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Chronik rechtsextremer Gewalt 2007 (Oktober)

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007

Quelle
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007/ Auf der Website gibt es zahlreiche Links zu Presseartikeln, die ich hier nicht eingefügt habe.)

Die nachfolgende Aufstellung wird ständig aktualisiert. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern vermittelt nur einen aktuellen Ausschnitt über öffentlich gemeldete rechtsextreme Gewalttaten. Die Chronik stützt sich auf der Redaktion vorliegenden Pressemeldungen und Berichte von Opferberatungsstellen, Polizeidienststellen, Leserinnen und Lesern u.a.m.

Oktober 2007

Sachsen-Anhalt: Rassistischer Achtjähriger bedroht Ladenbesitzer Wie die Polizei in Stendal am 31.?Oktober mitteilte, hat ein achtjähriger Junge in Osterburg (Sachsen-Anhalt) den vietnamesischen Besitzer eines Ladens wiederholt auf rassistische Art beleidigt und einen Angriff auf ihn provoziert. Als der Mann dem Jungen wegen der Beleidigungen verbot, sein Geschäft zu betreten, sagte der dem Freund seiner Schwester Bescheid. Der 22-Jährige, der nach Informationen der Polizei der rechtsextremen Szene zuzurechnen ist, stürmte den Laden, packte den Inhaber am Kragen und beleidigte ihn. Eine Zeugin griff ein. Der Tatverdächtige, der ein T-Shirt mit aufgedrucktem Hakenkreuz trug, wurde kurz darauf festgenommen. (Jungle World, 08.11.2007)

Schleswig-Hostein: 19-Jähriger an Tankstelle zusammengeschlagen Sieben Rechtsextreme - sechs Männer und eine Frau - schlugen in der Nacht zum 30.?Oktober in Lübeck (Schleswig-Holstein) einen 19jährigen Afrikaner an einer Tankstelle zusammen. Nachdem die Gruppe den jungen Mann umringt hatte, trat ein 28-jähriger Deutscher ihm unvermittelt mit dem Fuß gegen den Kopf und schlug ihm einen Zahn aus. Der Angegriffene erlitt auch Prellungen im Gesicht. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen kurz darauf in seiner Wohnung fest. Nach Polizeiangaben deuten sein Erscheinungsbild und die Einrichtung seiner Wohnung auf einen rechtsextremen Hintergrund des Angriffs hin. (Jungle World, 08.11.2007)

Abstatt bei Heilbronn: Brandsatz auf Türken
Mit einem Molotow-Cocktail haben Rechtsradikale in der Nacht zum Sonntag, den 28.10., eine Gruppe mit zumeist türkischstämmigen Menschen in Abstatt-Happenbach attackiert. Der Brandsatz zerschellte zehn Meter vor den Angegriffenen. Laut Polizei kennen sich die Kontrahenten und es habe sich um eine "persönliche Auseinandersetzung" gehandelt. Gleich zwei Mal hatten drei bis vier Personen, die laut Pressebericht dem rechtsradikalen Milieu zuzuordnen sind, in der Nacht das Haus einer türkischen Familie im kleinen Abstatter Teilort aufgesucht. Angeblich wollten sie mit einem der Hausbewohner sprechen. Noch bevor die von der Familie herbeigerufene Polizei eintraf, war die Gruppe verschwunden. Kurze Zeit später jedoch kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien. Als das Trio = ein 32 Jahre alter Deutscher und zwei türkischstämmige Personen (18 und 42 Jahre alt) = auf die Gegenpartei zuging, zündete ein 18-Jähriger den selbstgebastelten Molotow-Cocktail an und warf ihn in Richtung der sich nähernden Menschen. Etwa zehn Meter vor diesen zerschellte die Flasche, der Brandbeschleuniger entzündete sich. Der Mann aus dem südlichen Landkreis Heilbronn =zugegeben haben, zur rechtsradikalen Szene zu gehören =(Heilbronner Stimme, 29.10. >klick und >klick)

Neue Welle rechtsextremer Gewalt in Sachsen-Anhalt. In Magdeburg rettete ein 24-jähriger einen Mann aus Sierra Leone vor prügelnden Neonazis. In Sachsen-Anhalt ist es am Wochenende zu mindestens vier rechtsextremen Übergriffen und Zwischenfällen gekommen. Rechtsextreme verprügelten in Velsdorf im Bördekreis einen Spätaussiedler und in Bitterfeld-Wolfen traten fünf bis acht Rechtsextreme zwei jugendliche Punker. Die Opfer erlitten erhebliche Verletzungen am Kopf und an der Schulter. Die Täter flüchteten. In Gardelegen schwenkten zwei Männer eine Hakenkreuzfahne. In Magdeburg war ein 24-jähriger Elbestädter am Sonnabend gegen 13. 30 Uhr mit seinem Auto auf dem Moritzplatz unterwegs, als er sah, wie ein Schwarzafrikaner von zwei Männer bedroht und geschlagen wurde. Der Zeuge sprang sofort aus seinem Auto und griff ein. Er versuchte, die Täter von dem Mann aus Sierra Leone wegzuziehen, und verständigte per Handy die Polizei. Als die beiden Täter flüchteten, nahmen der Elbestädter und das leicht verletzte Opfer die Verfolgung auf. Die Polizei konnte dank ihrer Hinweise die Schläger festnehmen. Bei ihnen handelt es sich um zwei wegen anderer Delikte polizeibekannte 18- und 19-jährige Magdeburger. Die Männer hatten den Afrikaner bereits vor dem Eingreifen des Zeugen geschlagen sowie das Opfer nach einer ersten Flucht eingeholt und erneut angegriffen. (mz-web, 29.10. >klick, volksstimme.de, 29.10. >klick)

