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Chronik rechtsextremer Gewalt 2007 (September)

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007

Quelle
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007/ Auf der Website gibt es zahlreiche Links zu Presseartikeln, die ich hier nicht eingefügt habe.)

Die nachfolgende Aufstellung wird ständig aktualisiert. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern vermittelt nur einen aktuellen Ausschnitt über öffentlich gemeldete rechtsextreme Gewalttaten. Die Chronik stützt sich auf der Redaktion vorliegenden Pressemeldungen und Berichte von Opferberatungsstellen, Polizeidienststellen, Leserinnen und Lesern u.a.m.

September 2007

Erste Festnahmen. 10 bis 15 Jugendliche überfielen Griechen in Berlin Eine Gruppe von 10 bis 15 Jugendlichen hat am frühen Samstagmorgen /(29.09.) drei Griechen an einer Tankstelle in Berlin- Pankow angegriffen und verletzt. Nach Angaben der Polizei riefen die Täter bei ihrem Angriff möglicherweise fremdenfeindliche Parolen. Die beiden 28 und 27 Jahre alten Männer und eine 25 Jahre alte Frau wurden im Krankenhaus ambulant behandelt. Im Lauf des Samstags wurden 12 Verdächtige verhaftet, alle zwischen 17 und 21 Jahre alt. Vier Haftbefehle wurden erlassen. (tagesspiegel, 1.10. >klick, 30.9. >klick, stern.de, 29.9. >klick, Morgenpost >klick)

Berlin-Marzahn: Rechtsextremer Übergriff mit Reizgas
In der Marzahner Raoul-Wallenberg-Straße wird am Sonnabend gegen 5 Uhr ein 25-jähriger Mann am Kopf verletzt. Das Opfer ist mit drei weiteren Männern unterwegs, als es auf den 20-jährigen Täter und dessen drei Begleiter trifft. Nach anfänglichen verbalen Streitigkeiten schlägt der Tatverdächtige dem 25 Jahre alten Berliner mit einem Schlagring auf den Kopf und fügt ihm mehrere Platzwunden zu. Der Täter, der wie seine Begleiter dem Äußeren nach der "rechten Szene" angehört, versucht zu flüchten, kann aber von dem Geschädigten und einem Zeugen festgehalten werden. Der Täter setzt dabei gegen die beiden Männer Reizgas ein und verletzt sie im Augenbereich. (Reach Out Berlin, 29.09.2007)

Berlin-Friedrichshain: Rassistische Angriffe in "Hexe" und "Irrenhaus" Am Freitagabend, dem 28.09.2007, werden in der Libauerstraße Ecke Kopernikusstraße Jugendliche von Nazis rassistisch beleidigt und geschlagen. Einer der Jugendlichen erhält einen Schlag auf das Auge. Nachdem Passanten sich einmischen, flüchten die Angreifer in die Kneipe "Zur Hexe". Die Polizei nimmt einen der Angreifer fest. In derselben Nacht wir in Berlin-Friedrichshain ein Gruppe Jugendlicher in der Kneipe "Irrenhaus" (Markgrafendamm Ecke Stralauer Allee) von mehreren Stammgästen rassistisch beleidigt und angegriffen. Ein Mann wird durch den Hund der Angreifer so stark verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden muss. (Reach Out Berlin, 28.09.2007)

"Scheiß Ausländer" im Einkaufszentrum
In einem Einkaufs=zentrum in Brandenburg an der Havel (Brandenburg) beschimpften am 26. September mehrere Personen einen Algerier und einen Tunesier unter anderem mit den Worten »Scheiß Ausländer«. Ein 26jähriger Brandenburger steht unter Verdacht. Die Polizei sucht Zeugen des Vorfalls. (Jungle World, 11.10.2007)

Oberlungwitz: Punk angegriffen
In der Ausbildungstätte "Gafug" in Oberlungwitz (Sachsen) haben am 24. September mehrere mutmaßlich rechtsextreme Jugendliche einen Punk beschimpft, mit Schrauben beworfen und Buttons und Aufnäher von seinem Rucksack abgerissen. Die vom Betroffenen informierte Polizei nahm die Personalien der Täter auf und durchsuchte diese. Anzeige wurde erstattet. Den Tätern soll nun die Kündigung drohen. (24.09.2007, Amal)

Aken: 13-Jähriger vom Fahrrad geschlagen
Ein 13-Jähriger, der am Morgen mit dem Fahrrad zur Schule unterwegs ist, wird am 24. September in Aken (Sachsen-Anhalt) ohne ersichtlichen Grund aus einer Gruppe von fünf Maskierten heraus angegriffen. Mit einem Baseballschläger schlägt einer der Täter auf den Fahrradlenker, wodurch der Jugendliche stürzt und sich die Rippen verletzt. Die Brille, die er beim Sturz verliert wird von dem Angreifer zertreten. Die fünf Täter trugen Sturmhauben und gehören augenscheinlich zur rechten Szene. (Mobile Opferberatung, 24.09.2007)

