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In dieser Ausgabe:
- GEGEN DAS VERGESSEN
- PENNEBALL
- INTERNATIONALES JUGENDCAMP IN RUMÄNIEN
- VIELFALT IM LÄNDLICHEN RAUM
- JAZZ 55
- UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
- PRESSESCHAU
- | :: GEGEN DAS VERGESSEN ::
Hunderte kleine, bunte Kreuze bahnen sich ihren Weg vorbei am Schloss
Sonnenstein, der Stadtkirche St. Marien, dem Rathaus, quer durch die
Pirnaer Altstadt, bis hinunter zum Elbufer.
Eigentlich unübersehbar für Pirnaer und Besucher..
Dennoch scheint die Botschaft, die die Gedenkspur übermitteln soll noch
längst nicht so unausweichlich in den Köpfen der Menschen angekommen zu
sein, wie sie auf der Straße gegenwärtig ist.
Seit 2002 sind Jugendgruppen unterschiedlicher Herkunft damit
beschäftigt, die Gedenkspur ständig zu erneuern und zu erweitern, denn
die aufgesprühte Graffiti-Farbe verblasst durch Regen und Schmutz nach
und nach.
Doch das ist durchaus im Interesse des Künstlers Christoph Hampel, der
vor einigen Jahren die künstlerische Leitung des Projektes übernahm und
die Idee zur heutigen Gedenkspur hatte. Irgendwann sollen es 14.751
kleine Kreuze sein, die sich ihren Weg durch Pirna bahnen. Denn genau so
hoch ist die Opferzahl, der zwischen 1940 und 1941 im Rahmen der
Euthanasie auf dem Sonnenstein getöteten Menschen.
Die kleinen Farbkreuze müssen regelmäßig nachgesprüht werden, somit
werden die Menschen angehalten, sich immer wieder den Geschehnissen auf
dem Sonnenstein während der NS-Zeit bewusst zu werden.
Nachdem die Gedenkspur in den letzten Jahren meistens durch Besucher und
Besucherinnen von außerhalb betreut wurde, lädt die Gedenkstätte Pirna
und die Aktion Zivilcourage besonders die Menschen ein, die in Pirna
wohnen, hier arbeiten oder zu Schule gehen, sich an der Erneuerung und
Fortführung der Gedenkspur zu beteiligen.
Am 10. April sind Interessierte aller Altersgruppen eingeladen sich aktiv
dem Erinnern zu widmen. Treffpunkt wird 16 Uhr vor der Touristenformation
(Am Markt 7 / Canaletto-Haus) in Pirna sein. Vorab wird ein kurzer
Vortrag über die Euthanasie im Nationalsozialismus und die Gedenkstätte
Sonnenstein das Weiterführen der Gedenkspur einleiten.
Interessierte werden gebeten sich vorab anzumelden, um einen
reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Außerdem sollten sie
geeignete Kleidung mitbringen.
Für nähere Information und Anmeldung wenden Sie sich bitte an die
Aktion Zivilcourage e.V.
Lange Straße 43
01796 Pirna
Tel: 03501 / 767080
Fax: 03501 / 460881
Mail: s.wirth ät aktion-zivilcourage.de
oder
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Schlosspark 11
01796 Pirna
Tel.: 0 35 01 / 71 09 60
Fax: 0 35 01 / 71 09
2. | :: PENNEBALL ::
Am Freitag, den 11. April findet ab 21:00 Uhr im HANNO Pirna der
Penneball mit DJ The Ohrkan und den besten Schüler-DJ(ane)s Pirna statt.
Die Veranstaltung wird von den Pirnaer Schulen mitgestaltet, von der Deko
bis zum DJ sind alles schulische Leistungen!
Der Vorverkauf für den Penneball läuft ab dem 31. März. Karten gibts
natürlich an den Pirnaer Schulen, im T-Partner (Breite Str. 5), im Hanno
Pirna (Hohe Str. 1) und im Büro der Aktion Zivilcourage (Lange Str. 43).
Der Eintritt ist frei für alle über 25 Jahre!
