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In dieser Ausgabe:
- FILMABEND "BLUE EYED"
- 6. SKANNABEAT IM HANNO
- "ES GIBT NICHTS GUTES, AUßER: MAN TUT ES"
- KONZERTE DER CHANUKKA GRUPPE NES AUS ISRAEL
- RECHTSEXTREMISMUS- WISSENSCHAFTICH UNTERSUCHT III
- UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT
- PRESSESCHAU
- | :: FILMABEND "BLUE EYED" ::
Jane Elliott, ehemalige Lehrerin aus Iowa (USA), führt seit über 30 Jahren
einen engagierten Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus in ihrer
Gesellschaft.
In Workshops teilt sie die Menschen ein in BLAUÄUGIGE und BRAUNÄUGIGE und
weist den Blauäugigen alle schlechten Eigenschaften zu, die in unseren
Gesellschaften Schwarzen, MigrantInnen, Behinderten, Schwulen, Lesben und
Frauen angehängt werden.
Sie erklärt die Braunäugigen für besser und intelligenter und stattet sie
mit Privilegien aus, die sie den Blauäugigen, die sie als schlecht,
minderwertig und dümmer abqualifiziert, nicht gewährt. Viele Weiße (vor
allem Männer) erspüren hier zum ersten Mal das Gefühl, zu denen zu gehören,
die nie gewinnen können, und so behandelt zu werden, wie die Gesellschaft
Frauen behandelt, Farbige behandelt oder Menschen, die körperlich
abweichend sind.
Innerhalb von 15 Minuten gelingt es Jane Elliott einen Mikrokosmos unserer
Gesellschaft zu kreieren mit allen Phänomenen und Gefühlen, die auch in der
Realität aufscheinen. Auch die TeilnehmerInnen, die über die das Konzept
des Workshops kennen, können sich ihrer Rolle nicht entziehen. Der Workshop
ermöglicht es den TeilnehmerInnen, die Wirkungen der
Diskriminierungsstrukturen in unseren Gesellschaften zu erkennen. Zweck des
Workshops ist es laut Jane Elliott, Menschen für diese Strukturen zu
sensiblisieren und zu verdeutlichen, daß es nicht ausreicht, nichts zu tun,
um Rassismus zu bekämpfen. "Damit Rassismus funktioniert, reicht es für die
braven Leute aus, nichts zu tun." (Jane Elliott)
Hier wird jedoch nicht moralinsauer Schuldgefühl erzeugt, sondern
verdeutlicht, welche Auswirkungen diskriminierendes Verhalten und
diskriminierende Strukturen auf die dominante und auf die diskriminierte
Gruppe hat. Mit welchen Lernerfahrungen die TeilnehmerInnen nach Hause
gehen, müssen diese selbst entscheiden. "Ich kann niemanden dazu zwingen,
sein Verhalten zu ändern. Das müssen die Leute schon selber tun. Aber ich
zeige Ihnen die Konsequenzen ihres Handelns und ich mache deutlich, wie es
ist, auf der anderen Seite zu stehen." (Jane Elliott)
Der Film über Jane Elliott und ihr Workshop-Konzept wurde von dem Münchener
Filmemacher Bertram Verhaag 1995 in den USA gedreht und zeigt Teile eines
Workshops, Teile von Präsentationen und Interviews mit Jane Elliott, die
sich nach wie vor einladen läßt, um ihren Workshop anzubieten und über ihre
Erfahrungen zu berichen.
Die Bürgerinitiative AfrEu ( www.afreu.de )und die Aktion Zivilcourage (
www.aktion-zivilcourage.de ) zeigen am Mittwoch, den 12.12.2007, um 19.30
Uhr im Uniwerk Pirna, Schmiedestr. 55, den Dokumentarfilm " Blue Eyed".
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger Pirnas und der Umgebung sind
herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
2. | :: 6. SKANNABEAT IM HANNO ::
Die SKAnnabeat- Party geht in die nächste Runde!
Am Freitag, den 14.Dezember im Hanno Pirna (Hohe Straße 1) eine der besten
SKA-partys überhaupt statt. Dabei sind "prague ska conspiracy" aus Prag und
"blossom" aus Leipzig. Einlass ist ab 21 Uhr. Richtig los gehts dann ab 22
Uhr.
Karten fürs Konzert gibts ab dem 03. Dezember im Vorverkauf beim T-Shop
auf der Breiten Straße und im AZ-Büro auf der Langen Straße 43 - für 3,99
¤ oder an der Abendkasse für 5,99 ¤.
3. | :: "ES GIBT NICHTS GUTES, AUßER: MAN TUT ES" ::
Ein Erich Kästner-Adventsnachmittag- künstlerische Lesung mit den
Schauspielern Dieter Bellmann und Astrid Höschel-Bellmann und Simone
Weißenfels am Piano.
Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton, Das fliegende Klassenzimmer -
wer kennt sie nicht, die Helden aus Erich Kästners Kinderbüchern, die heute
Klassikerstatus erlangt haben.
Wir wollen uns auf eine Zeitreise durch sein Leben begeben. Uns
interessieren seine Gedichte, Lieder, Prosatexte und Epigramme.
