Nadeshda
Forum: cl.politik.antifa
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007 (Juni)

Chronik rechtsextremer Gewalt 2007

Quelle
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007/ Auf der Website gibt es zahlreiche Links zu Presseartikeln, die ich hier nicht eingefügt habe.)

Die nachfolgende Aufstellung wird ständig aktualisiert. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern vermittelt nur einen aktuellen Ausschnitt über öffentlich gemeldete rechtsextreme Gewalttaten. Die Chronik stützt sich auf der Redaktion vorliegenden Pressemeldungen und Berichte von Opferberatungsstellen, Polizeidienststellen, Leserinnen und Lesern u.a.m.

Juni 2007

Angriff auf Gegendemonstranten vor Rostock-Demo
Mehrere Schwerverletzte und Dutzende Verletzte gab es am 30.06.2007, als rund 100 Neonazis im Vorfeld einer NPD-Kundgebung in Rostock eine Gruppe von Gegendemonstranten überfielen. Beide Gruppen waren im selben Zug in die Hansestadt unterwegs. Auf Höhe Pölchow griffen die Rechten die etwa 70 Gegendemonstranten an. Sie versperrten die Fluchtwege im Zug und kamen von mehreren Seiten auf ihre Opfer zu. Einer drohte: "Jetzt seid ihr dran!". Scheiben wurden zerschlagen und die Gegendemonstranten einzeln aus den Waggons gezogen. Ein Kleinkind erlitt Schnittverletzungen von den Glasscherben. Zeugenberichten zufolge filmten die Neonazis den Angriff mit Handys und Digitalkameras, Polizeibeamte hätten tatenlos zugesehen und keinen der Neonazis festgenommen, so dass die Gruppe ungehindert zur NPD-Demo nach Rostock weiterfahren konnten. (Lobbi Mecklenburg-Vorpommern >klick)

SPD-Bundestagsabgeordneter bei Rostocker NPD-Demo bedroht
Am Rande der NPD-Demo am 30.06.2007 in Rostock wurden ein SPD-Bundestagsabgeordneter und seine zwei Begleiter von mehreren Neonazis umringt. Die Gruppe beleidigte und bedrohte den Politiker. Ein rasches Eintreffen der Polizei konnte Schlimmeres verhindern. (Lobbi Mecklenburg-Vorpommern >klick)

Whiskeyflasche über den Kopf geschlagen
Am 20.06.2007 attackierte ein Neonazi im bayrischen Ramersdorf einen Passanten mit Migrationshintergrund. Er beleidigte sein Opfer als "Kanake" und schlug ihm eine Whiskeyflasche über den Kopf. (Antifa München >klick)

Gedenkstellen in Cottbus verunstaltet
Nachdem es in den vergangenen Wochen in Cottbus bereits mehrere rassistisch motivierte Angriffe auf Ausländer gegeben hatte, wurden nun mehrere so genannte Stolpersteine aus dem Erinnerungsprojekt eines Kölner Künstlers und die Stele zum Gedenken an den jüdischen Friedhof wurden mit roter Farbe übermalt. Die Stele war bereits zum siebten Mal Anschlagsziel (Märkische Allgemeine Zeitung, 28.06.2007 >klick)

Rassistisch motivierte Sachbeschädigungen in Pößneck
In der Nacht zum 15. Juni kam es zu mehreren Sachbeschädigungen an Geschäften nicht-deutschstämmiger Inhaber. (Ostthüringer Zeitung, 26.06.2007 >klick)

Inder in Berlin verletzt
Bei zwei Vorfällen in Berlin wurden am 22.6.ein 24jähriger Neuköllner und ein 45jähriger Inder von Rechtsradikalen verletzt. Der 24-Jährige wurde von einem Unbekannten, der zuvor eine Frau antisemitisch beleidigt hatte, mit einem Messer bedroht und dann mit einem Auto angefahren. Der Inder wurde von einem 58jährigen Restaurantgast ohne ersichtlichen Grund geschlagen und rassistisch beschimpft. (Tageszeitung, 25.06.2007 >klick)