3. | :: INTERNATIONALES JUGENDCAMP IN RUMÄNIEN ::
Auch 2008 können junge Leute aus Sachsen an einem internationalen
Sommerzeltlager in Rumänien teilnehmen. An dem Camp nehmen Jugendliche
aus Rumänien und Jugendliche aus Sachsen teil.
In Siebenbürgen, in einem traumhaft schönen Tal der Ostkarpaten möchten
wir gemeinsam ein Zeltlager errichten, in dem ca. 65 junge Menschen aus
verschiedenen Ländern und Kulturen, mit verschiedenen Sprachen und
Geschichten zusammen leben werden.
In Siebenbürgen, in einem traumhaft schönen Tal der Ostkarpaten möchten
wir gemeinsam ein Zeltlager errichten, in dem ca. 65 junge Menschen aus
verschiedenen Ländern und Kulturen, mit verschiedenen Sprachen und
Geschichten zusammen leben werden. Menschen aus völlig unterschiedlichen
sozialen Gruppen und kulturellen Hintergründen und sehr verschiedenen
Lebensperspektiven werden sich begegnen.
Die von einem Bauern gemietete Wiese muss also zunächst als Lebensraum
mit allen Erfordernissen gestaltet werden. Die zum Bau dieses Dorfes
notwendigen Materialien wie Werkzeuge, Planen, Seile, Kanister Zelte usw.
werden zum großen Teil aus Deutschland mitgebracht bzw. vom Partner
Fehelofia vor Ort gekauft.
Jeder "Dorfbewohner" ist zur aktiven Mitgestaltung des "Dorflebens"
aufgerufen, denn fast alles was wir benötigen, bauen und errichten wir
selbst. Das sind z.B. ein Dorfplatz, Feuerstellen, Sportbereiche,
Staudamm, Waschplätze, Tische, Bänke und WC's. Das Leben im Camp wird
geprägt sein vom Kochen am offenen Feuer, vom Singen und Tanzen am
Lagerfeuer, Sport, Einkaufen auf rumänischen Märkten, Ausflügen,
Höhlentouren, Wanderungen, Seminaren, beeindruckenden Begegnungen und von
vielen verblüffenden Momenten und Überraschungen.
Wir werden das schöne Land Rumänien mit seinen verschiedenen Gesichtern
und die Lebensweise der Menschen kennen lernen, unseren Lebensgeschichten
lauschen und europäische Gemeinschaft praktizieren. Die ersten Tage
werden geprägt sein von der gemeinsamen Arbeit aller Teilnehmer.
Engagiert und motiviert muss sich jeder auf seine Weise und mit seinen
Begabungen in die Errichtung des Camp-Dorfes einbringen.
Gemeinsame Arbeit, Seminare, Sport, Ausflüge und ein intensiver Einblick
in die Lebenswelt der Menschen in Rumänien, geben diesem Camp seinen
prägenden und besonderen Charakter.
Termin: 16.07.-02.08.2008
Träger und Kooperationspartner: Sächsische Jugendstiftung, Aktion
Zivilcourage Pirna, Kreisfeuerwehrverband Sächsische Schweiz,
Rumänieninitativgruppe Bautzen e.V.
Informationen über das Camp 2007, Einblicke ins regionale Alltagsleben,
Seminarberichte, persöhnliche Reisebrichte und viele Fotos finden sie
unter: www.turia.org.
Anmeldungen bei:
Aktion Zivilcorage e.V.
Sebastian Reißig
Tel.: 03501/ 460880
post ät zivilcourage-pirna.net
Sächsische Jugendstiftung
Rüdiger Steinke
Tel.:0351-43834807
info ät saechsische-jugendstiftung.de
4. | :: VIELFALT IM LÄNDLICHEN RAUM ::
Ein Seminar für SozialarbeiterInnen im ländlichen Raum
Die Sächsische Landjugend e.V. bietet gemeinsam mit dem Gerede e.V.
Dresden ein Seminar am 26.06.2008 in Dresden Stadtteilhaus Dresden
Neustadt) an unter dem Titel "Vielfalt im ländlichen Raum. Umgang mit
Ausgrenzungen aufgrund von Homosexualität am 26.06.2008 in Dresden"
Als ReferentInnen stehen Morena Gutte (Dipl.-Sozialpädagogin,systemische
Beraterin (DGSF), Fortbildnerin (agjf)) und Falk-Peter Scholz (Dipl.Sozialp
ädagoge, systemischer Berater (DGSF), Konfliktmoderator, Kinderu.
