer in den Stollen hinein. Dort befindet sich eine rund 150 Meter dicke Schicht des Opalinustons. Sie ist hier seit der Faltung des Juras um 45 Grad geneigt. Hier betreiben die Forscher seit zwölf Jahren ein Felslabor.

180 Millionen Jahre alt

Der Opalinuston entstand vor 180 Millionen Jahren durch die Ablagerung von Schlammpartikeln im damaligen Meer. «Dort kommt Meerwasser raus - damit können sie Spaghetti kochen», sagt Projektleiter Paul Bossart zu einer feuchten Stelle. In der ganzen Schicht seien nach so langer Zeit immer noch Tropfen von Meerwasser eingeschlossen. Das zeige, dass der Opalinuston das Wasser aufnehme, aber nicht durchlasse. Abgesehen von den durch die Experimente der Forscher hervorgerufenen nassen Stellen ist der ganze Stollen staubtrocken. Das sei eine wichtige Eigenschaft des Opalinustons, sagt Nagra-Geologe André Lambert. Sobald er verletzt werde, absorbiere er das Wasser, quelle auf und dichte das Loch wieder ab. Er sei mit andern Worten selbstheilend. Der Name Opalinuston stammt von versteinerten Ammoniten (Leioceras opalinum), welche bei Grabungen gefunden wurden.

Das Felslabor befindet sich in einem Seitenstollen zum Sicherheitstunnel der Autobahn St. Ursanne- Pruntrut. In verschiedenen Nischen wurden bisher 78 Versuche durchgeführt, davon laufen 36 noch. Das erste Experiment, das den Journalisten gezeigt wird, befasst sich mit dem Wasserstoff. Gemäss den heutigen Vorstellungen werden die ausgedienten Brennstäbe dereinst liegend in das Endlager gebracht. Um den Behälter wird eine Schicht mit Bentonit gelegt - das ist eine andere Tonart. Die Behälter werden im Verlauf der Jahrhunderte verrosten. Dabei entsteht Wasserstoffgas. Die Forscher untersuchen nun, wie dieses abgeführt werden kann.

Beim zweiten Experiment wird untersucht, wie sich allenfalls aus dem Behälter austretende Radioaktivität verhält. Dazu wird Radioaktivität aus natürlichem Stein in ein Bohrloch eingebracht. Nach einigen Jahren wird untersucht, wie weit sie in den Opalinuston eingedrungen ist. Dieses Experiment ist laut Bossart nur möglich, weil die Strahlung des verwendeten Materials weit unter dem Grenzwert liegt. Der Kanton Jura hat die Einlagerung oder Verwendung von hochradioaktivem Material im Felslabor ausdrücklich verboten.

Beim dritten Experiment wurde ein Bohrloch während eines Jahres bis auf 150 Grad Celsius aufgeheizt. Damit sollte erprobt werden, wie sich der Opalinuston verhält, falls sich einer der Behälter erwärmen sollte. Fazit: Die Temperatur sollte nicht mehr als 100 Grad erreichen.

Unter Leitung der Swisstopo

Für jedes neue Experiment wird ein zusätzliches Loch gebohrt. Federführend ist das Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo). Beteiligt sind neben der Nagra und weiteren Schweizer Firmen auch Belgien, Frankreich, Deutschland, Japan, Spanien und Kanada. Für die Jahre 1996 bis 2009 steht ein Budget von 47,6 Mio Franken zur Verfügung. Die ausländischen Partner tragen 70 Prozent der Kosten.

Weinland oder Bözberg?

Der Opalinuston erstreckt sich vom Jurasüdfuss bis ins Zürcher Weinland. Irgendwo in dieser Region dürfte das Tiefenlager dereinst entstehen. Im Zürcher Weinland gibt es allerdings seit Jahren Widerstand nicht nur vonseiten der örtlichen Bevölkerung, sondern auch aus dem benachbarten Deutschland. Aber auch der im Aargau gelegene Bözberg sowie der Solothurner Südjura als mögliche Standorte befinden sich nach Meinung der deutschen Nachbarn zu nahe an der Landesgrenze.

Deshalb sind noch einige politische Kämpfe auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu erwarten, bevor mit dem Bau begonnen werden kann. An der Oberfläche ist ein Gebäude vorgesehen, in dem ein kleines Unternehmen Platz hätte. In der Tiefe sollen die Behälter rund eine Million Jahre lagern, bis der Inhalt ausgestrahlt haben wird.

[@] Projekt: www.mont-terri.ch


Thema: Politik/Diskussion - Rubrik: Endlagerdebatte/Standortfindung Quelle: http://www.espace.ch/artikel_513705.html

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03.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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