Geboren 1899 in der königlichen Residenzstadt Dresden, ist er Kind einer
alten, längst vergangenen Welt. Er wird Zeitzeuge zweier Weltkriege, erlebt
das Berlin der so genannten verrückten Zwanziger Jahre, die
Bücherverbrennung 1933 auf dem großen Platz neben der Staatsoper, zwölf
Jahre ist er ein verbotener Schriftsteller und bleibt dennoch in
Deutschland, nach dem Krieg gründet er in München das Kabarett. Die
Schaubude und wird nicht müde, seinen grimmigen Humor den Menschen zu
verabreichen.
Kästner hat sich den staunenden Blick des Kindes bewahrt. Der Vernunft der
Erwachsenen traut er zunehmend weniger.
Er präsentiert sich in seinen Texten als ein humorvoller, politisch-wacher
und witzig respektloser Beobachter seiner Zeit. Er bezeichnet
sich gern selbst als "Moralist".
Die Kleinkunstbühne Q24freut sich Ihnen mit Astrid Höschel-Bellmann und
Dieter Bellmann zwei namhafte Leipziger Schauspieler ankündigen zu können.
Bellmann, der auch in Pirna aufwuchs und nach über 30 Jahren
Bühnenerfahrung als Leipziger Schauspielerlegende gilt, ist auch aus der
Verfilmung des "Werner Holt" , als Regisseur und Synchronsprecher u.a. von
Alain Delon sowie als Dr. Simoni in der ARD-Fernsehserie "In aller
Freundschaft" bekannt.
Sonntag, 09.12.2007 um 16 Uhr im Q24 Pirna, Niedere Burgstr.5 (Nähe Kirche)
Tickets zu 11¤ ermäßigt / 13 ¤ im VVK (Abendkasse: 13/15 ¤) im
TouristService Pirna, Malaga, Bierpub Billys, SZ-Treffpunkt / TicketHotline:
03501/556446
4. |:: KONZERTE DER CHANUKKA GRUPPE NES AUS ISRAEL ::
Vom 6. bis zum 9. Dezember weilt die israelische Jugendgruppe "NES"
(Wunder) aus Rishon LeZion in Dresden.
Es erwartet Sie eine bunte Mischung aus klassischen und modernen ChanukkaLiedern,
sowie traditioneller und neuer jüdischer Musik...
Die Konzerte finden an folgenden Terminen statt:
Donnerstag, 6.12.2007, 19:30 Uhr, in der Aula des Romain-Rolland-Gymnasiums
(Weintraubenstraße 3 Dresden-Neustadt)
Freitag, 7.12.2007, 15:00 Uhr, Altenzentrum Schwanenhaus, Ev.-Luth.
Diakonissenanstalt Dresden (Holzhofgasse 8)
Sonntag, 9.12.2007, 20:00 Uhr, Kirche St. Michael in Dresden Bühlau
(Quohrener Straße 18)
Organisiert werden die Veranstaltungen von der Deutsch-Israelischen
Gesellschaft, AG Dresden. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Informationen und Kartenbestellungen unter Tel:0351/4604888 und
http://www.dig-dresden.de/DIG_Dresden/dig_dresden.html
5. |:: RECHTSEXTREMISMUS- WISSENSCHAFTICH UNTERSUCHT III ::
Den Bock zum Gärtner machen? Der Schutz der "Gesellschaft" vor ihren
"Extremen".
am 12. Dezember 2007 in Leipzig
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Extremismusansatz, der die
Existenz einer "demokratischen Mitte" behauptet, die sich gegen seine
"politischen Ränder", den Rechts- und den Linksextremismus, verteidigen
muss. Um unsere Kritik der Extremismustheorie herauszuarbeiten, werden
Fragen aufgeworfen die sich mit den Denkstrukturen einer Gesellschaft
beschäftigen, die sich durch die Unterscheidung von "normaler" Mitte und
Extremen selbst bejaht und redefiniert.
Zudem werden die Konsequenzen diskutiert, die die in (Kommunal-)Politik,
Medien und der Alltagswelt etablierten extremismustheoretischen Ansätze in
der politischen Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Ideologien nach
sich ziehen.
- Referenten
- Suse Feustel (M. A.), Forum für Kritische Rechtsextremismusforschung,
Stefan Kausch (Dipl.-Pol.), Forum für Kritische Rechtsextremismusforschung
In Kooperation des Wehnerwerkes Dreden mit dem Leipziger Forum für
kritische Rechtsextremismusforschung.
Der Vortrag ist öffentlich und kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht nötig.
Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr.
Veranstaltungsort: Leipzig, Feinkostgelände, Karl-Liebknecht-Str. 48.
Weitere Informationen unter: www.wehnerwerk.de
6. | :: Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Demokratie. ::
UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE ARBEIT - FÖRDERN SIE UNS
Wir sind eine gemeinnützige Initiative von Jugendlichen und Erwachsenen aus
dem Landkreis Sächsische Schweiz und deswegen auch auf Sponsoren, Förderer
und Spendengelder angewiesen - wir müssen Projektkosten, Fahrten,
Druckkosten und vieles mehr bezahlen. Falls Sie unsere Arbeit unterstützen
wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Fördern Sie uns und lassen Sie
regelmäßig eine Spende von Ihrem Bankkonto abbuchen oder überweisen Sie
eine einmalige Spende direkt auf unser Konto. Für eine regelmäßige
Förderung laden Sie bitte das Formular (PDF-Format) (http://www.aktionzivilcourage.
com/downloads/assets/spende.pdf) herunter, drucken es aus,
tragen die entsprechenden Daten ein und senden es per Post oder Fax an
unseren Verein. Für eine einmalige Spende finden Sie unsere Bankverbindung
untenstehend. Natürlich senden wir Ihnen auf Wunsch auch eine
Spendenquittung zu.
