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- CANNABEAT AM 22.02.
- ERINNERUNG AN DIE REICHSPROGROMNACHT IN PIRNA
- NOCH FREIE SCHÜLERPLÄTZE FÜR GEDENKSTÄTTENFAHRT NACH AUSCHWITZ
- GLÄSERNES ERINNERN
- "SIEHDICHUM"
- "WAS DANN LOSGING WAR UNGEHEUERLICH..."
- "DAS HAT ES BEI UNS NICHT GEGEBEN"
- FORUM FRAUENKIRCHE
- BERUNRUHIGENDE NEUERSCHEINUNG
- UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
- PRESSESCHAU
- | :: CANNABEAT AM 22.02. ::
Am 22.02. startet ab 21 Uhr wieder die Indie-Party cannabeat im Jugendhaus
Hanno Pirna (Hohe Straße 1).
Musikalisch gesehen hat Jede/r die Wahl: im Saal heizt Star-DJ Mr. Nap &
God ein - im 2. Floor gibts das DJ-Battle zwischen den Chaos Freaks und
DJ Han(ne)s.
Karten für die Party gibts ab dem 15.02. an den altbekannten
Vorverkaufsstellen - im T-Partner (Breite Str. 5), Hanno Pirna (Hohe Str.
1), im Büro der Aktion Zivilcourage (Lange Str. 43) und an vielen Schulen.
Kartenpreis im Vorverkauf 1,50 ¤ und an der Abendkasse 2,50 ¤.
2. :: ERINNERUNG AN DIE REICHSPROGROMNACHT IN PIRNA ::
Neue Gedenktafel soll Pirnaer und Gäste zum Innehalten anregen
Die Reichspogromnacht gehört zu den dunkelsten Stunden der deutschen
Geschichte. Die als "Reichskristallnacht" bekannte systematische Zerstörung
und Vertreibung jüdischen Lebens markiert eine neue Qualität im Umgang der
Nazis mit diesem Bevölkerungsteil.
Auch in Pirna kam es in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zu brutalen
Angriffen auf die jüdische Bevölkerung.
In den frühen Morgenstunden werden vier Geschäfte zerstört - je zwei am
Markt und in der Breiten Straße. In Folge dessen werden fast alle Juden aus
Pirna vertrieben.
Das Kuratorium Altstadt Pirna plant eine Gedenktafel zur Erinnerung an
diese schrecklichen Ereignisse auzustellen.
Standort wird das Eckgebäude Am Markt14. Der Hausverwalter stimmte dem
Vorhaben bereits zu. Die Wahl fiel nicht ohne Grund auf das Haus: Dort
befand sich damals das Konfektionsgeschäft von Wolf Jurmann. Direkt
gegenüber, wo heute das Schuhgeschäft Eppstädt ansässig ist, war der zweite
jüdische Laden in der Altstadt - nämlich das Fachgeschäft von Bruno Weiler.
Wie die Gedenktafel für Pirna einmal aussehen soll, darüber gibt es zwar
schon Vorstellungen. Ein genauer Entwurf ist aber erst für Frühjahr
geplant. Ebenfalls noch ungewiss ist die Finanzierung des Projekts. Es wird
mit einer Summe von 3000- 5000¤ gerechnet. Finanziert werden soll das
Projekt vor allem aus Spendengeldern, die sich die Initiatoren des
Kuratoriums Alstadt von Pirnaer Bürgern und ansässigen Unternehmen erhoffen.
Spätestens im November soll die Gedenktafel enthüllt werden, denn dann
jährt sich die Reichspogromnacht zum 70. Mal.
Das Kuratorium Altstadt Pirna ist ein gemeinnütziger Verein, der aus seinem
Spendenfonds Beihilfen für vorbildliche denkmalpflegerische Leistungen
(Instandsetzung historischer Haustüren, Fenster, Schmuckelemente ...)
bereitstellt. Die Vergabe der Mittel erfolgt nach fachlich fundierten
Maßstäben. Bitte unterstützen Sie dieses Anliegen. Bei einer Spende auf
unser Konto erhalten Sie eine steuerabzugsfähige Spendenquittung.
Ostsächsische Sparkasse Dresden
BLZ 850 503 00
Konto-Nummer: 3 000 009 611
Näheres unter: www.kuratorium-altstadt-pirna.de
3. :: NOCH FREIE SCHÜLERPLÄTZE FÜR GEDENKFAHRT NACH AUSCHWITZ ::
Jeder hat das Wort "Auschwitz" schon einmal gehört, und im gleichen
Wortlaut Judenverfolgung und Holocaust. Um jüdisches Leben - heute und
damals - greifbar zu machen, laden wir, die Aktion Zivilcourage e.V.,
Jugendliche vom 2.-6. März auf eine Spurensuche ein....
Aufgrund der hohen Nachfrage wurden zusätzliche Plätze geschaffen. Somit
können sich interessierte Schülerinnen ab 16 Jahren noch für die fünftägige
Bildungsfahrt im März bewerben!
Das ausführliche Programm finden Sie auf unserer Internetseite
www.aktion-zivilcourage.de
Anmeldungen bitte an :
Aktion Zivilcourage e. V
Ihre Ansprechpartnerin: Luise Quaas
Postfach: 100228/ 01782 Pirna
Fax (0 35 01)767080
Mail. l.quaas ät aktion-zivilcourage.de
Nach Anmeldung erhaltet Ihr dann eine Bestätigung und müsstet uns bitte bis
spätestens 15. Februar den Teilnehmerbeiträge von 20,- ¤ überweisen.
Die Gedenkfahrt wird organisiert von der der Aktion Zivilcourage e.V. und
gefördert von der der Friedrich Ebert Stiftung.
4. :: GLÄSERNES ERINNERN ::
Kunstprojekt "Drei Denk-Orte in Dresden" von Marion Kahnemann
Die Künstlerin Marion Kahnemann möchte an drei ausgewählten Plätzen in
Dresden die Schaffung eines Ortes des Nachdenkens und der kreativen
Verstörung anregen. Diese Orte sollen daran erinnern, wie eine ganze
Bevölkerungsgruppe durch schrittweise Ausgrenzung zunehmend unsichtbar
gemacht wurde und damit das Gewissen nicht mehr belastete.
Ziel meines Kunstprojektes ist es, nicht nur die öffentliche Ausgrenzung
der jüdischen Bevölkerung zur Zeit des NS-Regimes zu visualisieren und
damit bewußt zu machen, sondern auch für heutige Ausgrenzungsmechanismen zu
sensibilisieren.
Kahnemann sieht es als sehr wichtig an, Orte zu schaffen, die Diskussionen
anregen und ein lokales geschichtliches Bewußtsein fördern.
Bei den drei Orten, die sie für ihr Projekt ausgewählt habe, handelt es
sich um prominente Parks der Stadt, die von allen Schichten der Bevölkerung
und Touristen stark frequentiert werden. (Großer Garten, Blüherpark und
Brühlsche Terrasse) Diese Parks stehen stellvertretend für all die
öffentlichen Grünanlagen, die ab 1940 (ein Ort bereits ab 1938), von Juden
nicht mehr betreten werden durften.
Sie möchte an diesen drei Orten je eine vorhandene Bank durch eine
schlichte Kunstinstallation ersetzen. Die Kunstinstallation soll aus einer
gläsernen Bank bestehen (auf Bruchsicherheit wird wegen der Gefahr von
Vandalismus geachtet), die in Form und Maß den anderen Bänken entspricht.