Schlägerei ohne ersichtlichen Grund
Am 22.06.2007 schlug ein Mann in Berlin-Wilmersdorf einen 45-jährigen Bangalen scheinbar grundlos nieder. Die Szene spielte sich vor einem Lokal in der Westfälischen Straße ab. Während des Angriffs beleidigte der 58-jährige Täter sein Opfer mit rassistischen Äußerungen. Anhand von Zuegenaussagen konnte die Polizei den Mann festnehmen. (Reachout Berlin >klick)

Fremdenfeindlicher Angriff in München
Vier Neonazis im Alter von 18 bis 22 Jahren wurden von der Münchener Polizei an einem S-Bahnhof festgenommen. Sie hatten zwei österreichische Gymnasiasten im Alter von 16 und 17 Jahren zunächst beleidigt und dann angegriffen. Als ein 28-jähriger Deutscher dunkler Hautfarbe die Jugendlichen schützen wollte, wurde auch dieser unter zeigen des Hitlergrusses angegriffen. Zwei der Angreifer wurden dem Haftrichter vorgeführt. (ad-hoc-news, 24.06.2007 >klick)

Zahlreiche rechte Aktionen am "Sonnenwendwochende" von der Polizei gestoppt In mehreren Städten Sachsen-Anhalts, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns führte die Polizei Maßnahmen gegen rechtsextreme Aktionen durch. In Neuendorf in der Altmark löste sie eine "Sonnenwendfeier" auf, da sie von dort ein erhebliches kriminalitäts- und Gewaltpotential erwartete. 68 Personen wurden des Platzes verwiesen. Daraufhin hielten etwa 35 Neonazis vor der Polizeiwache in Stendal eine nicht genehmigte Demonstration ab. Die Personalien der Teilnehmer wurden festgehalten und die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. In Wernigerode im Harz wurden 13 Neonazis in Gewahrsam genommen, die versuchten, eine linke Demonstration anzugreifen. Einer der Festgenommenen wurde bereits per Haftbefehl gesucht. In Magdeburg lösten 200 Polizeibeamte ein nicht genehmigtes und als "Geburtstagsfeier" getarntes Skinheadkonzert mit 250 rechtsradikalen Besuchern auf. Dabei kam es zu gewaltsamen Angriffen auf die Beamten. Die Personalien von allen Besuchern wurden aufgenommen. Auch in Potsdam-Mittelmark wurde ein Skinheadkonzert mit rund 80 Besuchern aufgelöst. (ad-hoc-news, 23.06.2007 >klick, >klick, pr-inside, 24.06.2007 >klick, Tageszeitung, 24.06.2007 >klick)

Schlägerei nach Sonnenwendfeier
Zwei Schüler im Alter von 16 und 17 Jahren wurden am 23.06.2007 im bayrischen Giesing von Neonazis angepöbelt und schließlich verprügelt. Die Täter kamen gerade von einer Sonnenwendfeier. Ein dunkelhäutiger 29-jähriger wollte den Jungen zu Hilfe kommen und wurde ebenfalls zusammengeschlagen. Während der Szene zeigten die Rechten den "Hitlergruß" und riefen "Heil Hitler". (stern.de >klick)

Polizisten ignorieren Bitte um Geleitschutz
In Quedlinburg wurde am 23.06.2007 eine Punkerin von einem Mann nach kurzem Gespräch mit dem Fahrrad gestoßen, beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Noch vor Ort erstattete die 19-Jährige bei den eintreffenden Polizisten Anzeige. Derweil sammelten sich um den Täter mehrere Neonazis. Die junge Frau bat die Beamten um Polizeischutz, den sie ihr nicht gewährten. Sie musste schließlich alleine an den Rechten vorbeigehen. (Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt >klick)

Antisemitische Äußerungen vor jüdischer Einrichtung
Lautstark hat ein Mann in Berlin-Schöneberg am 22.06.2007 seine judenfeindlichen Ansichten kundgetan. Ausgerechnet vor einer jüdischen Einrichtung verbreitete er seine antisemitischen Sprüche. Als eine Frau das Gebäude verließ, beschimpfte er auch sie. Ein 24-Jähriger, der der Frau helfen wollte, wurde vom Täter mit dem Auto umgefahren. (stern.de >klick)