Ostsächsische Sparkasse Dresden | Kontonummer: 310 006 839 3 | BLZ: 850
503 00 | Empfänger: Aktion Zivilcourage e.V. | Zweck: "Spende"
7. | :: Presseschau ::
+++ BÜRGERMEISTER VON MITTWEIDA APPELIERT AN ZEUGEN +++
+++ WARUM WIRD ÜBER NAZIS IMMER NUR GEREDET, WENN MAL WIEDER JEMAND IM
KRANKENHAUS LIEGT? +++
+++ WEITERSUCHE NACH ZEUGEN FÜR NEONAZI-ANGRIFF +++
+++ CDU IM MINUS ABER WEITER VORN +++
+++ "ANGST SPIELT EINE GROßE ROLLE" +++
+++ AKTION GEGEN RECHTSEXTREMIST RIEGER +++
Quelle: www.freiepresse.de, 28.11.2007
16.11.2007 / Dresden/ Mittweida
BÜRGERMEISTER VON MITTWEIDA APPELIERT AN ZEUGEN
Sachsen setzt wieder auf mobile Polizeiteams gegen Neonazis
Nach dem mutmaßlichen Übergriff von vier Neonazis auf eine 17-Jährige in
Mittweida geht der Bürgermeister der Stadt in die Offensive. Stadtoberhaupt
Matthias Damm (CDU) kündigte an, sich persönlich an die Bewohner des
Viertels rund um den besagten Supermarktparkplatz zu wenden. Er appellierte
an mögliche Zeugen, sich der Polizei zur Verfügung zu stellen.
Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz kündigte an, die Mobilen
Fahndungsgruppen gegen rechte Gewalt wieder zu aktivieren. Schon ab
Dezember sollen die Teams wieder in Sachsen unterwegs sein. Die 17-Jährige,
die bei dem Übergriff von den Neonazis entstellt worden war, wurde
unterdessen bereits mit einem Preis ausgezeichnet: Das bundesweite Bündnis
für Demokratie und Toleranz sprach der jungen Frau einen Ehrenpreis zu.
Der am Freitag bekannt gewordene Fall hatte deutschlandweit für Aufsehen
gesorgt. Nach Angaben der Polizei hatten am frühen Abend des 3. November
vier Neonazis auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Mittweida zunächst
ein sechsjähriges Aussiedlermädchen angepöbelt. Als die 17-Jährige ihm dann
zu Hilfe eilte, hielten die Männer sie fest und ritzten ihr ein Hakenkreuz
in die Hüfte.
Bürgermeister Damm kündigte am Dienstag an, dass die Briefe an die Anwohner
des Supermarktes umgehend verschickt würden. Zeugen sollten sich melden,
damit der Vorfall so schnell wie möglich aufgeklärt werden könnte. "Wenn es
so wäre, dass niemand geholfen hat, wäre das für mich eine Schande", sagte
der Bürgermeister.
Polizeipräsident Merbitz lobte das Verhalten der 17-Jährigen. Er rief alle
Bürger in Sachsen zu mehr Zivilcourage auf. Justizminister Geert Mackenroth
(CDU) schloss sich dem Lob an und forderte zugleich die Bürger auf,
rechtsextreme Vorfälle zu melden. Es gebe in Deutschland mehr als 80
Millionen Mitarbeiter für Polizei und Justiz, sagte Mackenroth. Auch die
Grünen-Bundestagsabgeordnete Monika Lazar würdigte das Verhalten der jungen
Frau. Hätten auch Zeugen so beherzt eingegriffen, hätten ihr vielleicht die
üblen Verletzungen erspart bleiben können, sagte sie.
Die Mobilen Fahndungsgruppen sollen in Sachsen laut Innenministerium
bereits im Dezember starten. Geplant sind sachsenweit drei Gruppen aus je
zehn Beamten der Bereitschaftspolizei. Das Justizministerium wies zugleich
darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Zahl der eingeleiteten
Ermittlungsverfahren wegen rechtsextremistischer Straftaten im Vergleich zu
2005 um 12,4 Prozent auf 1746 gesunken sei. Wegen Gewaltdelikten wurden 75
Neonazis verurteilt.
Quelle: Der Freitag, 30.11.2007
29.11.2007 / Deutschland
WARUM WIRD ÜBER NAZIS IMMER NUR GEREDET, WENN MAL WIEDER JEMAND IM
KRANKENHAUS LIEGT?
Der Rechtsextremismusforscher Dierk Borstel über Konjunkturen der
Berichterstattung, NPD-Verbot und was sonst noch alles nicht geht.
FREITAG: Wurden Sie schon wegen Mittweida angerufen, wo einer 17-Jährigen,
die einem bedrängten Kind helfen wollte, ein Hakenkreuz in die Hüfte
geritzt wurde?
