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Topnews, 26.4.08
22. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe
Heute jährt sich zum 22. Mal die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Norden der Ukraine. Tausende Menschen in der Ukraine, Russland und Weißrussland haben mit Gedenkveranstaltungen der Opfer gedacht, die direkt bei oder an den Folgen des Unglücks gestorben sind. Die Bewohner zahlreicher ukrainischer Städte legten in ihrer Heimat Kränze und Blumen nieder und zündeten Kerzen an.
In Minsk (Weißrussland) protestierten währenddessen mehrere hundert Atomkraftgegner gegen den geplanten Bau eines neuen Kernkraftwerks. Oppositionspolitiker Alexander Milinkewitsch erklärte bei dem traditionellen Protestmarsch, dass es kein zweites Tschernobyl geben dürfe. Alexander Lukaschenko, amtierender Präsident Weißrusslands sieht den Bau eines neuen Kernkraftwerks dagegen als Möglichkeit, die Abhängigkeit seines Landes von Gas und Öl zu verringern. Seinen Gegnern wirft er vor, dem Land schaden zu wollen und bezeichnete sie als "Volksfeinde" und "Banditen". Den Regierungsangaben aus Minsk zufolge gingen nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl rund 70% des radioaktiven Niederschlags über Weißrussland nieder.
Wie Zivilschutzminister Wladimir Schandra in Kiew mitteilte, seien auch in der Ukraine noch immer hunderte Orte um die Unglücksstelle herum verstrahlt, in ca. 500 Orten sei die Belastung von Lebensmitteln mit dem radioaktiven Casium größer als der zulässige Grenzwert.
Bei der Katastrophe am 26. April 1986 wurde etwa 500 mal mehr radioaktive Strahlung freigesetzt als nach dem Abwurf der Atombombe auf Hirsohima im Jahr 1945. Amtlichen Schätzungen zufolge starben bei den Aufräumarbeiten nach der Explosion über 25.000 Menschen. Wie groß die Folgeschäden tatsächlich sind, konnte bis heute nicht vollständig geklärt worden. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist langfristig noch mit bis zu 4000 Toten zu rechnen, Untersuchungen von Atomkraftgegnern sprechen von bis zu 100.000 Toten. Zusätzlich gibt es Tausende Menschen, die aufgrund der Strahlenschäden behindert oder erkrankt sind.
Im Dezember 2000 wurde der letzte Tschernobyl-Reaktor abgeschaltet. Um die Reaktor-Ruine soll ab Oktober ein neuer, 190 Meter dicker und 200 Meter langer Stahlsarkophag errichtet werden, der vor radioaktiver Strahlung schützen soll, die durch die bereits rissig gewordene alte Schutzhülle dringt.
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