Auf der Lehne soll die Aufschrift "NUR FÜR ARIER" ausgespart werden. Falls
Leute anfangen sollten, das Glas zu zerkratzen, was leider zu erwarten ist,
wird diese Aufschrift für den Betrachter immer deutlicher sichtbar, da es
sich um eine negative Schrift handelt. Neben der Bank, vom linken
Banksockel ausgehend, soll ein Textband (aus Eisenguß) mit dem Hinweis auf
die entsprechenden Polizeiverordnungen, passend zu den Besonderheiten des
jeweiligen Ortes in Deutsch und in Englisch eingelassen werden.
Obwohl die Kunstkommission der Stadt Dresden, die dem Bürgermeister für
Kultur unterstellt ist, die Idee im Prinzip befürwortet, sind die
staatlichen und städtischen Ämter, die als Verwalter der drei Gärten
eingesetzt sind, nicht bereit, die Realisierung des Projektes zu
genehmigen. Je nach Amt werden verschiedene Argumente angeführt, u.a. die
folgenden:
- Die Bänke werden sofort zerstört und man hat schon genug Probleme mit
Vandalismus.
- Zerstörte Bänke werden den Tourismus und damit das Bild Dresdens nach
außen belasten.
- Diese Orte sind für eine politische und historische Auseinandersetzung
nicht geeignet, weil es sich um Orte der Erholung und des
touristischen Interesses handelt.
Die Künstlerin möchte diese Argumente nicht akzeptieren und sucht deshalb
Verbündete, um eine öffentliche Diskussion in Gang zu bringen. "Die
nächsten Schritte", so Kahnemann, "bestehen darin, zu versuchen, die Presse
und Abgeordnete des Sächsischen Landtages und des Dresdner Stadtrates zu
kontaktieren. Da ich freischaffende Künstlerin bin, die bis jetzt wenig
politische Kontakte hat, brauche ich dazu Unterstützung von außen."
Die Stellungnahme der Künstlerin gegenüber den Bedenken der Kunstkommission
können Sie hier einsehen.
- Kontakt
- Marion Kahnemann - Dipl.-Bildhauerin
Tel 0351/8042480, e-mail: mkahnemann ät yahoo.de
www.dresden-art.de/Kuenstler/kahnemann/frame_1.html
5. ::"SIEHDICHUM" ::
Lesung und Gespräch mit Anne Dorn
Siehdichum - für Martha Lenders ist das ein Lebensmotto. Was bleibt nach 75
Jahren intensiven Lebens als Frau und Mutter? Siehdichum - heißt aber auch
das Dorf in den Weiten der polnischen Wälder, wo Johannes, der geliebte
jüngere Bruder von Martha, im Januar 1945 als letztes Aufgebot des
Reichs-arbeitsdienstes im Ansturm der sowjetischen Armee verschwunden ist.
Martha Lenders macht sich aus dem Rheinland noch einmal auf Spurensuche ins
heutige Polen.
Anne Dorn, geboren 1925 in Wachau bei Dresden, lebt seit 1969 als freie
Schriftstellerin in Köln. Erschienen sind u.a. die Romane hüben und drüben.
(1991) und Geschichten aus tausendundzwei Jahren (1992), die Novelle Damals
als die Sonne schien (1996) sowie zahlreiche Gedichte und Erzählungen. Anne
Dorn veröffentlichte Hörspiele, Hörfunkfeatures, Multimediaprojekte und
Spielfilme für das Fernsehen in eigener Regie.
11.03.2008 - 19:00 Uhr - Stadtbibliothek Pirna ( Dohnaische Str. 76) -
Gotischer Saal
Diese Veranstaltung wird Ihnen präsentiert in Zusammenarbeit der
Stadtbibliothek Pirna und der Aktion Zivilcourage e.V.
Mehr Informationen und zum Buch finden Sie auch auf der Seite von
Deutschlandradio:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/642370/
6. :: "WAS DANN LOSGING WAR UNGEHEUERLICH..." ::
Die Wanderausstellung dokumentiert die Geschichte der frühen
Konzentrationslager, die wenige Wochen nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 eingerichtet wurden. Allein in
Sachsen entstanden bis zum Sommer 1933 mehr als 20 solcher zumeist
provisorischen Haftstätten, darunter auch die Konzentrationslager Hohnstein
und Königstein-Halbestadt. Die Ausstellung in der Pirnaer Gedenkstätte
Sonnenstein beleuchtet die politischen Rahmenbedingungen zum Zeitpunkt
ihrer Einrichtung und den Umgang mit diesen Orten von 1945 bis heute.
Biografien ehemaliger Gefangener veranschaulichen die Funktionen der Lager
und die Haftbedingungen. Auch verdeutlichen sie den unterschiedlichen
politischen und religiösen Hintergrund der Insassen. Biografien von
Angehörigen des Wach- bzw. Führungspersonals zeigen exemplarisch die
Lebenswege der Täter.
Die Ausstellung ist Montag bis Freitag jeweils 9-15 Uhr zu sehen.
Veranstaltungen im Begleitprogramm:
Montag, 25. Februar 2008, 19:00 in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Vortrag von Dr. Bernward Dörner Institut für Antisemitismusforschung an der
TU Berlin
"Was wussten die Deutschen vom Holocaust?"
Der Vortrag von Dr. Bernward Dörner fragt nach der zeitgenössischen
Kenntnis, Wahrnehmung, Akzeptanz und den Reaktionsmustern zu den
Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten während des Dritten Reiches
in Deutschland.
Anschließend Podiumsdiskussion mit dem Referenten, Prof. Wolfgang Benz
(Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der TU Berlin) und Dr.
Norbert Haase (Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten)
Mittwoch, 12. März 2008, 19:00 in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Vortrag von Carina Baganz Institut für Antisemitismusforschung an der TU
Berlin
"Die frühen Konzentrationslager in Sachsen 1933-1934/37"
Dr. Carina Baganz stellt die Ergebnisse ihrer Promotion zu den frühen
Konzentrationslagern in Sachsen vor, und konzentriert sich dabei auf die
Lager in Hohnstein und Königstein-Halbestadt.
Anschließend besteht die Möglichkeit des Gesprächs und der Diskussion mit
der Referentin
Zu beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei und wird jeweils ungefähr
1 . bis 2 Stunden dauern.
7. ::"DAS HAT ES BEI UNS NICHT GEGEBEN" ::
Das Rechercheprojekt "Antisemitismus in der DDR" hat sich zum Ziel gesetzt,
innerhalb der ostdeutschen Bevölkerung eine Debatte über Antisemitismus
anzustoßen. In acht ostdeutschen Städten recherchierten deshalb Jugendliche
mit der Unterstützung von Fachkräften zu diesem Thema. Die Ergebnisse
werden im Rahmen einer Wanderausstellung präsentiert.
Dass es in der DDR, nicht anders als im Westen Deutschlands, antisemitische
Schmierereien und Schändungen jüdischer Friedhöfe gab, vermag wenig zu
verwundern. Wohl aber der offizielle Umgang mit solchen Vorfällen: Sie
wurden möglichst vertuscht und verschwiegen, um nicht das Selbstbild des
antifaschistischen Deutschlands in Gefahr zu bringen. Gleichzeitig wurden
unter dem Dogma der marxistisch-leninistischen Faschismus-Theorie sowohl
der Antisemitismus als auch die
nationalsozialistische Judenvernichtung kaum thematisiert. Doch nicht nur
das: Die Behandlung jüdischer Opfer des Nationalsozialismus, die nicht
erfolgte Rückgabe arisierten jüdischen Besitzes, der Umgang mit den Spuren
jüdischen Lebens, die Beteiligung der SED an den antisemitischen
Verfolgungen zur Zeit des Slansky-Prozesses sowie die jahrzehntelang
betriebene israelfeindliche Politik und Propaganda der DDR - all das stellt
die differenziert zu beantwortende Frage nach den Ursachen und
Ausdruckformen antisemitischer Ressentiments in der DDR.
