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In dieser Ausgabe:
- DER 6.MARKT DER KULTUREN
- RÜCKBLICK DER GEDENKSTÄTTENFAHRT NACH AUSCHWITZ
- FREIWILLIGES SOZIALES JAHR IN DER POLITIK
- VEREINS- UND STEUERRECHT LEICHT GEMACHT
- "QUEEN OF KLEZMER" IM PIRNAER Q24
- INTEGRATION JUNGER MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN
- AUF ZUR JUGENDSGRUPPENLEITER-AUSBILDUNG!
- LICHTFLECKE- FRAU SEIN IM HOLOCAUST
- "BRÜDER UND FREMDE- ALLE UNTER EINEM DACH"
- UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
- PRESSESCHAU
- | :: DER 6.MARKT DER KULTUREN ::
Mit "Yellow Umbrella", "The Skatalites" und "Madeku" einen Tag der Vielfalt erleben!
Am 24. Mai wird es wieder bunt in Pirna. Denn dann herrscht auf dem Marktplatz wieder ein
farbenfrohes, interkulturelles Treiben. Zahlreiche Vereine, Initiativen, Schulen und Partnerstädte
werden an Ständen ihre Arbeit vorstellen und den Besuchern mit russischen Köstlichkeiten,
thailändischen Massagen, afrikanischem Kunsthandwerk, indischer Kleidung und vielem mehr die
kulturelle Vielfalt der Menschen näher bringen.
Die Menschen sollen vielfältigster Kultur, der Schönheit anderer Länder und Gesellschaften in
Kontakt kommen, um unbegründete Ängste gegen Fremde und Fremdes zu verringern und dies vor Ort mit
direktem Erleben zu verbinden. Darüber hinaus möchten wir mit dem Markt der Kulturen die
Integration unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erleichtern.
Auf zwei Bühnen können die Zuschauer mit einem vielfältigen interkulturellen Programm aus Musik,
Tanz und Theater in die Faszination unterschiedlicher Kulturen eintauchen. Absolutes Highlight wird
in diesem Jahr das Abendkonzert im Zeichen von Reggae & Ska. Auf der Bühne stehen die
jamaikanischen Urväter des Ska, die original "SKATALITES - Jamaica's Greatest Band!". Sie sind die
erste (seit 1962!) und unerreichteste der original jamaikanischen Ska-Bands. Um die Sache perfekt
zu machen spielen davor die Dresdner Reggae & Ska-Götter "Yellow Umbrella".
Damit auch der Markt der Kulturen auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg wird, ist die
Unterstützung zahlreicher Helfer notwendig. Es werden Freiwillige gesucht, die zeitweise oder
ganztägig am und um den 24. Mai beim Bühnenauf- und -abbau helfen, Künstler und Gäste betreuen,
sowie deren Auftritte oder Stände mit koordinieren können. Wer Interesse hat, als Helfer am 23.,
24. und 25. Mai zur Verfügung zu stehen, kann sich bei der Helferkoordinationsstelle melden:
Aktion Zivilcourage
Tel: 03501/767080
l.quaas@aktion-zivilcourage.de
Auch Helfer, die nur teilweise und zu bestimmten Zeiten einsetzbar sein können, sind herzlich
gebeten sich zu beteiligen!
Unterstützt und organisiert wird der Markt der Kulturen durch: die Pirnaer Initiative gegen
Extremismus und für Zivilcourage, die Stadt Pirna, die Bürgerinitiative Afreu, die AWO Sonnenstein,
die Hotelfachschule Pirna Sonnenstein, die Mittelschulen Gauß, Pestalozzi und Goethe Pirna, die
Schule zur Lernförderung "Kurt Krenz", die Musikschule, der Jugendmigrationsdienst des CJD
Heidenau, das Binationale Internat des Schillergymnasiums, das Herder-Gymnasium, die
Freiwilligenzentrale der Diakonie, der Jugendring Sächsische Schweiz, die Jugendseite der
Sächsischen Zeitung, die Landeskirchliche Gemeinschaft, MDR Figaro und die Aktion Zivilcourage
2. :: . RÜCKBLICK DER GEDENKSTÄTTENFAHRT NACH AUSCHWITZ ::
Vom 02.03-06.03.08 veranstaltete die Aktion Zivilcourage gemeinsam mit der Friedrich Ebert Stiftung
eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz. Zusammen mit SchülerInnen, Polizisten und Interessierten
verbrachten wir fünf Tage in Polen und besichtigten neben der Gedenkstätte Auschwitz auch das
jüdische Viertel in Krakau.
Hier ein Bericht einer Teilnehmerin über die fünf Tage in Polen.
Sonntag 02.03.08
Um Punkt Acht startete unsere diesjährige Gedenkfahrt vom Elbufer Pirna. An unsere ersten Station
Sebnitz stießen vier Schüler zu uns; etwas später sollte unsere 21- köpfige Gruppe durch 2 weitere
Erwachsene komplettiert werden. Die interessante Konstellation Polizisten & Schülern versprach eine
intensive Woche mit vielen aufschlussreichen Gesprächen. Nach einer achtstündigen Fahrt, auf der
uns die stürmischen und regnerischen Wetterverhältnisse sozusagen auf die Thematik der Reise
einstellten, erreichten wir das "Zentrum Dialogu", unsere Herberge für die nächsten 4 Nächte. Nach
einer kurzen Besichtigung der Zimmer und einer ansprechenden Mahlzeit, wurden in einer kurzen
Kennenlernrunde erste Kontakte geschlossen. Nicht allzu spät fielen letztendlich alle mehr oder
weniger erschöpft in ihr Bett.
Montag 03.03.08
Nach einem ausgiebigen Frühstück, starteten wir am Montag Morgen in Richtung Gedenkstätte Auschwitz
I. Während einer dreistündigen Führung lernten wir die Geschichte des Stammlagers kennen. Die
Konfrontation mit dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte durch Bilder, Texte aber
auch eigene Gedanken war eine wichtige und interessante Erfahrung aber auch anstrengend. Nach dem
Mittagessen blieb uns daher etwas Zeit die erfahrenen Eindrücke und Reize zu verarbeiten.
