Nadeshda
Forum: cl.politik.antifa
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Aktion Zivilcourage Pirna: Infomail (395) 08.04.2008

Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information.


Aktion Zivilcourage e.V.
Geschäftsstelle: Lange Straße 43 | 01796 Pirna
Postanschrift: Postfach 100228 | 01782 Pirna
Fon: +49 (0) 35 01 - 46 08 80 | Fon: +49 (0) 35 01 - 4 61 41 64 Fax: +49 (0) 35 01 -46 08 81 | VoIP: +49 (0) 35 01 - 76 70 80 E-Mail: post ät zivilcourage-pirna.de | www.aktion-zivilcourage.de Kontaktformular: http://www.aktion-zivilcourage.de/Kontakt.421/


In dieser Ausgabe:


  1. GEGEN DAS VERGESSEN
  2. PENNEBALL
  3. INTERNATIONALES JUGENDCAMP IN RUMÄNIEN
  4. VIELFALT IM LÄNDLICHEN RAUM
  5. JAZZ 55
  6. UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
  7. PRESSESCHAU

  1. | :: GEGEN DAS VERGESSEN ::

Hunderte kleine, bunte Kreuze bahnen sich ihren Weg vorbei am Schloss Sonnenstein, der Stadtkirche St. Marien, dem Rathaus, quer durch die Pirnaer Altstadt, bis hinunter zum Elbufer.
Eigentlich unübersehbar für Pirnaer und Besucher..

Dennoch scheint die Botschaft, die die Gedenkspur übermitteln soll noch längst nicht so unausweichlich in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein, wie sie auf der Straße gegenwärtig ist.

Seit 2002 sind Jugendgruppen unterschiedlicher Herkunft damit beschäftigt, die Gedenkspur ständig zu erneuern und zu erweitern, denn die aufgesprühte Graffiti-Farbe verblasst durch Regen und Schmutz nach und nach.

Doch das ist durchaus im Interesse des Künstlers Christoph Hampel, der vor einigen Jahren die künstlerische Leitung des Projektes übernahm und die Idee zur heutigen Gedenkspur hatte. Irgendwann sollen es 14.751 kleine Kreuze sein, die sich ihren Weg durch Pirna bahnen. Denn genau so hoch ist die Opferzahl, der zwischen 1940 und 1941 im Rahmen der Euthanasie auf dem Sonnenstein getöteten Menschen.

Die kleinen Farbkreuze müssen regelmäßig nachgesprüht werden, somit werden die Menschen angehalten, sich immer wieder den Geschehnissen auf dem Sonnenstein während der NS-Zeit bewusst zu werden.

Nachdem die Gedenkspur in den letzten Jahren meistens durch Besucher und Besucherinnen von außerhalb betreut wurde, lädt die Gedenkstätte Pirna und die Aktion Zivilcourage besonders die Menschen ein, die in Pirna wohnen, hier arbeiten oder zu Schule gehen, sich an der Erneuerung und Fortführung der Gedenkspur zu beteiligen.

Am 10. April sind Interessierte aller Altersgruppen eingeladen sich aktiv dem Erinnern zu widmen. Treffpunkt wird 16 Uhr vor der Touristenformation (Am Markt 7 / Canaletto-Haus) in Pirna sein. Vorab wird ein kurzer Vortrag über die Euthanasie im Nationalsozialismus und die Gedenkstätte Sonnenstein das Weiterführen der Gedenkspur einleiten.

Interessierte werden gebeten sich vorab anzumelden, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Außerdem sollten sie geeignete Kleidung mitbringen.

Für nähere Information und Anmeldung wenden Sie sich bitte an die

Aktion Zivilcourage e.V.
Lange Straße 43
01796 Pirna
Tel: 03501 / 767080
Fax: 03501 / 460881
Mail: s.wirth ät aktion-zivilcourage.de

oder
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Schlosspark 11
01796 Pirna
Tel.: 0 35 01 / 71 09 60
Fax: 0 35 01 / 71 09


2. | :: PENNEBALL ::

Am Freitag, den 11. April findet ab 21:00 Uhr im HANNO Pirna der Penneball mit DJ The Ohrkan und den besten Schüler-DJ(ane)s Pirna statt. Die Veranstaltung wird von den Pirnaer Schulen mitgestaltet, von der Deko bis zum DJ sind alles schulische Leistungen!