Jugendlichenpsychotherapeut i. A.) vom Gerede e.V. zur Verfügung.
- Inhalt
- "Schwul" ist das meistgebräuchliche Schimpfwort in Jugendclubs.
Homosexuelle Lebensweisen sind im ländlichen Raum aber kaum präsent.
Natürlich aber gibt es auf dem Lande auch schwule, lesbische und
bisexuelle Jugendliche (zwischen 5 und 10 Prozent). Selten nur outen sie
sich - aus Furcht vor Ablehnung. In Jugendclubs sind gerade
schwulenfeindliche Äußerungen an der Tagesordnung. Wie können Fachkräfte
in der Arbeit mit Jugendgruppen Offenheit für vielfältige Lebensweisen
erarbeiten? Wie können sie ausgrenzenden Worten und Handlungen
entgegentreten? Sollte ein Coming-Out unterstützt werden? Dieses Seminar
informiert und zeigt konkrete Handlungs- und Unterstützungs-möglichkeiten
für die Arbeit in Jugendgruppen auf, mit denen Offenheit und Toleranz
erreicht werden können.
Kosten: 10,00 Euro
Darin enthalten sind Verpflegung und Seminarmaterial
- Programm
- 10.00 Uhr Begrüßung, Organisatorisches
10.15 Uhr Einstieg ins Thema, Erwartungen der TeilnehmerInnen
10.45 Uhr Teil 1: fundierte Fakten und Hintergründe, Begriffsbestimmungen,
Homosexualität im ländlichen Raum
12.30 Uhr Mittag
13.30 Uhr Teil 2: Erfahrungen der Fachkräfte mit Homosexualität in der Arbeit
mit Jugendlichen, konkrete Handlungsansätze und Methoden zur
Auseinandersetzung
Unterstützungsmöglichkeiten für schwule/lesbische Jugendliche
im Coming-Out
16.30 Uhr Abschlussrunde
17.00 Uhr Ende der Veranstaltung
Anmeldungen schriftlich, telefonisch,
per E-Mail oder bei www.landjugend-sachsen.de an:
Sächsische Landjugend e.V.
Schnorrstraße 70
01069 Dresden
Tel.: 0351 - 471 52 66
Fax: 0351 - 471 52 63
bjoern.redmann ät landjugend-sachsen.de
5. | :: JAZZ 55 ::
Dienstag 08.04.2008 21 Uhr
Schmiedestraße 55, 01796 Pirna
Auch im April findet im Uniwerk wieder eine Ausgabe der monatlichen
Jazzreihe Jazz55 statt. Die Stammbesetzung um Thomas Hübel (Gitarre),
Alexander Fuchs (Bass) und Thomas Naumann (Schlagzeug) verschreibt sich
in dieser Ausgabe ganz der Fusion Musik, bei der Elemente des Jazz mit
Elementen der Rockmusik verschmelzen. Um den Fusionsound komplett zu
machen haben sich die Jungs hochkarätige Dresdner Musiker als
Unterstützung eingeladen. Den Schlagzeuger Stephan Salewski und den
Pianisten Markus Zimmermann.
6. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus
dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten,
Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie
regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie
eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige
Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) (http://www.aktionzivilcourage.
com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es
aus,tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an
unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung
untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine
Spendenquittung zu.
Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 320 003 5608|
BLZ: 850 503 00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
7. | :: Presseschau ::
+++ Der kleine Jannik wollte sich die Haut mit der Bürste weiß schrubben +++
+++ Länder blockieren NPD-Verbotsverfahren +++
+++ Wir sind im Visier +++
Der kleine Jannik wollte sich die Haut mit der Bürste weiß schrubben
Quelle: www.spiegel.de / 04.04.2008 / Rudolstadt
Aus Rudolstadt und Erkelenz berichtet Philipp Wittrock
Beschimpft, bespuckt, verprügelt - von ganz normalen Bürgern. Weil sie
den alltäglichen Rassismus nicht mehr erträgt, flüchtet eine
Pfarrersfamilie aus dem Osten zurück ins Rheinland. Im thüringischen
Rudolstadt versteht man die Welt nicht mehr - und sorgt sich um seinen
Ruf.
