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Info zum Holocaust-Gedenktag in Witten: Kranzniederlegung in Annen

Pressemitteilung von Mittwoch, 23. Januar 2008
Universitätsstadt Witten

Holocaust-Gedenktag: Kranzniederlegung in Annen
Wittener sind zur Teilnahme am 27. Januar eingeladen

Witten. Die Stadt Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und der Freundeskreis der Israelfahrer rufen die Wittenerinnen und Wittener auf, sich am kommenden Sonntag (27.1.) an der Gedenkfeier und Kranzniederlegung anlässlich des Holocaust-Gedenktages zu beteiligen. Bürgermeisterin Sonja Leidemann, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Witten in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Klaus Lohmann und der Vorsitzende des Freundeskreises der Israelfahrer, Karlheinz Dressel, werden um 15 Uhr einen Kranz am ehemaligen KZ-Außenlager Buchenwald an der Immermannstraße in Annen niederlegen.

Der Holocaust-Gedenktag erinnert an die über sechs Millionen Opfer des nationalsozialistischen Völkermords. 1996 erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. An öffentlichen Gebäuden werden die Flaggen am Sonntag (27.1.) wegen des Holocaust-Gedenktages auf Halbmast gesetzt.

Der 27. Januar 1945 war der Tag der Befreiung von Auschwitz. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager gilt im internationalen Sprachgebrauch als Synonym für Unmenschlichkeit und die Katastrophe (Shoah) in der Menschheitsgeschichte. Großbritannien erklärte im Jahr 2000 den 27. Januar offiziell zum Holocaust-Gedenktag und zum Gedenktag für alle Völkermorde in der Welt. 2005 hat die UNO den 27. Januar offiziell zum Holocaust-Gedenktag erklärt, verbunden mit einer Resolution, in der alle Mitgliedsstaaten aufgerufen werden, an diesem Tag an den Judenmord zu erinnern. In Israel wurde der "Jom haShoah" schon 1959 (am 27. Nisan) zum Gesetz erhoben.

"Jüdische Zeitreise"

Die Stadt Witten und die Deutsch-Israelische Gesellschaft begehen den Holocaust-Gedenktag seit 1996 mit verschiedenen Kooperationspartnern, meist unter der Federführung des Stadtarchivs. Neben Kranzniederlegungen an der Gedenkstele auf dem jüdischen Friedhof Ledderken oder am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald werden Zeitzeugen in Schulen eingeladen, Ausstellungen präsentiert oder szenische Lesungen mit Jugendlichen entwickelt. In diesem Jahr laden die Organisatoren am Sonntag (27.1.) um 19 Uhr zu einer "Jüdischen Zeitreise" ins Haus Witten ein. Einlass ist bereits ab 18.30 Uhr. Dany Bober wird bei der kostenfreien Veranstaltung Lieder, Berichte und jüdische Weisheiten vortragen.

Historische Informationen zum Holocaust-Gedenktag
von Dr. Martina Kliner-Fruck

Vernichtungslager Auschwitz

Auschwitz war das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager. Es wurde auf Befehl des Reichsführers-SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, 1940 etwa 60 km westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien.

Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein, und Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Häftlinge registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager - Auschwitz III - im nahe gelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere 45 Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden jedoch in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen.

Im Juni 1941 erhielt der Erste Lagerkommandant von Auschwitz, Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die "Endlösung" der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 wurden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge vorgenommen. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den "Judentransporten" des Reichssicherheitshauptamtes wurden seit dieser Zeit direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Diese fabrikmäßige Ermordung der Menschen in Auschwitz, ihre Drangsalierungen durch Zwangsarbeiten und die furchtbaren medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute unfassbar - das Leid der Opfer ist unermesslich.

Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate lang. Allein in diesem nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise umgebracht. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Häftlinge lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 Gefangene, vorwiegend Jüdinnen und Juden, vor der Befreiung aus den Lagern noch auf die so genannten Todesmärsche. Doch die sowjetischen Soldaten entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 348.820 Männeranzüge, 836.525 Frauenkleider sowie große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden zehntausend Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung.

Deportation Wittener jüdischer Bürgerinnen und Bürger
Wittener Familien und Einzelpersonen jüdischer Herkunft wurden neben den ersten Deportationen im Zuge der so genannten Polenaktion am 28. Oktober 1938 und der Verschleppung jüdischer Männer am 9./10. November nach der Reichspogromnacht im November 1938 (vornehmlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen) mit folgenden sieben Transporten aus dem Regierungsbezirk Arnsberg über Dortmund deportiert:

am 27. Januar 1942 in das Ghetto von Riga,
am 27./28. April 1942 nach Zamosc im Distrikt Lublin in Polen, am 29. Juli 1942 nach Theresienstadt,
am 01. März 1943 nach Auschwitz,
am 17. Mai 1943 nach Theresienstadt.

Wenn sie den Transport überlebten, kamen sie am Ankunftsort - je nach Aufnahmekapazität der Lager und nach dem aktuellen Bedarf der umliegenden Rüstungsbetriebe - in die dortigen Ghettos oder Lager. Die als nicht arbeitsfähig eingestuften Deportierten wurden meist durch Massenerschießungen oder in den Gaskammern der Vernichtungslager ermordet.

Nach dem derzeitigen Stand der Stadtgeschichtsforschung wurden 90 jüdische Menschen, die in Witten geboren wurden oder hier gelebt haben, direkt oder über Zwischenstationen nach Auschwitz deportiert. Nur fünf von ihnen haben KZ-Haft und Zwangsarbeit überlebt.