DIERK BORSTEL: Nein. In Mittweida gibt es aber auch viele Kollegen vor Ort.
Wann wurden Sie von einer Redaktion zuletzt um Auskunft gebeten?
Erst kürzlich zum NPD-Verbot, weil ich dazu etwas veröffentlicht hatte. Das
letzte Ereignis war Mügeln. Aber da war ich nicht so gut greifbar, weil im
Urlaub.
Wie läuft ein Ereignis wie Mügeln ab, wenn Sie greifbar sind?
Man hört morgens im Radio, dass irgendwo etwas passiert ist. Dann kann man
eigentlich alle Termine absagen. Die großen Sachen, also etwa:
Kameradschaft Süd plant Anschlag in München, dauern fast eine Woche. Da
fragen alle Medien, wer ist das, was soll das, was kann man tun? Nach drei,
vier Tagen nimmt das ab, und nach einer Woche ist es vergessen. Diese
ständige Wellenbewegung erleben wir jetzt seit 15 Jahren.
Keine Änderung in Sicht?
Auffallend ist, dass die Anlässe der Berichterstattung sich steigern
müssen. Früher haben relativ kleine Vorfälle gereicht, um ein mediales Echo
zu erzeugen. Heute muss es mindestens einen Toten geben, aber eine Debatte
löst das auch nicht mehr aus wie damals beim "Aufstand der Anständigen"
nach dem Mordanschlag von Düsseldorf. Terrorismus ist mit München nun
abgedeckt. Jetzt wird es langsam schwierig mit der Steigerung.
Der letzte große Aufreger war Mügeln. Woran lag das?
An dem Bild, dass eine komplette Stadtgesellschaft angeblich eine
rassistische Treibjagd veranstaltet. Allein die Vorstellung der Treibjagd
ist für Medien faszinierend. Ich würde Mügeln sehr differenziert betrachten
wollen. Eben weil da Bilder verwendet werden, die nicht immer stimmig sind:
Es handelte sich nicht um die komplette Stadtgesellschaft, und es ging
nicht nur um Rassismus. Man muss vorsichtig sein, weil viele Türen
zugeschlagen werden, bei der Frage, was daraus zu lernen ist, wenn man
sagt, da ist eine ganze Stadt rassistisch.
Nun hat der Bürgermeister in diesem Fall den Glauben ans Gegenteil nicht
unbedingt gefördert.
Den würde ich sofort als Pressesprecher engagieren (lacht). Im Ernst: Der
Bürgermeister hat in seiner Außendarstellung alles falsch gemacht, was man
falsch machen kann. Jedes Klischee bedient, in jedes Fettnäpfchen getreten,
in jedes Mikrofon gesprochen, und natürlich ist es außerordentlich
problematisch, was er von sich gegeben hat, auch welche Bilder er benutzt
hat. Ich möchte ihn nicht in Schutz nehmen, aber er wirkte auch sehr
hilflos.
Welche Bilder sind das?
Zu sagen, dass Rechtsextremismus etwas Außenstehendes sein muss, dass das
nicht Mitglieder der Gemeinde sein können oder integrierte
Persönlichkeiten. Die klassische Extremismus-Definiton. Rechtsextremismus
heißt, jenseits der Gesellschaft zu stehen. Diese Vorstellung wird genährt
durch offizielle Interpretationen, von Verfassungsschutzämtern oder
Landesregierungen. Das ist aber Unsinn, wenn man in den realen Alltag
einsteigt. Da wird man feststellen, dass Komponenten von Rechtsextremismus
sehr wohl auch in der Mitte einer Stadtgesellschaft existieren können. Was
aber wiederum nicht heißt, dass diese dann per se rechtsextrem oder
rassistisch ist. Das trifft häufig nur auf einen Teil zu. Und dann ist es
auch eine Frage, welche Wertigkeit rechtsextreme Einstellungen haben: Sind
die handlungsrelevant oder werden die nur still für sich zu Hause gepflegt?
Ich will das nicht bagatellisieren, aber es macht einen Unterschied.
Woher nehmen Sie die Skepsis, wenn Sie, wie von Mügeln, nur aus dem Radio
erfahren wie jeder andere?
Aus zehn Jahren Erfahrung. Wir sind, Ausnahmen bestätigen die Regel, immer
dahin gerufen wurden, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen war: wo ein
Tagebuch der Anne Frank verbrannt, wo jemand totgeschlagen worden ist. Das
Bild von außen ist häufig einheitlich: Diese Stadt ist rechtsextrem! Schaut
man aber genauer hin, findet man in den kleinsten Dörfern noch
demokratische Potenziale vor. Manchmal wird sich's da ein bisschen zu
einfach gemacht.
Inwieweit stören Medien dabei, weil bei denen der Raum für Differenzierung
knapp ist?
Problematisch ist für uns, dass es manchmal im kommunalen Bereich eine Art
Hofberichterstattung gibt. Da werden Probleme mitunter nicht thematisiert,
weil die Sicht von lokalen Verantwortlichen unreflektiert übernommen wird.
