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Gegen rechten Martyrerkult und rechte Bürgerkriegsphantasien
Auf nach Stolberg, zur wichtigsten antifaschistischen Demonstration des
Jahres
In dem nahe bei Aachen gelegenen Städtchen Stolberg wittern Nazis ihre
Chance, einen tödlich verlaufenen Streit zwischen Jugendlichen für ihre
Zwecke zu instrumentalisieren und die gewaltsame Vertreibung der
eingewanderten Teile der Bevölkerung voranbringen zu können.
Die extreme Rechte hat ein Problem: Das Volk, dessen Willen sie zu
vollstrecken vorgibt, existiert weniger denn je. Die von deutschen
NationalistInnen im 19. Jahrhundert in die Welt gesetzte Behauptung, die
Bewohner der Staaten des deutschen Bundes und später des deutschen
Reiches und der Bundesrepublik seien miteinander durch gemeinsame
Abstammung von einem mythischen Urvolk, den Germanen, verbunden, ist
offensichtlich unhaltbar geworden. Wie so oft bevor, setzte vor 40
Jahren eine weitere Einwanderungswelle ein, als deren Folge ein
relevanter Teil der Bevölkerung Deutschlands Einwanderer sind oder von
ihnen Abstammen. Heute lehren an deutschen Hochschulen schwarze
Dozentinnen, Krankenversicherungsvorgänge werden von den Enkeln
türkischer EinwanderInnen bearbeitet und auch die Namen so manches
Polizisten und mancher Polizistin deutet darauf hin, dass er oder sie
wohl kaum ohne Umwege von Hermann dem Cherusker abstammt.
Die Ergebnisse dieser Einwanderungswelle sind nicht rückgängig zu
machen. Doch selbst nachdem sich in der "weißen deutschen"
Mehrheitsgesellschaft diese Erkenntniss durchgesetzt hat und sich "die
Politik" endlich der Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft annimmt,
halten die Nazis an ihren Vorstellungen eines homogenen, weissen
"deutschen Volkes" fest. Vordenker der extremen Rechten wie der
sächsische NPD-Landtagsabgeordenete Jürgen W.Gansel entwerfen
"Rückführungspläne", Pläne zur Vertreibung relevanter Teile der
Bevölkerung, die etwa für als Kinder aus Indien adoptierte Deutsche die
Vertreibung nach Kanada vorsehen.
Projekt ethnische Säuberung
Die Umsetzung solcher Pläne ist unter den Bedingungen friedlicher und
zivilisierter Zustände sowie einer prinzipiellen Gleichheit vor dem
Gesetz nicht denkbar. Die Nazis müssen, um ihre Vertreibungspläne
umsetzen zu können, Krieg in die Bevölkerung tragen. Zu diesem Zweck
versuchen sie, beliebige Konflikte zu ethnisieren, als
Auseinandersetzung zwischen "den Deutschen" und "den Ausländern"
darzustellen.
In Stolberg griffen sie einen Todesfall auf, bei dem in einer
Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen ein weisser Deutscher von einem
Staatenlosen erstochen wurde. Der Tote, so verkünden die Nazis im
Internet und in den Kommentarleisten der Lokalpresse, sei als Deutscher
ermordet worden, von einem Ausländer. Auf einem ersten Aufmarsch am Tage
nach dem Todesfall drohten Nazis aus ganz Nordrhein-Westfalen der
eingewanderten Bevölkerung in Sprechchören mit kollektiver "Bestrafung":
"Auch Türken haben Namen und Adressen"drohte der Nazimob.. Die Polizei
drängte die Betreiber von Kebab- und Gyrosbuden, ihre Geschäfte während
des Aufzuges geschlossen zu halten. In ihrem Bestreben, sich den
Einwanderern und Schwarzen Deutschen in Stolberg als "rächender"
Lynchmob zu präsentieren, schreckten die Nazis selbst vor dem Einsatz
von Reizgas gegen PolizistInnen nicht zurück.
Erlogene Martyrer
Die Versuche der Nazis, unter Hinweis auf angebliche Trauer Verständnis
für ihre Drohungen und Gewalttaten einzufordern erwiesen sich inzwischen
als Verdrehungen und Lügen. Die Eltern des ums Leben gekommenen
Jugendlichen traten offensiv den Versuchen der Nazis entgegen, den
Getöteten als Märtyrer für sich zu vereinnahmen. Die Nazis sehen sie
seitdem als VerräterInnen an der "deutschen Sache" an. Die lokale
Bevölkerung rechnet mit mit Übergriffen der Nazis auf die Elteren.
In Stolberg tritt die extrem rechte Thematisierung von
"Ausländerkriminalität" als das Zutage, was sie ist: Der Versuch,
rassistische Spannungen zu schüren und das Projekt eines
Vetreibungsverbrechen voranzutreiben. Die Opfer von Gewalttaten, ihre
Freunde und Angehörigen sind ihnen egal. Ihr Ziele sind genauso
verbrecherisch wie ihre Methoden.
Alle, denen eine offene Gesellschaft und eine friedliche Gestaltung der
Einwanderungsgesellschaft am Herzen liegen, sind dazu aufgerufen, in
Stolberg zu demonstrieren. Zeigen wir der Stolberger Bevölkerung gleich
welcher Herkunft und Hautfarbe, dass wir sie nicht mit Nazihorden aus
ganz NRW und bundesweit allein lassen. Ermutigen wir sie, dem braunem
Bodensatz entgegen zu treten. In Stolberg und überall.
Was tun? Und wer? Wir!
Die Menschen in Stolberg brauchen unsere Hilfe, die Hilfe von Menschen,
die in Initativen und Netzwerken aktiv sind. Wir müssen ihnen zeigen,
dass man und frau auch ohne Mandat einer Partei oder eines
parlamentarischen Gremiums, als Bürgerin oder Bürger aktiv werden kann.
Und dass können grimmig dreinschauende Menschen in Schwarz nicht. Dass
können nur wir.
Mobilisiert zur Antifa-Demo nach Stolberg. Informiert Euch über die
aktuellen Ereignisse z.B. auf http://www.bnr.de <http://www.bnr.de/> ,
http://www.antifa-aachen.org/ oder http://www.fau-aachen.net/
Bringt eure Erfahrungen in den Protest in Stolberg ein. Wie wäre es mit
reclaim the streets-Aktionenn? Oder eine door-knooking-Aktion,
umStolbergerInnen anzusprechen?
Bietet einen lokalen Treffpunkt an eurem HBF an - um mit möglichst
vielen Leuten gemeinsam zu den Gegenaktivitäten nach Stolberg bei Aachen
zu fahren. Bildet Bezugsgruppen.
Macht den Satz wahr: Keine Neonazis lokal und anderwo!
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