Fremdenfeindlicher Überfall in Lübeck
Bei einem fremdenfeindlichen Angriff in Lübeck ist ein junger Afrikaner am Samstagabend von einer Gruppe vermutlich Rechtsradikaler überfallen worden. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, näherten sich sechs Männer und eine Frau im Alter von 25 bis 35 Jahren dem Opfer an einer Tankstelle, teilte die Polizei. Dann versetzte einer der Männer dem 19-jährigen Schwarzen einen Fußtritt zum Kopf. Dem Lübecker wurde ein Zahn ausgebrochen, er erlitt eine Schwellung im Gesicht. Eine aufmerksame Zeugin wählte den Notruf. Als Beamte eintrafen, war die Gruppe in die Wohnung des polizeibekannten Angreifers geflohen. Die sechs Männer kamen über Nacht in Gewahrsam.(welt.de, 28.10. >klick)

Berlin: Frau mit schwarzem Kleinkind angepöbelt
Am 24.?Oktober wurde in Berlin-Lichtenberg eine 23-jährige Frau, die mit ihrem 18 Monate alten schwarzen Sohn in der Weitlingstraße unterwegs war, von einem Unbekannten rassistisch angepöbelt. Die Polizei rechnet den Täter wegen seiner Kleidung der rechtsextremen Szene zu. (Jungle World, 08.11.2007)

Berlin-Spandau: Rassistischer Übergriff gegen Amerikaner
Am Abend des 19. Oktober werden in Berlin-Spandau ein schwarzer US-Amerikaner und seine Freundin angegriffen wurden. Vier Männer im Alter von 16, 17 und 19 Jahren stoßen die junge Frau zu Boden und beleidigen ihren 34-jährigen Freund laut Polizeiangaben "aufgrund seiner Hautfarbe" als "Nigger", schlagen ihn nieder, werfen mit Flaschen nach dem Paar und treten den Mann. (taz, 21.10.2007)

Pankow: Zwei Pärchen als "Zecken" beschimpft und angegriffen Am Samstag ereignete sich in Berlin-Pankow ein vermutlich rechts motivierter Übergriff. Die Opfer, zwei der linken Szene zugehörigen Pärchen, wurden auf einer Pankebrücke von einer Gruppe angepöbelt und als "Zecken" beschimpft. Daraufhin schlugen die Täter die zwei Männer zu Boden, traten auf sie ein und raubten einem der Männer das Handy. Die Opfer erlitten Gesichtsverletzungen, ihre Freundinnen blieben unverletzt. Nun ermittelt der Staatsschutz. (taz, 16.10.07, >klick)

Übergriff auf Syrier in Stendal
In Stendal (Sachsen-Anhalt) griffen am 06. Oktober mindestens vier Unbekannte einen 19jährigen Asylbewerber aus Syrien an. Sie traten und schlugen ihr Opfer, bis dieses vorübergehend das Bewusstsein verlor. Der junge Mann erlitt eine Platzwunde im Gesicht. Außerdem wurden sein Handy, Bargeld und persönliche Gegenstände gestohlen. (Jungle World, 18.10.2007)

Anzeige gegen Berliner Polizistin
Am 05. Oktober erstattete eine 21-Jährige aus Angola, die sich derzeit in Abschiebehaft in Berlin-Köpenick befindet, Anzeige gegen eine Mitarbeiterin der berliner Polizei wegen Verletzungen, Beleidigungen und Bedrohungen. (Jungle World, 18.10.2007)

Äthiopier beleidigt und ausgeraubt
Ein 40-jähriger Äthiopier wurde am 04. Oktober von vier Unbekannten in Berlin-Schöneberg überfallen. Die zwischen 16 und 20 Jahre alten Täter beleidigten ihr Opfer zunächst rassistisch, dann schlugen sie zu, traten ihn und stahlen seine Geldbörse. Die Täter stoppten erst, als Passanten dem Opfer zu Hilfe kamen. Der Mann musste mit Verletzungen im Gesicht im Krankenhaus behandelt werden. (Jungle World, 18.10.2007)

Friedhofsschändung in Freudental
In Freudental (Baden-Württemberg) haben, wie am 02. Oktober bekannt wurde, Unbekannte die Mauer eines jüdischen Friedhofs auf einer Länge von drei Metern zum Einsturz gebracht, Grabsteine umgestoßen und Einrichtungen des Friedhofs beschädigt und mit Farbe beschmiert. Die Polizei vermutet einen "rechtsgerichteten Hintergrund". (Jungle World, 11.10.2007)

Zusammengestellt von Silke Dürrhauer, Doreen Karger, Holger Kulick, Simone Rafael, Dominik Schenkel, Madeleine Warsitz.

Helfen Sie den Opfern rechtsextremer Gewalt!
Spenden Sie für den Opferfonds Cura
www.opferfonds-cura.de

03.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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