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In dieser Ausgabe:
- AUFRUF ZUR DEMONSTRATION "GEH DENKEN"
- "WAS DANN LOSGING WAR UNGEHEUERLICH..."
- VERFILMUNG VON ADOLF BURGERS GESCHICHTE FÜR EINEN OSCAR NOMINIERT
- 3. JUGENDPOLITISCHES FORUM ZUR KREISGEBIETSREFORM
- AUS DER WELT DER KLEZMORIM- EINE REISE DURCH DIE GESCHICHTE DER OSTJUDEN
- KRANK UND OHNE PAPIERE?
- UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
- PRESSESCHAU
- | :: AUFRUF ZUR DEMONSTRATION "GEH DENKEN" ::
Vor 75 Jahren ging in Deutschland die Demokratie unter. Mit der Ernennung
Hitlers zum Reichskanzler, der Auflösung des Reichstags, der Verhaftung
politischer Gegner und der Zerschlagung der Gewerkschaften und anderer
freier Vereinigungen hatte sich die Macht der Nationalsozialisten unter den
Augen und mit Hilfe der Deutschen bereits im März 1933 etabliert.
Der Reichtagsbrand, die Bücherverbrennungen, die Abschaffung der Bürger-und
Menschenrechte und die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung
der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und Europas waren der
Anfang einer Entwicklung, die mit dem Tod von Millionen Menschen im zweiten
Weltkrieg endete.
Heute, 75 Jahre später, marschieren wieder die Anhänger dieser tödlichen
Ideologie, drängen in die Parlamente, ergreifen die Worte und die Plätze,
und machen kein Geheimnis daraus, dass sie wieder genau so handeln würden
wie damals.
Die Abschaffung der Demokratie und die Demontage der Bürger-und
Menschenrechte ist ihr erklärtes Ziel.
Das lassen wir uns nicht gefallen, nicht in diesem Jahr und nie wieder.
Deshalb gehen wir auf unsere Straßen, Plätze und Brücken und zeigen, dass
eine starke Demokratie der Grundpfeiler unseres Zusammenlebens ist!
Kommen Sie zur Demonstration "Geh Denken - Aus der Geschichte lernen - für
Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit"!
Am Samstag, 16. Februar 2008, 14.30 Uhr am Goldenen Reiter mit
Zwischenkundgebungen.
www.dresden-fuer-demokratie.de
http://www.aktion-
zivilcourage.de/Info_Aufruf_zur_Demonstration_Geh_Denken.427d2376/
2. :: "WAS DANN LOSGING WAR UNGEHEUERLICH..." ::
Die Wanderausstellung dokumentiert die Geschichte der frühen
Konzentrationslager, die wenige Wochen nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 eingerichtet wurden. Allein in
Sachsen entstanden bis zum Sommer 1933 mehr als 20 solcher zumeist
provisorischen Haftstätten, darunter auch die Konzentrationslager Hohnstein
und Königstein-Halbestadt. Die Ausstellung in der Pirnaer Gedenkstätte
Sonnenstein beleuchtet die politischen Rahmenbedingungen zum Zeitpunkt
ihrer Einrichtung und den Umgang mit diesen Orten von 1945 bis heute.
Biografien ehemaliger Gefangener veranschaulichen die Funktionen der Lager
und die Haftbedingungen. Auch verdeutlichen sie den unterschiedlichen
politischen und religiösen Hintergrund der Insassen. Biografien von
Angehörigen des Wach- bzw. Führungspersonals zeigen exemplarisch die
Lebenswege der Täter.
Die Ausstellung ist Montag bis Freitag jeweils 9-15 Uhr in der Gedenkstätte
Pirna-Sonnenstein zu sehen.
Veranstaltungen im Begleitprogramm:
Montag, 25. Februar 19-21 Uhr: "Was wussten die Deutschen vom Holocaust?"
(Vortrag von Dr. Berward Dörner)
Mittwoch, 12. März 19:20:30 Uhr: "Die frühen Konzentrationslager in Sachsen
1933-1934/37" (Vortrag von Dr. Carina Baganz)
http://www.aktion-
zivilcourage.de/Info_Was_dann_losging_war_ungeheuerlich.427d2322/
3. :: VERFILMUNG VON ADOLF BURGERS GESCHICHTE FÜR EINEN OSCAR NOMINIERT ::
Zur diesjährigen Verleihung des berühmtesten Filmpreises der Welt, dem
Oscar, ist das historische Drama "Die Fälscher" als bester nichtenglischsprachiger
Film nominiert worden. Der Film zeigt die
Leidensgeschichte Adolf Burgers im KZ Sachsenhausen.
Wir wünschen dem Film natürlich viel Erfolg und einen "Goldjungen"!
Aufgrund der Oscar-Verleihung wird Herr Burger in die USA reisen, so dass
die geplanten Zeitzeugengespräche im Zeitraum vom 18.-21. Februar 2008
nicht stattfinden können!