Mit "Heil Hitler"-Schreien verfolgt
Mit lauten "Heil Hitler"-Schreien und dem Hitlergruß hat ein Grafinger Neonazi am 21.06.2007 einer Afrikanerin angst und bange gemacht. Der Rechtsextreme verfolgte die 30-Jährige und griff sie an. (Antifa München >klick)

Student in Rostock hyperventiliert nach Neonazi-Angriff
Zwei Studenten ist ihr Protest gegen einen Rostocker Neonazi-Laden zum Verhängnis geworden. Am 21.06.2007 brachten sie ihren Unmut vor dem Geschäft zum Ausdruck und wurden daraufhin von Rechtsextremen beschossen. Bei ihrer Flucht wurden sie von den Tätern verfolgt und mit Tränengas angegriffen. Einer der beiden Protestierenden konnte fliehen und sich ambulant behandeln lassen. Der andere Mann wurde einigen Neonazis zurück zum Laden geschleift, er erlitt einen Schock und hyperventilierte. Die eintreffenden Polizeibeamten verhinderten eine Eskalation der Szene. (Lobbi Mecklenburg-Vorpommern >klick)

Im Rausch mit SS-Runen beschmiert
Am 19.06.2007 wurde in Fürstenwalde ein 53-Jähriger auf einer Parkbank schlafend mit Nazi-Symbolen beschmiert. Unbekannte hatten dem halbnackten Betrunkenen SS-Runen auf den Rücken geschmiert. Der Mann musste sich ambulant behandeln lassen, weil ihm bei dem Übergriff Farbe ins Auge gelaufen war. (Opferperspektive Brandenburg >klick)

Wegen Lärms Kinder mit Waffe bedroht
Im nordrhein-westfälischen Opladen hat ein 80-jähriger Mann am 19.06.2007 drei Kinder mit einer Waffe bedroht. Er soll auch in die Luft geschossen haben. Als Begründung gab er an, er habe sich von ihrem Krach gestört gefühlt. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Seniors und fand rechtsextremes Propagandamaterial. (stern.de >klick)

Rangelei in der Münchner U-Bahn
Opfer rassistischer Beschimpfungen wurde ein 37-jähriger Äthiopier mit deutscher Staatsbürgerschaft am 17.06.2007 in der Münchner U-Bahn. Eine polizeibekannte 20-jährige Rechtsextremistin beleidigte den Mann mit volksverhetzenden Bemerkungen wie "Scheiß Nigger" und "nicht lebenswert". Daraufhin kam es zu einer Rangelei zwischen der Frau, ihrem rechtsextremen Begleiter und dem Äthiopier. Der Tat vorausgegangen war ein Treffen von rund 50 Neonazis am Heimstettener See. Dort fielen sie mit rassistischen Parolen auf. (stern.de >klick, Antifa München >klick)

Iraker mit Flaschen beworfen
Am 17.06.2007 ist während des Stadtfestes in Cottbus ein Iraker rassistisch beschimpft worden. Eine Gruppe von rund 20 Jugendlichen schlug und trat auf den 20-Jährigen ein. Als die Rechtsextremisten begonnen, mit Flaschen nach dem Mann zu werfen, flüchtete er, wurde jedoch von den Neonazis verfolgt. Im Laufe dieser Hetzjagd warfen die Jugendlichen weiter mit Flaschen nach ihrem Opfer. Es sollen weitere Besucher des Stadtfestes aus rassistischen Gründen angegriffen worden sein. (Opferperspektive Brandenburg >klick)

Gefährliche Körperverletzung in Werder
Zwei Schwarze und ein Weißer wurden am 17.06.2007 in Werder von vier Männern zunächst rassistisch beschimpft und dann zusammengeschlagen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. (Opferperspektive Brandenburg >klick)

