Nadeshda
Forum: cl.politik.antifa
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007 (Dezember 2007)

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007

Quelle
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007/

(Auf der Website gibt es zahlreiche Links zu Presseartikeln, die ich hier nicht eingefügt habe.)

Die nachfolgende Aufstellung wird ständig aktualisiert. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern vermittelt nur einen aktuellen Ausschnitt über öffentlich gemeldete rechtsextreme Gewalttaten. Die Chronik stützt sich auf der Redaktion vorliegenden Pressemeldungen und Berichte von Opferberatungsstellen, Polizeidienststellen, Leserinnen und Lesern u.a.m.

Dezember 2007

31.12. Rechtsextreme jagen in Berlin-Lichtenberg afghanische Familie Die Täter hätten die fünfköpfige Familie in der Silvesternacht beschimpft und mit Schlagstöcken attackiert, sagte der Direktor beim
Polizeipräsidenten, Michael Krömer, am Neujahrstag in Berlin. Die Familie hatte in der Weitlingstraße ihr Feuerwerk abgebrannt. Die Opfer retteten sich in ihre Wohnung, gefolgt von den etwa 15 Angreifern. Bevor diese flüchteten, beschädigten sie den Hauseingang und zertrümmerten eine Scheibe. Verletzt wurde niemand. (rbb-online.de 1.1.2007)

28.12.: Überfall auf Jordanier in Berlin
Bislang unbekannte Täter haben am Morgen des 28.12. in Berlin einen 47-jährigen Jordanier angegriffen, geschlagen und verletzt. Der Mann musste mit mehreren Platzwunden am Kopf zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach Angaben der Polizei haben die drei Täter den Jordanier am U-Bahnhof Yorckstraße in einem U-Bahnzug in Richtung Spandau gegen 8.15 Uhr angegriffen. Zunächst haben die Täter den Mann massiv beschimpft und ihn mal als Araber, mal als Jude bezeichnet. Mehrere Versuche des Opfers, die Täter zu beschwichtigen, schlugen fehl. (Morgenpost, 29.12.)

27.12.: Bekennende Neonazis überfielen Leipziger Weihnachtsfußballfeier "Wir sind Nazis", riefen sie, griffen mit Baseballschlägern, Reizgas und Pfefferspray an - und warfen einen Molotowcocktail. Leipziger Hooligans haben am Abend des 27.12. die Feier des Oberligisten Sachsen Leipzig in der Gaststätte Kartoffelsack überfallen: die zweite brutale Attacke binnen Wochen. Beteiligt waren etwa 25 Vermummten, die zum Teil Schals des Lokalrivalen Lok Leipzig trugen und Parolen wie "L-O-K" und "Wir sind Nazis" skandierten. Die Angreifer attackierten die hinausgeeilten Besucher der Feier mit Baseballschlägern, Reizgas und Pfefferspray, laut Polizeiangaben wurden auch Schlagstöcke eingesetzt. Döring berichtet, dass auch ein Molotowcocktail geworfen wurde, der aber nicht in die Gaststätte flog und keinen Schaden anrichten konnte.(Spiegel.de, 28.12.2007).

22.12.: Rassistisch motivierte Überfälle in Dresden, Halberstadt und Magdeburg In der Nacht zum Samstag wurden zwei sudanesische Studenten vor einer Diskothek in Dresden von etwa 15 Angreifern wegen ihrer Hautfarbe beschimpft, getreten und geschlagen. Die Täter griffen auch einen 20-jährigen Deutschen an, der den Studenten helfen wollte, und verletzten ihn ebenfalls, bevor sie unerkannt entkommen konnten. Die Polizei vermutet hinter dem Angriff Hooligans, die zu einer größeren Gruppe von 75-100 Personen gehörten, die schon vor dem Überfall in der Diskothek waren. Die Hooligans sollen schon bei früher, bei Fußballspielen, durch ihr gewalttätiges Verhalten aufgefallen sein.

In Halberstadt wurde am gleichen Tag eine 19-jährige Frau nach einem Angriff von drei Rechtsextremisten mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Laut Polizei gehört die Frau "dem äußeren Anschein nach" zum linken Spektrum und wurde von zwei Männern und einer Frau, die eindeutig der rechten Szene zuzuordnen sind, in einer Parkanlage überfallen und geschlagen. Gegen die drei mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl erlassen.