Anschließend wurde dem Erfahrenen mit dem Zeitzeugen Herrn Smolen ein Gesicht gegeben. Mit seinem
beeindruckenden Lebensbericht vermittelte er uns zum einen die lebendige Seite des Lebens im KZ zum
andern aber auch noch einmal die unmenschlichen Lebensbedingungen und die Grausamkeit die in dem
Lager vorherrschte. Am Abend fanden wir uns erneut zu einer Runde zusammen, in der wir uns über
unsere Eindrücke und Gefühle austauschten.
Dienstag 04.03.08
Am Dienstag setzten wir unsere Gedenkfahrt mit einer Führung durch das Lager Birkenau fort. Wir
besichtigten den "Wohn"-bereich der Häftlinge und die Ruinen der Krematorien. Vor allem auch durch
die Größe des Lagers wurde einem in Birkenau das ganze Ausmaß der Verbrechen des Holocaust bewusst.
Ich denke, dass wir alle mehr oder weniger bewegt von den schmerzlichen Eindrücken diesen Ort
verlassen haben. Am Nachmittag machten wir uns auf, die Stadt Oswiecim zu erkunden. Eine
Freiwillige des Centrum Dialogu führte uns zu den interessantesten Punkten der Stadt und seiner
jüdischen Geschichte; unter anderem besuchten wir die kleine Synagoge. Die abendliche Runde brachte
wiederum eine Reflexion der in Birkenau erfahrenen Eindrücke und interessante Gespräche mit sich.
Mittwoch 05.03.08
Den Mittwoch verbrachten wir in Krakau. Dort besichtigten wir während einer ausführlichen Führung
das jüdische Viertel Kazimierz. Es war sehr interessant die jüdische Kultur und Religion in einem
der ehemals bedeutensten jüdischen Zentren Europas kennen zulernen. Aufgrund des kalten Wetters
entschieden wir uns gegen eine gemeinsamen Besuch der Burg Wawel, sondern wärmten uns stattdessen
in der Marienkirche mit ihrem weltberühmten Veit Stoß -Hochaltar auf. Anschließend war einige Zeit
die Stadt auf eigene Faust zu erkunden odereinen Kaffee zu trinken. Am Abend ließen wir uns dann
gemeinsam von den kulinarischen Außergewöhnlichkeiten eines jüdischen Restaurants verwöhnen. Zurück
in der Unterkunft genoss jeder den letzten gemeinsamen Abend - zum Beispiel im gemeinsamen Gespräch
oder beim Schach spielen.
Donnerstag 06.03.08
Nach einer gemeinsamen Auswertungsrunde brachen wir am Donnerstag gegen 10 Uhr von Oswiecim aus auf
Richtung Pirna. Nach einer rund 7stündigen Fahrt, auf der jeder noch einmal Gelegenheit hatte, das
Erlebte zu reflektieren, erreichten wir Pirna.
Die Gedenkfahrt nach Auschwitz hat einem die Möglichkeit geboten, wichtige Erfahrungen mit der
Verarbeitung der eigenen Geschichte und im Umgang mit Rechtsextremismus heute zu sammeln.
3. :: FREIWILLIGES SOZIALES JAHR IN DER POLITIK ::
Null Bock auf Politik? Das muss nicht so bleiben! Die Sächsische Jugendstiftung bietet jungen
Menschen für ein Jahr die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Politik in Sachsen zu
werfen und politische Strukturen und Entscheidungsprozesse aus direkter Nähe kennenzulernen.
Ab 15. März 2008 können sich politikinteressierte Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren, die eine
Schule oder Ausbildung abschließen bzw. abgeschlossen haben, für ein Freiwilliges Soziales Jahr in
der Politik (FSJ Politik) bewerben.
Beim FSJ Politik erhalten die Freiwilligen ein Taschengeld sowie einen Zuschuss zu Unterkunft und
Verpflegung und sind vollständig sozialversichert. Beginn des FSJ Politik ist der 1. 9. 2008.
Ausführliche Informationen zum FSJ Politik und zu den notwendigen Bewerbungsunterlagen sind zu
finden unter www.saechsische-jugendstiftung.de
Bewerbungen an:Sächsische Jugendstiftung, Könneritzstraße 25, 01067 Dresden.
4. :: VEREINS- UND STEUERRECHT LEICHT GEMACHT ::
Die Vereine in Sachsen, auch jene die Jugendarbeit machen, unterliegen vielfältigen Regelungen.
Gegenüber anderslautenden Annahmen ist der Verein weiterhin ein wichtiger Gesellungs- und
Aktionsraum für junge Menschen. Aus diesem Grund will die Sächsische Landjugend e.V. Vereinen, in
denen Jugendliche Mitglied sind bzw. die Jugendarbeit machen, Aufklärung über rechtliche und
steuerrechtliche Fragen ermöglichen in Form eines Ein-Tages-Seminars zu günstigen Konditionen.
Der Diplom- Betriebswirt Enrico Krahl stellt gemeinsam mit dem Bildungsreferenten Björn Redmann die
rechtlichen Rahmenbedingungen vor, denen (gemeinnützige)Vereine unterliegen, stellt die Probleme im
Steuerrecht dar und geht darüber hinaus auf die Fragen der Teilnehmenden ein.
Zielgruppe sind haupt- und ehrenamtlich Tätige in der Kinder- und Jugendarbeit sowie
InteressentInnen, die sich gern weiteres Wissen für die eigene Arbeit im Verein aneignen wollen.
Die Kosten liegen mit 10 Euro für Mitglieder der Sächsischen Landjugend e.V. und 20 Euro für NichtMitglieder
der SLJ e.V. sehr niedrig. Stattfinden wird dieses Seminar in Leipzig im
Soziokulturellen Zentrum "Die Villa". Anmeldungen nimmt Björn Redmann gern telefonisch unter 0351-
4715266 oder unter bjoern.redmann@landjugend-sachsen.de entgegen. Anmelden kann sich mensch auch
direkt auf der Homepage www.landjugend-sachsen.de
Veranstaltungsort
Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
Lessingstraße 7 - 04109 Leipzig
5. :: "QUEEN OF KLEZMER" IM PIRNAER Q24 ::
IRITH GABRIELY, die "Queen of Klezmer", feiert mit ihrer Band COLALAILA seit Jahren international
Erfolge. Mit ihrem neuen Programm setzt sie jetzt zusammen mit MARTIN WAGNER, dem eigenwilligen und
unorthodoxen Akkordeonisten, neue Schwerpunkte.