Der Vorverkauf für den Penneball läuft ab dem 31. März. Karten gibts natürlich an den Pirnaer Schulen, im T-Partner (Breite Str. 5), im Hanno Pirna (Hohe Str. 1) und im Büro der Aktion Zivilcourage (Lange Str. 43). Der Eintritt ist frei für alle über 25 Jahre!


3. | :: INTERNATIONALES JUGENDCAMP IN RUMÄNIEN ::

Auch 2008 können junge Leute aus Sachsen an einem internationalen Sommerzeltlager in Rumänien teilnehmen. An dem Camp nehmen Jugendliche aus Rumänien und Jugendliche aus Sachsen teil.

In Siebenbürgen, in einem traumhaft schönen Tal der Ostkarpaten möchten wir gemeinsam ein Zeltlager errichten, in dem ca. 65 junge Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, mit verschiedenen Sprachen und Geschichten zusammen leben werden.

In Siebenbürgen, in einem traumhaft schönen Tal der Ostkarpaten möchten wir gemeinsam ein Zeltlager errichten, in dem ca. 65 junge Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, mit verschiedenen Sprachen und Geschichten zusammen leben werden. Menschen aus völlig unterschiedlichen sozialen Gruppen und kulturellen Hintergründen und sehr verschiedenen Lebensperspektiven werden sich begegnen.

Die von einem Bauern gemietete Wiese muss also zunächst als Lebensraum mit allen Erfordernissen gestaltet werden. Die zum Bau dieses Dorfes notwendigen Materialien wie Werkzeuge, Planen, Seile, Kanister Zelte usw. werden zum großen Teil aus Deutschland mitgebracht bzw. vom Partner Fehelofia vor Ort gekauft.

Jeder "Dorfbewohner" ist zur aktiven Mitgestaltung des "Dorflebens" aufgerufen, denn fast alles was wir benötigen, bauen und errichten wir selbst. Das sind z.B. ein Dorfplatz, Feuerstellen, Sportbereiche, Staudamm, Waschplätze, Tische, Bänke und WC's. Das Leben im Camp wird geprägt sein vom Kochen am offenen Feuer, vom Singen und Tanzen am Lagerfeuer, Sport, Einkaufen auf rumänischen Märkten, Ausflügen, Höhlentouren, Wanderungen, Seminaren, beeindruckenden Begegnungen und von vielen verblüffenden Momenten und Überraschungen.
Wir werden das schöne Land Rumänien mit seinen verschiedenen Gesichtern und die Lebensweise der Menschen kennen lernen, unseren Lebensgeschichten lauschen und europäische Gemeinschaft praktizieren. Die ersten Tage werden geprägt sein von der gemeinsamen Arbeit aller Teilnehmer. Engagiert und motiviert muss sich jeder auf seine Weise und mit seinen Begabungen in die Errichtung des Camp-Dorfes einbringen.

Gemeinsame Arbeit, Seminare, Sport, Ausflüge und ein intensiver Einblick in die Lebenswelt der Menschen in Rumänien, geben diesem Camp seinen prägenden und besonderen Charakter.

Termin: 16.07.-02.08.2008
Träger und Kooperationspartner: Sächsische Jugendstiftung, Aktion Zivilcourage Pirna, Kreisfeuerwehrverband Sächsische Schweiz, Rumänieninitativgruppe Bautzen e.V.

Informationen über das Camp 2007, Einblicke ins regionale Alltagsleben, Seminarberichte, persöhnliche Reisebrichte und viele Fotos finden sie unter: www.turia.org.