Gleichzeitig haben diese Medien aber eine gewisse Autorität: Wenn's in der
Zeitung steht, wird's schon stimmen. Und was nicht drin steht, gibt's dann
eben nicht. Für uns war immer wichtig, Medien zu haben, die nicht nur auf
den Skandal gucken, sondern kritisch auf die Umfelder des Skandals. Da
helfen Medien, in dem sie Probleme publik machen und Reibung erzeugen. Wir
hatten einen prominenten Journalisten, der meinte, wir hätten ein falsches
Bild von der Dominanz des Rechtsextremismus, weil wir uns zu lange damit
beschäftigt haben. Wir haben ihn eingeladen. Nach einem Tag rief er an: nix
zu sehen, Frechheit, er fühlte sich bestätigt. Nach drei Tagen saß er bei
uns im Büro und war entsetzt. Weil er mit Leuten gesprochen hatte, und zwar
nicht unbedingt mit Bürgermeister und anderen Vertretern der
Mehrheitsgesellschaft, sondern mit dem 16-jährigen Punk, dem Flüchtling im
Asylheim, der Neuntklässlerin, die sich gegen rechts engagiert. Zu sehen
war an der Oberfläche nichts. Erst als er mit den Menschen gesprochen hat,
wurde ihm klar, wie so ein kommunaler Prozess läuft. Diese Zeit nehmen sich
die wenigsten.
Ich habe auch Journalisten kennen gelernt, die froh waren, wenn sie einen
rassistischen Spruch auf Band hatten. Geschichte gerettet, Bericht wird
garantiert gesendet. Das ist dann eine Sache von journalistischer
Seriosität, ob man sich dann die zwei Minuten noch nimmt und so etwas
hinterfragt. Was ich ablehne, sind Berichterstatter, die schon
vorgefertigte Bilder haben. Das sind dann Anrufe wie: Wir brauchen Blut,
wir brauchen Skinheads und vielleicht noch eine Nazi-Demo. Am besten alles
zusammen und möglichst in einer Stunde. Da wird nur ein vorgefertigtes Bild
reproduziert. Das finde ich ausgesprochen problematisch. Das gibt's auch im
Printbereich, aber besonders anfällig dafür ist das Fernsehen.
Ein vorgefertigtest Bild schien auch Johannes B. Kerner zu haben, als er
Eva Herman bat, seine Sendung zu verlassen. Da wird nicht diskutiert, warum
der Vergleich schief ist, sondern gesagt: "Autobahn geht halt nicht", und
die Diskussion ist für ihn zu Ende. Ist das nicht ein Problem, dass so ein
Mainstream-Repräsentant da offensichtlich gar nicht mehr drüber sprechen
kann?
Ich halte überhaupt nichts von einer Tabuisierung. Autobahn geht nicht,
finde ich überdies ein bisschen banal. Ich bin der Meinung, was in den
Köpfen drin ist, das muss auch raus. Dann ist es Sache des Gegenübers, das
einzuordnen, zu hinterfragen, Brüche in der Ideologie aufzuzeigen.
Ansonsten hat es keinen Sinn. Eine Auseinandersetzung, die von vornherein
in das Korsett des Tabus gezwängt wird, ist ja keine Auseinandersetzung,
das ist dann Kasperletheater.
Aber die Angst vor dem Tabubruch merkt man jeder Wahlsendung an, bei der
die Rechten über fünf Prozent kommen: Die Politiker der demokratischen
Parteien verlassen das Feld, wenn der Rechte vors Mikro darf, und dem
Moderator kann man die Angst davor ansehen, dass der jetzt gleich
"Autobahn" sagen könnte.
Man kann sich fragen, was eine Auseinandersetzung mit Vergangenheit sein
soll, wenn es von vornherein Sachen gibt, die tabu sind. Das Problem ist,
dass es Kräfte gibt, die diese Tabus nicht im demokratischen Sinne
diskutieren wollen, sondern wie die Neue Rechte um Vergangenheit wieder zu
installieren. Aber da muss die Demokratie doch mal genug Selbstbewusstsein
haben. Demokratie heißt streiten, heißt Pluralismus zulassen, heißt
Meinungsfreiheit. Das gilt bei uns aber nur für ein ganz enges Feld, und
für die Spinner nicht. Amerikanische und britische Vorstellungen halte ich
für seriöser: Man kann Meinung eben nicht verbieten, sondern es geht darum,
dass man sich mit Meinungen auseinandersetzt. Uns fehlt eine Tradition des
Streites. Bei uns wird ein Konflikt nicht als etwas Konstruktives
betrachtet. Abweichende Meinungen werden als Infragestellung von
Persönlichkeit und nicht als Infragestellung einer Position bewertet. Das
empfinde ich als großen Mangel.
Wie könnte der behoben werden?