Die Wanderaustellung "Das hat es bei uns nicht gegeben"- Antisemitismus in
der DDR ist vom 5.-30. März im Stadtmuseum Dresden zusehen.
8. ::FORUM FRAUENKIRCHE ::
Gewalt. Faszination und Erschrecken
Ein besonderes Anliegen der Frauenkirche ist die Friedens- und
Versöhnungsarbeit. Mehrmals im Jahr werden wichtige Vertreter des
öffentlichen Lebens und Wissenschaftler zu Friedensfragen eingeladen, um
Wege zu einer Kultur des Friedens zu beschreiben. Der Friedensbegriff ist
dabei so weit gefasst, dass er Fragen des individuellen, gesellschaftlichen
und globalen Friedens umgreift.
Das Forum, das in erster Linie durch Vortragsveranstaltungen geprägt ist,
bietet die Möglichkeit zum interdisziplinären Dialog und möchte Toleranz
und Verständigung ermöglichen. Die Veranstaltungen des Wissenschaftsforums
finden in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden und der
Sächsischen Staatskanzlei statt.
Veranstaltungsübersicht für das Jahr 2008:
Donnerstag, 21. Februar 2008, 20 Uhr
Astrid von Friesen
Häusliche Gewalt: Frauen, Männer und Kinder als Täter und Opfer
Mittwoch, 2. April 2008, 20 Uhr
Thea Dorn
Faszination Gewalt
Donnerstag, 17. April 2008, 20 Uhr
Prof. Dr. Gudrun Krämer
Islam und Gewalt
Donnerstag, 15. Mai 2008, 20 Uhr
Eduard Geyer, Prof. Gunter A. Pilz, Torsten Rudolph
"Gewalt im Stadtion"
Donnerstag, 19. Juni 2008, 19 Uhr
Prof. Dr. Manfred Josuttis, Prof. Dr. Martin Riesebrodt
"Christentum und Gewalt"
Mit der Vertreibung aus dem Paradies tritt Gewalt in das menschliche Leben.
Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Gewalt ist Bedrohung und Mittel zur
Durchsetzung von Lebens- und Überlebensinteresse zugleich. Tagtäglich wird
Gewalt ein hoher Nachrichtenwert beigemessen und offenbar auch ein nicht zu
verachtendes Unterhaltungspotential.
"Brücken bauen, Versöhnung leben, Glauben stärken" ist die Botschaft der
Dresdner Frauenkirche. Sie will Wege zu einer Kultur des Friedens
aufzeigen. So liegt es nahe, sich mit den Phänomenen von Gewalt in seinen
vielfältigen Erscheinungsformen auseinander zu setzen. Jede Wertung
erfordert Wahrnehmung, Beschreibung und Deutung. Was ist das Wesen von
Gewalt? Welche Erscheinungsformen gibt es? Welche Funktionen übernimmt
Gewalt in sozialen Gruppen und für die Gesellschaft?
Diesen Fragen stellt sich die Reihe des Forum Frauenkirche im Jahr 2008.
Wissenschaftler, Betroffene, Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten
und das Publikum werden verschiedene Formen von Gewalt diskutieren und sich
um Antworten bemühen. Dabei ist zu erwarten, dass keineswegs in allen
Fragen Einigkeit erzielt werden kann. Auch eine gute Streitkultur ist ein
Beitrag zu einer Kultur des Friedens.
Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei. Reservierungen sind nicht möglich.
9. ::BERUNRUHIGENDE NEUERSCHEINUNG ::
Rainer Fromm über die Anziehungskraft von totalitären Organisationen auf
Jugendliche
"Schwarze Geister, neue Nazis" - unter diesem Titel beschreibt der
Fernsehjournalist Rainer Fromm die Anziehungskraft von totalitären
Organisationen auf Jugendliche. Er untersucht Grufties und Black Metal,
Satanismus, Vampire und Rechtsextremismus - und stößt auf beunruhigende
Parallelen. Diese Jugendsubkulturen bestehen meist aus weiteren
Subkulturen, die mindestens eine Gemeinsamkeit haben: ihre Nähe zum
rechtsextremen Weltbild und zu menschenverachtender Ideologie.
Gemeinsames Rezept: Musik als Einstieg
Dieses ideologische Element besteht unabhängig von der Subkultur:
Sozialdarwinismus, eine Kultur der Verachtung des Schwächeren, der Glaube
an die Übermacht der arischen Herrenrasse - dieser Irrglaube wird den
Anhängern suggeriert, eingetrichtert. Musik spielt als Instrument der
Indoktrination eine besondere Rolle. Manchmal wird über gewalttätige Musik
auch erst der Kontakt eines Jugendlichen zur Szene hergestellt. Jede
Subkultur wird durch zahlreiche Bands repräsentiert. Bekannte Mitglieder
von Musikgruppen geben oft auch einen Trend vor. Sie fungieren als Idole.
Die Sehnsucht mancher Jugendlicher, sich positionieren zu wollen, führt so
weit, dass sie ihre Idole imitieren ohne nachzudenken. Der Autor lässt die
Frage offen, ob gegen systemfeindliche, rechtsradikale oder
gewaltverherrlichende Musik nicht härter vorgegangen werden sollte. Leider
ist der Einfluss der Texte auf Jugendliche noch nicht ausreichend
untersucht.Die Verantwortlichen in der Szene hingegen sind sich über die
Stellung der Musik bewusst: "Nimm der Szene die Musik, und sie ist tot"
lautet ein Eintrag in einem Szene-Forum.
Die nationalsozialistische Szene ist stolz darauf, ihr musikalisches
Spektrum ständig erweitert zu haben. Das jugendliche Publikum, das sie
dadurch ansprechen, hat sich dadurch erheblich vergrößert. Nazis sind keine
Skinheads mehr: zahlreiche Vertriebe sind ein Indiz, dass sich ein Markt
gebildet hat für jede Form von nationalsozialistischer Anhängerschaft. So
gibt es rechtsextreme Kleidungsvertriebe, die auch für Hip Hopper
produzieren.
Wer sich auf die Realität einlässt, muss die beruhigende Eindeutigkeit
aufgeben.
Nicht jede Subkultur ist automatisch rechtsextrem - aber Fromm gibt zu
bedenken, dass sich jugendliche Rechte nicht mehr an einem eindeutigen Stil
erkennen lassen. Die einfache Kategorisierung der rechten Szene ist nicht
mehr möglich. "Ein Mix unterschiedlicher Stilelemente aus den Genres
Skinhead, Metal, Rocker, Hooligan, Hio-Hop, Techno und Gothic" biete sich
den Beobachtern. Gerade das machtedie Szene gefährlich: "Rechtsextremismus
als Erlebniswelt und Moment der Identitätsstiftung ist eine Saat, die in
der gesellschaftlichen Mitte aufgeht."
Realitätsverlust als Gefahr
Obwohl die Subkulturen sich unterscheiden, lässt sich außer der gemeinsamen
Nähe zu rechtsradikalen Einstellungen eine weitere Gemeinsamkeit
festhalten: mindestens eine große Sehnsucht bleibt im Leben der
Jugendlichen unerfüllt. Dabei handelt es sich um ambivalente Sehnsüchte:
Anerkennung, Erfolg, Aufmerksamkeit, Liebe. Oft kommen die Jugendlichen aus
schweren familiären Verhältnissen - aber wie schon oft zuvor festgestellt
kann die problematische Sozialisation nicht die alleinige Erklärung sein,
warum Jugendliche sich zweifelhaften Subkulturen anschließen.