Anmeldungen bei:
Aktion Zivilcorage e.V.
Sebastian Reißig
Tel.: 03501/ 460880
post ät zivilcourage-pirna.net

Sächsische Jugendstiftung
Rüdiger Steinke
Tel.:0351-43834807
info ät saechsische-jugendstiftung.de


4. | :: VIELFALT IM LÄNDLICHEN RAUM ::

Ein Seminar für SozialarbeiterInnen im ländlichen Raum

Die Sächsische Landjugend e.V. bietet gemeinsam mit dem Gerede e.V. Dresden ein Seminar am 26.06.2008 in Dresden Stadtteilhaus Dresden Neustadt) an unter dem Titel "Vielfalt im ländlichen Raum. Umgang mit Ausgrenzungen aufgrund von Homosexualität am 26.06.2008 in Dresden"

Als ReferentInnen stehen Morena Gutte (Dipl.-Sozialpädagogin,systemische Beraterin (DGSF), Fortbildnerin (agjf)) und Falk-Peter Scholz (Dipl.Sozialp ädagoge, systemischer Berater (DGSF), Konfliktmoderator, Kinderu. Jugendlichenpsychotherapeut i. A.) vom Gerede e.V. zur Verfügung.

Inhalt
"Schwul" ist das meistgebräuchliche Schimpfwort in Jugendclubs. Homosexuelle Lebensweisen sind im ländlichen Raum aber kaum präsent. Natürlich aber gibt es auf dem Lande auch schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche (zwischen 5 und 10 Prozent). Selten nur outen sie sich - aus Furcht vor Ablehnung. In Jugendclubs sind gerade schwulenfeindliche Äußerungen an der Tagesordnung. Wie können Fachkräfte in der Arbeit mit Jugendgruppen Offenheit für vielfältige Lebensweisen erarbeiten? Wie können sie ausgrenzenden Worten und Handlungen entgegentreten? Sollte ein Coming-Out unterstützt werden? Dieses Seminar informiert und zeigt konkrete Handlungs- und Unterstützungs-möglichkeiten für die Arbeit in Jugendgruppen auf, mit denen Offenheit und Toleranz erreicht werden können.

Kosten: 10,00 Euro
Darin enthalten sind Verpflegung und Seminarmaterial

Programm
10.00 Uhr Begrüßung, Organisatorisches 10.15 Uhr Einstieg ins Thema, Erwartungen der TeilnehmerInnen 10.45 Uhr Teil 1: fundierte Fakten und Hintergründe, Begriffsbestimmungen,

Homosexualität im ländlichen Raum 12.30 Uhr Mittag 13.30 Uhr Teil 2: Erfahrungen der Fachkräfte mit Homosexualität in der Arbeit

mit Jugendlichen, konkrete Handlungsansätze und Methoden zur Auseinandersetzung Unterstützungsmöglichkeiten für schwule/lesbische Jugendliche im Coming-Out 16.30 Uhr Abschlussrunde 17.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Anmeldungen schriftlich, telefonisch,
per E-Mail oder bei www.landjugend-sachsen.de an:

Sächsische Landjugend e.V.
Schnorrstraße 70
01069 Dresden
Tel.: 0351 - 471 52 66
Fax: 0351 - 471 52 63
bjoern.redmann ät landjugend-sachsen.de


5. | :: JAZZ 55 ::

Dienstag 08.04.2008 21 Uhr
Schmiedestraße 55, 01796 Pirna

Auch im April findet im Uniwerk wieder eine Ausgabe der monatlichen Jazzreihe Jazz55 statt. Die Stammbesetzung um Thomas Hübel (Gitarre), Alexander Fuchs (Bass) und Thomas Naumann (Schlagzeug) verschreibt sich in dieser Ausgabe ganz der Fusion Musik, bei der Elemente des Jazz mit Elementen der Rockmusik verschmelzen. Um den Fusionsound komplett zu machen haben sich die Jungs hochkarätige Dresdner Musiker als Unterstützung eingeladen. Den Schlagzeuger Stephan Salewski und den Pianisten Markus Zimmermann.


6. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS

Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten, Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) (http://www.aktionzivilcourage. com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es aus,tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine Spendenquittung zu.

Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 320 003 5608| BLZ: 850 503 00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"


7. | :: Presseschau ::

+++ Der kleine Jannik wollte sich die Haut mit der Bürste weiß schrubben +++ +++ Länder blockieren NPD-Verbotsverfahren +++
+++ Wir sind im Visier +++


Der kleine Jannik wollte sich die Haut mit der Bürste weiß schrubben Quelle: www.spiegel.de / 04.04.2008 / Rudolstadt

Aus Rudolstadt und Erkelenz berichtet Philipp Wittrock

Beschimpft, bespuckt, verprügelt - von ganz normalen Bürgern. Weil sie den alltäglichen Rassismus nicht mehr erträgt, flüchtet eine Pfarrersfamilie aus dem Osten zurück ins Rheinland. Im thüringischen Rudolstadt versteht man die Welt nicht mehr - und sorgt sich um seinen Ruf.
Es ist eine Chronologie des täglichen Terrors: Irgendwann im vergangenen Jahr hat Miriam Neuschäfer angefangen, alles aufzuschreiben. "Um es zu verarbeiten und für die Kinder", sagt sie, "damit die später verstehen, was alles passiert ist." Die zierliche junge Frau sitzt am rustikalen Küchentisch und blättert den gelben Schnellhefter durch. Immer wieder schüttelt sie den Kopf mit den dunklen, kurzen Haaren. Zehn Seiten sind es, voll beschrieben mit schwarzem Stift. In der Schublade liegen noch viel mehr, 50 insgesamt vielleicht, schätzt sie.

Pfarrer Neuschäfer mit Kindern: Flucht aus Thüringen
Erst in ausformulierten Sätzen, bald nur noch stichpunktartig hat Miriam Neuschäfer notiert, warum ihre Familie nach fast acht Jahren das thüringische Rudolstadt verlassen hat und zurückgekehrt ist in den Westen, in den äußersten Westen der Republik, nach Erkelenz im Rheinland. Sie hat den Rassismus nicht mehr ausgehalten, die ständigen Anfeindungen ganz normaler Bürger, das Gefühl, verhasst zu sein im eigenen Land.

"Es war eine Flucht", sagt Miriam Neuschäfer. "Und sie war lebensnotwendig." Miriam Neuschäfer hat eine indische Mutter, ihre Haut ist dunkel, wie auch die ihrer fünf Kinder.
Die 32-Jährige ist am Niederrhein aufgewachsen, hat Theologie studiert, spricht akzentfrei deutsch.
Ihr Mann Reiner Andreas Neuschäfer, 40, ist Pfarrer. Im Jahr 2000 bekam er die Stelle des Schulbeauftragten für Südthüringen angeboten. Der Job war attraktiv, die junge Familie hatte keine Scheu vor dem Osten. Mit damals zwei kleinen Kindern gingen sie nach Rudolstadt, die einstige fürstliche Residenz 50 Kilometer von der Landeshauptstadt Erfurt entfernt, in einem schönen Tal gelegen, dort, wo sich die Saale in einem Bogen von Süden nach Osten schlängelt. Eine überschaubare Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern - hier sollte man schnell Anschluss finden.

Doch die Neuschäfers blieben Fremde in Thüringen.
Von Anfang an sei ein "Kulturunterschied" zu spüren gewesen, sagt Reiner Neuschäfer. Die Rheinländer werden nicht warm mit den Menschen, finden nur wenige Freunde, wenn, dann kommen diese meist auch aus dem Westen. Man bleibt unter sich. Vielleicht, könnte man sagen, haben sie sich den Anfang selbst schwer gemacht, vielleicht haben sie die Thüringer "Nölärsche", wie sich die Menschen hier selbst gern scherzhaft nennen, einfach nur falsch eingeschätzt.

Das wird schon, denken die Neu-Rudolstädter.
Nichts wird. Die Neuschäfers empfinden bald mehr als kühle Distanz. "Wir könnten hier Stunden sitzen und noch ewig weiterreden", sagt Miriam Neuschäfer, als sie ihre Aufzeichnungen überfliegt, die von Hass und Feindseligkeit erzählen. Stunden, und ihnen würden immer neue Erlebnisse und Begebenheiten einfallen, die früher oder später zu dem Entschluss führen mussten: Wir gehen.

"Deine Haut ist nicht richtig"
Zum ersten Mal schrillen die Alarmglocken im Jahr 2002 bei einem Gespräch mit der Kindergärtnerin des ältesten Sohnes Jannik, der heute zehn Jahre alt ist. Plötzlich ist von Integrationsproblemen die Rede. "Deine Haut ist nicht richtig", sollen die anderen Kinder zu ihm gesagt haben - sie meiden ihn. Irgendwann steht Jannik zu Hause am Waschbecken und schrubbt seinen Arm mit der Wurzelbürste. Er will die dunkle Farbe abreiben.