Wir möchten alle Schulen, die sich bereits für Zeitzeugengespräche
angemeldet haben bitten, die organisatorischen Schwierigkeiten zu
entschuldigen und bedanken uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für
ihr Engagement und Interesse.
http://www.aktion-
zivilcourage.de/Info_Verfilmung_von_Adolf_Burgers_Geschichte_fuer_den_Oscar_nominiert.427d2082/
4. :: 3. JUGENDPOLITISCHES FORUM ZUR KREISGEBIETSREFORM ::
Am 15.03.2008 wird das 3. Jugendpolitische Forum, organisiert von Pro
Jugend e.V., Jugendclub Tharandt e.V., Kik e.V. und Jugendring Sächsische
Schweiz e.V., in der Kuppelhalle Tharandt stattfinden.
"Nachdem es in den ersten beiden jugendpolitischen Foren um das
gegenseitige Kennen lernen von Strukturen und Entwicklungen der
Jugendarbeit beider Landkreise ging, sollen nun mehr die Jugendlichen, die
Vereine und Verbände beider Landkreise zu Wort kommen." ist von den
Organisatoren zu hören.
"Beim 3. Forum wollen wir in Workshops arbeiten, um Jugendliche, Vereine
und Verbände der beiden Landkreise in den Prozess der Neuordnung der
Jugendhilfelandschaft mit einzubeziehen, ganz im Sinne des oben genannten
Zitates." erklärt Ralf Wätzig vom Jugendring Sächsische Schweiz e.V.
In speziellen Arbeitsgruppen (Jugendgruppen/-clubs; Jugendhäuser und Mobile
Jugendarbeit; Vereine, freie Träger der Jugendhilfe und verbandliche
Strukturen der Jugendarbeit) wollen wir über Rahmenbedingungen und
Notwendigkeiten für eine funktionierende Jugendarbeit sowie über Wünsche
und Sorgen sprechen. Diese werden dann in kompakter Form den politischen
Verantwortungsträgern vorgestellt.
Die Workshops, die jeweils von einem Mitarbeiter aus jedem Landkreis
moderiert werden, starten 13:00 Uhr.
Workshop 1: Jugendgruppen/-clubs
Workshop 2: Jugendhäuser und Mobile Jugendarbeit
Workshop 3: Vereine, freie Träger der Jugendhilfe
Workshop 4: Verbandliche Strukturen der Jugendarbeit
Um 18:00 Uhr werden die Ergebnisse der Workshops vorgestellt. Zu dieser
Präsentation sind die Fraktionen der demokratischen Parteien der Kreistage,
die Landräte und Beigeordneten, das Jugendamt, die
Jugendhilfeausschussmitglieder und die BürgermeisterInnen der Landkreise
eingeladen.
Ab 20:00 Uhr gibt es zum Abschluss Live-Musik in der Kuppelhalle. Für das
leibliche Wohl, während der Veranstaltung, ist gesorgt.
Interessierte melden sich bitte bis zum 18.02.2008 beim Jugendring
Sächsische Schweiz e.V. an.
Jugendring Sächsische Schweiz e.V., Hohe Str. 1, 01796 Pirna
Tel: 03501- 78 16 47, Fax: 03501- 57 11 68, info@jugend-ring.de
http://www.aktion-
zivilcourage.de/Info__Jugendpolitisches_Forum_zur_Kreisgebietsreform_.427d2366/
5. ::AUS DER WELT DER KLEZMORIM- EINE REISE DURCH DIE GESCHICHTE DER
OSTJUDEN::
Klezmer ist eine aus dem aschkenasichen Judentum stammende
Volksmusiktradition. Etwa um das 15. Jahrhundert entwickelten klezmorim
oder klezmerim genannte Musiker eine Tradition weltlicher
(nichtliturgischer) jüdischer Musik.
Sie orientierten sich an bestimmten religiösen Traditionen, die bis in
biblische Zeiten zurückreichten; ihre musikalische Ausdrucksweise
entwickelte sich indessen weiter bis in die Gegenwart. Das Repertoire
besteht vor allem aus Musik zur Begleitung von Hochzeiten und anderen
Festen.
Unter dem Motto : "Klezmer ist beliebt. Aber wo kommt der Klezmer her?"
bietet Herbert Lappe einen 1,5 stündigen Vortrag an.
Die Machart ist wie immer sehr unterhaltsam. Die benötigte Technik bringt
er selbst mit, einzige Voraussetzung ist, dass der Veranstaltungsraum
abgeducklet werden kann.
Näheres können Sie auf seiner Homepage http://www.herbertlappe.de erfahren!
Besonders empfehlen wir die Vorträge von Herrn Lappe für Schulen und
Bildungseinrichtungen.
http://www.aktion-zivilcourage.de/Info_Aus_der_Welt_der_Klezmorim_-
_Eine_Reise_durch_die_Geschiche_der_Ostjuden.427d2365/
6. :: KRANK UND OHNE PAPIERE? ::
Schätzungen zufolge leben in Deutschland zwischen 500.000 und eine Million
Menschen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis. Viele haben nur eingeschränkten
Zugang zur Gesundheitsversorgung und könnten im Krankheitsfalle zwar einen
Krankenschein vom Sozialamt bekommen, würden damit aber eine Abschiebung
riskieren.
Die Menschenrechtsinitiative "Medinetz" vermittelt anonym und kostenlos
medizinische Hilfe für Flüchtlinge und Migranten ohne Aufenthaltsstatus.
