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Einladung zum Antifa-Camp im Rheinland vom 25.6. bis 29.6.2008

Kein Sommer ohne Antifa - Es gibt kein Grundrecht auf Rassismus

Zur rechten Zeit am rechten Ort: Es wird ein bewegungsnahes Antifa-Camp im Rheinland geben - mit jeder Menge Veranstaltungen, Infos, Workshops, Kultur, Aktionen - nicht nur für EinsteigerInnen. Und nach dem Vorbild der Camps in Rostock ergebnisoffen und selbstorganisert. Und strikt antifaschistisch. Eine Welt ohne Rasismus ist möglich.

Die Themenbreite umfasst:
- Antifa-Arbeit
- Tipps & Tricks
- Die extreme Rechte
- Faschismustheorien
- Antirassismus
- Linke Debatte
- Kapitalismuskritik
- Widerstand im NS uvm.

Das ganze findet vom 25.6. bis 29.6. im Raum Leverkusen statt. Anmeldungen und weitere Infos unter: www.antifa-camp.de

Nach Heiligendamm und wieder zurück ...

Die globalisierungskritische Bewegung mit ihren unterschiedlichen Themenschwerpunkte verzeichnete mit ihrem Mobilisierungserfolg und der Anzahl der Teilnehmenden an den Anti-G8-Protesten in Rostock und Heiligendamm einen großen Erfolg im Jahr 2007. Die Mobilisierung zu den G8 - Protesten führte zu einer thematisch breit angelegten
Zusammenarbeit in vielen lokalen und regionalen Bündnissen. Workshops, Kongresse und Filmabende zu der Thematik wurden gemeinsam organisiert - aber die Teilnahme an diesen Veranstaltungen hielt sich zunächst in Grenzen.

Erst die versuchte Kriminalisierungskampagne von Anti-G8-AktivistInnen aus emanzipatorischen Bewegungszusammenhängen - unter andrem durch spektakuläre Hausdurchsuchungen durch die Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatsschutz - löste großes Unverständnis dieses Vorgehens, das Gefühl der Unrechtmäßigkeit sowie der Willkürlichkeit und nicht zu zuletzt eine hohe Solidarisierung mit den Kriminalisierten selbst in der Bevölkerung aus. Personen, die noch schwankten nach Rostock und Heiligendamm zu fahren, beschlossen darauf hin, sich den Protesten gegen die G8 anzuschließen.

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Nach der Euphorie folgen neue Möglichkeiten

Im zweiten Halbjahr wurde es relativ ruhig - Ausruhen und Realisierung der Ereignisse in Rostock und Umgebung wurden häufig lokal erarbeitet und Eindrücke ausgetauscht. Eine großangelegte Debatte - wie weiter - findet regional, wenn nicht sogar lokal getrennt statt. Die Zusammenarbeit versickerte und die Treffen über die eigenen thematischen Schwerpunkte hinaus nahmen ab. Die temporäre ungehinderte
Außerkraftsetzung des sogenannten Rechtsstaats blieb wohl oder übel den meisten Protestierenden gegen G8 im Gedächtnis. Im nachhinein scheint nur punktuell eine spektrenübergreifende, thematische und
organisatorische Zusammenarbeit und Mobilisierung alle paar Jahre möglich. Und das jährliche Treffen der G8 ist in räumlich weite Ferne gerückt - um genau zu sein - nach Japan im Jahr 2008.

In lokalen und regionalen Zusammenhänge wieder angekommen, stehen Gruppierungen den alltäglichen Probleme wieder gegenüber und sind mit extremen Rechten sowie den alltäglichen Diskriminierungen und der Stereotypisierung von Feindbildern konfrontiert.

Auch die antifaschistische Bewegung in der Tradition der Autonomen hat sich zur globalisierungskritischen Bewegung hin geöffnet, sich in den Bündnissen "Ums Ganze!" und Interventionistische Linke an den Großdemonstrationen gegen den G8-Gipfel beteiligt und sich
gleichberechtigt und solidarisch in die Anti-G8-Camps eingebracht. Das Antifa-Camp im Rheinland will diesen Strang solidarischer Zusammenarbeit erneut aufgreifen, die Erfahrungen beider Bewegungen nutzbar machen, Faktenwissen über die Extreme Rechte vermitteln und die Wehrlosigkeit überwinden. Das Antifa-Camp im Rheinland ist eine aussichtsreiche Anlaufstelle, um gemeinsamem zu überlegen, was zu tun ist.

