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Chronik rechtsextremer Gewalt 2007
- Quelle
- http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007/
Auf der Website gibt es zahlreiche Links zu Presseartikeln, die ich hier nicht eingefügt habe.)
Die nachfolgende Aufstellung wird ständig aktualisiert. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern vermittelt nur einen aktuellen Ausschnitt über öffentlich gemeldete rechtsextreme Gewalttaten. Die Chronik stützt sich auf der Redaktion vorliegenden Pressemeldungen und Berichte von Opferberatungsstellen, Polizeidienststellen, Leserinnen und Lesern u.a.m.
November 2007
Boizenburg: Angriff auf Türken
Ein 32-jähriger kurdischer Türke ist in Boizenburg (Landkreis
Ludwigslust) offenbar von mehreren Männern angegriffen und dabei verletzt
worden. Nach ersten Ermittlungen beschimpften die vier oder fünf jungen
Männer den Asylbewerber am Abend des 25.11.zunächst. Dann schlugen sie
auf ihn ein, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Der Mann erlitt
dabei Prellungen und musste ärztlich behandelt werden. Duie Tat
schilderte er so: Aggressiv fragte ihn jemand aus einer Gruppe, die vor
dem Bahnhof stand, ob er Ausländer sei. Als er bejahte, schlugen fünf
Männer mit Fäusten, Flaschen und Bierdosen auf ihn ein. Der blutende Mann
versuchte, sich in einen Kiosk in der Nähe vom Bahnhof zu retten. Die
Frau, die dort arbeitete, hatte ihn vor dem Übergriff auch gefragt, ob er
Ausländer sei. Darauf hatte er nicht geantwortet. Jetzt, wo er sich vor
den prügelnden Rassisten retten wollte, verwehrte ihm die Frau den
Zutritt in den Kiosk. Dieser Vorgang animierte noch mehr von den
ausländerfeindlichen Schlägern, auf den Kurden einzuprügeln. Ungefähr 20
Rassisten misshandelten ihn, ohne dass irgendjemand zur Hilfe kam.
Schließlich gelang es ihm zu fliehen. Das Opfer erstattete erst am
Mittwoch Anzeige. (NDR. 30.11. 2007)
Berlin: Zwei rassistische Übergriffe in Karlshorst
In Berlin-Karlshorst haben am frühen Morgen des 25.11.2007 in der Straßenbahn etwa zehn junge Männer eine Frau mit dunkler Hautfarbe angegriffen. Die Männer fühlten sich von der jungen Frau zu intensiv angeschaut und fingen deshalb an, sie zu beschimpfen. Die Frau warf einen Kasten Bier der Männer zu Boden. Daraufhin traten ihr zwei der Unbekannten gegen das Knie und beleidigten sie rassistisch. (Berliner Zeitung, 26.11.2007) Ebenfalls am 25.11.2007 und ebenfalls in Karlshorst beleidigte im Flur eines Hauses ein 40-jäh=riger Mann einen 19-Jährigen wegen dessen dunkler Hautfarbe. Zeugen alarmierten die Polizei. Gegen den Täter wird wegen Beleidigung ermittelt. (Jungle World, 07.12.2007)
Magdeburg: Fehlende Hilfe in der Straßenbahn
Am 25.11. kam es in einer Straßenbahn und an einer Straßenbahnhaltestelle zu einem rassistischen Übergriff in Magdeburg. Ein betrunkener Rechtsextremer pöbelte in der Bahn ein schwarzes Paar rassistisch an. Als dieses ausstieg, folgte der Rechtsextreme ihnen und schlug den Mann ins Gesicht. Eine Zeugin bat den Straßenbahnfahrer und zwei weitere Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, die Polizei zu rufen. Diese quittierten die Bitte mit: "Warum?" (Volksstimme, 29.11.2007)
Halberstadt: Nase gebrochen
Rechtsextreme Jugendliche überfallen in der Nacht zum 25.11. in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) einen jungen Mann und brechen ihm die Nase. Die Polizei nimmt vier Männer fest, die der rechten Szene angehören sollen. (Frankfurter Rundschau, 29.11.2007)
Brandenburg / Berlin: Überall Hakenkreuze
Nach Bekanntwerden des brutalen Übergriffs Anfang November in Mittweida, bei dem einer 17-jährigen ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt wurde, malen am 24.11.2007 im brandenburgischen Groß Kreutz nach Angaben der Polizei Unbekannte einem betrunkenen 15-Jährigen ein Hakenkreuz mit einem Filzstift in den Nacken. In Berlin ritzten Unbekannte an mindestens zwölf Autos Hakenkreuze in den Lack von Motorhauben und Heckklappen. (Berliner Morgenpost, 26.11.2007)