In einem Telefonat oder bei einer Sprechstunde wird abgesprochen, durch
welchen Facharzt die Behandlung am Besten gegonnen werden sollte. Danach
erfolgt die Vermittlung an einen, der mit uns zusammen arbeitenden Ärzte.
Persönliche Daten werden dabei nicht gesammelt.
Medinetz gibt es auch in anderen deutschen Städten. Medinetz Dresden wurde
von Medizinstudenten der IPPNW ins Leben gerufen und besteht aus Studenten,
Ärzten und Hebammen.
Sprechstunden zur Arztvermittlung: jeden Mittwoch 18-20 Uhr im Haus der
Johanneskirchgemeinde, Fiedlerstraße 2 in Dresden
http://www.aktion-zivilcourage.de/Info_Krank_und_ohne_Papiere.427d2341/
7. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus
dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten,
Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie
regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie
eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige
Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) (http://www.aktionzivilcourage.
com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es
aus,tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an
unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung
untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine
Spendenquittung zu.
Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 320 003 5608| BLZ: 850 503
00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
8. | :: Presseschau ::
+++ PIRNA: ORT DER VIELFALT +++
+++ NPD KLEBT ILLEGAL PLAKATE +++
+++ FETSCHER-GYMNASIUM: UNI SPRICHT FÜR DEN ARZT +++
+++ NPD SCHEITERT IN HESSEN UND NIEDERSACHSEN +++
+++ ALS UNGEHEUERLICHES BEGANN +++
+++ DEN ÜBERBLICK VERLOREN +++
Quelle: Sächsische Zeitung, Freitag, 1. Februar 2008
+++ PIRNA: ORT DER VIELFALT +++
Auf Antrag von Stadtrat Andreas Fußy (Wählervereinigung Zivilcourage) hat
sich Pirna für die Bundesinitiative "Orte der Vielfalt" beworben. Das Votum
im Stadtrat am Dienstagabend fiel mit großer Mehrheit, es gab lediglich
eine Gegenstimme: Mirko Liebscher von der NPD.
Ziel der Bundesinitiative ist es, bis zum Jahr 2010 möglichst viele
Kommunen dafür zu gewinnen, sich für Vielfalt und gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu engagieren. "Diese Initiative
passt zu unserer Stadt", sagte Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU). Seit
Jahren gibt es in Pirna ein starkes ziviles Engagement gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Die Initiative "Orte der
Vielfalt" wurde im November vom Bundesfamilienministerium ins Leben
gerufen. Besonders engagierte Kommunen können sich für ein
Ortseingangsschild, das sie als "Ort der Vielfalt" auszeichnet, bewerben.
Das Ministerium wählt die Preisträger aus. (SZ/ce)
www.orte-der-vielfalt.de
Quelle: Sächsische Zeitung, 31. Januar 2008
NPD KLEBT ILLEGAL PLAKATE
31.01.2008 / Pirna
Bereits zum zweiten Mal tapezierten Rechtsextreme Laternenmasten in Pirna.
Die Stadt reagierte sofort.
Sowohl am Freitag als auch gestern in den frühen Morgenstunden verunzierten
NPD-Anhänger Laternenmasten in Pirna mit Plakaten. Zu sehen waren die
Plakate am Freitag in Rottwerndorf, Zuschendorf und Cotta sowie gestern in
der Innenstadt bis hinauf zum Sonnenstein - allerdings nur für sehr kurze
Zeit.
"Unser Ordnungsdienst hat die Plakate sofort entfernt", sagt
Rathaussprecher Thomas Gockel. Der Leim sei zum Teil noch feucht gewesen,
erwischt habe man die Plakat-Kleber allerdings nicht. Die Stadt hat
aufgrund der verbotenen Plakat-Aktion Anzeige wegen Sachbeschädigung
erstattet, darüber hinaus ermittelt der Staatsschutz wegen möglicher
verfassungsfeindlicher Parolen.
Die Plakate hatten einen Angriff auf den Paragraphen 129 des
Strafgesetzbuches "Bildung krimineller Vereinigungen" zum Inhalt. Aufgrund
dieses Gesetzes waren Mitglieder der Neonazi-Organisation Skinheads
Sächsische Schweiz (SSS) vor vier Jahren verurteilt worden. Auf den
Plakaten war eine NPD-Internetadresse angegeben. (Von Christian Eißner)
Quelle: Sächsische Zeitung, 31.01.2008
FETSCHER-GYMNASIUM: UNI SPRICHT FÜR DEN ARZT
31.01.2008 / Pirna
Fetscher war keinesfalls Rassist, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme
des Dresdner Instituts für Geschichte der Medizin.
m Namensstreit um Pirnas linkselbisches Gymnasium schaltet sich jetzt noch
einmal die Universität Dresden ein. Dr. Marina Lienert vom Institut für
Geschichte der Medizin erörtert in einer Stellungnahme, dass die gegen
Rainer Fetscher erhobenen Vorwürfe, er sei ein Rassist gewesen und hätte
Menschen zwangssterilisiert, aus ihrer Sicht unhaltbar seien. Sie seien
viel zu pauschal und ließen den Sinneswandel Fetschers völlig außer Acht.
Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) stellte den Stadträten auf ihrer
Sitzung am Dienstagabend die drei Seiten umfassende Stellungnahme vor.