"Hitlergruß" aus dem Auto gezeigt
In Oelsnitz wurden am 16.06.2007 drei Punker aus einem Auto heraus bedroht. Der Beifahrer zeigte den "Hitlergruß" und schrie "Heil Hitler". (Amal Sachsen >klick)

Hakenkreuze auf den Körper geschmiert
Unbekannte hatten am 15.06.2007 einem 16-Jährigen Hakenkreuze, SS-Runen, die Zahl 88 und "HIV-positiv" auf den Körper geschmiert. Nach einer offiziellen Schulabschlussfeier am Rande eines Badesees in Brandenburg/Havel wurde der Jugendliche im Wasser sitzend gefunden. Er wurde mit einer Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht. (Opferperspektive Brandenburg >klick)

Reizgas-Attacke in Cottbusser Jugendclub
Am 10.06.2007 versprühten im Sachsendorfer Jugendclub "Fragezeichen" rund 20 Personen Reizgas. Die zum Teil vermummten Täter prügelten auf die Partygäste ein. Außerdem entwendeten sie Getränke und zerstörten Teile der Einrichtung. Einzelne Schläger wurden von Zeugen als Mitglieder der örtlichen Neonazi- und Hooligan-Szene erkannt.(Opferperspektive Brandenburg >klick)

Prügel für Theatergruppe
In den frühen Morgenstunden des 09.06.2007 wurde eine Theatergruppe in Halberstadt bei der Premierenfeier ihres Stückes von rund acht Neonazis angegriffen. Fünf Personen erlitten durch Faustschläge und Fußtritte zum Teil schwere Verletzungen. Die Täter wurden erst nach Aufforderung der Opfer von den eintreffenden Polizeibeamten verfolgt, jedoch ohne Ergebnis. Lediglich die Personalien des Haupttäters, ein einschlägig vorbestrafter Rechter, nahmen die Polizisten auf. (Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt >klick)

Schläge und Tritte auf Sachsendorfer Stadtteilfest
Am 09.06.2007 wurden zwei afrikanische Flüchtlinge in Cottbus Opfer eines rechtsextremistisch motivierten Angriffs. Eine Gruppe von rund 20 Personen, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wurden, pöbelte die beiden Flüchtlinge mit rassistischen Bemerkungen an. Die Neonazis schlugen und traten auf ihre Opfer ein, so dass diese sich ambulant behandeln lassen mussten. (Opferperspektive Brandenburg >klick)

Jagd auf Jugendliche
In Bautzen wurden am 09.06.2007 zwei alternative Jugendliche von Anhängern der rechten Szene nach Verlassen ihres Zuges über den Bahnhof gejagt. Mit dem Ruf "Lasst uns Zecken schubsen" griffen die Neonazis die beiden an, einer wurde dabei in den Rücken getreten. (Amal Sachsen >klick)

Brandanschlag in Arnstadt
Auf ein alternatives Wohnprojekt in Arnstadt wurde am 03.06.2007 ein Brandanschlag verübt. Ein so genannter Molotowcocktail zerschlug eine Scheibe, ein anderer zerschellte an der Hauswand. (Mobit Thüringen >klick)

"Sturm 34"-Angehörige verhaftet
Gegen 22.40 Uhr am 01.06.2007 stellen Polizeibeamte in Rochlitz/ Mittweida im Bereich Uferstraße / Schulberg mehrere Personen fest. Drei von ihnen gehören der verbotenen Kameradschaft " Sturm 34" an. Die drei Männer (18, 19, 21) werden in Polizeigewahrsam genommen und es erfolgte die Erstattung einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz. (Amal Sachsen >klick)

Zusammengestellt von Silke Dürrhauer, Doreen Karger, Holger Kulick, Simone Rafael, Dominik Schenkel, Madeleine Warsitz.

Helfen Sie den Opfern rechtsextremer Gewalt!
Spenden Sie für den Opferfonds Cura
www.opferfonds-cura.de

01.01.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
 Zurück zur Übersicht  Kommentar schreiben  << Aktuellere Nachricht | Frühere Nachricht >>
Forum: cl.politik.antifa