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taz 30.04.2008
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-guten-argumente-der-atomindustrie/?src=AR&cHash=f8735f45bc
> Die Castor-Probleme zeigen, dass Atomkraft keine Zunkunft mehr hat
> Die guten Argumente der Atomindustrie
KOMMENTAR VON MALTE KREUTZFELDT
Auf die Unterstützung der Atomindustrie können sich die Atomkraftgegner
weiterhin verlassen: Während auf politischer Ebene derzeit massiver
Druck gemacht wird, die AKWs länger laufen zu lassen, beweisen die
Konzerne ihre Unfähigkeit und Dreistigkeit in einem Ausmaß, das schwer
zu glauben ist.
Malte Kreutzfeldt ist Leiter des taz-Ressorts Ökologie und Wirtschaft.
Foto: taz
Weil der Atommüll stärker strahlt als früher, sind für Transport und
Lagerung neue Castor-Behälter nötig. Doch die zuständige Gesellschaft
für Nuklear-Service, ein Tochterunternehmen der vier deutschen
Energieriesen, hat nicht nur auf Sicherheitstests mit den
Originalbehältern verzichtet und setzt stattdessen auf verkleinerte
Modelle. Sondern sie hat die Sicherheit ihrer Behälter auch mit
willkürlich gewählten Parametern schöngerechnet. Dieser Versuch, die
Behörden auszutricksen, bestärkt all jene, die vermuten, dass den
Konzernen im Zweifelsfall die Rendite wichtiger ist als die Sicherheit.
Ob die Zwischenfälle in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel, die
falschen Dübel in Biblis oder der Wassereinbruch im Endlager Asse: Alle
diese Fälle demonstrieren - ebenso wie die nun bekannt gewordenen
Castor-Probleme - nicht nur die mangelnde Beherrschbarkeit der
Atomtechnik, sondern ebenso die mangelnde Zuverlässigkeit der Betreiber.
Kurzfristig hat die Politik darauf angemessen reagiert, indem sie den
für 2009 geplanten Castor-Transport ausgesetzt hat. Doch reicht dieser
Schritt nicht aus. Vielmehr stellt sich die Frage, ob ein Unternehmen,
das Behörden falsche oder unvollständige Angaben über höchst sensible
Sicherheitsfragen liefert, zuverlässig genug ist, um Atomtransporte
durchzuführen.
Langfristig lässt sich das Atommüll-Problem aber auch mit scharfen
Vorgaben und strenger Aufsicht nicht lösen. Bis heute gibt es kein
Endlager für hochradioaktiven Müll. Die Konsequenz kann nur lauten, die
Produktion dieses Gefahrguts so schnell wie möglich einzustellen, indem
die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Statt über längere Laufzeiten
muss über kürzere diskutiert werden. Dafür hat die Atomwirtschaft gute
Argumente geliefert. MALTE KREUTZFELDT
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