Fetscher stehe eine ebenso differenzierte Beurteilung zu wie Graf von
Stauffenberg, dessen Leben zurzeit von Hollywood verfilmt wird, heißt es in
dem Papier. Auch Stauffenberg hatte sich mit dem Nazi-Regime arrangiert.
"Fetscher hat sich wiederholt und dezidiert von rassistischen Äußerungen
distanziert und darauf bestanden, dass es aus wissenschaftlicher Sicht
keinen Wertunterschied zwischen den verschiedenen Menschenrassen gäbe und
auch sogenannte ,Rassenmischlinge' nicht per se minderwertig seien",
schreibt Marina Lienert. Es sei darüber hinaus zwar richtig, dass Fetscher
während seiner Tätigkeit in der Dresdner Ehe- und Sexualberatungsstelle am
Sternplatz Sterilisationen empfohlen habe. Dies sei aber nach dem freien
Willen der Patienten und nach sorgfältiger Abwägung des Einzelfalls
geschehen. Die Behauptung, Fetscher habe selbst 65 Sterilisierungen
vorgenommen, sei "schlichtweg falsch und eine Verleumdung", so die
Historikerin. Eine schuldhafte Verstrickung Fetschers in
Zwangssterilisierung und Euthanasie sei nicht zu konstruieren. Vielmehr
habe er als niedergelassener Arzt ab 1935 Bedürftige "ohne Ansehen der
Person und unter Hintanstellung des eigenen Wohls" behandelt - auch Juden.
Und das als "einer der ganz wenigen deutschen Ärzte in jener Zeit"
überhaupt. Daraus resultiere die große Verehrung, die ihm Zeitgenossen
entgegenbrachten.
Sie sehe Fetscher durchaus nicht als Helden, sagt Marina Lienert auf SZNachfrage,
sondern als Person mit vielen Widersprüchen. Gerade deshalb
halte sie es durchaus für richtig, dass ein Gymnasium seinen Namen trägt.
"Man ist immer gezwungen, sich damit zu beschäftigen und Stellung zu
beziehen."
Christine Ullrich, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Rainer-FetscherGymnasium
in Pirna, begrüßt die Stellungnahme der Medizinhistorikerin. Sie
hofft, dass die Namensentscheidung für das Gymnasium, das im Moment
Friedrich Schiller heißt, bald zugunsten Fetschers ausfallen werde. Die
Forschungen zu seiner Person, betont die Uni Dresden, sollen auf jeden Fall
weitergehen. (Von Christian Eißner)
Quelle: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de , 29.01.2008
NPD SCHEITERT IN HESSEN UND NIEDERSACHSEN
29.01.2008 / Deutschland
Bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen hat die neonazistische
NPD ihre Wahlziele weit verfehlt. Sie erhielt in Niedersachsen 1,5 Prozent
der Zweitstimmen, in Hessen 0,9 Prozent und damit sogar weniger als die
Republikaner, die in Hessen ein Prozent erreichten. Ab mindestens einem
Prozent der Stimmen erhalten Parteien eine staatliche
Wahlkampfkostenpauschale pro Wählerstimme. Dies ist für die hessische NPD
nun nicht der Fall. Ihre besten Resultate erzielte die NPD im Hessischen
Wölfersheim (5,0 %) und im niedersächsischen Osterode (2,6%, dort im
Stimmbezirk Bad Lauterberg 5,09%). Ergebnisse in dieser Höhe blieben aber
Ausnahmen.
Ungleich erfolgreicher bleiben die Wahlaussichten für Rechtsextreme in
Ostdeutschland, wo die NPD bereits in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern im
Landtag und die DVU in Brandenburg vertreten ist. Woher kommen diese OstErfolge
rechter Parteien? Mit den Gründen hat sich jetzt Antje Hermenau,
die Fraktionsvorsitzende der Grünen im sächsischen Landtag, in einem
Thesenpapier für ihre Parteispitze befasst. MUT stellt das Dokument zur
Diskussion, das unter dem Titel steht: "Der Umgang mit der NPD - Testfall
für die Demokratie nur in Ostdeutschland?". Hier der Wortlaut:
"Die Nürnberger Bundesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat
sich am 25.11. 2007 gegen einen NPD-Verbotsantrag zum jetzigen Zeitpunkt
ausgesprochen. In einem weiteren Beschluss wurde die Bedeutung präventiver
Bildung für
wirksame Strategien gegen das Vordringen des Rechtsextremismus betont.
Damit ist die Debatte für Bündnis 90/ Die Grünen nicht vorbei, sondern
beginnt erst richtig. Rechtsextremistisches Denken ist dort dominant, wo
die Demokratie ungenügend
verankert ist, wo es einen Mangel an demokratischem Bewusstsein gibt und wo
es an Einstellungen fehlt, die für eine "demokratische Alltagskultur" von
konstitutiver Bedeutung sind. Wer mit der Vielfalt von Meinungen und
Lebensweisen nicht klarkommt,
wem die Erfahrung demokratischer Mitbestimmung fremd ist, wer nicht
versteht, dass im Streit Lösungen gefunden werden können, ist "anfällig"
für rechtsextremistisches Gedankengut.