Virtuosität, Spontaneität, Ausdrucksstärke und ein traumhaft sicheres Zusammenspiel sind garantiert
durch zwei eigenständige, sich hervorragend ergänzende Musikerpersönlichkeiten. Die
außergewöhnliche Kombination ihrer Instrumente sowie verrückte und überraschende Arrangements
versprechen dem Publikum ein spannendes und abwechslungsreiches Programm.
Am 05.04.2008 um 20 Uhr im Q24 Pirna!
- Kartenreservierung
- www.tickets.pirna.de;
Ticket-Hotline 03501/556 446;
- Preise
- VVK: 15,00 / 13,00 ¤
AK: 18,00 / 15,00 ¤
Kleinkunstbühne "Q 24" Pirna e. V.
Niedere Burgstraße 5
01796 Pirna
E-Mail: q24@pirna.de
Internet: http://www.pirna.de
6. :: INTEGRATION JUNGER MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN ::
Sie sind jung, neu in Deutschland oder hier geboren, voller Tatendrang und Ideen - Kinder und
Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund. Sie wollen mitreden, ihre Zukunft hier in
Deutschland mitgestalten und mitentscheiden.
Wie können Kinder und Jugendliche und auch ihre Eltern Unterstützung finden, damit sie ihre
Potenziale entfalten können? Was ist notwendig, damit sie sich aktiv am Leben in ihrem Stadtteil
beteiligen und in ihrer Schule, im Jugendclub oder im Verein gemeinsam mit anderen Kindern und
Jugendlichen engagieren können?
Wie können Kreativität, soziale Kompetenz, Mitbestimmung und Eigeninitiative gestärkt werden?
Sie sind am Zug!
Haben Sie eine zündende Projektidee, wie Sie die Integration von Kindern und Jugendlichen aus
Migrantenfamilien fördern können? Dann wenden Sie sich an die Stiftung MITARBEIT.
Die Stiftung MITARBEIT führt mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung das Programm »Integration junger
Migranten« durch. Seit 2005 fördert die Robert Bosch Stiftung mit dem Programm überzeugende
Projektideen zur Integration junger Menschen. Bisher gingen über 780 Anträge ein. Insgesamt wurden
bisher 550.000 ¤ bereitgestellt.
Näheres unter: http://www.mitarbeit.de/integrationmigranten.html
7. :: AUF ZUR JUGENDSGRUPPENLEITER-AUSBILDUNG! ::
Der Jugendring Sächsische Schweiz e.V. lädt ein zur Jugendgruppenleiterschulung
im April 2008 in Pirna. "Eine kreative Seminaratmosphäre, Spaß am gegenseitigen Austausch, learning
by doing und Pläne schmieden für die Arbeit als ausgebildeter Jugendgruppenleiter - das sind
Erfahrungen, die unsere Teilnehmer stets als Bereicherung erleben" sagt Sybille Ott, Referentin
beim Jugendring Sächsische Schweiz. An den beiden Wochenenden 12./13.04. und 26./27.04.08 hat man
dafür wieder
Angesprochen sind alle Interessenten, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, als
Jugendgruppenleiter bei Ferienmaßnahmen aktiv sein oder einfach ihr Wissen und Können festigen
möchten. Die Ausbildung beinhaltet die praktische und theoretische Vorbereitung der Teilnehmer auf
die Aufgaben eines Jugendgruppenleiters. Inhaltlich werden vielfältige Themen behandelt, u.a.
Aufsichtspflicht und Haftung in der Kinder- und Jugendarbeit, Anforderungen an einen
Jugendgruppenleiter, organisatorischen und finanztechnischen Aspekte. Zudem werden Methoden zur
Ideenfindung und Programmgestaltung vorgestellt und der Umgang mit Konflikten sowie rhetorische und
spielpädagogische Fähigkeiten geschult. Auch Grundlagen der Ersten Hilfe bei Kinderunfällen werden
Bestandteil der Schulung sein. Aber keine Angst! So theoretisch wie es klingt, wird es nicht!
Methodisch bedient sich unser Referententeam vielfältigster Methoden und zahlreicher Praxisübungen.
Kosten für die Schulung betragen 44,00 ¤ incl. Übernachtung, Verpflegung und Arbeitsmaterial.
Anmeldungen sind ab sofort beim Jugendring Sächsische Schweiz e.V., Hohe Straße 1, 01796 Pirna,
Tel.: 03501 - 781647, info@jugend-ring.de möglich.
8. ::LICHTFLECKE- FRAU SEIN IM HOLOCAUST ::
n Kooperation mit der Sächsischen Staatskanzlei präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden eine Ausstellung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
"Lichtflecke - Frau sein im Holocaust" ist eine außergewöhnliche Multimedia-Ausstellung, die sich
speziell dem Verhalten von jüdischen Frauen im Holocaust widmet.
Die Ausstellung zeigt auf, wie diese auf die verheerenden und extremen Umstände von Gewalt und
Unterdrückung reagierten, um ihr Überleben kämpften und versuchten, ihre Identität als Mensch und
Frau zu bewahren. Die höchst individuellen und vielfältigen Reaktionen der jüdischen Frauen, sind
gruppiert nach verschiedenen Themen, wie Liebe, Mutterschaft, Weiblichkeit und Glauben. Die Schau,
die Frau Yehudit Inbar kuratierte, wird nun Dank der Unterstützung der Sächsischen Staatskanzlei
das erste Mal außerhalb Israels gezeigt.
Sie beeindruckt nicht nur inhaltlich, auch die ungewöhnliche künstlerische Präsentationsform macht
sie einzigartig. Das Design von Chanan de Lange basiert auf großflächigen Projektionen in
Kombination mit akustischen Beiträgen. Zu sehen sind Fotos, Bilder, Briefe und Artefakte, anhand
derer einzelne Geschichten und persönliche Schicksale erzählt werden. Die Videoarbeit "Mensch Sein"
der israelisch-internationalen Künstlerin Michal Rovner ergänzt das multimedial konzipierte
Ausstellungsdesign. Die Künstlerin geht in ihrer Arbeit der Frage nach, woher die Frauen im
Holocaust die Kraft nahmen, durchzuhalten und nicht aufzugeben.
