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ZDK-Bulletin: =?ISO-8859-1?Q?=BBVor?= Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher« Antisemitismus und Antiamerikanismus in Deutschland

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## Nachricht vom 24 Jul 04 weitergeleitet

## Ursprung : /NM/LEKTORAT/SPEZIAL/ANTIFA
## Betreff : ZDK-Bulletin: »Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher« Antisemitismus und Antiamerikanismus in Deutschland ## Ersteller: s.ellersick@nadeshda.org (Sabine Ellersick)
## Msg-ID : 9DUnkOoWJ2B@sabine.nadeshda.org


112 S., 7,50 Euro, ISBN: 3-12-060205-1
Online-Bestellung: www.klett.de
Bulletin 5/2004

»Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher«
Antisemitismus und Antiamerikanismus in Deutschland

Eine Publikation des Zentrums Demokratische Kultur der RAA Berlin, der Amadeu Antonio Stiftung und des Ernst Klett Schulbuchverlags

Warum dieses Heft?

Antisemitismus und Antiamerikanismus erstarken derzeit in Deutschland. In der Schule wird "du Jude" geflucht, auf Demonstrationen wird US-Präsident George W. Bush leichtfertig mit Adolf Hitler gleichgesetzt - Formen gibt es viele, und oft herrscht in der öffentlichen Debatte Unsicherheit: In welchem Fall ist politische Kritik antisemitisch oder antiamerikanisch? Im Bulletin werden an Beispielen klare Kriterien für eine Unterscheidung von einerseits Kritik und andererseits Antisemitismus und
Antiamerikanismus entwickelt. Bisher gibt es kaum wirkungsvolle Konzepte zur Bekämpfung dieser Ideologien. Mit dem Bulletin möchten die Autorinnen und Autoren an beiden Stellen ansetzen. Das Bulletin bietet zum einen eine Zustandsbeschreibung und Analyse der derzeit aktuellen Erscheinungsformen, Theorien und Funktionen von Antisemitismus und Antiamerikanismus und erklärt, warum diese eine Gefährdung der Demokratie sind. Im zweiten Schritt folgt der Blick in die Praxis: Welche Ansätze gibt es, um aktuellen Antisemitismus und Antiamerikanismus zu bekämpfen?

Das Bulletin im Überblick

Zunächst wird in drei Artikeln die historische Genese von Antisemitismus und Antiamerikanismus nachgezeichnet und beschrieben, wie beide Ideologien von einem immer virulenteren Islamismus aufgegriffen werden. Darauf aufbauend beschäftigen sich im zweiten Teil des Bulletins mehrere Autoren und Autorinnen mit verschiedenen Aspekten von Antisemitismus und Antiamerikanismus nach 1945. Nach einem Einblick in die Entwicklung des Antisemitismus in BRD und DDR werden die aktuellen Erscheinungsformen beider Ressentiments beleuchtet: in der Gesamtgesellschaft, bei islamistischen Gruppierungen oder dem linken und rechtsextremen politischen Spektrum. Im letzten Teil des Heftes berichten Praktikerinnen und Praktiker über ihre Erfahrungen im Umgang mit Antisemitismus in der Bildungs- und Projektarbeit und stellen zwei Praxis-Netzwerke vor. Komplettiert wird das Bulletin durch ein Literatur- und
Adressverzeichnis.

Vorwort
Anetta Kahane benennt in ihren einführenden Worten das Problem: Antisemitismus als Herausforderung für die Demokratie. Sie stellt fest, dass Antisemitismus mit der Existenz oder dem Verhalten von Juden nichts zu tun hat - er ist ein Problem der Antisemiten. Auch wenn diese Gesellschaftstheorie eine überaus nützliche Erfindung darstellt, sind nicht die Opfer von Antisemitismus für seine Bekämpfung verantwortlich. Antisemitismus funktioniert auch ohne Juden, und er weist deutliche Überschneidungen mit dem Antiamerikanismus auf. Genese von Antisemitismus und Antiamerikanismus

In seinem Artikel Moderner Antisemitismus in Deutschland zeichnet Frank Gutermuth die Entstehungsgeschichte von Antijudaismus und Antisemitismus nach. In einem ideengeschichtlichen Abriss zeigt der Autor, wie in Deutschland im Zuge der Herausbildung moderner Nationalstaaten an Stereotype und Zuschreibungen der traditionellen Judenfeindschaft angeknüpft wurde. Auch die zentralen Inhalte, Motive und Strukturen der antisemitischen Ideologie werden von Gutermuth analysiert.