Berlin: Rumänen angegriffen
Ein 17- und ein 22-Jährigen Rumäne waren am Abend des 20.11.2007 in Berlin-Neukölnn unterwegs. Der betrunkene, seinem Äußeren nach der rechten Szene zugehörige Mann warf dem Jüngeren eine Bierflasche in den Rücken, bedrohte beide mit einem Messer und beschimpfte sie ausländerfeindlich. (Tagesspiegel, 21.11.2007)
Berlin: 2 x Antisemitismus in einer Nacht
In der Nacht zum Dienstag, den 20.11.2007, haben Unbekannte das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin-Mitte mit antisemitischen Schriftzügen beschmiert. In Berlin-Karlshorst wurden zwei in den Gehweg eingelassene "Stolpersteine" beschmiert, die an von den Nazis ermordete Menschen erinnern. (Tagesspiegel, 21.11.2007)
Eisenhüttenstadt: Grabsteine des jüdischen Friedhofs beschädigt
Wie die Polizei am 19.?November bekannt gab, beschädigten unbekannte Täter zwei Mal in wenigen Tagen den jüdischen Friedhof in Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Insgesamt wurden sechs Grabsteine auf dem Gelände im Stadtteil Fürs=tenberg umgeworfen. (Jungle World, 29.11.2007)
Gardelegen: 15 Neonazis überfalle Jugendliche
In Gardelegen (Sachsen-Anhalt) überfallen am 17. 11. etwa 15 vermummte Neonazis nachts eine Gruppe Jugendlicher und verletzen drei von ihnen. (Frankfurter Rundschau, 29.11.2007)
Dortmund: Bewaffneter Angriff auf Gaststätte
In der Nacht zum 17.?November griffen rund 30 Neonazis eine Gaststätte in der Innen=stadt von Dortmund (Nord=rhein-West=falen) an, die von vielen Migranten besucht wird. Die Neonazis trugen Schlagstöcke, Pflastersteine, Pfefferspray und eine Schusswaffe bei sich und grölten Ausdrücke wie »Scheißtürken« oder »Scheißausländer«. Die Täter warfen die Schaufenster=scheiben ein und drängten an den Türstehern vorbei in das Lokal. Sie bedrohten eine Person mit der Schuss=waffe und verletzten sie mit Pfefferspray. Als die Polizei eintraf, flüchteten sie. Fünf Personen im Alter von 19 bis 21 Jahren konnten festgenommen werden. (Jungle World, 29.11.2007)
Nordwalde (NRW): Versuchter Brandanschlag auf Asylbewerberheim
In der Nacht zum Dienstag, den 13.11.2007, hören Bewohner eines Wohncontainers für Asylbewerber in Nordwalde (Kreis Steinfurt) gegen Mitternacht zwei dumpfe Schläge gegen die Containerwand. Als sie nachsehen, finden sie zwei Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit, die unbekannte Täter gegen die Wand geschleudert hatten. Das entstandene Feuer konnte durch die Bewohner gelöscht werden. Noch in der Nacht wurden zwei Verdächtige (19 und 22 Jahre alt) vorläufig festgenommen. (Polizeistelle Steinfurt)
Leverkusen: Übergriffe nach Antifa-Demo
Am 09.11. gab es nach einer Antifa-Demo in Leverkusen eine regelrechte Hetzjagd durch Rechtsextreme auf linke Demonstranten. Rund 20 Neonazis griffen eine Gruppe der Antifaschisten am Bahnhof an, als diese den Heimweg antreten wollten. Eine 24-jährige Frau wurde von einer mit Sand gefüllten Flasche getroffen und trug schwere Gesichtsverletzungen davon, wegen denen sie vier Tage im Krankenhaus behandelt werden musste. Später am Tag kam es zu weiteren Attacken von Neonazis. Zwei Stunden später wurden drei Linke von Neonazis zu Boden gerissen, verprügelt und getreten. Später wurden zwei Jugendliche in derselben Straße ins Gesicht geschlagen. (Junge Welt, 14.11.2007)
Magdeburg: "Du blöder Ausländer"
Ein Deutscher libanesischer Herkunft wird am 07.11. in Magedburg nachmittags von den Insassen eines Autos an einer roten Ampel beleidigt. Der Beschimpfte steigt aus seinem Auto, wird aber sofort angegriffen, auf den Boden geworfen, gewürgt und mit dem Kopf aufs Pflaster gehauen. Der Mann ruft: "Du blöder Ausländer, verpiss dich." (Frankfurter Rundschau, 29.11.2007)
Hamburg: Gedenktafel von jüdischem Friedhof entfernt