Am Abend des 22.12.wurde auch ein 42-jähriger Italiener in einer Regionalbahn von Magdeburg nach Halle von drei Männern angegriffen, die den Mann buddhistischen Glaubens während seines Gebets unterbrochen und geschlagen und getreten haben. Der Italiener musste seine im Gesicht erlittenen Verletzungen ambulant behandelt lassen. Die mutmaßlichen und nach Angaben der Polizeiwahrscheinlich fremdenfeindlichen Männer konnten entkommen. (die-topnews.de, 23.12.2007)

Rassistischer Überfall eines Türken und Griechen auf einen Rentner in München Nach einem brutalen, rassistischen Überfall auf einen 76-jährigen Rentner in einem Münchner U-Bahnhof hat die Polizei die beiden Täter gefasst. Ein 17-jähriger Grieche und einer 20-jähriger Türke haben ein Geständnis abgelegt, wie ein Pressesprecher am Sonntag sagte. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte harte Strafen für die Täter. Die jungen Männer waren bei der Polizei bereits wegen zahlreicher Straftaten registriert. In ihrer Vernehmung zeigten sie keinerlei Reue. Das Opfer liegt seit Donnerstagabend mit Schädelbasisbruch im Krankenhaus, ist inzwischen aber auf dem Weg der Besserung. Mögliche Spätfolgen sind den Angaben zufolge noch nicht absehbar. Der Rentner war am Donnerstagabend in der U-Bahn eingeschritten, als die zwei Männer im Waggon rauchten. Er bat sie, die Zigarette auszumachen. Daraufhin wurde er als «Scheiß Deutscher» beschimpft und bespuckt. Als der 76-Jährige an der Endhaltestelle ausstieg, folgten ihm die beiden jungen Männer. Sie griffen ihn von hinten an, schlugen und traten auf den am Boden liegenden 76-Jährigen ein. Der Mann erlitt dabei Schädelfrakturen mit Einblutungen in das Gehirn. Die Täter flüchteten mit seinem Rucksack. Eine Überwachungskamera in dem U-Bahnhof hatte den Überfall aufgezeichnet. Die Polizei veröffentlichte das Video über die Medien, doch es meldete sich kein einziger Zeuge. (ddp auf 4you.de, 23.12.)

Überfall auf Türken in Bus bei Heidelberg
Ein 29 Jahre alter Mann ist am 6.12. in Sandhausen bei Heidelberg Opfer eines fremdenfeindlichen Übergriffs geworden. Dies teilte die Polizei am Freitag mit. Der 29-jährige Deutsche türkischer Abstammung sei am Donnerstag im Bus von mehreren Männern im Alter zwischen 16 und 38 Jahren angegriffen worden. Das Opfer erlitt Prellungen. Die alkoholisierten Männer setzten sich zu dem Mann in den hinteren Teil des Busses, provozierten ihn und skandierten rechte Parolen, wie die Polizei berichtete. Als der 29-Jährige weiter nach vorne zum Busfahrer gehen wollte, attackierten die Männer ihn und schlugen mit den Fäusten auf ihn ein; während sich der Mann zum Busfahrer retten konnte flüchteten die Täter, wie die Polizei mitteilte. Später wurden sechs Männer festgenommen. Nach einer Person, die möglicherweise auch an der Gewalttat beteiligt war, werde noch gefahndet. Den ersten Erkenntnissen zufolge seien alle der rechten Szene zuzuordnen.
(AP bei PR-inside, 8.12.2007)

Dresden: Gewalt vor Uni-Vortrag
Am 5.12.2007 fand an der Technischen Universität Dresden eine Veranstaltung zum Thema "Rechtsextremismus - Was bringen Verbote". Im Vorfeld der Veranstaltung wurde eine junge Frau von Rechtsextremen ins Gesicht geschlagen. Während der Veranstaltung drangen 40 Neonazis in den Vortragsraum ein, ließen sich nur mit Polizeigewalt vom Hausrecht der Veranstalter überzeugen und zogen im Anschluss laut skandieren um den Saal, so dass die Veranstaltung erhelblich gestört wurde (redok, 06.12.2007)