"Lichtflecke - Frau sein im Holocaust" ist eine Produktion der Museumsdivision der israelischen
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und zählt zu deren umfangreichsten Wanderausstellungen.
Gefördert wird das Projekt vom Freistaat Sachsen. Die Ausstellung bildet den Auftakt
für eine Reihe weiterer Projekte, die die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gemeinsam mit Yad
Vashem in den nächsten Jahren planen.
Zu sehen vom 10. März bis zum 4. Mai 2008 im Residenzschloss Dresden, Eingang Sophienstraße
http://www.skd-dresden.de/de/ausstellungen/aktuell/lichtflecke.html
9. ::"BRÜDER UND FREMDE- ALLE UNTER EINEM DACH" ::
16. März - 17. Mai 2008 im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde zu Dresden
Kooperationsveranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V., der
Jüdischen Gemeinde zu Dresden und Hatikva e.V.
Die Ausstellung "Brüder und Fremde" erkundet mit Interviews und Porträtfotos die Lebenswelt
verschiedenster Gemeindemitglieder sowie ihr Verhältnis zueinander. Alteingesessene deutsche Juden
und neue russischsprachige Mitglieder erzählen ihre individuelle Geschichte. Sie beschreiben ihre
jüdische Identität und diskutieren darüber, was ihnen ihre Dresdner Gemeinde bedeutet.
Seit dem Jahr 1989 hat sich die Mitgliederzahl der Dresdner Gemeinde durch den Zuzug Hunderter
Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion mehr als verzehnfacht. In 17 sehr persönlichen
Interviews stellen sich verschiedene Gemeindemitglieder mit ihrer Geschichte vor. Sie können auf PC
angesehen werden. Mit 20 Porträtaufnahmen und Kurzbiografien wird dem Besucher die Vielfalt der
Dresdner Gemeinde gezeigt.
Die Ausstellung ist täglich außer Freitag und Sonnabend (Schabbat) von 09.00 bis 17.00 Uhr
geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Begleitprogramm zur Ausstellung jeweils im Gemeindehaus (Am Hasenberg 1):
26. März 2008, 16.00 Uhr
Dr. Herbert Lappe, Dresden: "Die Geschichte meiner Familie", Vortrag und Gespräch
30. März 2008, 11.00 Uhr
Stella Shtcherbatova, Psychologin und Koordinatorin der Integrationsagentur der Synagogen-Gemeinde
Köln: "Psychologische Probleme der jüdischen Zuwanderer aus Ländern der ehemaligen SU" (rus/dt)
03. April 2008, 18.00 Uhr
Prof. Dr. Yvonne Schütze, Erziehungswissenschaftlerin/Berlin: "Stand der Integration
russischsprachiger Zuwanderer" (dt/rus)
13. April 2008, 11.00 Uhr
Alina Fejgin, Sozialpädagogin/Hannover: "SGB II (oder für ältere Teilnehmer SGB XII) ? Was muss ich
darüber wissen?" (rus/dt)
24. April 2008, 18.00 Uhr
Svetlana Roberman/Jerusalem: "Narrative als Brücken: Über unser Leben erzählen ? Zugehörigkeit
bauen" (rus/dt)
15. Mai 2008, 19.00 Uhr
Sergey Lagodinsky, Jurist und Publizist/Berlin: "Chancen und Herausforderungen jüdischer Gemeinden
in Deutschland heute? (dt/rus)
10. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Landkreis
Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten, Druckkosten und vieles mehr
bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie regelmäßig eine Spende von
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Spendenquittung zu.
Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 320 003 5608| BLZ: 850 503
00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
11. | :: Presseschau ::
+++ Vor dem Machtkampf +++
+++ Beklemmendes aus Wurzen +++
+++ "In 'Schindlers Liste' bin ich die mit dem geschorenen Kopf" +++
+++ Mantel der Legalität entziehen +++
Vor dem Machtkampf
Quelle: www.berlinonline.de / 17.03.2008 / Berlin
"Ich habe das schönste Büro im Schweriner Schloss." Udo Pastörs, Fraktionschef der rechtsextremen
NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, lächelt versonnen und schaut aus dem Erkerfenster seines
holzgetäfelten Abgeordnetenzimmers hinaus auf den Schweriner See.
Der von einem Tischler angefertigte Schreibtisch hinter ihm ist penibel aufgeräumt, das
Nachrichtenmagazin Spiegel liegt aufgeschlagen auf dem Möbel. Neben der Sitzecke im Erker sind
weitere aktuelle Politmagazine auf einem kleinen Regal platziert. Die ganze Szenerie wirkt
arrangiert, wie eine Illustration. Sie soll vorgaukeln, hier arbeite ein wacher politischer Geist,
einer, der eingefahrene Wege verlassen will.
"Wenn ich hier aus dem Fenster schaue, über den See auf die Hügel, dann denke ich an Neuseeland, wo
ich für ein paar Jahre lebte", erzählt Pastörs. Wunderbar sei es dort, man lebe im Einklang mit
sich und der Natur. "Anders als hier, wo Rastlosigkeit das Leben prägt und die Menschen von den
Auswüchsen einer globalisierten Welt und multikulturellen Gesellschaft gequält werden."
Pastörs redet gern. Und viel. Um Disziplin und völkische Identität kreisen im Gespräch seine
ausufernden Gedanken, er schimpft auf das demokratische System und das von ihm als "Schuldkult"
verachtete Bekenntnis zur deutschen Verantwortung für den Holocaust.
Der aus Niedersachsen stammende 55-Jährige mit der akkuraten Kurzhaarfrisur, der gern im
bayerischen Janker daherkommt, gilt als der kommende Mann in der Nationaldemokratischen Partei.
Pastörs lässt keinen Zweifel daran, dass er das auch so sieht. "Wenn wir den Anspruch haben,
richtig nach vorn zu kommen, dann müssen wir in den eigenen Reihen Fehlentwicklungen korrigieren",
sagt er.