Später in der Grundschule geht die Hänselei weiter, sagen die Eltern. "Mama, was ist ein Nigger?", fragt der Junge daheim. Die Mitschüler hätten gespottet: "Du bist so braun, weil du dich mit Scheiße eingerieben hast." Eines Tages sollen neun Schulkameraden Jannik auf dem Schulhof verprügelt haben, so schlimm, dass Reiner Neuschäfer die Polizei einschaltet. Die Schulleitung ermahnt die kleinen Schläger. Während auch die zweitälteste Tochter Fenja, heute acht Jahre alt, Mobbing-Geschichten mit nach Hause bringt, macht Mutter Miriam Neuschäfer ihre ganz eigenen Erfahrungen. "Was hier alles einkaufen darf", habe ein älterer Herr ihr und den Kindern im Supermarkt im Vorbeigehen an den Kopf geschleudert. "Geh zurück in den Urwald!" So ist ihr das Gebrüll eines anderen auf dem Parkplatz in Erinnerung, als sie die Autotür nicht schnell genug schließt, damit der Pöbelnde seinen Wagen in die Nachbarbucht stellen kann.

Es dauert nicht lange, bis Miriam Neuschäfer allein die Blicke anderer Menschen wehtun. "Ich habe nur noch auf den Boden geguckt und die Steine gezählt." Bald geht sie allein gar nicht mehr aus dem Haus.

Aber auch wenn der große und kräftige Pfarrer oder die wenigen Freunde dabei sind, bekommen Mutter und Kinder offene Abneigung zu spüren. Wenn die Familie auf dem vollen Kinderspielplatz erscheint, leert sich dieser schon mal schlagartig. "Bei strahlendem Sonnenschein", sagt die Mutter. Beim gemeinsamen Spaziergang mit einer Bekannten im Park habe ein Jugendlicher sie angespuckt.


Länder blockieren NPD-Verbotsverfahren
Quelle: www.sueddeutsche.de / 30.03.2008 / Deutschland

Ein Verbot der rechtsextremen NPD droht auch im zweiten Anlauf zu scheitern: Mindestens acht von Union oder schwarz-gelben Koalitionen regierte Bundesländer weigern sich offenbar, Materialsammlungen über die Partei an das Bundesinnenministerium zu liefern - darunter ist auch Bayern.

Ein Verbot der rechtsextremen NPD dürfte auch im zweiten Anlauf scheitern: Mindestens acht von Union oder schwarz-gelben Koalitionen regierte Bundesländer hätten sich geweigert, Materialsammlungen über die Partei an das Bundesinnenministerium zu liefern, berichtete das ARDHauptstadtstudio am Sonntag.

Dies seien Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Entsprechende Stellungnahmen hätten die Länder in einem Verfahren abgegeben, das SPD-Fraktionschef Peter Struck im vergangenen September angestoßen hatte.

Auf Strucks Anregung hin hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Bundesamt für Verfassungsschutz und die 16 Landesämter für Verfassungschutz gebeten, Informationen für ein neues NPD-
Verbotsverfahren bis zum 31. März 2008 zusammenzustellen.

Die acht Innenminister von CDU, CSU und FDP hätten dies nun aber abgelehnt. Im Kern geht es laut ARD darum, dass die Länder ein neues Verbotsverfahren für verfassungsrechtlich aussichtslos halten. Eine von den SPD-Innenministern eingesetzte Arbeitsgruppe sei nicht rechtzeitig fertig geworden, weil sich die Untergruppe Verfassungsrecht nicht habe einigen können.

Ohne die Zustimmung der acht Länder ist ein neues NPD-Verbotsverfahren nicht möglich. Für die Beantragung des Verfahrens wären Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat nötig. Ein neues Verbotsverfahren war in den Reihen der Union von Anfang an auf Skepsis gestoßen. Das erste NPDVerbotsverfahren war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert, weil V-Leute von Bund und Ländern teils Posten in Führungsgremien der rechtsextremen Partei bekleidet hatten.