Neugersdorf: Rassismus in der Disko
Ein Besucher einer Diskothek in Neugersdorf (Sachsen) wird am 23.09. von einem Unbekannten auf der Toilette der Disko angegriffen und verletzt. Umstehende Personen sehen zu und greifen nicht ein. Der Angreifer hatte zuvor schon die Begleiterin des Mannes rassistisch beleidigt und bedrängt. (23.09.2007, Amal)

Studenten in Wismar mit Pfefferspray attackiert
In Wismar wurden in der Nacht zum 22. September mehrere 21 und 22 Jahre alte Studenten aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn angegriffen. Die unbekannten Täter brüllten zunächst "Ausländer raus", "Heil Hitler" und "Sieg Heil", dann versprühten sie Pfefferspray. Vier Studenten wurden verletzt. Auslöser: Die Studenten hatten die Angreifer auf Englisch nach dem Weg zu einer Veranstaltung in der Innenstadt gefragt. (Jungle World, 04.10.2007)

Schüler in Kalbe zusammengeschlagen
Ein weiterer Überfall rechtsgesinnter Straftäter am 21. September wird aus Kalbe gemeldet. Betroffen waren drei Schüler, Auslöser war eventuell die 16-jährige Freundin eines der Opfers, die zuvor mit einem der Täter aus der rechten Szene zusammen war. (volksstimme, 22.9. >klick)

Asylbewerber vom Fahrrad geworfen

Etwa fünf Jugendliche griffen am 20. September in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) einen 35jährigen Afrika=ner an. Sie beschimpften den Asylbewerber rassistisch und warfen ihn vom Fahrrad. Der 35jährige wurde an der Oberlippe und an der Schulter verletzt und musste ambulant behandelt werden. (Jungle World, 04.10.2007)

Angriff auf 27jährigen in Oschersleben
Ein 28-jähriger Mann ist am Mittwochabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Oschersleben (Bördekreis) von sieben Angreifern aus der rechten Szene verprügelt und beraubt worden. Der Mann wurd nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung aus seinem Auto gezerrt und geschlagen, ehe die Täter sein Handy zerstörten, ihm Kleidung vom Leib rissen, seine Geldbörse raubten und sein Auto beschädigten. Nachdem die Angreifer von ihrem Opfer abließen, schleppte es sich blutüberströmt zum örtlichen Polizeirevier. Die Polizei nahm nach dem Überfall fünf Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren fest. Alle Tatverdächtigen sind den Angaben zufolge bereits wegen anderer Gewalttaten und als Angehörige der rechtsextremen Szene bekannt. (mz-web.de, 20.9. >klick)

Übergriff auf Afrikaner in Magdeburg
Ein 41 Jahre alter Afrikaner ist am Sonntag in Magdeburg von drei Männern offenbar geschlagen und beleidigt worden. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund sei nicht auszuschließen, sagte ein Polizeisprecher. Nach seinen Angaben wurde der aus Elfenbeinküste stammende Mann mitten am Tag an einer Bushaltestelle massiv beschimpft und geschlagen. Die stark betrunkenen Tatverdächtigen aus Magdeburg im Alter von 20, 40 und 41 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Es werde geprüft, ob der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt sei.Die mutmaßlichen Täter seien jedoch nicht der rechten Szene zuzuordnen. Der Afrikaner wollte sich laut Polizei weder zum Geschehen äußern noch von einem Arzt untersuchen lassen. Der 41-Jährige sei aber wahrscheinlich verletzt worden, sagte der Sprecher. (aller-zeitung, 7.9. >klick)

Rassistische Randale an der Imbissbude
In Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) randalierte am 16. September ein 27-Jähriger vor einer asiatischen Imbissbude. Er rief ausländerfeindliche Parolen und trat gegen die Bude. Als die Polizei kam, ging er mit einer Holzlatte auf die Beamten los. (Jungle World, 27.09.2007)

"Sprich Deutsch"
In Dresden (Sachsen) wurde in der Nacht zum 15. September ein 25jähriger Student aus Brasilien von einem Unbekannten mehrfach ins Gesicht geschlagen und getreten, weil er sich mit einem Kommilitonen auf Portugiesisch unterhalten hatte. Der Täter forderte den Studenten auf, Deutsch zu sprechen, und schlug dann zu. Ein Fahrgast kam dem Opfer zu Hilfe.(Jungle World, 27.09.2007)