Ist das eine Kampfansage an den amtierenden NPD-Chef Udo Voigt? Pastörs zögert mit der Antwort.
Schließlich sagt er, dass ihn in der letzten Zeit viele gedrängt hätten, mehr Verantwortung in der
Partei zu übernehmen. "Aber die Arbeit hier in Schwerin macht mir Spaß, ich habe keine Lust, das
aufzugeben zu Gunsten des Parteivorsitzes." Dann aber sagt es Pastörs doch: "Im Notfall jedoch
stehe ich bereit."
Der Notfall könnte schon bald eintreten. Die im November 1964 gegründete NPD steckt in ihrer
bislang existenzbedrohendsten Krise. Der Schuldenberg ist auf einen Millionenbetrag angewachsen,
nennenswerte Wahlerfolge und eine damit verbundene Wahlkampfkostenerstattung bleiben - sieht man
einmal von Sachsen und Mecklenburg ab - seit Jahren aus. Und dann ist da auch der jüngst an die
Öffentlichkeit gedrungene E-Mail-Verkehr der Parteispitze, in dem die Funktionäre über die
"Idioten" aus den Neonazi-Kameradschaften herziehen, was das Verhältnis zum wichtigsten Partner der
NPD in der rechten Szene weiter zerrütten dürfte. Den vorerst letzten Tiefschlag musste die Partei
vor einem Monat hinnehmen, als ihr Bundesschatzmeister Erwin Kemna verhaftet wurde.
Die Krise führt dazu, dass sich der nächste NPD-Parteitag im Mai nun nicht wie geplant mit einem
überarbeiteten Programm befassen wird, sondern mit der Wahl eines neuen Parteivorstandes. Es
spricht einiges dafür, dass die Delegierten auf einen personellen Neuanfang an der Parteispitze
setzen wollen. Auf Udo Pastörs eben.
Der noch amtierende NPD-Chef Udo Voigt, der seit zwölf Jahren die rechtsextreme Partei führt,
schüttelt allerdings den Kopf bei der Frage, ob seine Zeit als Vorsitzender abgelaufen ist. "Ich
habe mir nichts vorzuwerfen", sagt er und lächelt ein wenig gezwungen. "Und deshalb brauche ich
auch nicht zurückzutreten."
Das Büro des Parteichefs in Berlin ist noch nicht einmal halb so groß wie das von Pastörs im
Schweriner Schloss. Es liegt im Obergeschoss eines heruntergekommenen Hauses in der Köpenicker
Seelenbinderstraße. Hier, in dem nach einem Großspender der Partei benannten Bühring-Haus, hat die
Bundeszentrale der NPD ihren Sitz. Das Haus ist eine kleine Festung, mit Stahltüren, verrammelten
Fenstern, einer Videokamera an der Fassade und Gittern im Treppenhaus.
Auch vor Voigts Bürofenster ist die Jalousie heruntergelassen. Kaltes Deckenlicht fällt auf die NPDund
Deutschlandfahnen, die schlaff in der Zimmerecke hängen. Die Möbel sind verschlissen und alt.
Wie ein Bunker wirkt der Raum, eng und dumpf. Mittendrin der 56-jährige Parteichef, mit lichtem
Grauschopf, kleinen, müden Augen und hängenden Schultern.
"Ich habe mir persönlich nichts vorzuwerfen", sagt Voigt noch einmal. Es geht um den inhaftierten
Schatzmeister Kemna, über dessen Firmenkonten Parteigelder hin- und hergeschoben wurden. Einzelne
Beträge reichte der Nordrhein-Westfale auch bar auf Autobahnparkplätzen an Unbekannte weiter. Mehr
als 600 000 Euro sollen bei diesen Transaktionen verschwunden sein, sagen die Ermittler.
Doch Voigt steht zu seinem Freund Kemna, der seit fast zwanzig Jahren im NPD-Bundesvorstand sitzt.
"Ich habe keinen Grund, ihm zu misstrauen", sagt er. Kemna habe "weit reichende Vollmachten für die
Geldbeschaffung" gehabt und "ein System der Verschleierung von Darlehensgebern" entwickelt. Dies
sei aber eine notwendige Reaktion gewesen auf die Repression des Staates, der jeden Geldgeber der
NPD an den Pranger stelle und mit allen Mitteln versuche, die Partei wirtschaftlich zu zerstören,
sagt Voigt. Er habe als Parteichef natürlich von diesem geheimen Geldsystem gewusst. "Herr Kemna
hat mich darüber unterrichtet", sagt Voigt.
Kemna habe er ebenso wie Voigt immer als integre Persönlichkeit wahrgenommen, für die bis zum
Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung gelte, sagt auch Holger Apfel. Der NPD-Vize und
Dresdner Landtagsfraktionschef hat an diesem Tag extra die Parlamentssitzung verlassen, um seine
Loyalität zum Parteichef zu erklären. Aber Apfel rutscht dabei etwas zu nervös auf dem Sofa im Flur
des Landtagsgebäudes herum. Er weiß, dass es in der Kemna-Affäre auch um seine Parteikarriere geht,
galt er bislang doch als Kronprinz Voigts. Und so legt Apfel Wert darauf, seine mögliche
Mitverantwortung für die Finanzaffäre einzuschränken. "In den Abschluss von Darlehensverträgen
unserer Partei war ich nie eingebunden", betont er. Dafür seien Voigt und Kemna zuständig gewesen,
die entsprechende Vollmachten des Parteivorstandes hatten.
Heißt das also, dass auch Voigt gehen muss, sollte der Schatzmeister der Unterschlagung überführt
werden? Apfel windet sich, die Frage gefällt ihm nicht. Er lächelt unsicher, seine Augen huschen
hin und her. "Da zum derzeitigen Stand nicht der geringste Beweis für eine persönliche Bereicherung
durch Herrn Kemna besteht, erübrigt sich die Frage", sagt er schließlich ausweichend. Ein klares
Bekenntnis zu Voigt würde sich anders anhören.
Dass selbst treueste Gefolgsleute wie Apfel inzwischen auf vorsichtige Distanz zu ihm gehen, dürfte
Udo Voigt in seinem Verdacht bestätigen, dass sich die Welt hinter der Jalousie seines Berliner
Bunkerbüros gegen ihn verschworen hat. "Es geht darum, der Partei und mir zu schaden", sagt er.