Wir sind im Visier
Quelle: www.sonntag-sachsen.de / 31.03.2008

Immer wieder kommt es in sächsischen Orten zu rechtsextremer Gewalt. Der Rechtsextremismusexperte Christian Kurzke von der Evangelischen Akademie in Meißen sieht auch die Kirche herausgefordert.
Mit ihm sprach Stefan Seidel.

Herr Kurzke, lassen die jüngsten Ausbrüche rechtsextremer Gewalt auf ein Anwachsen der rechtsextremen Szene schließen?

Kurzke: Ja, das ist unübersehbar. Dabei ist zu beobachten, dass insbesondere die Mitläufer mehr werden, weniger dass der harte Kern wächst. Rechtsextremismus ist aus dem Untergrund getreten und zu einem breiten Phänomen geworden. Es scheint ein gesellschaftliches Klima zu geben, das rechtsextreme Aktionen ermöglicht. Rechtsextreme haben das Gefühl, deutlich und öffentlich auftreten zu können.

Wie steht es um die Strukturen der Rechtsextremen in Sachsen?

Kurzke: Die Rechtsextremen haben sich Strukturen aufgebaut, die jetzt greifen. Der Rechtsextremismus ist ein gefestigtes, strukturelles Problem in Sachsen geworden. Dabei hat sich als größte Gruppe die NPD etabliert. Ich möchte vor dem verbreiteten »Fünf-Prozent-Denken« warnen. Das Problem ist nicht vorbei, wenn die NPD nicht mehr im Landtag sitzt.

Was kann die Kirche tun?

Kurzke: Die Kirche und kirchliche Mitarbeiter sind in der Situation, sich positionieren zu müssen, denn der Rechtsextremismus zieht sich mittlerweile durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es geht um sichtbare Gegenaktionen bei rechten Aktionen und Demonstrationen, um Aufrufe, nicht wegzusehen. Die Kirche vor Ort hat die Chance, zu moderieren, aufzuklären und zu vernetzen.

Doch wie ist mit der teilweise massiven Einschüchterung durch Rechtsradikale umzugehen?

Kurzke: Die Angst vor Anschlägen und Verfolgung löst Beklemmung aus. Das zeigt, wieviel Macht im Alltag die Rechtsextremen bereits haben. Sie dominieren manche Stadtteile und verhindern Gegenaktivitäten. Ich rate dazu, immer öffentlich zu agieren, sich zum Beispiel mit dem Kulturbüro Sachsen zu vernetzen und die Polizei über Veranstaltungen zu informieren.

Am 27. Mai findet an der Evangelischen Akademie wieder ein Praxistag Rechtsextremismus statt. Worum geht es?

Kurzke: Es geht um Zivilcourage für Demokratie im Heimatort. Wir wollen die Tatsache ernstnehmen, dass auch wir Christen schon im Visier der Rechten sind. Wir wollen Wege des Handelns aufzeigen, zum Beispiel, sich vor Ort zu vernetzen, um demokratische Strukturen zu festigen.


Unsere Projekte 2008 werden u.a. gefördert & unterstützt durch: das Landesprogramm "Weltoffenes Sachsen",den Lokalen Aktionsplan Sächsische Schweiz, das "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend", den Landkreis Sächsische Schweiz, die Deutsche Post World Net, die Stadt Pirna, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Friedrich Ebert Siftung, die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Pirna, die Firmen www.4koepfe.de & www.computer-stephan.de sowie zahlreichen Spenderinnen & Spendern. Allen unser herzliches Dankeschön!

Die Aktion Zivilcourage ist unter VR 899 im Vereinsregister des Amtsgerichtes Pirna als Verein eingetragen.

Bankverbindung: Ostsächsische Sparkasse Dresden, Kontonummer: 310 006 839 3 | BLZ: 850 503 00 Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V.

|Diese Email wurde beim Verlassen unseres Mailservers auf Viren geprüft.|

Sollte Ihnen unser Newsletter gefallen haben, bitten wir Sie herzlich, diesen Arbeitskollegen oder Freunden zu empfehlen. Unsere Newsletter wurde am Dienstag, 8. April 2008 um 11:10:40 an 1977 Empfänger versandt.

08.04.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.antifa