Es ist eine Chronologie des täglichen Terrors: Irgendwann im vergangenen
Jahr hat Miriam Neuschäfer angefangen, alles aufzuschreiben. "Um es zu
verarbeiten und für die Kinder", sagt sie, "damit die später verstehen,
was alles passiert ist." Die zierliche junge Frau sitzt am rustikalen
Küchentisch und blättert den gelben Schnellhefter durch. Immer wieder
schüttelt sie den Kopf mit den dunklen, kurzen Haaren. Zehn Seiten sind
es, voll beschrieben mit schwarzem Stift. In der Schublade liegen noch
viel mehr, 50 insgesamt vielleicht, schätzt sie.
Pfarrer Neuschäfer mit Kindern: Flucht aus Thüringen
Erst in ausformulierten Sätzen, bald nur noch stichpunktartig hat Miriam
Neuschäfer notiert, warum ihre Familie nach fast acht Jahren das
thüringische Rudolstadt verlassen hat und zurückgekehrt ist in den
Westen, in den äußersten Westen der Republik, nach Erkelenz im Rheinland.
Sie hat den Rassismus nicht mehr ausgehalten, die ständigen Anfeindungen
ganz normaler Bürger, das Gefühl, verhasst zu sein im eigenen Land.
"Es war eine Flucht", sagt Miriam Neuschäfer. "Und sie war lebensnotwendig."
Miriam Neuschäfer hat eine indische Mutter, ihre Haut ist dunkel, wie
auch die ihrer fünf Kinder.
Die 32-Jährige ist am Niederrhein aufgewachsen, hat Theologie studiert,
spricht akzentfrei deutsch.
Ihr Mann Reiner Andreas Neuschäfer, 40, ist Pfarrer. Im Jahr 2000 bekam
er die Stelle des Schulbeauftragten für Südthüringen angeboten. Der Job
war attraktiv, die junge Familie hatte keine Scheu vor dem Osten. Mit
damals zwei kleinen Kindern gingen sie nach Rudolstadt, die einstige
fürstliche Residenz 50 Kilometer von der Landeshauptstadt Erfurt
entfernt, in einem schönen Tal gelegen, dort, wo sich die Saale in einem
Bogen von Süden nach Osten schlängelt. Eine überschaubare Kleinstadt mit
25.000 Einwohnern - hier sollte man schnell Anschluss finden.
Doch die Neuschäfers blieben Fremde in Thüringen.
Von Anfang an sei ein "Kulturunterschied" zu spüren gewesen, sagt Reiner
Neuschäfer. Die Rheinländer werden nicht warm mit den Menschen, finden
nur wenige Freunde, wenn, dann kommen diese meist auch aus dem Westen.
Man bleibt unter sich. Vielleicht, könnte man sagen, haben sie sich den
Anfang selbst schwer gemacht, vielleicht haben sie die Thüringer
"Nölärsche", wie sich die Menschen hier selbst gern scherzhaft nennen,
einfach nur falsch eingeschätzt.
Das wird schon, denken die Neu-Rudolstädter.
Nichts wird. Die Neuschäfers empfinden bald mehr als kühle Distanz. "Wir
könnten hier Stunden sitzen und noch ewig weiterreden", sagt Miriam
Neuschäfer, als sie ihre Aufzeichnungen überfliegt, die von Hass und
Feindseligkeit erzählen. Stunden, und ihnen würden immer neue Erlebnisse
und Begebenheiten einfallen, die früher oder später zu dem Entschluss
führen mussten: Wir gehen.
"Deine Haut ist nicht richtig"
Zum ersten Mal schrillen die Alarmglocken im Jahr 2002 bei einem Gespräch
mit der Kindergärtnerin des ältesten Sohnes Jannik, der heute zehn Jahre
alt ist. Plötzlich ist von Integrationsproblemen die Rede. "Deine Haut
ist nicht richtig", sollen die anderen Kinder zu ihm gesagt haben - sie
meiden ihn. Irgendwann steht Jannik zu Hause am Waschbecken und schrubbt
seinen Arm mit der Wurzelbürste. Er will die dunkle Farbe abreiben.