Die Todessehnsucht eines Mädchens, die schließlich so groß wird, dass sie
ihre Freunde anbettelt, ihr die Kehle zu durchtrennen. Das SatanistenEhepaar
Ruda, extrem persönlichkeitsgestörte Pseudosatanisten, die
kaltblütig einen ihrer Bekannten ermorden haben. Und damit auch noch zum
Vorbild für viele Jugendliche Okkult-Verehrer werden. Mit solchen
Beispielen erläutert Fromm die Gefahr des Realitätsverlustes nach Eintritt
in eine Subkultur: "Die Phantasievorstellung wird über den reellen Zweifel
erhaben", so erklärt Manuela Ruda, Gastautorin in Fromms Buch, ihre
Entwicklung. Die anfangs gehegten Zweifel über die Wirklichkeit von
Vampiren legt sie völlig ab. Als sie mit ihrem Ehemann den Mord begeht,
lebt sie in ihrer eigenen Phantasiewelt, isoliert von der Gesellschaft,
unzugänglich selbst für ihre Therapeutin.
Ergreifend ist ihr Resümee: von einer Verantwortung schreibt sie, die sie
als straffällig gewordene gegenüber all den Anhängern des Satanismus hat.
Sie müss etwas für die Jugendlichen tun, die in ihrer früheren
Persönlichkeit als "Pseudosatanistin" ein Vorbild sehen. Zum Handeln
fordert sie auch die Gesellschaft auf.
Eines steht fest: die Grenzen zwischen Vampiristen, Satanistin und Grufties
sind fließend. So berichtet Mauela Ruda, dass ihr Hass gegen andere
Menschen durch den Kontakt von National Socialist Black Metal-Anhängern
erzeugt wurde. Diese noch sehr junge Subkultur vereint den aus Heavy Metal
entstandenen Black Metal, der sich durch eine stark antichristliche Haltung
auszeichnet, mit nationalsozialistischen Einstellungen. Einer seiner
bekanntesten Vertreter, Hendrik M. - ehemaliger Liedsänger der Band
Absurdsteht im Sommer 2006 nach Gefängnisaufenthalt wieder auf der Bühne.
Nach Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes, fragt er öffentlich:
"Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazizeit bestraft worden wäre, wenn man
Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte."
Kritik an den Medien
Besonders die Medien werden in Fromms Buch immer wieder harsch angegriffen:
Indem sie den Mord, an dem M. beteiligt war, zum "kalkulierten Satansmord"
hochstilisierten, verhalfen sie dem Black-Metaller zu einem Helden-Image
innerhalb seiner Szene. "Einmal mehr werden die Medien mit ihrer völlig
undifferenzierten Berichterstattung zum Königsmacher einer Subkultur."
Resümee
Rainer Fromm bündelt in seinem Werk viele neue Tatsachen und zeigt
ungeahnte Zusammenhänge auf. Eine gründliche Arbeit, die Augen öffnen kann.
Neben den Beschreibungen und Angst einflößenden Beispielen fehlt es mir
allerdings an "Warum?" und "Was jetzt?". Das Buch steht sinnbildlich für
einen Appell an die Gesellschaft, mediale Öffentlichkeit und Politik,
endlich genauer hinzusehen, was in einer Reihe Jugendsubkulturen passiert,
und die Zugehörigkeit zu einer dieser Subkulturen nicht mehr als
jugendliche Sünde abzutun. Schon gar nicht, wenn auf Musiktexte Taten
folgen, oder dazu angestachelt wird, wie im Beispiel durch eine norwegische
Black Metall-Band, die singt: "Wir brennen Kirchen ab, um die Wut der
Christen zu verstärken. Vielleicht können wir dann Krieg mit ihnen führen."
Mit seinem Fokus auf die Gewaltdelikte, die im Namen einer Subkultur
geschehen, hinterlässt Fromm aber auch ein ungutes Gefühl. Indem er
detailliert die Gewalt der Täter beschreibt, gibt er denen ein Forum,
welches eigentlich ihren - noch lebenden - Opfern ihrer Verbrechen gebührt
hätte.
Es fehlt auch an Ideen: Was muss sich ändern in der Gesellschaft, damit
Jugendliche nicht mehr in ihre Phantasiewelt flüchten? Dieser Frage können
sich nur alle Verantwortlichen gemeinsam widmen und sie müsste unabhängig
von Populismus und politischen Agitationen beantwortet werden.
Dennoch - ein wichtiges Buch. Es erweitert Horizonte, insofern, als dass es
Zusammenhänge aufzeigt , auf die so deutlich bislang noch nicht hingewiesen
wurde. Außerdem liefert es Beispiele, die eine Verharmlosungstendenz von
Medien und Politikern nicht mehr zulassen. Auch die bislang übliche
Stereotypisierung der nationalsozialistischen Szene führt in Irrwege, denn
längst ist der rechtsextreme Zulauf unter Jugendlichen keine vorübergehende
Episode abenteuerlustiger Unterschichtler mehr und kann nicht auf eine
Szene beschränkt betrachtet werden - das vor allem hebt der Autor Fromm
hervor. Extrem beunruhigend. (Von Franziska Schwarzmann)
Rainer Fromm; "Schwarze Geister, Neue Nazis". Jugendliche im Visier
totalitärer Bewegungen, 352 Seiten, erschienen Januar 2008 im Olzog Verlag,
München
10. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus
dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten,
Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie
regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie
eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige
Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) (http://www.aktionzivilcourage.
com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es
aus,tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an
unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung
untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine
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Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 320 003 5608| BLZ: 850 503
00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
11. | :: Presseschau ::
+++ CDU-Aussteiger Nitzsche gründet Wählervereinigung +++
+++ Grimmaer Frauenkirche mit antisemitischen Parolen beschmiert +++
+++ Nur ein Karnevalsverein? +++
+++ Verteiler von NPD-Blatt in Aue verurteilt +++
+++ Bringt es was, mit Rechtsextremen zu diskutieren? +++
+++ Hakenkreuz und Fremdenhass auf SchülerVZ +++
CDU-Aussteiger Nitzsche gründet Wählervereinigung
Quelle: Sächsische Zeitung / 20.02.2008 / Sachsen
Das konservative Bündnis tritt zur Kommunalwahl an und will 2009 als Partei
in den Landtag einziehen.
Abtrünnige CDU-Mitglieder und unzufriedene Konservative wollen in Sachsen
mittelfristig mit einer neuen Partei erfolgreich sein. Das erklärte der
2006 aus der CDU ausgetretene Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche.
Gemeinsam mit sieben ehemaligen CDU-Mandatsträgern gründete er am Montag
das "Bündnis Arbeit, Familie, Vaterland - Liste Henry Nitzsche".
Die Wählervereinigung will zur Kommunalwahl im Juni mit eigenen Kandidaten
antreten. Nitzsche selbst bewirbt sich für den Landratsposten im künftigen
Großkreis Bautzen. Das Bündnis stehe landesweit Menschen offen, "die mit
der aktuellen werte- und vaterlandslosen Politik nicht einverstanden sind
und gegen die abgehobene Politik der etablierten Parteien protestieren
wollen", sagte Henry Nitzsche der SZ. Selbst bekenne man sich "zur
sächsischen Heimat, dem deutschen Vaterland und dem christlichen
Werteverständnis". Bei entsprechenden Erfolgen zur Kommunalwahl sieht die
Satzung eine Parteigründung vor, die die Teilnahme zur Landtagswahl im
Herbst nächsten Jahres möglich machen würde.