Brandanschlag auf Auto
Anfang September versuchten Unbekannte, das Auto des Vorsitzenden des Mainzer Ausländerbeirats, Salim Özdemir, in Brand zu setzen. Die Staatsanwaltschaft schließt einen rassistischen Hintergrund nicht aus.(Jungle World, 27.09.2007)

Afrikaner wehrten sich
Am Abend des 11. September wruden in einer Straßenbahn in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) ein 33-jähriger Nigerianer und ein 39-jähriger Liberianer von zwei jungen Männern angegriffen. Die 21 und 22 Jahre alten Angreifer beleidigten die Afrikaner rassistisch, dann versuchten sie, auf ihre Opfer einzuschlagen. Doch die Afrikaner konnten sich wehren. Die Täter konnten festgenommen werden. (Jungle World, 20.09.2007)

Bad Freienwalde (Brandenburg): An den Haaren gerissen
Auf dem Rückweg vom Altstadtfest in Bad Freienwalde wurden am 05. September mehrere Punks von einer Gruppe Rechter beschimpft, an den Haaren gerissen und getreten. (Opferperspektive Brandenburg, 05.09.2007)

Gewalt wegen Englisch
In der Nacht zum 8. September schlugen Jugendliche in Neuruppin (Brandenburg) einen 38jährigen Deutschen, weil er sich mit zwei Freunden, darunter einem Kanadier, auf Englisch unterhalten hatte. Die drei Männer befanden sich auf dem Neuen Markt, als sie von sechs Jugend=lichen beschimpft wurden. Einer von ihnen schlug dem 38jährigen ins Gesicht. Die Angegriffenen flüchteten in eine Gast=stätte und riefen die Polizei.(Jungle World, 20.09.2007)

Messerattacke auf einen Rabbiner im Frankfurt/Main
Am Abend des 7.9.2007 wurde im vornehmen Frankfurter Stadtteil Westend ein Rabbiner ein Opfer einer Messerattacke. Zunächst sprach ihn ein Mann in einer fremden Sprache an. Als der Rabbiner, der deutlich als Jude zu erkennen war, den Mann darauf ansprach, reagierte dieser mit antisemitischen Beleidigungen und einer Todesdrohung. "Scheiß-Jude, ich bringe dich um", soll er gerufen haben. Danach rammte er dem Rabbiner ein Messer in den Bauch. Dem Opfer geht es nach einer Operation besser, es muss aber noch für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. (Frankfurter Rundschau online, 10.9.2007, >klick)

Aus Rassismus Pass beschädigt
Einem Schwarzen fiel am Abend des 05. September in Wittenberg (Brandenburg) sein Pass aus der Brusttasche, als er sich bückte, um seine Schnürsenkel zu binden. Da beschimpften ihn zwei Männer plötzlich mit "Ausländer raus". Einer von ihnen trat mit dem Fuß auf den Pass, riss zwei Seiten heraus und warf das Dokument in eine Pfütze. (Jungle World, 20.09.2007)

Ausländische Studenten überfallen
In Köthen (Sachsen-Anhalt) wurden am 02. September aus einem Auto heraus gegen 21 Uhr zwei ausländische Studenten überfallen worden, die Polizei sucht noch Zeugen. (mz-web.de, 21.9. >klick)

Kein Döner umsonst - Prügel
In Eisenach (Thüringen) schlug in der Nacht zum 2. September ein Unbekannter den türkischen Mitarbeiter der Diskothek "Mad" ins Gesicht und beschimpfte ihn rassistisch. Der Angreifer hatte einen Döner bestellt, wollte ihn aber nicht bezahlen. Später zerschlugen der Angreifer und ein Begleiter die Scheiben des Standes. (Jungle World, 13.09.2007)

Brutaler Angriff auf 38-Jährigen in Stuttgart

Am 01. September pöbelte ein 27-Jähriger in Stuttgart (Baden-Württemberg) aus einer vierköpfigen Gruppe einen Mann aus Sri Lanka an, aus welchem Land er komme. Als der Angesprochene antwortete, bekam er zu hören, er habe in Deutschland nichts zu suchen. Dann warf der Angreifer den 38-Jährigen zu Boden und trat ihn krankenhausreif zusammen. Erst als die Polizei dazwischenging, ließ der Deutsche von seinem Opfer ab. Er ist einschlägig polizeibekannt. (Jungle World, 13.09.2007)

Zusammengestellt von Silke Dürrhauer, Doreen Karger, Holger Kulick, Simone Rafael, Dominik Schenkel, Madeleine Warsitz.

Helfen Sie den Opfern rechtsextremer Gewalt!
Spenden Sie für den Opferfonds Cura
www.opferfonds-cura.de

03.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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