"Man will Kemna, der seit vielen Jahren ein sehr wichtiger Mann für mich ist, vernichten, um mir
einen Arm abzuschlagen."
Urplötzlich hat sich Voigt in Rage geredet. Das ist ungewöhnlich für den 56-Jährigen, der stets so
beherrscht wirkt. Zum Leidwesen vieler seiner Parteifreunde, die sich einen emotionaleren Chef
wünschen, einen, der sie von der Tribüne aus mitzureißen vermag und den Mut hat, mit einer Rede
auch mal einen Skandal zu provozieren. Einen Mann wie Pastörs eben.
Der nannte etwa im Landtagswahlkampf 2006 die Parlamente "Schwatzbuden", ein Begriff, mit dem schon
Hitler den Reichstag verunglimpfte. In seinen Reden spricht der Schweriner NPD-Politiker auch mal
vom "göttlichen Auftrag" seiner Partei zur Machtergreifung und sagt dem "völkerverderbenden,
zentralen kapitalistischen System" den Kampf an.
Für den vorerst letzten Skandal sorgte Pastörs am 30. Januar, als er seine Fraktion im Schweriner
Landtag zum Sitzenbleiben verdonnerte, während sich die anderen Abgeordneten zum Gedenken an die
Holocaust-Opfer erhoben. Pastörs freut sich noch heute über die Aufregung, die er mit dieser Aktion
auslöste. "Das war eine Riesengeschichte, mit null Finanzaufwand haben wir es geschafft, dass alle
über uns reden", sagt er und schnippt begeistert mit den Fingern.
Aber der frühere Bundeswehroffizier, der es später als Edelmetallhändler zu Wohlstand gebracht hat,
will nicht nur als Haudrauf und Provokateur wahrgenommen werden. Viel lieber gibt er sich das Image
des politischen Visionärs, der Deutschlands Heil in einer national-sozialistischen Zukunft sieht.
Entspannt und selbstverliebt parliert Pastörs dann von einer neuen, national geprägten Welt, wo
"der Neger in Afrika in Ruhe gelassen wird" und die "völkische Jugend" ein nationales Deutschland
aufbauen kann.
Die Alten in der Partei sehen Pastörs Selbstinszenierung mit Skepsis. Ihnen steckt noch der Schock
des - letztlich gescheiterten - Parteiverbotsverfahrens von 2000 in den Knochen. Sie fürchten, dass
die NPD unter Pastörs extremistischer wird und sich den radikalen Neonazis annähern könnte. Bei den
vielen jungen Parteimitgliedern hingegen, die seit der Sachsen-Wahl 2004 in die NPD eingetreten
sind, kommt Pastörs besser an. Eine Kampfkandidatur zwischen Voigt und Pastörs auf dem Parteitag
wäre daher auch ein Richtungsstreit zwischen den gemäßigteren Alt-Konservativen und dem radikalen
Flügel der NPD.
Die parteilosen Neonazi-Kameradschaftler, die sich selbst als "Freie Nationalisten" bezeichnen,
machen keinen Hehl aus ihrer Sympathie für den Schweriner Fraktionschef. "Mit Pastörs als NPD-Chef
gäbe es wieder ein engeres Verhältnis der Freien Nationalisten zur Partei", glaubt Christian Worch.
Der Hamburger Worch ist einer der einflussreichsten Figuren in der Neonaziszene. Der jetzigen NPDF
ührung wirft er vor, mit ihrer Idee einer "rechten Volksfront", dem Bündnis aus NPD und
parteilosen Neonazis also, die rechten Kameradschaften nur für ihre Parteizwecke vereinnahmen zu
wollen. "Das sind aber dieselben Leute, die uns im Sommer 2000 die kalte Schulter zeigten, als der
NPD das Parteiverbotsverfahren in Karlsruhe drohte", sagt Worch. Das Misstrauen in der Szene
gegenüber Voigt, Apfel und Co sitze daher tief. Pastörs hingegen, der erst 2000 in die NPD eintrat
und dort nicht im Vorstand sitzt, gelte als unbelastet, so Worch.
Udo Pastörs schaut betont gleichmütig drein, als er von Worchs Lob hört. Er kenne den Hamburger,
sagt er nur. "Und ich schätze ihn."
Andreas Förster
Beklemmendes aus Wurzen
Quelle: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / 18.03.2008 / Wurzen
Alltag in Wurzen anno 2008. Eine Gruppe von drei Wurzener Jugendlichen, die sich am Sonntag gegen
20 Uhr unmittelbar vor dem Kultur- und BürgerInnenzentrum D5 am Domplatz aufhielten, wurde
plötzlich von drei mutmaßlich Rechtsextremen bedroht und angepöbelt, einer von ihnen geschlagen.
Rechtsextreme geben sich hier besonders selbstbewusst. Als alternative Jugendliche zuvor einen
"Antirassistischen Stadtspaziergang" veranstalteten, folgten ihnen bekennende Neonazis auf Schritt
und Tritt.
Zumindest der mutmaßliche Schläger konnte als einer von 60-70 Rechtsextremisten erkannt werden,
welche am Sonntagnachmittag am Wettiner Platz und am Wurzener Bahnhof versuchten, den
"4.Antirassistischen Spaziergang der Wurzner Linksjugend" einzuschüchtern. Nur durch die Präsenz
von Polizeikräften konnte eine drohende Eskalation knapp verhindert werden. Die Rechtsaußen trafen
sich in unmittelbarer Nähe des Versandhandels Front Records in der Walther-Rathenau-Straße. Inhaber
Thomas P. hatte für diesen Tag zum Grillen eingeladen wie aus Polizeikreisen bekannt wurde. Bereits
auf dem Wurzener Markt und während des gesamten Spaziergangs, an dem ca. 50 Menschen teilnahmen,
provozierten ca. 12-15 Rechtsextreme den Demonstrationszug mit einem Transparent, skandierten
Nazislogans, fotografierten und filmten Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
Ausschnitt rechte Demonstranten in Wurzen
Vor Ort waren auch der Wurzener NPD-Stadtrat Schroth und der ebenfalls 2004 als NPD-Stadtrat
gewählte Matthias M., der sein Mandat damals allerdings nicht antrat. Bereits Stunden vor dem
Spaziergang wurden in der Innenstadt hunderte kleine Zettel mit rassistischen Inhalten verbreitet,
die den so genannten Freien Kräften aus dem "Freien Netz", das unter anderem in Leipzig und im
Leipziger Land sehr aktiv ist, zum Teil auf die "Nationalen
Sozialisten Muldental" zugeordnet werden können. "Der Angiff am Domplatz und die massiven
Störversuche des Spaziergangs zeigen einmal mehr, wie gut die rechtsextreme Szene der Region
vernetzt ist, wie schnell sie mobilisiert werden kann und dass deren Gewaltbereitschaft ansteigt",
so Miro Jennerjahn vom NDK in Wurzen.