Man muss vorbereitet sein, etwa das Programm NPD kennen, auch mal drüber
nachgedacht haben, was da funktioniert und was nicht. Und dann kann man
sich streiten. Die NPD fährt eine Wortergreifungsstrategie. Die gehen zu
anderen Veranstaltungen, um ihre Positionen einzubringen. Das hatte ich
neulich: kommunale Veranstaltung, Thema Rechtsextremismus, Vortrag
gehalten. NPD-Mann meldet sich, sagt, alles schön und gut, Herr Borstel,
aber das eigentliche Thema hier vor Ort ist Hartz IV, abhängige
Wirtschaftsmacht, wir müssen wieder deutsche Wirtschaft aufbauen, zu
eigener Kraft und eigenen Wurzeln zurückfinden, um die Leute wieder in
Arbeit bringen. Also habe ich gesagt, reden wir darüber. Wie läuft denn so
eine schollenbezogene Wirtschaftskonstruktion? Was bedeutet es, wenn wir
aus der EU aussteigen? Wenn wir Kontakte zu Amerika, zum Weltmarkt
abbrechen? Wenn wir auf Im- und Export verzichten, sondern nur noch auf die
eigenen Rohstoffe setzen? Welche sind denn das? Das deutsche Öl? Man wird
schnell feststellen, dass die Antwort der NPD gut klingt, aber dass das
überhaupt nicht funktioniert, sondern pure Ideologie ist. Und ich glaube,
dass man denen so eher Wind aus den Segeln nimmt, als wenn ich gesagt
hätte: raus. Der NPD-Mann sprach den Leuten nach den Mund, nach einer
realen Sehnsucht, nach Arbeit, Zukunft, Perspektive - das wäre dann so
stehen geblieben. Wenn man den rausschmeißt, steht man als Verlierer da.
Oder wenn man sagt, das ist jetzt NPD, und sehen Sie, der ist geschult. Das
überzeugt ja keinen, der sagt, ich habe Hartz IV und mir reicht das nicht.
Am Ende war der NPD-Mann recht ruhig.
Trotzdem ruft die Politik immer wieder nach einem Verbot.
Dagegen wehre ich mich. Wenn man sich den Hintergrund der neuesten
Verbotsdebatte anschaut, dann geht's da um die Fleischtöpfe. Das Thema kam
auf, als in den Umfragen in Mecklenburg-Vorpommern absehbar war, dass die
NPD eine reale Chance hat, über fünf Prozent zu kommen. Das betrifft nicht
nur Gelder, sondern auch Sitze im Parlament. Es ist natürlich angenehmer,
wenn man im Landtag ohne NPD sitzt, das kann ich nachvollziehen. Aber als
Motivation für eine Verbotsdebatte, halte ich das für entschieden zu wenig.
Es gibt ein Argument dafür, die Frage der Finanzen, das finde ich auch
ansprechend, dass man rechte Strukturen nicht mit staatlichen Mitteln
fördern will. Aber das Hauptargument gegen ein NPD-Verbot scheint mir
stärker: die Formen der Auseinandersetzung - politische Bildung, Stärkung
der Zivilgesellschaft, kommunale Strategien - sind überhaupt noch nicht
ausgereizt. Man kann nicht die allerletzte Karte des Grundgesetzes ziehen,
wenn es noch gilt, das Spiel davor zu beherrschen.
Die Politik geht mit dem Problem Rechtsextremismus ja ähnlich um wie die
Medien: Das ist nie chronisch, sondern immer nur akut. Wenn irgendwas
passiert, wenn neue Zahlen vorliegen.
Ich bin kein Freund von Zahlen, obwohl die das Hauptinstrument der
Beobachtung sind. Zahlen können nie Ausdruck einer gesellschaftlichen
Realität sein. Wenn ein Innenminister die Zahlen fürs Jahr präsentiert, ist
das eine Win-Win-Situation, der muss aufpassen, dass er nicht grinst. Wenn
sie steigen, bedeutet das erhöhte Sensibilität, funktionierende Polizei.
Wenn sie sinken, ist das Problem im Bereich der Lösung. Was wir bräuchten,
wäre eine unabhängige Stelle, die über konkrete Wahrnehmung vor Ort
Klimabilder entwirft. In Ostvorpommern, wo ich arbeite, gibt es fast keine
Gewalttaten mehr. Ich wüsste auch gar nicht, wen man als Rechtsextremist da
noch angreifen sollte. Der Rechtsextremismus ist in starkem Maße präsent,
aber die Zahlen sagen, das Gebiet ist befriedet. Aber nicht durch eine
gewachsene demokratische Kultur, sondern aus Mangel an Opfern.
Das Gespräch führte Matthias Dell.
Dierk Borstel ist beim 1997 gegründeten Zentrum für demokratische Kultur
(ZDK) mit Sitz in Berlin tätig. Die staatlich unabhängige gemeinnützige
Gesellschaft arbeitet wissenschaftlich, Politik beratend und Projekt
bezogen, wie bei "Exit", wo Aussteiger aus der rechtsextremen Szene
unterstützt werden. In seiner Dissertation an der Universität Greifswald,
die im nächsten Jahr vorliegen soll, widmet sich Borstel in vergleichenden
Regionalanalysen dem Verhältnis von Rechtsextremismus und Demokratie.
Quelle: Lausitzer Rundschau, 29.11.2007
29.11.2007 / Mittweida
WEITERSUCHE NACH ZEUGEN FÜR NEONAZI-ANGRIFF
Vor dem Norma-Markt in der Lauenhainer Straße von Mittweida herrscht
gestern Mittag grauer Alltag. Ein paar Rentner gehen einkaufen, Nachbarn
halten einen Plausch. Neu sind nur die Fahndungsaufrufe mit Phantombildern,
die seit ein paar Tagen hier hängen.