Am 5. November wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg-Harburg von einer Schülerin entdeckt, dass eine Gedenktafel aus der Verankerung gerissen und entfernt worden ist. Die Bronzetafel erinnerte seit dem Jahr 1992 an die Zerstörung der ehemaligen Leichenhalle am 10.?November 1938. (Jungle World, 15.11.2007)
Berlin-Prenzlauer Berg: Kioskbetreiber antisemitisch und rassistisch angegriffen
In Berlin Prenzlauer Berg randalierten am 4. November zwei 32-Jährige aus Pankow in einem Kiosk. Sie fragten den Inhaber des Geschäfts, ob er Jude sei, rauchten und mixten sich Drinks. Als der 36jährige Kiosk=betreiber protestierte, bedrohten sie ihn mit einem Elektroschocker, kippten Regale um und bewarfen ihn mit Flaschen und anderen Gegenständen. Sie grölten rechtsextreme Parolen und zeigten den »Hitler=gruß«. Der Angegriffene flüchtete in einen Lager=raum. (Jungle World, 15.11.2007)
Mittweida: Hakenkreuz in Hüfte geschnitten
Am 03.11.2007 sieht eine 17-Jährige in Mittweida (Sachsen), wie vier Rechtsextreme ein 6-jähriges Mädchen herumschubsen, dass schon laut weint. Als die Jugendliche dazwischen geht und die Männer zum Aufhören auffordert, halten drei die 17-Jährige fest, während der vierte ihr ein 5 cm großes Hakenkreuz in die Haut im Hüftbereich ritzt. Auch ihre Wange versucht er zu verletzen, was aber an der Gegenwehr des Opfers scheitert. Sowohl das Kind als auch die Jugendliche können dann flüchten. Obwohl das Opfer Menschen auf den umliegenden Balkonen gesehen hat, melden sich keine Zeugen bei der Polizei (www.polizei.sachsen.de/pd_ce/5896.htm)
Gießen (Hessen): Jüdischer Küster angegriffen
Ein Mann hat den jü=dischen Küster der evangelischen Gemeinde im Gießener Stadtteil Kleinlinden (Hessen) am 3.?November mit den Worten »Judenschwein, raus aus Deutsch=land« beschimpft und auf ihn eingeschlagen. Der Küster wurde verletzt und musste im Universitätsklinikum behandelt werden. Nach Informationen des Gießener Anzeigers wurde er nicht zum ers=ten Mal angegangen. Es soll auch eine Mord=drohung gegeben haben. Bereits Mitte Oktober hatte der Mann Anzeige erstattet. Der Pfarrer der Gemeinde erklärte dem Gießener Anzeiger, es handele sich »um das Problem einer Person und nicht einer Gruppe oder irgendeiner Bewegung«. Ein Streit zwischen Nachbarn sei vorausgegangen. (Jungle World, 15.11.2007)
Ribnitz-Damgarten: Grabsteine beschmiert
Wie am 08. November entdeckt wurde, haben Unbekannte den jüdischen Friedhof in Ribnitz-Damgarten (Kreis Nordvorpommern) geschändet. Auf Grabsteinen und einer Friedhofsmauer mit Gedenktafel fanden sich Hakenkreuz-Schmierereien in blauer Farbe. Auch einige Urnengrabstellen wurden beschädigt. (ddp, 10.11.2007)
Potsdam: Brite geschlagen
In den frühen Morgenstunden des 3.?November fragten drei Männer in der Innenstadt von Potsdam (Brandenburg) einen 20jährigen Briten und seinen Begleiter nach ihrer Herkunft. Als der Brite auf Englisch antwortete, stieß ihm einer der der Männer den Ellenbogen ins Gesicht. Drei verdächtige Potsdamer im Alter von 26, 25 und 19 Jahren wurden vorübergehend festgenommen. Der 26jährige Hauptverdächtige ist der Polizei u.a. wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole bekannt. (Jungle World, 15.11.2007)
Schönwalde: Anschlag auf Haus von Linke-Politikerin
Am 01.11.2007 brachten mindestens drei vermutlich rechtsradikale Täter am Einfamilienhaus der Politikerin Karin Weber (Die Linke) in Schönwalde bei Lübben ein Plakat an mit der Aufschrift "Halbe ist bunt? Taten statt Worte". Dann bewarfen sie das Haus mit Farbbeuteln. Die Abgeordnete gehört zu den Initiatoren eines Aktionsbündnisses, das unter dem Motto "Halbe ist bunt und nicht braun" den Widerstand gegen Heldengedenken und Naziaufmärsche in Halbe organisiert. (Berliner Zeitung, 02.11.2007)
Zusammengestellt von Silke Dürrhauer, Doreen Karger, Holger Kulick, Simone Rafael, Dominik Schenkel, Madeleine Warsitz.
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www.opferfonds-cura.de
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