Werbung am rechten Rand
Der 48-jährige Bundestagsabgeordnete Nitzsche, dem vor seinem CDU-Austritt
wiederholt rechtslastige Sprüche vorgehalten wurden, will damit vorrangig
"frustrierte CDU-Wähler, Nicht- und Protestwähler" erreichen. Er kündigte
eine Werbe- und Informationstour vor allem in den Kreisen Bautzen, Kamenz,
Meißen, Riesa und Großenhain an. Die politischen Ziele des Bündnisses seien
aber genauso wenig rechtslastig wie der Slogan "Arbeit, Familie,
Vaterland", verteidigt er sich. Auch wenn die NPD die Parole vor Jahren
ebenfalls genutzt hat. "Ich bin mit dem Motto 2005 in den Bundestag gewählt
worden und habe diese Begriffe damit den Extremen entrissen", argumentiert
Nitzsche. Zudem hätten sich einst auch Parteigrößen wie Kurt Biedenkopf
oder der heutige CDU-Landeschef Georg Milbradt hinter ihn und das
umstrittene Motto gestellt.
Heute attackiert Nitzsche seine Ex-Partei umso heftiger. Sachsens CDUSpitze
habe die Ideale von 1989 inzwischen verraten, ist Nitzsche
überzeugt. "Die Selbstreinigungskräfte funktionieren nicht mehr."
Mitglieder seien nicht zur offenen und kritischen Diskussion angehalten,
sondern würden nur noch mit dem Motto konfrontiert: Haltet die Schnauze und
wählt uns! Erneut kritisiert Nitzsche dabei besonders CDU-Chef Milbradt und
dessen Generalsekretär Michael Kretschmer. Beide seien bei diesen Punkten
"beratungsresistent".
Ganz uneigennützig ist Nitzsches Wettern in Richtung der Christdemokraten
natürlich nicht. Ist das Modell Wählervereinigung in Sachsens Kommunen auch
recht erfolgreich (siehe Kasten), braucht es für den Sprung in den Landtag
mehr. Mindestens fünf Prozent der Wähler müssen dann seine politische
Positionsbestimmung akzeptieren: "Ich sehe uns rechts von der CDU, aber
noch deutlich vor der NPD." (Von Gunnar Saft)
Grimmaer Frauenkirche mit antisemitischen Parolen beschmiert
Quelle: Neues Deutschland / 09./10.02.2008 / Grimma
Die Eingangstüren der Grimmaer Frauenkirche (Sachsen) sind in der Nacht zu
Freitag von Unbekannten mit rechtsextremistischen und antisemitischen
Aufschriften beschmiert worden. Unter anderem seien Sprüche wie "Juden
raus" und ein Hakenkreuz neben einem Davidstern aufgetragen worden, sagte
Pfarrer Christian Behr. Möglicherweise hänge die Tat mit dem geplanten
Vortrag einer Israelin in der Gemeinde zusammen, hieß es weiter. Ebenfalls
in der Nacht zum Freitag beschmierten Unbekannte die alte Synagoge in
Wittich (Rheinland-Pfalz) mit nationalsozialistischen Symbolen und Parolen.
Nur ein Karnevalsverein?
Quelle: blog.zeit.de/stoerungsmelder / 19.02.2008 / Deutschland
Der Verfassungsschutz berichtet, dass die Zahl der Autonomen Nationalisten
im vergangenen Jahr "sprunghaft" zugenommen hat. Ein Interview mit Bianca
Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin über diese
vermeintlich modernen Nazis.
Die Zahl der so genannten Autonomen Nationalisten hat sich im vorigen Jahr
auf 400 Personen verdoppelt, sagt der Bundesverfassungschutz. Wer sind
diese Leute?
Autonomer Nationalist zu sein ist eine relativ neue Form des
Rechtsextremismus. Neu ist daran ist allerdings weniger die Ideologie -
sondern vor allem das vermeintlich moderne Auftreten und die Art des
politischen Handelns.
Die Autonomen Nationalisten tragen Klamotten, die eigentlich aus
verschiedenen Jugendkulturen kommen, von der Hip-Hop bis zur Metal-Szene.
Oder sie kopieren das linksautonome Outfit: schwarze Kleidung, Basecaps,
Lederhandschuhe, Sonnenbrillen. Das soll (nach dem Vorbild der Linken) ein
einheitliches, vielleicht auch ein martialisches Bild abgeben.
Auch in dem, was sie tun um ihre Ideologie durchzusetzen, orientieren sie
sich an den Linksautonomen. Sie haben erkannt, dass beispielsweise
symbolische Hausbesetzungen, das Auftreten in Schwarzen Blöcken auf
Demonstrationen oder Gewalt gegen Polizisten bei der jugendlichen Klientel
besser ankommen, als langweilige Parteiversammlungen oder
Kameradschaftsabende.
Also ist das Phänomen vor allem eine Art Werbung um den Nachwuchs?
Nicht nur. Die Entstehung der Autonomen Nationalisten hat auch mit dem
wachsenden Druck zu tun, den Verfassungsschutz und Polizei auf die
organisierte rechtsextreme Szene ausüben.
Diese hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie in der Lage ist,
relativ flexibel auf Verbote und juristische Verfolgung zu
reagieren.Deshalb gründeten sich in den 90er Jahren - nachdem viele
rechtsextreme Organisationen und Parteien verboten wurden - die so
genannten Freien Kameradschaften. Letztere haben inzwischen aber wieder an
Relevanz verloren, einige sind auch verboten worden, zum Beispiel in Berlin.
An ihrer Stelle sind jetzt vor allem autonome Formen der Organisation
entstanden. In diese Strukturen kann der Staat kaum noch eingreifen, da sie
sich im Prinzip aus einzelnen Personen zusammensetzen, die sich ganz
konkret und anlaßbezogen für rechtsextrem motivierte Taten zusammenfinden.
Das ist vor allem für das militante, gewaltbereite Spektrum interessant.
Und wie ist der äußere Wandel zu erklären?
Die Hinwendung zur Jugend ist ein Trend, den man in den vergangenen Jahren
innerhalb der gesamten rechtsextremen Szene beobachten konnte. Die Neonazis
haben erkannt, dass sie junge Sympatisanten dort abholen müssen, wo sie
sich befinden, in den jeweiligen Jugendkulturen nämlich.
Sie glauben, mehr Jugendliche für sich begeistern zu können, wenn sie auch
denjenigen Subkulturen, die ursprünglich vielleicht gar nicht rechtsextrem
sind, Angebote unterbreiten.
So haben Jugendliche mit rechtsextremer Orientierung in allen
Jugendkulturen die Möglichkeit, einem rechten Lebensgefühl Ausdruck zu
verleihen. Darum gibt es inzwischen ja auch diese umfangreiche
Kulturindustrie, die jungen rechtsextrem orientierten Leuten in all ihren
Lebenslagen das anbietet, was ihr Herz begehrt.
Viele dieser Angebote sind erst auf den zweiten Blick als rechtsextrem zu
erkennen.
Zuerst muss deutlich gesagt werden: Jugendkulturen sind nicht per se
resistent gegenüber alltagsrassistischen und rechtsextremen Ideologien.
Warum sollte - beispielsweise - ein Gruftie nicht auch ein Alltagsrassist
sein? Anknüpfungspunkt ist deshalb weniger der Nationalsozialismus als
vielmehr das weit verbreitete Rassismus-Potential in unserer Gesellschaft.
Hier docken die Rechtsextremisten an.