Am Abend des ersten November-Samstags soll sich hier jener Angriff
zugetragen haben, der bundesweit Aufsehen erregte. Vier glatzköpfige
Neonazis sollen einer 17-Jährigen ein fünf Zentimeter großes Hakenkreuz in
die Hüfte geritzt haben. Sie war einem sechsjährigen Aussiedlerkind zu
Hilfe geeilt, das weinend von den jungen Männern herumgeschubst wurde.
Die Polizei ist von der Geschichte überzeugt. Die Aussagen der Mädchen und
die Untersuchung der Rechtsmedizin, betont eine Sprecherin, seien
eindeutig. Doch die Kripo tappt im Dunkeln. Die Stimmung bei vielen
Nachbarn wirkt betreten, manchen Anwohner beschleicht Skepsis, ob sich
wirklich alles so zugetragen hat. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass
keiner was bemerkt und niemand eingegriffen hat", sagt Anwohner Wolfgang
Liebscher. Doch das geht nicht allen so.
Dienstagabend steht Anja Zeutschel auf einer Holzbank im Hof ihrer
Hochschule und blickt in ein Meer von brennenden Kerzen. Es ist
mucksmäuschenstill auf dem Campus. 400 Menschen stehen stumm beieinander,
sie wollen gegen rechte Gewalt und für Zivilcourage demonstrieren. Sie
wollen zeigen, dass ihre Kleinstadt eben nicht das braune Nazi-Dorf ist,
als das es jetzt dargestellt wird.
Am Freitagabend hatte die 19-jährige Medienstudentin das erste Mal von dem
Übergriff gehört. Über Nacht reifte bei ihr die Idee, "dass man etwas tun
muss". Bisher hatte sie sich kaum politisch engagiert. Nun stellt sie
binnen zwei Tagen die Kundgebung auf die Beine und rennt offene Türen ein.
Bürgermeister, Rektor, Studentenrat, Bürgerbewegte und ein Kirchenmann -
sie alle wollen sprechen. "Bei diesem Überfall hat sich mal jemand in den
Weg gestellt. Das war vielleicht das Zeichen, dass die Leute gebraucht
haben", sagt Zeutschel.
Tatsächlich ist viel Bewegung in die Kleinstadt gekommen, seit die
Meldungen von dem Angriff über die Medien liefen. Seit Sonntag gibt es
täglich neue Veranstaltungen, Demos, offene Briefe, Friedensgebete, in
denen viel von "Abscheu" und "Entsetzen" die Rede ist - und dass sich
endlich Zeugen melden sollten, damit die mutmaßlichen Täter gefunden werden.
Auch Justizminister Geert Mackenroth (CDU) stellt sich gestern Abend einer
öffentlichen Debatte. Er muss zu Justizpannen bei der Verfolgung der
Mittweidaer Kameradschaft "Sturm 34" sprechen, die der Innenminister im
April verboten hatte. Seit Jahren hat es Schlägereien, Angriffe auf DönerL
äden und Provokation gegeben. Doch bei den Prozessen gegen den
Rädelsführer Tom W. passieren immer wieder peinliche Formfehler. Mackenroth
beeilt sich nun, ein paar Zahlen vorzulegen. In 54 Verfahren gegen die
Neonazi-Bande wurden 27 Anklagen erhoben, fünf Geldstrafen verhängt und
drei Urteile gesprochen. Außerdem soll Anfang 2008 am Landgericht Dresden
der Prozess wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung beginnen.
Bürgermeister Matthias Damm (CDU) ist von der Bilanz seines Parteifreundes
alles andere als begeistert. Er findet die Pannen bei Gericht "in hohem
Maße merkwürdig". Man habe den Eindruck, "dass die alle wieder auf freien
Fuß kommen". Damm hat ein riesiges Problem. Im Internet wird sein Städtchen
von zumeist westdeutschen Verfassern als "nazistisches Rattenloch"
geschmäht, das man "wegbomben" solle - oder ihm wenigstens die Fördermittel
entziehen. Der Schaden ist immens.
Dabei versuchen Stadt und Landkreis seit Monaten, den Umtrieben der
Rechtsradikalen etwas entgegenzusetzen: Ausstellungen, Aktionstage, einen
lokalen Aktionsplan der Behörden, Netzwerke und eine Koordinierungsstelle
gegen rechts.
Der Bürgermeister mit dem Anstecker "Weltoffenes Mittweida" am Revers hat
den Anwohnern des Wohnviertels einen Brief geschrieben, damit sich endlich
Zeugen melden. Die Glaubwürdigkeit des 17-jährigen Opfers, das anonym
bleiben will, steht für ihn außer Frage. Er hat sie besucht, hat Blumen
geschickt. Und die 50 Euro, die ein Spender für das Mädchen geschickt hat,
wolle sie nicht haben. Es wird gespendet an einen Kindergarten. (von Sven
Heitkamp)
Quelle: Sächsische Zeitung, 27.11.2007
27.11.2007 / Sachsen
CDU IM MINUS ABER WEITER VORN
Die SPD legt zu, eine Mehrheit sähe aber lieber die FDP in der Koalition.
Knapp zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl wächst unter Sachsens
Wählern der Wille nach einem politischen Wechsel. Das ergibt eine
repräsentative Umfrage von dimap communications, die im Auftrag der FDPLandtagsfraktion
in diesem Monat unter 2000 Wahlberechtigten durchgeführt
wurde.