Gespenstischer Spaziergang
Einer der Teilnehmer des Wurzener "Sonntagspaziergangs" schickte der MUT- Redaktion folgenden
Bericht:
"An dem Sonntagsspaziergang hatten sich etwa 50 Personen beteiligt - wie üblich kaum Wurzener. Ab
etwa dem Marktplatz wurde der Zug von zunächst 10 bis 15 Nazis begleitet, die munter filmten,
fotografierten usw. Eigentlich sollte die Route auch bei Front Records vorbei führen. Die Polizei
veränderte dann die Route, weil sich dort eine größere Anzahl Nazis sammele. Am Wettiner Platz
schließlich gab es einen Redebeitrag, bei dem rund 60 bis 70 Nazis zielstrebig auf die
Spaziergänger zuhielten. Die Polizei, aufgrund der angespannten Situation in Leipzig , nur mit sehr
wenig Personal vor Ort, hat sie mit Mühe davon abgehalten. Die Situation war extrem brenzlig. Ohne
Polizei wäre der Zug definitiv aufgerieben worden, hätten die Nazis ernst gemacht, hätten sie
sicher auch die Polizei überrannt.
lachende Rechte in Wurzen
Die Nazis vom Markt haben den Spaziergang quasi die ganze Zeit begleitet, auch hatten sie ein
eigenes Transparent dabei (gegegen Multi-Kulti im Muldental oder so was). Mithin bildeten sie eine
eigene, unangemeldete und aufgrund ihres Transparents kaum als spontan zu bezeichnende Demo. Leider
sah sich die Polizei nicht in der Lage, das irgendwie zu unterbinden. Das ermunterte die Gruppe
natürlich. Später, am Bahnhof haben sich dann auch einzelne von ihnen vermummt und herumkrakelt.
Die Polizei sah dabei echt nicht gut aus. Überdies wurden die Beamten auf einmal immer weniger. Als
eine große Horde der extrem Rechten mit Hund direkt an den verbliebenen Spaziergängern vorüberzog
und dabei fleißig fotografierte (was eh die ganze Zeit passierte), drehten die Polizisten sich
sogar demonstrativ weg. Man hatte irgendwie das Gefühl, dass ihnen unser Schutz nicht so wichtig
war (vielleicht hatten sie ja selber Schiss).
NPD-Stadtrat Schroth war auch dabei (allerdings hielt er sich von den jungen Kameraden etwas fern)
und fotografierte ebenfalls emsig mit seinem Handy. Neben ihm gab es noch weitere komische
Gestalten, die den Spaziergang interessiert begleiteten. Dazu gehörten offensichtlich auch zwei
unauffällige Kids mit Fahrrädern, die sich als Späher oder so versuchten.
Ausschnitt 2 Gruppe rechtsextremer in Wurzen Als sich die Lage dann halbwegs entspannt hatte,
tauchten zu allem Übel noch ein paar ältere Lok-Hools auf, die wohl ihre vom zeitgleich
stattfindenden Fußball-Derby in Leipzig (wo es ja wohl auch etwas gekracht hatte) zurückkehrenden
Freunde abholen wollten.
Hab mich lange nicht so unwohl in Wurzen gefühlt. Zusammen mit ein paar sehr jungen Antifas bin ich
dann mit nem Taxi nach Leipzig gefahren, da uns Zugfahren - ob begründet oder nicht - etwas zu
unsicher vorkam. Die Presse war anfangs dabei, hat sich aber ziemlich schnell aus dem Staub
gemacht. Bekam also leider die Zuspitzung am Ende gar nicht mehr mit.
Ergänzung (etwas lustiger, damit hier nicht so eine gedrückte Stimmung aufkommt): der originellster
Demospruch des Tages lautete : "Uri Geller hilf uns doch - Wurzen gibt es immer noch ..." ;) "
"In 'Schindlers Liste' bin ich die mit dem geschorenen Kopf"
Quelle: www.tagesschau.de / 19.03.2008 / Krakau
Am 13. und 14. März 1943 liquidierte die SS das Krakauer Ghetto und verschleppte die Bewohner in
die Konzentrationslager Plaszow und Auschwitz. Der Fabrikant Oskar Schindler rettete vielen von
ihnen das Leben. Überlebende haben sich am Wochenende in Krakau getroffen, um mit einem Marsch zum
Lager Plaszow an das Geschehen zu erinnern.
Von Thomas Rautenberg, ARD-Hörfunkstudio Warschau
Bronislawa Horowitz-Karakulska fällt der Blick auf die alten Fotos nicht leicht. Fröhliche
Menschen, viele fein gekleidet, polnische Juden auf dem Krakauer Altstadtmarkt wenige Monate vor
dem Krieg.
Gedenktafel und Blumen an einer Mauer (Foto: AP)
Was dann kam, hat ihr Leben geprägt: "Das ist ein Trauma. Das steckt in mir. Das vergeht nicht. Das
kann man auch nicht unterdrücken, weder mit Liebe, noch mit Arbeit, noch mit Kindern oder
Enkelkindern oder Weltreisen. Das steckt ganz tief in einem Menschen."