Herbert Weber stellt in seinem Artikel über Antiamerikanismus in Deutschland die Herausbildung von gegen die USA gerichteten Feindbildern dar und arbeitet heraus, wo diese auch heute noch Eingang in politische Debatten finden. An verschiedenen Beispielen wird ausgeführt, welche Funktionen antiamerikanische Feindbilder für die Konstruktion einer deutschen Identität erfüllen.

Islamistischer Antisemitismus ist der Gegenstand des Artikels von Claudia Dantschke. Die Autorin stellt die wichtigsten in Deutschland aktiven Organisationen vor. Sie zeigt, wie diese den Nahostkonflikt als Projektionsfläche für antisemitische Stereotype nutzen. Mit einem historischen Blick informiert Dantschke über die Wurzeln der islamistischen Ideologie im arabisch-türkischen Raum, deren zentrales Element der Kampf gegen Juden und USAmerikaner in der ganzen Welt und gegen die westlichen Demokratien ist.

Aspekte von Antisemitismus und Antiamerikanismus

Horst Peter Gerlich beschreibt die Entwicklungen des Antisemitismus in der BRD nach 1945 bis hin zur Wiedervereinigung. Er zeichnet nach, wie antisemitische Einstellungen in Westdeutschland nicht nur weiter existieren konnten, sondern zur Abwehr der Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord im "Antisemitismus wegen Auschwitz" eine neue Ausdrucksform fand.

Mit der ostdeutschen Vergangenheit beschäftigt sich Heike Radvan in ihrem Artikel Antisemitismus, Antizionismus und 'verordneter' Antifaschismus in der DDR. Entgegen der offiziellen Doktrin war der Antisemitismus keinesfalls "an der Wurzel ausgerottet", sondern fand sogar Eingang in die staatliche Politik. Eine besondere Rolle spielte die gegen Israel gerichtete antizionistische Propaganda, die antisemitische Stereotype einschloss. Timo Reinfrank und Tobias Ebbrecht verdeutlichen in ihrem Artikel über den Antisemitismus im 21. Jahrhundert anhand von aktuellen Beispielen, wie antisemitische Ressentiments in Deutschland immer unverblümter und aggressiver verwendet werden. Die Autoren erörtern, ob es sich bei diesen Erscheinungsformen um einen neuen oder einen aktualisierten Antisemitismus handelt.

Mit der quantitativen Dimension antisemitischer Straftaten und Einstellungen beschäftigt sich Susanna Harms in ihrem Artikel Aktueller Antisemitismus in Zahlen. Die Autorin zeichnet die Entwicklung der antisemitisch motivierten Straf- und Gewalttaten seit der
Wiedervereinigung nach und diskutiert Probleme der Einstellungsforschung, aus deren jüngeren Ergebnissen sich eine Zunahme antisemitischer Meinungen ablesen lässt.

Illustriert wird ihr Artikel durch die von Cordula Mäbert
zusammengestellte Chronik antisemitischer Vorfälle im Jahr 2003: Über 70 Friedhofsschändungen, Übergriffe auf Jüdinnen und Juden, Bedrohungen und Anschläge zeigen die Alltäglichkeit der Gewalt. Was kulturelle Codes des Antisemitismus in der Jugendkultur sind, erläutern Anke Zeuner von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin und der freie Journalist Ralf Fischer in einem Interview mit Simone Rafael. Nicht nur in der rechtsextremen Jugendszene sind antisemitische Schimpfwörter oder Spekulationen über die jüdische Weltverschwörung populär - ersteres findet sich unter ganz normalen Jugendlichen, letzteres auch im HipHop. Wer in Deutschland während des Irakkriegs 2003 die Positionen der USA verteidigte, wurde oft angefeindet. Dr. Jeff Gedmin, Direktor des Berliner Aspen Instituts für transatlantische Beziehungen, berichtet im Gespräch mit Simone Rafael und Herbert Weber über seine sehr persönlichen Erfahrungen mit Antiamerikanismus in Deutschland. Sein Fazit lautet: "Europa hat eine tolle Kultur, wir aber auch!"