Später in der Grundschule geht die Hänselei weiter, sagen die Eltern.
"Mama, was ist ein Nigger?", fragt der Junge daheim. Die Mitschüler
hätten gespottet: "Du bist so braun, weil du dich mit Scheiße eingerieben
hast." Eines Tages sollen neun Schulkameraden Jannik auf dem Schulhof
verprügelt haben, so schlimm, dass Reiner Neuschäfer die Polizei
einschaltet. Die Schulleitung ermahnt die kleinen Schläger.
Während auch die zweitälteste Tochter Fenja, heute acht Jahre alt,
Mobbing-Geschichten mit nach Hause bringt, macht Mutter Miriam Neuschäfer
ihre ganz eigenen Erfahrungen. "Was hier alles einkaufen darf", habe ein
älterer Herr ihr und den Kindern im Supermarkt im Vorbeigehen an den Kopf
geschleudert. "Geh zurück in den Urwald!" So ist ihr das Gebrüll eines
anderen auf dem Parkplatz in Erinnerung, als sie die Autotür nicht
schnell genug schließt, damit der Pöbelnde seinen Wagen in die
Nachbarbucht stellen kann.
Es dauert nicht lange, bis Miriam Neuschäfer allein die Blicke anderer
Menschen wehtun. "Ich habe nur noch auf den Boden geguckt und die Steine
gezählt." Bald geht sie allein gar nicht mehr aus dem Haus.
Aber auch wenn der große und kräftige Pfarrer oder die wenigen Freunde
dabei sind, bekommen Mutter und Kinder offene Abneigung zu spüren. Wenn
die Familie auf dem vollen Kinderspielplatz erscheint, leert sich dieser
schon mal schlagartig. "Bei strahlendem Sonnenschein", sagt die Mutter.
Beim gemeinsamen Spaziergang mit einer Bekannten im Park habe ein
Jugendlicher sie angespuckt.
Länder blockieren NPD-Verbotsverfahren
Quelle: www.sueddeutsche.de / 30.03.2008 / Deutschland
Ein Verbot der rechtsextremen NPD droht auch im zweiten Anlauf zu
scheitern: Mindestens acht von Union oder schwarz-gelben Koalitionen
regierte Bundesländer weigern sich offenbar, Materialsammlungen über die
Partei an das Bundesinnenministerium zu liefern - darunter ist auch
Bayern.
Ein Verbot der rechtsextremen NPD dürfte auch im zweiten Anlauf
scheitern: Mindestens acht von Union oder schwarz-gelben Koalitionen
regierte Bundesländer hätten sich geweigert, Materialsammlungen über die
Partei an das Bundesinnenministerium zu liefern, berichtete das ARDHauptstadtstudio
am Sonntag.
Dies seien Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen,
Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Entsprechende Stellungnahmen
hätten die Länder in einem Verfahren abgegeben, das SPD-Fraktionschef
Peter Struck im vergangenen September angestoßen hatte.
Auf Strucks Anregung hin hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) das Bundesamt für Verfassungsschutz und die 16 Landesämter für
Verfassungschutz gebeten, Informationen für ein neues NPD-
Verbotsverfahren bis zum 31. März 2008 zusammenzustellen.
Die acht Innenminister von CDU, CSU und FDP hätten dies nun aber
abgelehnt. Im Kern geht es laut ARD darum, dass die Länder ein neues
Verbotsverfahren für verfassungsrechtlich aussichtslos halten. Eine von
den SPD-Innenministern eingesetzte Arbeitsgruppe sei nicht rechtzeitig
fertig geworden, weil sich die Untergruppe Verfassungsrecht nicht habe
einigen können.