Dies ist kein regionales, sondern ein gesamtdeutsches, ja wahrscheinlich
internationales Phänomen. Allerdings bleiben rassistische, antisemitische
und autoritäre Einstellungen oft "nur" latent - was häufig zu der
Fehlwahrnehmung führt, dass es sie gar nicht gebe. In Ostdeutschland treten
rechtsextremistische Einstellungen hingegen offener zutage: psycho-soziale
und politische Prozesse verlaufen hier direkter und teilweise katalytisch.
Es muss aber auch darüber nachgedacht werden, welche Konsequenzen sich
daraus für die Demokratie in Gesamtdeutschland ergeben. Zwar wäre es
falsch, das Problem des Rechtsextremismus mit der NPD zu identifizieren
(und zu denken, dass man nur die NPD loswerden müsste, um sich des
Grundproblems zu entledigen), aber die NPD wird mittlerweile zur
Sammlungspartei, die die Stimmen aus einem traditionellzersplitterten
Wählersegment auf sich vereint und sich in den ostdeutschen Landtagen
festzusetzen droht. Damit scheint sich eine rechtsextremistische Partei mit
langfristigen Erfolgsaussichten im politischen System der Bundesrepublik zu
"etablieren".
- Die "Mitte der Gesellschaft"
Ich bezweifle die These, dass wir verhindern müssen, dass der
Rechtsextremismus "in die Mitte der Gesellschaft" getragen würde,
ausdrücklich. Meiner Meinung nach schlummert er da immer. Die latent
vorhandene Bereitschaft großer Teile der "Mitte der Gesellschaft", im
"Ernstfall" Demokratie und Freiheit aufzugeben, ist in der Geschichte
bereits zutage getreten.
Es liegt an den Umständen und der psycho-sozialen Stabilität der Menschen,
ob der Rechtsextremismus zum Tragen kommt oder als zivilisationsfeindliche
Regung in seine Schranken gewiesen werden kann. Hier ist eine exzellente
Bildungspolitik, die soziale Unterschiede überwindet und die Menschen
befähigt, sich in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen, von
entscheidender Bedeutung.
2. Demokratie und Wohlstandsversprechen
Für die Ostdeutschen ist mehrheitlich die Frage, ob die Demokratie eine
gute Gesellschaftsform ist, in der sie weiterhin leben wollen, noch nicht
entschieden. Demokratisches Wohlverhalten wurde nicht, wie versprochen
("blühende Landschaften"), mit Wohlstand belohnt. Damit fehlt im Osten die
Grunderfahrung der Menschen in der frühen Bundesrepublik, in der die
(wieder) eingeführte Demokratie mit wachsendem Wohlstand verbunden war. Das
"Wirtschaftswunder" dürfte die Akzeptanz der Demokratie massiv befördert
haben - jedenfalls ist nicht anzunehmen, dass die Westdeutschen damals per
se "empfänglicher" für die Demokratie waren als die Ostdeutschen von heute.
Die Erfahrung, dass Demokratie sich nicht unbedingt materiell "lohnt",
bietet einen Nährboden für demokratiefeindliche Umtriebe. Das bedeutet
keinesfalls, dass Demokratiefeindlichkeit monokausal auf Wohlstandsverlust
zurückgeführt werden kann, aber es scheint offenkundig, dass das "sichEinleben"
in ein politisches System wesentlich dadurch begünstigt wird,
wenn sich dieses subjektiv mit Wohlstand verknüpfen lässt. Wo diese
Voraussetzung fehlt, kommt es eher zu Akzeptanzproblemen.
In diesem Sinne bestehen sowohl hier im materiellen Bereich als auch weiter
unten im psycho-sozialen Bereich erhebliche Parallelen zwischen dem
aggressiven Gruppenverhalten rassistischer deutscher Schläger auf der einen
Seite und Schlägern aus dem Migrationsmilieu auf der anderen. Die
bundesrepublikanische Gründungsgeschichte vom mit der Demokratie
verbundenen wachsenden Wohlstand wird aber zwangsläufig verblassen, wenn
Wachstumserwartungen auch im Westen schwinden und neue
Unsicherheitserfahrungen um sich greifen, die im Osten schon länger
Realität sind. Deshalb kann es sein, dass der Osten der allgemeinen
Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland lediglich vorgreift und
insgesamt eine höhere Aggressivität in der Bevölkerung zu erwarten ist.
3. Rechtsextremismus als Kompensationsstrategie
Vor dem Hintergrund einer härteren weltweiten wirtschaftlichen Konkurrenz
wächst die Aggressivität in der Bevölkerung. Derartige Veränderungen werden
diffus als materielle Bedrohungen von außen (Europa, Globalisierung, Kriege
um Ressourcen) empfunden und nicht reflektiert - auch nicht von der
regionalen Politik. Den Menschen materielle Existenzängste zu nehmen,
entspannt auch die Lage an der "Demokratiefront".
Dasselbe gilt für den komplexen und unübersichtlichen Alltag.
Erleichterungen hier sind demokratisch sehr viel wert. Die Zuversicht kann
nur wachsen, wenn die Lebensumstände die Menschen nicht ständig demütigen
oder ihnen täglich ihre Ohnmacht vor Augen führen. Ein Staat wurde
abgewickelt und ein anderer an seine Stelle gesetzt, an den sich die Leute
anzupassen hatten. Das war Dauerstress und dieser der psycho-soziale
Nährboden für grobe, autoritäre Charaktere, die nach oben buckeln und nach
unten treten.
