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Zwangsarbeit-Gedenkstein Universitaetsmedizin Goettingen

Liebe ListenkollegInnen,

am 8. Mai 2008 wird vor der ehemaligen Göttinger Frauenklinik, Humboldtallee 19, 37073, Göttingen, um 14 Uhr der seit längerem geplante Gedenkstein für die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter feierlich enthüllt.

Vorausgegangen wir die Aufarbeitung der NS-Geschichte dieses Ortes, siehe

ZIMMERMANN, V. (Hrsg.): Leiden verwehrt Vergessen. Zwangsarbeiter in Göttingen und ihre medizinische Versorgung in den Universitätskliniken, Wallstein Verlag (www.wallstein-verlag.de), Göttingen, 2007 , 301 S., 21 Abb., broschiert, 14 x 22,2 cm, ISBN-10: 3-8353-0152-7, ISBN-13: 978-3-8353-0152-8, 28,00.

Aus dem Prolog: Seit Anfang des Jahres 2000 wurde am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin die Rolle der Zwangsarbeitenden an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen untersucht. Das Forschungsprojekt wurde dann ab 2001 vom Vorstand des Bereichs Humanmedizin in Form von Personalmitteln in zwei Phasen gefördert. Im Mittelpunkt der Nachforschungen stand die bis dato ungeklärte Frage, in welchem Umfang auch an den Göttinger Universitätskliniken
Zwangsarbeitende beschäftigt waren. Zum anderen war es wesentliches Anliegen des Forschungsvorhabens, die Rolle der Universitätsmedizin für die ortsnahe Versorgung zu untersuchen und Art und Umfang der medizinischen Behandlungen erkrankter Zwangsarbeiter in den Göttinger Universitätskliniken zu dokumentieren.

Als Quellen dienten neben Zeitzeugenberichten vor allem die einschlägigen Akten des Stadt- und Universitätsarchivs sowie die Lohnkartensammlung der Personalabteilung der Medizinischen Fakultät. Als besonders aussagekräftige Quellen erwiesen sich die für die Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht vollständig erhaltenen, aber doch sehr umfangreichen Bestände an Patientenakten der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen und Disziplinen.
Für den Zeitraum von 1940 bis 1945 wurden einschließlich
Mehrfachnennungen insgesamt über 160 Lohnkarten gefunden. Anhand der vorhandenen Lohnkarten konnte der Einsatz von 95 Zwangsarbeitenden nachgewiesen werden. Durch die Hinzuziehung weiterer Quellen wurden schließlich über 120 Zwangsarbeitende ermittelt, die aus ganz Europa, überwiegend aus Russland, Polen, der Ukraine, Frankreich und den Niederlanden kamen. Auf den Lohnkarten wurden die vom Lohn einbehaltenen Abzüge einzeln aufgeschlüsselt, neben den Abgaben für die
Krankenversicherung mussten die Zwangsarbeitenden für ihre Beköstigung, Kleidung und Unterkunft zahlen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass die Löhne in jedem Fall ausgezahlt wurden.

Fast die Hälfte der Zwangsarbeitenden waren zwischen 18 und 21 Jahre alt. Die »Einstellung« erfolgte hauptsächlich in den Jahren 1942 und 1943. Sie waren vor allem in den Abteilungen der Chirurgie, Inneren und Gynäkologie eingesetzt, arbeiteten aber auch in der Nervenklinik, Hautklinik, der HNO- und Kinderklinik sowie in der Zahnmedizin und schließlich innerhalb der Mikrobiologie, Pathologie und Anatomie. Im nicht-klinischen Bereich verfügten die Küche, die Wäscherei, das Maschinenhaus sowie die Gärtnerei über Zwangsarbeitende. Während die Zwangsarbeiterinnen überwiegend als Reinigungskräfte und Küchenhilfen eingesetzt wurden, waren z. B. französische und niederländische Medizinstudierende auch in der Pflege beschäftigt. Belegt ist auch der Einsatz von »notdienstverpflichteten« Ärzten.

Ein solches breitgefächertes und über mehrere Jahre sich erstreckendes Forschungsvorhaben ruht auf vielen Schultern. Für den ersten Abschnitt gilt der Dank den Mitarbeitern Karin Gottschalk, Andreas Frewer, Jörg Janßen, Ulf Schmidt sowie zahlreichen Studierenden.
Die zweite Phase wäre ohne die Tatkraft von Susanne Ude-Koeller nicht denkbar. Sie hat den Band redaktionell betreut. Für die Unterstützung bei den Druckkosten ist vor allem dem Vorstand des Bereichs Humanmedizin sowie der Sparkasse Göttingen zu danken.

Inhalt

Prolog

SUSANNE UDE-KOELLER / VOLKER ZIMMERMANN: Einführung

I. NS-Einflüsse auf die Göttinger Universitätsmedizin

VOLKER ZIMMERMANN: Die Medizinische Fakultät der Göttinger Georgia Augusta
während der NS-Diktatur

URSULA KÖMEN: » warum ausgerechnet K. und R. nicht für eine Verlegung in Frage kommen «. Die Heil- und Pflegeanstalt Göttingen: Rassenpolitik und innere Dynamik bei der Selektion der »T 4-Transporte«

II. Zwangsarbeit in Göttingen

CORDULA TOLLMIEN: »In Göttingen befinden sich etwa 6000 ausländische Arbeiter«
NS-Zwangsarbeiter in der Stadt Göttingen

ECKART SCHÖRLE: Zwangsarbeit in Göttinger Industriebetrieben: Sartorius und Feinprüf (Mahr)

III. Zwangsarbeit in der Region

MARC CZICHY: NS-Zwangsarbeit auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Northeim ein Überblick über die Ergebnisse einer
regionalgeschichtlichen Studie

DIETMAR SEDLACZEK: Zwangsarbeit im Jugend-KZ Moringen (1940-45)

FRIEDHART KNOLLE / MICHAEL BRAEDT / PETER SCHYGA: Schwerpunkte von NS-Zwangsarbeit und Kriegsgefangeneneinsatz im Westharz unter besonderer Berücksichtigung
medizinischer Aspekte

SASKIA RUSCH / CARINA DIMMEK / HEINER FANGERAU: Ein Sanatorium für » Volksgenossen, deren Nerven im Lebenskampf « versagten Zwangsarbeit im Sanatorium zur Pflege deutscher Nerven

IV. Medizinische Versorgung von Zwangsarbeitenden

SUSANNE UDE-KOELLER: »Dass der Patient [ ] selbst der Meinung sei, nur in der Heimat gesund werden zu können« Die Behandlung von Zwangsarbeitenden in der »Staatlichen Universitäts=Klinik für psychische und Nervenkrankheiten Göttingen«

SUSANNE UDE-KOELLER: Zwangsarbeit und medizinische Versorgungspraxis im Spiegel der Versichertenkartei der AOK Göttingen

V. Wider das Vergessen

KAREN NOLTE / JÖRG JANßEN: Gedächtnisorte im Alltag Überlegungen zum Gedenken an die Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

Epilog und Autorenverzeichnis

Mit freundlichem Glück Auf
Friedhart Knolle
Spurensuche Goslar e.V.


MAILINGLISTE NS-ZWANGSARBEIT
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ns-zwangsarbeit-admin ät hclist.de
01.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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