Eine Träne rollt über die Wange von Bronislawa Horowitz-Karakulska, oder Niusia, wie sie ihre
Freunde liebevoll nennen. Viele von ihnen sind in den Krakauer Kunstpalast gekommen, um sich zum
65. Jahrestag der Ghetto-Liquidierung gemeinsam mit den Überlebenden der so genannten "SchindlerListe",
an die Ereignisse von damals zu erinnern. Unter der Position 105 der Liste steht der
Eintrag: Bronislawa Horowitz-Karakulska. Ihr Vater hatte Schindler gebeten, seine Familie zu retten.
Rettung aus Auschwitz
Bis dahin waren Nusia und ihre Mutter schon durch die Hölle gegangen. Nur ein kleiner Brillant, den
die Mutter verschluckt und so mit ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht hatte, rettete der
damals 13Jährigen das Leben:
"Meine Mutter hat den Brillanten der Aufseherin gegeben, die mich bereits für die Gaskammer
selektiert hatte. Es war bereits das zweite Mal, dass ich ins Gas geschickt werden sollte. Einmal
wurde ich gerettet, weil man mich in einem Messingbadeofen versteckt hatte. Und beim zweiten Mal
hat mich die Aufseherin, die den Brillanten bekommen hatte, aus dem Transport herausgeholt, so dass
ich nicht im Krematorium verbrannt wurde."
Auf Anforderung von Emaille-Fabrikchef Oskar Schindler entkamen Mutter und Tochter schließlich der
Todeshölle von Auschwitz - zwei nüchterne Namenseinträge auf einer Liste, die beiden Menschen das
Leben retten sollte.
"Im Film 'Schindlers Liste' bin ich das kleine Mädchen mit dem kahl geschorenen Kopf und mit dem
Kopftuch. Ich überreiche Schindler eine Torte, die die Arbeiter aus Brot gebacken hatten. Und ich
sagte zu ihm: 'Herr Direktor, wir wünschen Ihnen alles Beste zum Geburtstag!' Daran werde ich mich
bis an mein Lebensende erinnern!"
"Schindlers Liste"
Der Gedenkmarsch zum Lager Plaszow
Aleksander Skotnicki, von Hause aus Medizinprofessor, in seiner Freizeit aber ein Historiker, der
weltweit nach den Überlebenden der Schindler-Liste sucht, hält ein paar Blatt eng beschriebenes
Papier in der Hand: die Schindler-Liste mit den Namen, Geburtsdaten, dem Herkunftsort und den KZNummern.
"Das ist eine Liste vom 15. April 1945", sagt er. "Und viele dieser Menschen habe ich
finden können."
Die Teilnehmer des Marsches am Mahnmal Gelände des Lagers Plaszow (Foto: AFP)
Einige von ihnen sind in diesen Tagen zum "Familientreffen" der Schindler-Überlebenden aus Israel
oder den USA nach Krakau gekommen, an den Ort ihres Lebens aber auch ihres Leidens, wie Historiker
Skotnicki meint:
"Ich bewundere diese Menschen. Sie alle sind ein greifbares Zeugnis für etwas, was historisch
gesehen sehr wichtig ist. Nämlich: Dass man Widerstand leisten konnte! Dass ein einzelner Mensch
gegen das Regime oder gegen Ungerechtigkeit auftreten kann. Manchmal kann eine Stimme die Welt auf
etwas aufmerksam machen. Und ich möchte, dass wir alle aus unserer Geschichte etwas lernen."
Ein Bild von Steven Spielberg
Niusia Horowitz-Karakulska kramt in ihrer Handtasche. Sie sei so dankbar, dass ihre Geschichte, die
Geschichte von Oskar Schindlers Liste weltbekannt geworden sei, meint die 77Jährige und öffnet
dabei ihre Brieftasche: "Hier trage ich das Foto von Steven Spielberg, sehen Sie. Das ist nicht
mein Mann. Dessen Bild habe ich an einer anderen Stelle eingesteckt."
Mantel der Legalität entziehen
Quelle: www.tagesspiegel.de / 20.03.2008
Warum muss die rechtsextreme NPD verboten werden? Diese Frage erhitzte am Dienstagabend in der
Schwartzschen Villa in Steglitz die Gemüter. Auf der Veranstaltung des Vereins "Gesicht zeigen"
sprachen sich unter anderen Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der SPD-Abgeordnete
Klaus Uwe Benneter für ein Verbot der NPD aus. Der Partei müsse der Mantel der Legalität entzogen
werden. "Sonst gehen viele Jugendliche davon aus, dass die NPD eine rechtsmäßige Organisation ist",
sagte Benneter.
Eine kürzlich vorgelegte Studie des Berliner Verfassungsschutzes - wir berichteten - habe ergeben,
dass die NPD überall dort hohe Wahlergebnisse erziele, wo es eine Häufung rechter Gewalt gebe. "Die
NPD schafft mit ihrer verfassungsfeindlichen Propaganda ein Klima, in dem solche Taten gedeihen",
sagte Körting. "Ich finde es unerträglich, dass der Steuerzahler das, was die NPD propagiert, auch
noch bezahlen soll."
Doch auf ein neues Verbotsverfahren müsse noch mindestens drei Jahre hingearbeitet werden, vor
allem um unter den Innenministern der Länder eine Mehrheit dafür zu gewinnen. Allerdings sei
genügend Material gesammelt worden, das die Verfassungswidrigkeit der Partei belege. Laut Körting
ist es unvorstellbar, dass die Verfassungsrichter der NPD ein demokratisches Gütesiegel erteilen.
"Außerdem verbietet es der demokratische Anstand, dass Informanten im Vorstand einer solchen Partei
sitzen und dafür auch noch Geld bekommen", sagte Körting zur Problematik der V-Leute in der NPD.
Das war der Grund, weshalb das Bundesverfassungsgericht bereits 2003 ein Verfahren eingestellt
hatte.
Gegen ein NPD-Verbot argumentierte Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die vor
allem im Osten Initiativen gegen Rechts fördert. Kahane zufolge bleibe die Aufmerksamkeit von
Politik und Verwaltung nur dann auf den Rechtsextremismus gerichtet, wenn die NPD parteipolitisch
präsent sei. Daher plädiere sie für eine politische Auseinandersetzung mit der NPD. "Die deutsche
Demokratie ist reif genug, um das auszuhalten", sagte Kahane.Laura Wieland
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