Die Umstellungszeit nach der Wende ist im Osten nun zu Ende und verliert
damit auch ihren Ablenkungscharakter. Die Menschen werden wieder auf sich
selbst zurückgeworfen. Es wird Bilanz gezogen - individuell und in Gruppen.
Insofern ist das Erstarken des Rechtsextremismus eine mögliche
Kompensationsstrategie und wird eher noch zunehmen. Andere
Kompensationsstrategien sind oft zu teuer, z.B. Sucht, Rückzug in mediale
Welten oder kaschieren das Problem, z.B. Abwanderung - wobei Abwanderung
gerade für die schlechter Qualifizierten meist kaum in Frage kommt.
4. Ressentiments gegen die westdeutsche Elite
Ressentiments gegen eine aus Westdeutschland zugewanderte Elite, die den
Staat überproportional repräsentiert, werden psychosozial gleich mit
"eingebaut". Der Wessi als Macher und Chef und der Ossi als Mitmacher und
Empfänger sind eine unheilige Allianz der Mentalitäten eingegangen, die die
gesellschaftlichen Entwürdigungen aus der DDR-Zeit durch die aus der Zeit
nach der Wende noch ergänzte. Der Ossi fühlt sich in seiner freundlichen
Naivität ausgenutzt und ist "sauer" - die alte Ohnmacht wurde in "neuen
Kleidern" erlebt. Vor diesem Hintergrund verblasst die Erinnerung an die
"eigene" friedliche Revolution von 1989. Damit wurde eine für Deutschland
einmalige Errungenschaft - die erkämpfte, nicht geschenkte, Freiheit - für
viele Menschen entwertet.
Die "Ausländer" oder die gesellschaftlichen Gruppen, gegen die sich rechte
Gewalt richtet, werden auch als Repräsentanten des Westens bzw. seiner
Kultur des "Multikulti", die als fremd und feindselig empfunden wird,
betrachtet. Dies ist nicht der Hauptgrund für Ausgrenzung und Gewalt, aber
ein zusätzliches Motiv dafür, dass es in Westdeutschland so vielleicht
nicht gibt. Die Enttäuschung über "den Westen" bzw. die ihn vertretenden
Wessis treibt bis in die Mitte des politischen Spektrums inzwischen
merkwürdige Blüten; z.B. "Sachsen muss von einem Sachsen regiert werden."
5. Das Fehlen von "68" und einer gesellschaftlichen Diskurskultur
20 Jahre nach der Wende gibt es immer noch eine "lausige Diskussionskultur"
und mangelt es an Menschen, die viel uneigennützige Eigeninitiative zeigen.
Es ist aber noch nicht einmal die Zeitspanne vorüber, deren es bedurfte, um
nach dem Krieg in Westdeutschland eine "68er-Generation" hervorzubringen.
Wie die ostdeutschen "2012er" sein werden, ist noch nicht klar: autoritäre
oder paternalistische politische Angebote finden bei jungen Leuten viel
Zuspruch. Eine emanzipatorische oder gar antiautoritäre Bewegung hat sich
noch nicht klar genug etabliert. Und: Eine "Rebellion" wie 68, die sich auf
die ostdeutsche Teilgesellschaft beschränkt, ist schwer vorstellbar.
"68" war ein gesellschaftlicher Aufbruch, der mit radikaler Kritik begann,
schließlich aber entscheidend dazu beitrug, dass die Demokratie, die nicht
von den Deutschen selbst erkämpft worden war, mit Leben erfüllt wurde. Dies
ist eine wichtige Grunderfahrung, die im Osten fehlt. Allerdings gibt es
ein wachsendes Bedürfnis, endlich damit aufzuhören, "den Westen" kritiklos
nachzubauen, der ja auch nicht gut genug in den Zeiten der Globalisierung
funktioniert.
6. Protest oder Provokation?
Die größtmögliche Provokation der demokratischen deutschen Gesellschaft ist
der verherrlichende Umgang mit rassistischem und rechtsradikalem
Gedankengut. Viele Ostdeutsche empfinden das als Test für die Demokratie
und vor allem für die Demokraten. Die Demokratie muss sich in ihren Augen
in der Auseinandersetzung mit der NPD beweisen, aber Repression wird als
Ausweis dafür gesehen, dass sie das nicht kann. Überspitzt gesagt: Ein NPDVerbot
wäre die Fortsetzung der DDR mit anderen Mitteln und könnte nicht
überzeugen. Heute schon nutzt die NPD die Verbotsdebatte, um diese als
Beweis für das argumentative Versagen der "Altparteien" darzustellen.
In Ostdeutschland wirkt das Etikett "rechtsextremistisch" nicht mehr
automatisch abschreckend. Das Bewusstsein, dass eine Partei mit
menschenverachtender Ideologie nicht gewählt werden sollte, auch wenn sie
zur Wahl steht, ist hier wenig entwickelt. Im Gegenteil, viele halten diese
Partei, da sie ja auf demokratische Weise gewählt wurde, automatisch für
eine demokratische Partei. So stellt sich die NPD für zu viele Menschen als
eine Option da, die den Reiz hat, dass die Parteien, von denen man
enttäuscht ist bzw. die man nicht als für die Interessen der Menschen
engagiert erlebt, durch die Wahl der NPD am besten "geärgert" werden
können. Insofern ist die NPD auch ein Instrument von WählerInnen.
