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Reuters Deutschland, 29.04.2008, 6:06 Uhr
Schlagabtausch über Atompolitik Irans und Syriens
Genf (Reuters) - Über die jüngsten Atom-Vorwürfe gegen den Iran und
Syrien ist es bei einer Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag (NPT) zu
einem heftigen Schlagabtausch zwischen Vertretern der beiden Länder und
des Westens gekommen.
Die Europäische Union führte den Iran am Montag zum Auftakt des
zweiwöchigen Treffens in Genf als Paradebeispiel für die
Weiterverbreitung von Technologien an, die zur Entwicklung von Atomwaffen
genutzt werden könnten. Der für die EU sprechende slowenische Botschafter
Andrej Logar forderte den Iran auf, zu Geheimdiensterkenntnissen
Stellung zu nehmen, denen zufolge das Land entgegen seinen
Verpflichtungen aus dem NPT Studien zur Konstruktion von Atombomben
betrieben haben soll.
"Die EU ist entschlossen, nicht zuzulassen, dass der Iran militärische
Atomkapazitäten erwirbt, und jede Gefahr einer Weiterverbreitung durch
das iranische Nuklearprogramm zu beseitigen", sagte Logar. Daraufhin
ergriff der iranische Delegierte außerplanmäßig das Wort und warf der EU
"langatmige und übertriebene Anschuldigungen" vor, die die Wahrheit
verzerrten. Der Iran halte sich an seine Pflichten aus dem NPT, aber
niemand könne dem Land das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie
nehmen.
Die USA bezeichneten Syriens mutmaßlichen Versuch, mit Hilfe Nordkoreas
heimlich einen Atomreaktor zu bauen, als Grund zur Sorge. USGeheimdienste
hatten diese Vorwürfe vorige Woche publik gemacht und
erklärt, die Anlage sei bei einem israelischen Luftangriff im September
zerstört worden, der zunächst international für Rätselraten gesorgt
hatte. Der Vertreter Syriens wies diese Angaben rundweg zurück. "Wir
erinnern alle an die Fälschungen der USA über Massenvernichtungswaffen im
Irak", fügte er hinzu.
Das Treffen in Genf dient zur Vorbereitung einer 2010 geplanten Konferenz
zur Verlängerung des NPT. Dieser verpflichtet Staaten ohne Atomwaffen,
diese nicht durch die Umwidmung von Anreicherungstechnologie zu
entwickeln. Außerdem verpflichtet er die Atommächte zur Abrüstung und zur
Hilfe für andere Staaten bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie.
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