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Fortschreitende Radikalisierung der Neonazis

Die extreme Rechte versucht an die Erfolge der globalisierungskritische Bewegung anzuknüpfen und abstrakten AkteurInnen wie den Finanzmärkten das Gesicht ihrer Feindbilder aufzudrücken: Im Regelfall Jüdinnen und Juden, MigrantInnen und Andersdenkende. Dabei hat sie nicht nur an Stärke gewonnen, sondern sich auch radikalisiert. Neonazis versuchen in einem "neuen Gewand" das Outfit der "Autonomen" oder aber auch von Hooligans kopierend unter dem Label "Autonome Nationalisten" eine neue Qualität gewalttätigen Handelns zu entwickeln. Hiebei versuchen sie in die Alltagswelt und kulturelle Praxis in den Subkulturen von Jugendlichen einzudringen und ein aktionsorientiertes,
niedrigschwelliges Angebot zu präsentieren und linke Symboliken zu übernehmen, um sie aus ihren Kontext zu reißen und völkisch zu besetzen.

Dabei gehen sie ohne Rücksicht auf Verluste auf MigrantInnen und jede_n politischen Gegner_innen los. Ohne Rücksicht auf Haftstrafen, ohne Rücksicht auf körperlich Schwäche oder bekundete Friedfertigkeit ihrer GegnerInnen: Wer sich nicht wehrt, wer sich nicht aktiv den Nazis in den Weg stellt, ist nur ein umso leichteres Opfer! Eine
Globalsierungskritische Bewegung hat gar keine andere Wahl, als aktiven Antifaschismus in ihr alltägliches Handeln miteinzubeziehen.

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Nazirechte vs. Bürgerrechte: Polizei, Staatsschutz und Mandatsträger als Wasserträger der Gewalt?

Es vergeht so gut, wie kein Wochenende, an dem nicht irgendwo Neonazis einen Aufmarsch durchführen. Immer häufiger werden - wider besseren Wissens - Neonazi-Aufmärsche als angebliche Wahrnehmung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit genehmigt. Aber es gibt kein Grundrecht auf Rassismus - nirgendwo im Grundgesetz.

Mancherorts ziehen lokale MandatsträgerInnen nicht einmal ein Verbotsverfahren in Betracht, frustriert durch Gerichte, die ungeachtet dessen viel zu oft für Worch & Co. entschieden. Die anschließende, angeblich reibungslose Durchführung des Neonazisaufmarsches wird durch unglaublich hohen personellen und finanziellen Aufwand durch Polizei durchgesetzt; auch zu ungunsten Rechte der BürgerInnen: Ganze Viertel werden abgesperrt und die Bewegungsfreiheiten der AnwohnerInnen massiv eingeschränkt.

Und wenn der Wille, Naziaufmärsche auf jeden Fall und um jeden Preis durchzusetzen, bei der Polizei einmal vorhanden ist, folgt daraus: In den Augen der Polizei sind die AntifaschistInnen, DemokratInnen, AnarchistInnen und KommunistInnen, die Störenfriede, welche zu bekämpfen sind.

Es häufen sich die Meldungen, denen zufolge der lokale Staatsschutz auf Einschüchterungsversuche setzt, um antifaschistisches Engagement zu unterbinden. Auf dass Naziaufmärsche billiger werden. Währenddessen freuen sich die Nazis über die Schützenhilfe des Staates der bürgerlichen Gesellschaft und gehen mit ständig weiter ausufernder Gewalt gegen linke, alternative und antifaschistisch gesonnene Menschen vor. Ihr oder wir ist die Alternative, die Nazis ganz selbstverständlich formulieren. Wer ihnen in irgend einer Weise recht gibt, richtet sich dementsprechend gegen uns. Und die Nazis fragen nicht nach unserer Toleranz. sie verachten jede fehlende Gegenwehr als Schwäche und schlagen umso selbstverständlicher zu.

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Es gibt kein Grundrecht auf Rassismus

Nicht zuletzt muss es der globalisierungskritischen Bewegung auch ganz banal darum gehen, die Richtung zu bestimmen, welche die Reaktionen der "Normalbevökerung" auf die Globalisierung nimmt. Gewalttätige Renationalsierung mit Vertreibungen und Pogromen oder globale soziale Rechte für alle weltweit. Dazu müssen rassistische und ethnisierende Deutungsmuster retabuisiert werden. Und den Behörden einschließlich dem von Bürger-innenrechtler-innen sehr geschätzten Verfassungsgericht widersprochen werden: Nazis haben kein Recht, aufzumarschieren, es gibt kein Grundrecht auf Rassismus. Jedes öffentliche Auftreten der extremen Rechten, ihrer Schlägertruppen wie ihrer Schleimbeutel, muss unterbunden werden.