Wollte man aber die NPD-Erfolge als "Protestwahl" verniedlichen, würde man
das Problem verkürzt darstellen. Denn gerade diese provozierende Qualität
der NPD lässt WählerInnen vermuten, dass sich dahinter eine grundlegende
Alternative verbirgt, die auf Dauer zur ersten Wahl werden könnte.
Der alttrainierte "Beißreflex" bringt also politisch nicht das gewünschte
Ergebnis, sonst hätten ja auch westdeutsche Kreisverbände nicht so ein
starkes Bedürfnis nach dem NPD - Verbot geäußert. Bündnis 90/ Die Grünen
müssen also jenseits des Beißreflexes, der menschlich nur allzu
verständlich ist, auch ein politisches Angebot an die Bevölkerung machen,
das diese ermutigt, Zivilisiertheit auch unter schwierigeren Bedingungen
durchzuhalten.
7. Ein gesellschaftlicher Neuanfang ist nötig
Die im obigen Sinne katalytisch verlaufenden Prozesse in Ostdeutschland
sind kein ostdeutsches, sondern ein gesamtdeutsches Problem, das wir
genauso gemeinsam lösen müssen wie die Herausforderungen der
wirtschaftlichen Globalisierung. Die Formulierung dieses gesellschaftlichen
"Neuanfangs" mit den großen Aufgaben hat das Potential, neue Zuversicht
zuzulassen und damit Aggressivität und Blockade abzuschwächen. Auch die
"Gedemütigten" in Ost und West könnten das Gefühl entwickeln, neu an den
Start gestellt zu werden. Das setzt die Abmilderung der sozialen
Unterschiede durch eine exzellente Bildungspolitik voraus. Es muss also
nicht nur die DDR zurückgelassen werden, sondern auch in einem gewissen
Sinne die BRD der Vorwendezeit.
Antje Hermenau
Quelle: AZ, 28.01.2008
ALS UNGEHEUERLICHES BEGANN
28.01.2008 / Pirna
Eine Sonderausstellung in der Gedenkstätte Sonnenstein erinnert an frühe
Konzentrationslager in Sachsen.
Die Grausamkeiten auf der Anfang 1933 als Konzentrationslager genutzten
Burg Hohnstein waren so groß, dass Mitte 1935 einigen SA-Leuten vor Gericht
der Prozess gemacht wurde. Noch war die Justiz nicht ganz gleichgeschaltet.
Genutzt hat es nichts: Hitler hat die verurteilten Täter umgehend begnadigt.
Auf diesen Sachverhalt stößt man, wenn die Wanderausstellung "Was dann
losging, war ungeheuerlich ..." besucht, die nun auch in der Gedenkstätte
Pirna-Sonnenstein Station macht. Der Titel der gestern eröffneten Schau ist
einer Äußerung der jüdischen Publizistin Hannah Arendt entnommen, die 1964
in einem Interview mit Günter Gaus, dem späteren ständigen Vertreter der
Bundesrepublik Deutschland in der DDR, fiel.
23 Lager im "Mustergau"
Rund 100 Konzentrationslager sind in den ersten Monaten nach der
Machtübernahme 1933 im Deutschen Reich errichtet worden - sage und schreibe
allein 23 davon im "Mustergau" Sachsen. Sie waren ein unverzichtbares
Terror- und Repressionsmittel im Dritten Reich. "Wir wollten mit der
Ausstellung aufarbeiten, was in der Heimat geschah und dokumentieren, dass
die Legende von der friedlichen Vorkriegszeit so nicht stimmt", sagte Boris
Böhm, der Leiter der Gedenkstätte. Er und seine Mitarbeiter haben für die
Schau eine Vitrine gestaltet, mit der an das Schicksal des Pirnaer Pfarrers
und Studienrats Walter Plotz erinnert wird, der 1936 im KZ Sachsenburg
inhaftiert war.
Die Schau reflektiert die Phase der frühen sächsischen Konzentrationslager,
die mit dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 begann. Damals fielen
Entscheidungen, die für die weitere Entwicklung des KZ-Systems von
erheblicher Tragweite waren. Fünf Stelen mit exemplarischen Porträts und
Schlüsseldokumenten zeigen geradezu "Musterkarrieren des Terrors", wie
Norbert Haase erklärte, der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische
Gedenkstätten. Einige Angehörige des Wach- bzw. Führungspersonals hatten
später Leitungsfunktionen bei den Einsatzgruppen an der Ostfront oder
Vernichtungslagern wie Majdanek. Was da an Karrieren möglich war, das
erschüttert auch Lydia Wünsche vom Jugendring Sächsische Schweiz und Sandra
Wirth von "Aktion Zivilcourage" in Pirna, die beide derzeit ein
freiwilliges soziales Jahr absolvieren.