Ohne die Zustimmung der acht Länder ist ein neues NPD-Verbotsverfahren
nicht möglich. Für die Beantragung des Verfahrens wären Mehrheiten in
Bundestag und Bundesrat nötig. Ein neues Verbotsverfahren war in den
Reihen der Union von Anfang an auf Skepsis gestoßen. Das erste NPDVerbotsverfahren
war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert,
weil V-Leute von Bund und Ländern teils Posten in Führungsgremien der
rechtsextremen Partei bekleidet hatten.
Wir sind im Visier
Quelle: www.sonntag-sachsen.de / 31.03.2008
Immer wieder kommt es in sächsischen Orten zu rechtsextremer Gewalt. Der
Rechtsextremismusexperte Christian Kurzke von der Evangelischen Akademie
in Meißen sieht auch die Kirche herausgefordert.
Mit ihm sprach Stefan Seidel.
Herr Kurzke, lassen die jüngsten Ausbrüche rechtsextremer Gewalt auf ein
Anwachsen der rechtsextremen Szene schließen?
Kurzke: Ja, das ist unübersehbar. Dabei ist zu beobachten, dass
insbesondere die Mitläufer mehr werden, weniger dass der harte Kern
wächst. Rechtsextremismus ist aus dem Untergrund getreten und zu einem
breiten Phänomen geworden. Es scheint ein gesellschaftliches Klima zu
geben, das rechtsextreme Aktionen ermöglicht. Rechtsextreme haben das
Gefühl, deutlich und öffentlich auftreten zu können.
Wie steht es um die Strukturen der Rechtsextremen in Sachsen?
Kurzke: Die Rechtsextremen haben sich Strukturen aufgebaut, die jetzt
greifen. Der Rechtsextremismus ist ein gefestigtes, strukturelles Problem
in Sachsen geworden. Dabei hat sich als größte Gruppe die NPD etabliert.
Ich möchte vor dem verbreiteten »Fünf-Prozent-Denken« warnen. Das Problem
ist nicht vorbei, wenn die NPD nicht mehr im Landtag sitzt.
Was kann die Kirche tun?
Kurzke: Die Kirche und kirchliche Mitarbeiter sind in der Situation, sich
positionieren zu müssen, denn der Rechtsextremismus zieht sich
mittlerweile durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es geht um
sichtbare Gegenaktionen bei rechten Aktionen und Demonstrationen, um
Aufrufe, nicht wegzusehen. Die Kirche vor Ort hat die Chance, zu
moderieren, aufzuklären und zu vernetzen.
Doch wie ist mit der teilweise massiven Einschüchterung durch
Rechtsradikale umzugehen?
Kurzke: Die Angst vor Anschlägen und Verfolgung löst Beklemmung aus. Das
zeigt, wieviel Macht im Alltag die Rechtsextremen bereits haben. Sie
dominieren manche Stadtteile und verhindern Gegenaktivitäten. Ich rate
dazu, immer öffentlich zu agieren, sich zum Beispiel mit dem Kulturbüro
Sachsen zu vernetzen und die Polizei über Veranstaltungen zu informieren.
Am 27. Mai findet an der Evangelischen Akademie wieder ein Praxistag
Rechtsextremismus statt. Worum geht es?
Kurzke: Es geht um Zivilcourage für Demokratie im Heimatort. Wir wollen
die Tatsache ernstnehmen, dass auch wir Christen schon im Visier der
Rechten sind. Wir wollen Wege des Handelns aufzeigen, zum Beispiel, sich
vor Ort zu vernetzen, um demokratische Strukturen zu festigen.
Unsere Projekte 2008 werden u.a. gefördert & unterstützt durch: das
Landesprogramm "Weltoffenes Sachsen",den Lokalen Aktionsplan Sächsische
Schweiz, das "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend", den Landkreis Sächsische Schweiz, die Deutsche Post World Net,
die Stadt Pirna, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Friedrich Ebert
Siftung, die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Pirna, die Firmen
www.4koepfe.de & www.computer-stephan.de sowie zahlreichen Spenderinnen &
Spendern. Allen unser herzliches Dankeschön!
Die Aktion Zivilcourage ist unter VR 899 im Vereinsregister des
Amtsgerichtes Pirna als Verein eingetragen.
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wurde am Dienstag, 8. April 2008 um 11:10:40 an 1977 Empfänger versandt.
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