Rassismus würden Menschen, die sich politisch links ansiedeln, immer ablehnen. Mit antiamerikanischen Ressentiments und israelfeindlichen Aussagen scheint es für Teile des linken und friedensbewegten Spektrums aber etwas anderes zu sein. Andrea Woeldike veranschaulicht im Artikel Antiamerikanismus in der Linken und der »neuen Friedensbewegung«, wie aus politischer Kritik Hass schürende Vorurteile werden. Die rechtsextreme Szene und ihre intellektuellen Vordenker verachten Amerika von je her. Während des Irakkriegs 2003 witterten sie plötzlich die Chance, mit ihrer Hetze auch die Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Ralph Kummer erläutert die Ziele dieser Strategie. Neben den historisch geprägten Hintergründen beleuchtet er vor allem die Merkmale und Funktionen des Antiamerikanismus in der rechtsextremen und neurechten Szene. Umgang mit Antisemitismus in der Bildungs- und Projektarbeit

In einem Interview von Susanna Harms und Heike Radvan diskutieren Barbara Schäuble vom DGB-Bildungswerk Thüringen sowie Kirsten Döring und Tanja Kinzel vom Projekt "Bausteine gegen Antisemitismus" über Antisemitismus als Thema der außerschulischen Bildungsarbeit. Sie reflektieren Möglichkeiten und Grenzen einer Bildungsarbeit gegen Antisemitismus und erläutern, welche Rolle bei ihren methodisch-didaktischen Ansätzen die Beschäftigung mit antisemitischen Stereotypen spielt.

Simone Rafael befasst sich in ihrem Artikel mit dem Umgang mit Antisemitismus in Schule und Unterricht. Engagierte LehrerInnen lässt sie von ihren Erfahrungen mit antisemitischen Äußerungen von SchülerInnen aller Alterstufen sowie den Reaktionen von Schulen und Lehrkräften berichten. Die PraktikerInnen zeigen verschiedene Möglichkeiten auf, wie PädagogInnen im Unterricht oder auf dem Schulhof Antisemitismus begegnen können. Mit Große Politik im Klassenzimmer ist der Artikel von Sabine Diederich, Bernd Fechler und Holger Oppenhäuser überschrieben, in dem es um die pädagogische Auseinandersetzung mit Antisemitismus unter Jugendlichen in multikulturellen Lerngruppen geht. In ihre Überlegungen zu dieser Thematik fließen ihre Praxiserfahrungen aus der Arbeit in der Frankfurter Jugendbegegnungsstätte Anne Frank ein.

Im Interview mit Susanna Harms beschäftigt sich Gottfried Kößler vom Fritz Bauer Institut mit der Bedeutung von historisch-politischer Bildung für die gegenwärtige Problemlage: Mit Shoah Education gegen aktuellen Antisemitismus? Kößler kommt zu dem Schluss, dass für die pädagogische Intervention gegen Antisemitismus neue Ansätze entwickelt werden müssen, da die Beschäftigung mit der Geschichte hierfür nur begrenzt sinnvoll ist. Was tun gegen Antisemitismus in der Schule, im Sportverein oder in der Stadt? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Modellprojekt der Amadeu Antonio Stiftung. Die Stiftung baut ein Netzwerk von PraktikerInnen gegen Antisemitismus auf. Gemeinsam mit den Partnern werden neue
Handlungsstrategien und Konzepte für die Projektarbeit gegen aktuellen Antisemitismus in den Kommunen entwickelt.

Mit der Task Force: Education on anti-Semitism beim American Jewish Committee stellt sich ein Netzwerk von PädagogInnen aus Schule und politischer Bildung vor. Die Task Force benennt Anforderungen für den Umgang mit Antisemitismus, zu inhaltlichen Prämissen sowie den Zielen, die eine Bildungsarbeit gegen Antisemitismus verfolgen sollte.

+ Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e.V., Berlin, und Ernst Klett Schulbuchverlag Leipzig GmbH, Leipzig, 2004

Herausgeber: Zentrum Demokratische Kultur in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung
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24.07.04    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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