Aber natürlich muss immer eine gewisse Affinität zur Gewalt und zur
rechtsextremen Ideologie vorhanden sein. Ohne ist das nicht möglich. Auch
mit einem gewissen rebellenhaften Auftreten versuchen sie, Jugendliche
stärker einzubinden: "Wir gegen den Staat, wir gegen die Polizei, wir gegen
die Juden" ist in etwa das Motto.
Also doch ein Jugendphänomen?
Das primäre Angebot, der Erlebnischarakter und die Militanz, zielt
natürlich vor allem auf Jugendliche. Diejenigen, die wir hier in Berlin als
Autonome Nationalisten bezeichnen, sind vor allem Menschen zwischen Anfang
20 und höchstens Mitte 30.
Ob diese jungen Menschen über eine eher aktionsorientierte politische Phase
hinaus auch in höherem Alter aktiv sein werden - und in welchen Strukturen
sie das dann tun - wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Es kann genauso
gut sein, dass gerade sie irgendwann die Lust verlieren.
Wie reagiert die rechtsextreme Szene?
Die Autonomen Nationalisten sorgen innerhalb der rechtsextremen Szene für
Konflikte. Die NPD hat sich schon mehrfach von ihnen distanziert. Es gibt
unterschiedliche Abgrenzungsbeschlüsse, in denen es allerdings weniger um
die Ideologie geht (die ist mehr oder weniger deckungsgleich), als vielmehr
um militante Symbolik und das für Rechtsextremisten bislang ungewöhnliche
kämpferische Auftreten bei Demonstrationen.
Das läuft dem Anspruch der NPD zuwider, auf vermeintlich legalem Boden zu
handeln. Und auch die Traditionalisten innerhalb des sogenannten
Kameradschaftspektrums empfinden die Autonomen Nationalisten im Prinzip als
einen Karnevalsverein.
Doch trotz der Beschlüsse des NPD-Vorstandes beobachten wir zumindest hier
in Berlin, dass auch der Parteichef Udo Voigt die Abgrenzung nicht immer
aufrecht erhält. Denn gerade hier ist die NPD nicht ausreichend
organisiert, um auf die parteilich nicht gebundenen Rechtsextremisten zu
verzichten. Zumindest in Berlin wird die Kooperation zwischen NPD,
gewaltbereiten Kameradschaften und den Autonomen Nationlisten so bald nicht
aufhören.
Das ist aber nicht überall so. Anhand unserer Beobachtungen in
rechtsextremen Internetforen vermuten wir, dass es im Ruhrgebiet zu einer
tieferen Spaltung gekommen ist. Dort wird jedenfalls viel intensiver
diskutiert als in Berlin. Wir hoffen natürlich, dass sich die Konflikte
noch verstärken. von Joachim Wolf
Verteiler von NPD-Blatt in Aue verurteilt
Quelle: www.sz-online.de / 19.02.2008 / Aue/Dresden
Der Kreisvorsitzende der rechtsextremistischen NPD-Jugendorganisation
"Junge Nationale" (JN) von Aue, Steffen H., ist gestern vom Amtsgericht Aue
zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er im September 2007 die
Jugendzeitschrift "perplex" verteilt hatte.
Dem Gericht zufolge muss der 18-Jährige aus Bad Schlema nun wegen zweier
vorsätzlicher Verstöße gegen den Jugendschutz eine Geldstrafe von knapp 400
Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Geldstrafe gefordert.
Dem JN-Aktivist war unmittelbar vor seinen Taten auf dem Postplatz von Aue
von einem Kripobeamten mitgeteilt worden, dass "perplex" gegen den
Jugendschutz verstößt. Nachdem bei ihm einige Hefte beschlagnahmt worden
waren, setzte er seine Aktion mit neuen Heften fort. Die Zeitschrift steht
mittlerweile auf dem Index, weil sie rassistische und
geschichtsverfälschende Äußerungen enthalten soll. Das Urteil ist noch
nicht rechtskräftig.
Nach dieser ersten Entscheidung in Sachsen, liegt nach Auskunft der
Dresdner Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage in der gleichen Sache
gegen eine junge Frau beim Amtsgericht Pirna vor. (SZ/ts)
Bringt es was, mit Rechtsextremen zu diskutieren?
Quelle: www.sz-online.de / 19.02.2008 / Pirna
Über sein Engagement gegen Rechtsextremismus sprach die SZ mit dem Pirnaer
Sozialarbeiter Peter Baldauf.
Herr Baldauf, Sie beschäftigen sich seit über 20 Jahren mit Jugendlichen
und engagieren sich dabei immer wieder im Kampf gegen Rechtsextremismus.
Wie schätzen Sie derzeit die Situation im Landkreis ein?
Es wird immer deutlicher, dass sich Rechtsextremismus auf zwei Ebenen
abspielt. Es gibt zum einen die NPD mit ihrer Parteistruktur und zum
anderen die freien Kameradschaften. Wir gehen davon aus, dass es im
Landkreis etwa 200 Jugendliche in der rechtsextremistischen Szene gibt.
Partei und Kameradschaften haben nicht direkt etwas miteinander zu tun, sie
brauchen aber einander. Die NPD kann ohne die Kameradschaften zum Beispiel
keinen Wahlkampf führen, dafür braucht sie das Fußvolk. Die jungen Leute
kritisieren aber zunehmend, dass sie ausgenutzt werden. Nicht selten fühlen
sie sich von der NPD verraten. Das kann man auf ihren eigenen
Internetseiten nachlesen. Dort versuche ich, als Sozialarbeiter anzusetzen.
Inwiefern gelingt Ihnen das?
Ganz gut, die Jugendlichen haben da großen Diskussionsbedarf. Wenn man sie
mit ihren Sorgen und Kritiken an den etablierten Parteien und speziell an
der NPD ernst nimmt, kommt man mit ihnen intensiv ins Gespräch. Mir ist
dann immer wichtig, generell die demokratischen Prozesse darzustellen. Es
ist nun mal in unserer Gesellschaft nicht möglich, dass nur eine Seite ihre
Ideen durchsetzt. Es muss Kompromisse geben. Das versuche ich darzustellen.
Bringt es denn überhaupt was, mit rechtsorientierten Jugendlichen zu
diskutieren?
Es ist mein Credo, auf die jungen Leute zuzugehen, das Gespräch zu suchen.
Natürlich muss man da in der Argumentation sattelfest sein. Denn gerade die
Rechtsextremen haben in der Regel viel gelesen, sich mit ihren Themen
intensiv beschäftigt. Aber sie nutzen dabei meist nur ihre eigenen
Publikationen. Da muss man mit Fakten gegenhalten können.
Sind Sie dafür, Jugendclubs für Rechtsextremisten zu öffnen, um mit ihnen
ins Gespräch zu kommen?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das muss man im
Einzelfall entscheiden. Wenn eine Kameradschaft einen ganzen Club dominiert
und instrumentalisiert, dann muss man reagieren und den Club vielleicht
sogar schließen. Wenn aber nur einzelne Rechte die Einrichtung besuchen,
sollte man sie keinesfalls ausgrenzen, sondern unterschiedliche Meinungen
zulassen. Oft sind Jugendclubs mit solchen Entwicklungen jedoch
überfordert, vor allem, wenn dort keine Sozialarbeiter aktiv sind. Deshalb
plädiere ich dafür, die Jugendlichen in den Schulen abzuholen, dort mit
ihnen ins Gespräch zu kommen.
Kann man noch mehr tun, als miteinander zu reden?
Positive Erfahrungen habe ich seit Jahren mit Fahrten zu Gedenkstätten
gemacht. Der Besuch des KZ Buchenwald zum Beispiel regt zum Nachdenken an.