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Rassismus in der Mitte der Gesellschaft

Rechte, "fremdenfeindliche" und rassistische Übergriffe haben sich längst im Alltag auf einem hohen "Niveau" stabilisiert, ohne das sie in der Mehrheitsbevölkerung noch Irritationen auslösen.

Die öffentlichen Debatten um Rechtsextreminismus und fremdenfeindliche Gewalt zeichnen sich bei näherem Hinsehen durch eine argumentative Schieflage aus, indem im öffentlichen Gespräch die Übergriffe fast ausschließlich als ein Problem junger Männer wahrgenommen und behandelt werden. Politische Erklärungsversuche, Ursachenbeschreibungen und Handlungsansätze fixieren sich auf den organisierten Rand der Neonazis und rechts tendierenden Personen.

In fast schon ritualisierten Empörungswellen in den Medien und öffentlich initiierten Debatten durch politische AkteurInnen wird sich von dem eigenen Anteil an einem Gewalt fördernden und fremdenfeindlichen Klima frei gesprochen, von dem sich Neonazis und rechtsorientierte Jugendliche und Personen noch ermutigt und bestärkt fühlen dürften. Die "Partei" der Fremdenfeinde ist gewissermaße eine große Volkspartei, in der sich alle Gruppierungen, alle Glaubensrichtungen, alle Parteien und auch manche Gewerkschafter, wieder finden. Rassistische, ethnisierende Orientierungen lassen sich nicht auf den rechten Rand der Wählerschaft marginalisieren, sie reichen weit in die die Mitte der Gesellschaft. Und letztendlich hat sich die vermeintliche Hoffnung, dass das Problem des Rassismus, Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit im Lauf der Jahre gleichsam von selbst erledige als trügerischer Fehlschluss erwiesen. Rassistische Einstellungen sind in allen Altergrupppen zu finden.

Es bleibt ebenfalls festzuhalten, das die Chroniken über rassistische, antisemitische und rechtsextreme Übergriffe sich in regelmäßigen, täglichen Einträgen fortschreiben. Die Aussagekraft der amtlichen Zahlen darf hierbei jedoch nicht überschätzt werden. Hinter ihnen verbirgt sich eine erhebliche Dunkelziffer nicht angezeigter und damit nicht erfasster Straftaten, gar nicht zu reden von Einschüchterungen, Bedrohungen und Diskriminierungen.

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Mitmachen statt Jammern

Das Fehlen junger Leute im Attac-Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert und hilflose Schritte eingeleitet. Junge Menschen lassen sich aber nicht über Netzwerke oder durch ihre Propaganda agitieren, sondern werden in ihren lokalen Zusammenhänge anpolisiert und sozialisiert, verankern sich, bringen sich mit Vorschlägen ein und bauen sich diverse Bezugsgruppen auf. Unser Vorschlag lautet daher, dorthin zu gehen, wo junge Leute sind und mit ihnen das Gespräch zu suchen. Leisten wir einen solidarischen Beitrag zum bewegungsnahen Antifa-Camp im Rheinland. Bringen wir uns ein, finanziell und personell. Stellen wir klar, das Attac mehr ist als "Großpuppen-Agit-Prop-Truppe mit bezahlten RegisseurInnen in Frankfurt" ist, sondern eine Netzwerk von Menschen, die bereit sind, sich für ihre Ziele einzusetzen. Auch wenn`s mal nicht bunt und lustig ist, sondern hässlich. So hässlich wie Rassismus eben.

Diskriminiert uns. Bitte! (Vorsicht:Polemik)

Attac wurde vom Bundesamt für den Verfassungsschutz bislang nicht als Verfassungsfeindlich geoutet. Warum nicht? Was haben wir faslch gemacht? Sind wir nicht auch der Meinung, eine Welt ohne Herrschaft und Benachteiligung, ohne Grenzen und Staaten einschließlich der BRD sei anzustreben? Sind wir nicht auch der Meinung, dass Menschen Menschen mit gleichen globalen sozialen Rechten sind, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Staatsangehörigkeit? Verurteilen wir nicht auch das Grenzregime der EU als mörderisch? Bitte liebe Schlapphüte, die ihr dermaßen in der NPD aktiv seid, dass das Verfassungsgericht gar nicht mehr wusste, wen genau es jetzt verbieten sollte, erklärt uns für Verfassungsfeindlich.