Die Ausstellung führt die politischen Rahmenbedingungen vor Augen, etwa die
grundlegenden Befehle für die Legitimation der "Schutzhaft". Anhand von
Biografien ehemaliger Gefangener werden Funktionen der Lager und
Haftbedingungen veranschaulicht. Auch der unterschiedliche politische bzw.
religiöse Hintergrund der Insassen wird deutlich. Schlaglichtartig wird
auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser KZ in der DDR und im
wiedervereinigten Deutschland beleuchtet.
Viele Zeitzeugenberichte
Die Darstellung basiert auf zeitgenössischen Dokumenten und
Zeitzeugenberichten, möglichst Texten, die nicht im Abstand von Jahrzehnten
entstanden, wie Haase erläutert. Er erinnert auch an eine weitere
Quellenproblematik. "1933 hatten nicht viele Leute Kameras. Es gibt also
nur wenige Bilder - und diese zudem meist aus der Perspektive der
Wachleute."
Bis 31. März Mo. bis Fr. 9 bis 15 Uhr, jeden 1. Sa. des Monats 10 bis 15 Uhr
Am 25. Februar, 19 Uhr, hält Bernward Dörner vom Institut für
Antisemitismusforschung an der TU Berlin denVortrag "Was wussten die
Deutschen vom Holocaust?" (Von Christian Ruf)
Siehe auch: http://www.aktion-
zivilcourage.de/Info_Was_dann_losging_war_ungeheuerlich.427d2322/
Quelle: Sächsische Zeitung, 28.01.2008
DEN ÜBERBLICK VERLOREN
28.01.2008 / Rathmannsdorf
André M. war es peinlich. Gerade hatte der Staatsanwalt zwei Anklagen und
einen Strafbefehl verlesen. Doch sich dazu zu äußern, davor zierte sich der
kräftige 33-Jährige in der "Thor Steinar"-Jacke
M. versuchte sein Glück als Versandhändler. Doch sein Hugin-Versand warf
offenbar nicht den erwünschten Gewinn ab. Verschuldet musste er im Oktober
2003 eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass er blank ist. Trotz
dieses Offenbarungseides bestellte er namens seines Geschäfts Waren, die er
nicht bezahlte.
2004 versteigerte er 131 Artikel bei eBay - über ein fremdes Konto. Doch
die angefallenen Gebühren in Höhe von 243 Euro beglich er nicht. Auch ein
Kunde, der 65 Euro für ein bei M. bestelltes T-Shirt anzahlte, wurde
betrogen; denn die bestellte Ware wurde ihm nie geliefert. Auch mit dem
Angebot des Hugin-Versandes - Hugin ist ein Rabe aus der germanischen
Mythologie, die in rechten Kreisen beschworen wird - eckte er an. Eine 2005
angebotene CD mit "Fußball-Liedern" entpuppte sich als menschenverachtendes
Machwerk. Sich dessen bewusst, pries M. sie in der Artikelbeschreibung mit
markigen Worten an. 2005 war es auch, als er bei eBay "20-Loch-Stiefel"
verkaufte - das heißt, M. kassierte zwar die 93 Euro Auktionserlös, der
Käufer ging leer aus.
Die Liste der Vorwürfe geht weiter: Nach Hugin gründete André M. einen
anderen Internetversandhandel, diesmal mit Artikeln für Motorradfahrer
sowie Western- und Militaria-Fans. Auch hier setzte es sich fort, dass
Kunden Waren bei ihm bestellt und auch bezahlt hatten, aber nicht beliefert
wurden. Vier Kunden setzten sich zur Wehr und zeigten ihn wegen Betruges an.
Finanzsituation ist prekär
André M.s Anwältin hatte nun die Aufgabe, sich für ihren Mandanten zu
erklären: Ja, die vorgeworfenen Taten sind alle wahr. Lediglich in der
Erinnerung an die zeitliche Abfolge bestehen Probleme. Einerseits liegen
die Taten schon mehrere Jahre zurück, andererseits befindet sich der
Computer, auf dem sämtliche Daten zu M.s Geschäften gespeichert sind, seit
2006 beim LKA. Dieses volle Geständnis ersparte es M., zu jeder einzelnen
Straftat noch einmal Stellung nehmen zu müssen, und es ersparte ihm auch
die Aussagen der geprellten Zeugen.
André M.s finanzielle Situation ist äußerst prekär. Zwar gibt er den Gewinn
aus dem Internetversand mit 500 Euro je Monat an, auch lebt er mietfrei bei
seiner Mutter. Doch er hat Schulden. Schulden, die er nicht beziffern kann.
Er hat den Überblick verloren.
Außer dem umfassenden Geständnis sah der Staatsanwalt wenige entlastende
Momente für das Verhalten des Angeklagten. Geldstrafen kommen für ihn
aufgrund der vielen gleichen Taten nicht mehr in Frage, sodass er eine
Gesamt-Freiheitsstrafe von 20 Monaten Freiheitsentzug, auf Bewährung
ausgesetzt, fordert. Inhaltlich schließt sich auch M.s Verteidigerin diesem
Antrag an; sie hält 14 Monate für ausreichend.
Achtzehn Monate Haftstrafe droht das Schöffengericht unter Richter Peter
Kehr dem Angeklagten an, sollte er sich innerhalb der nächsten drei Jahre
etwas zuschulden kommen lassen. Dazu hat er monatlich 50 Euro Schadenersatz
an die Geschädigten zu zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig. (Von Gert
Schulze)
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