Die Diskussion über den Holocaust, den viele Rechtsextremisten bekanntlich
leugnen, ergibt sich dann von allein. Aber auch da gilt: Man muss Fakten
kennen. Sinnvoll ist auch, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Ich habe
es noch nie erlebt, dass Rechte deren Erlebnisse infrage stellen.
Im Landkreis hat sich in den letzten Jahren die Einstellung zum Umgang mit
Rechtsextremismus geändert. Es gibt die Steuerungsgruppe Extremismus,
Ansprechpartner wie die Zivilcourage, wachsamere Bürgermeister# Ist das aus
Ihrer Sicht der richtige Weg oder bleiben Wünsche offen?
Aus meiner Sicht ist die Vernetzung im Kreis viel besser geworden. Die
einzelnen Initiativen und staatlichen Einrichtungen kennen einander. Man
weiß, was man von wem erwarten kann. Wir Sozialarbeiter sind anerkannt. Es
gibt Ansprechpartner vor Ort, Bürgermeister suchen auch mal Rat, kehren
Probleme nicht mehr unter den Teppich. Insgesamt sind im Kreis Strukturen
entstanden, sodass man agieren und reagieren kann. Da hat sich in den
letzten zwei, drei Jahren viel getan. Wenn ich einen Wunsch frei hätte,
würde ich mehr Sozialarbeiter beschäftigen. Wenn man die präventive Arbeit
stärkt, kann man im Nachhinein viel sparen.
Das Gespräch führte Jana Klameth.
Hakenkreuz und Fremdenhass auf SchülerVZ
Quelle: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / 19.02.08 / Deutschland
Eine Recherche von stern.de:Zum wiederholten Mal sind beim Online-Netzwerk
SchülerVZ Nazi-Symbole sowie Hinweise auf Hardcore-Porno-Seiten
aufgetaucht. So haben Mitglieder ihre persönlichen Seiten mit Hakenkreuzen
illustriert und dort fremdenfeindliche Äußerungen verbreitet.
Jugendschutzexperten sind besorgt, SchülerVZ weist Kritik jedoch zurück.
Doch wer sucht, wird leicht fündig...
Von Malte Arnsperger
Das große, schwarze Hakenkreuz prangt inmitten eines goldenen Kranzes.
Darum sind vier goldene Reichsadler vor blutrotem Hindergrund abgebildet,
die jeweils ein Hakenkreuz in ihren Fängen tragen. Dieses Bild sieht den
Besucher, wenn er die persönliche Seite von Mario S. auf dem Internetportal
SchülerVZ besucht. Wie es sich für Mitglieder dieses Online-Netzwerkes
gehört, hat Mario S. auf seiner Seite ausgiebige Informationen zu seiner
Person ausgebreitet. Er ist demnach ein 14-jähriger Schüler aus Österreich.
Als sein Lieblingsbuch bezeichnet er "Das dritte Reich", er gibt an, Nazis
und Skinheads zu mögen, nicht aber "Juden, Punker, Kommunisten und Neger".
Über sich selber schreibt er: "Ich bin Nazi."
SchülerVZ ist ein Online-Netzwerk, das sich ausdrücklich an Schüler ab
zwölf Jahren richtet und ihnen die Möglichkeit bietet, sich in virtuellen
Gruppen zu treffen und miteinander auszutauschen. Nach Seitenabrufen ist
die erst Anfang 2007 gegründete Webseite die zweitgrößte in Deutschland.
Aus der Schmuddelecke kommt sie nicht raus. Im Sommer 2007 hatte stern.de
rechtsradikale und pornographische Inhalte auf SchülerVZ entdeckt. Davon
aufgeschreckt wurden die Betreiber von der Freiwilligen Selbstkontrolle
Multimedia-Anbieter (FSM) verwarnt. Bei SchülerVZ räumte man damals
"Handlungsbedarf" ein und kündigte an, in Zukunft mehr für den Jugendschutz
tun zu wollen. Erste Maßnahmen seien von den Betreibern seitdem umgesetzt
worden, heißt es nun von FSM und Jugendschutz.net, der InternetKinderschutzinstitution
der Bundesländer, zu stern.de. Aber:
"Jugendgefährdende Inhalte sind weiterhin leicht zu finden", meint
Friedemann Schindler, Leiter von jugenschutz.net.
Diese Einschätzung bestätigten Stichproben von stern.de in den vergangenen
Wochen. Zwar wurden nach Angaben von SchülerVZ im Sommer zwei Filter
eingesetzt. Sie sollen die Gründung von Gruppen, die Begriffe wie "Hure"
oder "Ficken" enthalten, und die Suche nach diesen Ausdrücken verhindern.
Aber die Seite von Mario S. ist kein Einzelfall. stern.de fand weitere
zweifelhafte Inhalte. So etwa hat das Mitglied Kalle K. die Gruppe "Heil
Hitler" gegründet. Als Illustration wählte auch er ein Hakenkreuz - ein
Symbol, dessen Verwendung mit bis zu dreijähriger Gefängnisstrafe geahndet
werden kann. Allerdings macht sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft
Berlin SchülerVZ nicht strafbar, da Diensteanbieter nicht verpflichtet
seien, die von ihnen übermittelten oder gespeicherten Informationen zu
überwachen.
Ähnliches Gedankengut wie Kalle K. scheint die Mitglieder der SchülerVZGruppe
"NPD/JN" zu vereinen. Mit einem NPD-Plakat - Aufschrift "Deutschland
über alles" - wird hier um Mitglieder geworben. Sinn der Gruppe: "Hier
können NPD Nachrichten/Neuigkeiten, Wahlergebnisse etc. bekannt gegeben
werden". So zumindest steht es auf der Startseite der Gruppe. Doch die
Mitlieder von SchülerVZ, davon natürlich auch viele Minderjährige, können
sich nicht nur mit Neuigkeiten über die rechtsextreme Szene versorgen. Sie
sind nur wenige Mausklicks davon entfernt, Informationen und die
entsprechenden Internetadressen zu Hardcore-Porno-Seiten zu bekommen. So
etwa in einer Gruppe von Anhängern eines amerikanischen Pornostars, die
sich "Jenna Jameson Fanclub" nennt. Einer der immerhin knapp 600 Mitglieder
ist der angeblich erst 14-jährige Denis K. Mit den Worten "Das ist die
beste im ganzen Netz!! Das Portal von xnxx.com!!" empfiehlt er den Besuch
einer frei zugänglichen Hardcore-Porno-Seite.
Von stern.de auf diese Inhalte angesprochen, zeigten sich Experten und
Jugendschützer besorgt. Friedemann Schindler von Jugendschutz.net fordert:
"Die Anstrengungen für eine bessere Berücksichtigung des Jugendschutzes
können und müssen verstärkt werden". Im SchülerVZ und anderen Social
Networks gibt es nach wie vor Jugendschutzprobleme." Auch Maja Winter von
FSM äußerte sich kritisch: "Eigentlich dürften es solche Inhalte nicht
auftauchen, da müsste der Filter noch optimiert werden", sagt sie. Von
einer erneuten Verwarnung sehe man jedoch ab, die Verantwortlichen von
SchülerVZ hätten seit den Berichten von stern.de Maßnahmen ergriffen und
den Nachweis erbracht, dass sie sich für den Jugendschutz engagierten.