Namen der in Auschwitz ermordeten Jüdinnen und Juden, die in Witten geboren wurden und/oder in Witten gelebt haben:

Abrahamsohn, Arthur, Anschel, Adolf, Anschel, Erna, Baruch, Bernhard, Blau, Johanna, Bornstein, Wilhelm, Eichenwald, Emma, Eichenwald, Gustav, Eisenstaedt, Kurt, Endel, So fie, Ernst, Clara Else, Ernst, Marianne, Feldheim, Ernst, Frank, Heinz, Frank, Isidor, Goldwein, Sofie, Grünebaum, Artur, Grünebaum, Berta, Grünebaum, Sally, Hanf, Rebecca, Herold, Johanna, Herz, Hermann, Hoffmann, Dorothea, Jacob, Josephine, Joseph, Felix, Dr. Kahn, Bernhard, Kahn, Georg, Kantrowitz, Louis, Katz, Antonie, Katz, Liesel, Katz, Martha, Katz, Theodor, Klein, Toni, Kleve, Bertha, Koppel, Bernhard, Kratz, Käthe, Leverpoll, Gerson, Leverpoll,Nico, Levy, Alice, Lindenbaum, Martha, Löhnberg, Willy, Löwenstein, Benno, Löwenstein, Bernhard, Löwenstein, Sophie, Maier, Karolina, Marx, Anna, Mayer, Kurt, Mayer, Max, Meyer, Hildegard, Neubeck, Johanna Anna, Noach, Ella, Rosenbaum, Elfriede, Rosenbaum, Fritz, Rosenbaum, Julius, Rosengarten, Max, Rosenthal, Albert, Sänger, Bob, Sänger, Edith, Sänger, Friedrich, Salomon, Gottfried, Schacher, Mathilde, Schacher, Theodor, Schwarzschild, Else, Simon, Albert, Steintal, Lilli, Stern, Paul, Stern, Rosa, Stern, Rosa, Weinberg, Edith, Weinberg, Klara, Weiß, Rosa, Wilzig, Alfred, Wilzig, Berta, Wilzig, Denny, Wilzig, Hermine, Wilzig, Herz, Wilzig, Rosalie, Wilzig, Sophie, Wilzig, Samuel, Wilzig, Theodor Louis, Wilzig, Ursula, Windmüller, Albert, Windmüller, Else, Winter, Karl, Wolfstein, Wilhelmine.

Schicksale der Sinti und Roma aus Witten:
Über 50 wurden nach Auschwitz deportiert

Vor drei Jahren veröffentlichte das Stadtarchiv Witten seine ersten, lückenhaften Forschungsergebnisse über die Deportation von Sinti und Roma aus Witten. "Es gab immer wieder Fragen aus der Bevölkerung, ob es zu diesem Thema detailliertere Informationen gäbe als den Hinweis, dass Menschen aus dem so genannten 'Zigeunerlager' im Dorneywald in Witten-Stockum nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden seien", so Dr. Martina Kliner-Fruck.

Mehrere Jahre sammelte die Archiv-Chefin Quellenfunde zur rassistischen Verfolgungssituation der genannten Minderheit, um eine systematische Auswertung zu ermöglichen. "Diese Quellen waren nicht umfassend, aber wir können jetzt erste Einzelschicksale nachvollziehen. Über 50 Männer, Frauen und Kinder, die Anfang März 1943 im 'Zigeunerlager' Dorneywald gelebt haben, sind über Bochum in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden", so Dr. Kliner-Fruck.

Die Mehrzahl der in Witten gemeldeten und nach der rassistischen Ideologie der Nazis als "Zigeuner" und damit als "Untermenschen" eingestuften Frauen und Männer befand sich ab 1939 auf den nicht umzäunten Lager- bzw. Wohnwagenplätzen am Kornmarkt, in der Nachtigallstraße (Nr. 25), im Kohlensiepen und in der Voedestraße. Anfang April 1940 wurden nahezu alle im Dorneywald konzentriert. Die meisten von ihnen wurden mit einem Transport aus dem Reichsgebiet am 12. und 13. März 1943 in Auschwitz-Birkenau als KZ-Häftlinge eingewiesen.

"Auch 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Schicksale zahlreicher Verfolgtengruppen aus Witten immer noch nicht hinreichend bekannt," so Dr. Martina Kliner-Fruck, "aber es gibt eine erste, noch unvollständige Liste mit Namen und Schicksalen rassistisch verfolgter Sinti und Roma aus Witten, die in Auschwitz-Birkenau ums Leben gebracht wurden:

Bamberger, Bernhard, Bamberger; Barbara geborene Reinhard [Gross], Bamberger, Gustav, Bamberger, Anton, Gross, Anita [Anna] geborene Reinhard, Gross, Reinhold, Gross, Otto, Gross, Elisabeth, Gross, Maria, Gross, Annemarie, Gross, Toni, Groß [Gross], Anton, Gross, Walpurga, Laubinger, Minna [Mina], Laubinger, Gisela, Laubinger, Amanda, Laubinger, Anita, Reinhardt Selma, Steinbach, Anna, Steinbach, Jonny, Steinbach, Robert, Weiss, Wilhelm, Wiegand, Johnny, Winterstein, Christian, Winterstein, Marie Gisela, Lehmann, Harry, Winterstein, Josepha, Winterstein, Karl, Winterstein, Johann, Winterstein, Reinhold. (jk - 23/01/08)

Kontaktdaten
Stadt Witten - Postfach 22 80 - 58449 Witten - Referat für Öffenlichkeitsarbeit und Kommunikation - Pressestelle Kontakt / Impressum - Email: presse ät witten.de
23.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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