Einen kleinen Vorgeschmack auf die Themen des Anfa-Camps gibt`s auf der BUKO 31, von 9.05. -12.05.2008

  • Samstag, 10.05.2008 - Richard Gebhard: "Extreme Rechte und Staat"

Neonazis feiern Wahlerfolge, rassistische Anschläge machen vorübergehend Schlagzeilen, Berichte über »No-Go-Areas« und eine alltägliche rechte Subkultur wiederholen sich. Der »Aufstand der Anständigen« hat sich als Flop erwiesen, und der Aufschrei über den Einzug der NPD in die Landtage von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist schnell verstummt. Es herrscht wieder Routine: Gerichte, die den Nazis die Straße zusprechen; Polizei, die sie ihnen freiknüppelt; eine politische Kaste, der nichts Besseres einfällt, als demokratische Rechte und damit
Widerstandsmöglichkeiten zu beschneiden; ein Geheimdienst, der führende NPD-Funktionäre auf der Gehaltsliste hat. Der einleitende Vortrag für diesen Workshop beleuchtet das reputierliche Umfeld, das der extremen Rechten die Rosen auf den Weg streut. Er untersucht deren Konzepte, nimmt ihre Praxis in Landes- und Kommunalparlamenten unter die Lupe und diskutiert die gesellschaftlichen Verhältnisse, vor deren Hintergrund Neofaschisten erstarken."

*Samstag, 10.05.2008 um 10.00 Uhr - Torsten Bultmann: "Elitenförderung als neues hochschulpolitisches Programm der Ungleichheit"

Seit einigen Jahren werden in Deutschland regelmäßig im Rahmen des sog. Exzellenzwettbewerbes "Eliteuniversitäten" politisch ausgerufen, ein Typus, den das deutsche Hochschulsystem zuvor nicht kannte. Zwar versucht die offizielle Politik uns einzureden, dies hätte keinerlei Konsequenzen für die Hochschulen in ihrer Gesamtheit, es würden lediglich einige etwas mehr Geld für ihre Spitzenforschung erhalten. Dem entgegen soll auf der Veranstaltung begründet werden, wie diese "Exzellenzinitiative" - so die amtliche Bezeichnung - als faktische Legitimationsstrategie für ein neues Ungleichheitsregime im gesamten System öffentlicher Bildung funktioniert. Benannt werden zudem ihre historischen Hintergründe sowie die bereits jetzt absehbaren Wirkungen.

  • Sonntag, 11.05.2008 - Antirassistisches Bildungsforum Rheinland: "Neonazismus auf dem Vormarsch - auch in NRW?"

Zirka 45 neonazistische Aufmärsche und Kundgebungen seit dem Jahr 2000 alleine in Dortmund, zirka 170 NRW-weit: Die neonazistische Szene in NRW ist nicht untätig, trotz einer schwachen NPD, die bei den letzten Landtagswahlen nicht einmal die
1-Prozent-Wahlkampfkostenrückerstattungshürde überspringen konnte. Doch die NPD ist in den letzten Jahren auch in NRW präsenter geworden und geht zunehmend an die Öffentlickeit. Dabei arbeitet sie zumeist eng mit den so genannten Freien Kameradschaften zusammen, auch wenn es immer wieder Streitpunkte gibt. Einer dieser Punkte ist die immer häufiger anzutreffende Erscheinungsform der "Autonomen Nationalisten", die eine militantere Gangart nicht nur propagieren und durch ihr Auftreten unterstreichen möchten, sondern auch in die Praxis umzusetzen versuchen. Als eine der Hochburgen des Neonazismus in NRW gilt der Raum Dortmund. Nachdem hier 2005 ein antifaschistischer Punk von einem jugendlichen Neonazi erstochen worden war, dokumentierte die lokale Szene ihren Hegemonieanspruch durch Plakate mit der Aufschrift: "Wer sich uns in den Weg stellt, muss mit den Konsequenzen leben". Spätere Aufkleber mit der Parole "Antifaschismus ist ein Ritt auf Messers Schneide" unterstreichen sowohl das vorhandene Selbstbewusstsein als auch die Gewaltbereitschaft. Vor dem Hintergrund der bundesweiten Entwicklung der neonazistischen Szene informiert ein Referent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland über die neonazistische Szene in NRW und berücksichtigt hierbei insbesondere den Dortmunder Raum.

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10.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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