Das sieht Beate Krafft-Schöning ganz anders. Der Jugendschutz bei SchülerVZ
sei Makulatur, meint die Expertin für Jugendschutz im Internet und Autorin
des Buches "Nur ein Mausklick zum Grauen - Jugend und Medien". "Diese Seite
ist nicht kindgerecht und teilweise sogar jugendgefährdend", sagt KrafftSch
öning. "Es geht den Betreibern nur um das Geldverdienen. Für mich hat
sich bei SchülerVZ in den vergangenen Monaten nur vordergründig etwas
geändert." Diese Meinung teilt auch Michael Kappe vom Kinderschutzverein
childcare angesichts der Hinweise auf die Porno-Seiten: "Wenn es solche
Inhalte auf SchülerVZ immer noch gibt, ist das eine harte Nummer. Man
sollte sich überlegen, ob man dort überhaupt geeignet ist, ein solches
Portal zu führen." Kappe ruft die Verantwortlichen von SchülerVZ dazu auf,
stärker auf den Jugendschutz zu achten. "Denn es ist nicht damit getan, hin
und wieder ein paar Gruppen zu löschen."
Kopfschüttelnd reagierte Holger Kulick, Redaktionsleiter der Website mutgegen
-rechte-Gewalt, auf die Vielzahl an rechtsextremen Inhalten auf
Schülervz. "Es verblüfft mich, dass hier so offen verbotene Nazi-Symbole
gezeigt werden dürfen und Fremdenhass propagiert werden kann. Ich zweifele
daran, ob hier der Betreiber aufmerksam seine Seite durchgesehen hat und
seiner Sorgfaltspflicht nachkommt", sagt der Berliner
Rechtsextremismusexperte. Demokratie habe eben nicht nur mit
Meinungsfreiheit, sondern auch mit dem Respekt vor humanistischen Werten zu
tun. "Die Würde des Menschen wird mit solchen Inhalten verletzt, dieser
offene Hass hat auf einer solchen Seite nichts verloren."
Leider sei die Zurschaustellung einer - oft unreflektierten - rechten
Gesinnung derzeit bei vielen jungen Leuten schick, meint Kulick. Die finden
es cool, auf solche Art zu provozieren. Er appelliert an die Betreiber von
Schülervz, die betreffenden Mitglieder direkt auf ihr Verhalten
anzusprechen, zu verwarnen und erst, wenn sie nicht reagieren, von der
Seite zu verbannen: "Wichtig ist, ihnen zu begründen, dass es hier um Ethik
geht und nicht um Zensur". Das gleiche gelte für die Studentenplattform
StudiVZ, auf der nach Beobachtungen der MUT-Redaktion auch immer wieder
Rechtsaußen versuchen, Netzwerkarbeit zu betreiben.
SchülerVZ weist Kritik zurück
Bei SchülerVZ jedoch gibt man sich selbstbewusst. Schließlich würden jeden
Tag 80 bis 120 Profile von Nutzern und 80 Gruppen gelöscht, sagte Philippe
Gröschel, Jugendschutzbeauftragte von SchülerVZ zu stern.de. "Aber
natürlich ist SchülerVZ ein Abbild der Gesellschaft und der Jugend. Auch
bei uns geschehen, wie in jeder Großstadt, Dinge, die nicht im allgemeinen
Interesse sind. So ist es natürlich nicht in unserem Sinne, dass
Hakenkreuze hochgeladen werden."
Die Seite, die dem Medienkonzern Holtzbrinck gehört, ist der Shooting-Star
unter den Online-Netzwerken. Gegründet erst im Februar 2007 hat SchülerVZ,
das kleine Geschwisterchen von StudiVZ, nach eigenen Angaben mittlerweile
rund 2,8 Millionen Mitglieder, täglich kommen demnach rund 12.000 neue dazu.
Diese große virtuelle Gemeinschaft will betreut werden. Mittlerweile seien
deshalb 65 Mitarbeiter damit beschäftigt, täglich rund 4000 Hinweisen auf
fragwürdige Gruppen, Fotos und Personen nachzugehen, sagte Gröschel. Diese
Hinweise gingen ausschließlich von Mitgliedern ein, eigeninitiativ würden
seine Mitarbeiter nicht recherchieren. "Unsere Community ist so groß, die
beste Überwachung wird durch die Mitglieder gewährleistet.", sagte
Gröschel. Auch gebe es für dieses Prinzip juristische Gründe. Denn sollte
man als Betreiber einmal anfangen, systematisch nach unzulässigen Inhalten
zu suchen, hafte man für den gesamten Inhalt der Seite. Bisher sei die
Haftung für SchülerVZ erst gegeben, wenn man trotz der Kenntnis über
unzulässige Inhalte diese nicht unverzüglich lösche, so Gröschel.
"Aufklärungsbedarf ist hoch"
Eine vollständige Kontrolle aller Gruppen und Personen auf einer Seite, die
täglich von hunderttausenden Nutzern frequentiert wird, ist jedoch
illusorisch. Darüber sind sich Jugendschützer einig. Und dies scheinen
mittlerweile auch viele Eltern zu realisieren. Jugendschutz.net habe im
vergangenen halben Jahres einen starken Anstieg von Anfragen zu Social
Networks verzeichnet, sagte Friedemann Schindler. "Der Aufklärungsbedarf
über Gefahren und wie man ihnen begegnet, ist bei Eltern besonders hoch."
Schindler bittet deshalb die Nutzer dieser Seiten sowie auch deren Eltern
darum, Verstöße an den Betreiber zu melden. Sollten unzulässige Inhalte
dann nicht umgehend beseitigt werden, könne man gegen die Betreiber
vorgehen.
Soweit wollen es die Verantwortlichen von SchülerVZ natürlich nicht kommen
lassen, sie versuchen deshalb offensichtlich, auf den steigenden
Beratungsbedarf von Eltern und Lehrern einzugehen. So bietet SchülerVZ
diesen pro Woche vier Telefon-Sprechstunden mit Diplom-Pädagogen an und
hält auf der Startseite für Eltern und Lehrern Informationen zu dem Portal
bereit. SchülerVZ-Sprecher Philippe Gröschel: "Wir sind sehr engagiert und
rege im Jugendschutz und tun alles, was uns möglich ist."
Anmerkung d. Red.: In den Tagen nachdem stern.de die erwähnten Inhalte auf
SchülerVZ entdeckt hatte, wurden sie offensichtlich teilweise entfernt. So
nennt sich Mario S. nun "Matsche Ssssssssss" und hat das Hakenkreuz-Bild
mit dem Logo der Gruppe "Landser" ersetzt. "Landser" ist einer der
bekanntesten Musikgruppen aus dem neonazistischen Milieu. Die Gruppe wurde
vom Bundesgerichtshof zur kriminellen Vereinigung erklärt. Auch die
SchülerVZ-Gruppe "Heil Hitler" ist nicht mehr auffindbar. Die Empfehlungen
für Porno-Seiten existieren jedoch immer noch.
Unsere Projekte 2008 werden u.a. gefördert & unterstützt durch: das
Landesprogramm "Weltoffenes Sachsen",den Lokalen Aktionsplan Sächsische
Schweiz, das "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend",
den Landkreis Sächsische Schweiz, die Deutsche Post World Net, die Stadt
Pirna, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Friedrich Ebert Siftung, die
Städtische Wohnungsbaugesellschaft Pirna, die Firmen www.4koepfe.de &
www.computer-stephan.de sowie zahlreichen Spenderinnen & Spendern. Allen
unser herzliches Dankeschön!
Die Aktion Zivilcourage ist unter VR 899 im Vereinsregister des
Amtsgerichtes Pirna als Verein eingetragen.
Bankverbindung: Ostsächsische Sparkasse Dresden, Kontonummer: 310 006 839 3
| BLZ: 850 503 00
Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V.
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am Mittwoch, 20. Februar 2008 um 17:17:12 an 1962 Empfänger versandt.
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