Potsdam: 30-jähriger Mann aus Sri Lanka angegriffen
Ein 30-jähriger Mann aus Sri Lanka ist am 4.12. in Potsdam von vier Männern angegriffen und leicht verletzt worden. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen", sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Das Opfer sei zudem wenige Stunden zuvor von einem der Tatverdächtigen an seinem Arbeitsplatz im Sterncenter mit den Worten "Scheiß Ausländer" beleidigt worden. Die Fahndung nach den Tätern blieb zunächst erfolglos. Der Mann aus Sri Lanka hatte die Polizei am Mittwochabend über den Vorfall auf der Brücke über die Nuthestraße am Sterncenter informiert. (Morgenpost, 6.12.)

Ludwigshafen: 43-Jährigen Mann aus Eritrea geschlagen
Am Abend ees 4.12. ist es in einer Gaststätte in der Goethestraße (Stadtteil Nord) zu einer Schlägerei mit drei Beteiligten gekommen. Um 22.37 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein. Dabei ist einen 43-Jährigen aus Eritrea geschlagen und getreten worden. Als die Beamten eintrafen, fanden sie neben der Konzessionsinhaberin und weiteren Familienangehörigen einen 43-jährigen in Eritrea geborenen und in Ludwigshafen wohnenden Mann an, der bei der vorausgegangenen Schlägerei unter anderem eine Platzwunde über einem Auge erlitten hatte. Er konnte nur mitteilen, dass er in der Gaststätte von zwei unbekannten Männern mehrfach mit der Faust grundlos ins Gesicht geschlagen worden sei, was eine Zeugin auch bestätigte. Zudem hätten diese auf ihn eingetreten, als er am Boden gelegen habe. Beide Täter seien dann vor Eintreffen der Polizei geflüchtet. Einer weiteren Zeugenaussage zufolge habe der jüngere Täter geäußert, dass er rassistisch sei und solche Menschen auch wegen ihrer Hautfarbe hassen würde. (morgenweb.de, 7.12.)

Magdeburg: Gewalt gegen Afrikaner und Iraker
Bei einem Überfall wurden eine schwangere Irakerin und zwei Afrikaner geschlagen. Bei einer der Auseinandersetzungen erlitt auch ein Polizist Verletzungen, der zwei mutmaßliche Täter festgehalten hatte. In einem Nachtbus hatten mehrere Deutsche die Iraker gewalttätig angegriffen und massiv beleidigt. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest, setzte sie dann aber wieder auf freien Fuß. Die Iraker, die schwangere 20-jährige mit ihrem Kleinkind, eine weitere 25 Jahre alte Frau und drei Männer im Alter von 18, 31 und 40 Jahren, waren bereits beim Einsteigen in den Bus verbal angegriffen worden. Unter den Deutschen waren laut Polizei zwei Frauen im Alter von 26 und 27 Jahren sowie drei Männer im Alter von 20, 28 und 30 Jahren. An einer Haltestelle habe dann ein Deutscher die Irakerin aufgefordert, Platz zu machen und ihr zugleich ins Gesicht geschlagen. Ein zweiter habe sie von hinten gegen den Kinderwagen gestoßen. Bei dem zweiten Vorfall waren drei 25, 27 und 38 Jahre alte Männer und eine 23-jährige Frau aus dem Niger von drei bislang unbekannten Männern vermutlich deutscher Nationalität angerempelt worden. Als der 38-jährige Afrikaner die Deutschen zur Rede stellte, wurden er und seine Begleiter mit fremdenfeindlichen Parolen beschimpft. Daraus entwickelte sich eine Schlägerei, bei der zwei Afrikaner verletzt wurden. (Tsp, 2.12 >klick)

Zusammengestellt von Silke Dürrhauer, Doreen Karger, Holger Kulick, Simone Rafael, Dominik Schenkel, Madeleine Warsitz.

Helfen Sie den Opfern rechtsextremer Gewalt!
Spenden Sie für den Opferfonds Cura
www.opferfonds-cura.de

03.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.antifa