Sonntagsfrage
Derzeit kommt die regierende CDU auf 39 Prozent der Stimmen. Gegenüber der
Wahl 2004 ist das ein Minus von 2,1 Prozent. Der Koalitionspartner SPD
steigert sich dagegen von 9,8 auf 16 Prozent. Die PDS liegt bei 22 Prozent
(minus 1,6), die FDP bei acht (plus 2,1), die Grünen bei sechs (plus 0,9)
und die NDP bei fünf Prozent (minus 4,2).
Koalitionswünsche
Die größte Zustimmung gibt es zurzeit für eine CDU/FDP-Regierung. Neun bzw.
38 Prozent der Wähler finden die schwarz-gelbe "sehr gut" bzw. "gut".
Danach rangiert mit zwölf Prozent "sehr gut" bzw. 26 Prozent "gut" eine CDUAlleinregierung,
dicht gefolgt von der jetzigen Koalition von CDU und SPD,
die drei Prozent für "sehr gut" und 35 Prozent für "gut" halten.
Biedenkopf vor Milbradt
Beim Vergleich der früheren Regierung von Kurt Biedenkopf (CDU) mit der
derzeitigen Staatsregierung unter Nachfolger Georg Milbradt (CDU) sehen 46
Prozent der Befragten zunächst keinen Unterschied.
32 Prozent sind jedoch der Meinung, dass die Milbradt-Regierung "eher
schlechter" und weitere sieben Prozent, dass sie "viel schlechter" agiert.
Lediglich neun Prozent sind davon überzeugt, die heutige Regierung sei
"eher besser", nur ein Prozent findet sie "viel besser". Pikant: Auch 30
Prozent der CDU-Anhänger finden Milbradts Arbeit schlechter als die von
Biedenkopf.
Zeugnis für Fraktionen
Die Arbeit der Landtagsfraktionen bewerteten die Befragten auf einer
Schulnotenskala wie folgt: Die CDU kam auf 3,2, die SPD auf 3,3 und die FDP
auf 3,5. Linke und Grüne landeten jeweils bei 3,7. Mit Abstand am
schlechtesten schnitt die NPD ab. Sie wurde mit 5,5 bewertet.
Quelle: Sächsiche Zeitung, 27.11.2007
27.11.2007 / Mittweida
"ANGST SPIELT EINE GROßE ROLLE"
Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz will nach dem Überfall in Mittweida
wieder landesweit mobile Fahndungsgruppen gegen Rechtsextreme einsetzen.
Immer wieder wird gefordert, gegenüber rechten Gewalttätern Zivilcourage zu
zeigen. Gibt es dabei aber auch Grenzen?
Natürlich gibt es die. Schließlich sind die verschiedenen Formen der
Straftaten in dem Bereich oft von Gewalt geprägt. Wenn es um Zivilcourage
geht, kommt es darauf an, solche Taten anzuzeigen und der Polizei als Zeuge
zur Verfügung zu stehen. Nur so können wir schnell eine Strafverfolgung
einleiten.
Man sollte also nicht zwingend dazwischengehen, wenn Rechte gewalttätig
werden?
Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen, dass eine Straftat
vereitelt oder "gebremst" wird. Manchmal hilft ein lautes Wort oder eine
Geste, um den Täter einzuschüchtern und von seinem Vorhaben abzubringen.
Wichtig ist eine umsichtige Reaktion: Niemand erwartet, dass Sie Ihre
Gesundheit aufs Spiel setzen und den Helden spielen. Wegsehen oder
Weglaufen ist aber auch keine Lösung: Suchen Sie Mitstreiter und
verständigen Sie umgehend die Polizei.
Nach dem jüngsten rechten Überfall auf ein Kind und eine junge Frau in
Mittweida haben viele Menschen den Eindruck, die Brutalität bei solchen
Vorfällen nimmt eher zu als ab.
Die Gewaltstraftaten nehmen tatsächlich zu. Auch die Brutalität steigt. Der
Fall Mittweida zeigt nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen, dass man
selbst vor Kindern nicht mehr haltmacht. Die Frau, die dagegen
eingeschritten ist, hat meine Hochachtung.
Noch ist der Überfall nicht aufgeklärt, bei dem der 17-Jährigen sogar ein
Hakenkreuz auf die Haut geritzt worden sein soll. Sie glauben den Aussagen
des Kindes und der jungen Frau?
So, wie sich derzeit der Sachverhalt darstellt, glaube ich den Aussagen des
Kindes und der 17-Jährigen. Mit beiden liefen gestern noch Vernehmungen zu
dem Vorfall. Und wie mir dazu bekannt ist, hat das Kind den Sachverhalt
dahingehend bestätigt, dass es von den rechten Angreifern geschubst wurde
und die Frau dazwischengegangen ist. Dann ist das Kind weggerannt.
Die junge Frau gibt an, dass etliche Zeugen die Szene beobachtet haben.
Warum ist es so schwer, diese zu finden?
Generell stellt sich bei rechter Gewalt die Frage: Wer steht als Zeuge zur
Verfügung? In dem Fall kam zudem die Anzeige der Frau sehr spät, da sie
sich zunächst mit ihren Eltern beraten hat. Da ist es natürlich
komplizierter, genaue Täterbeschreibungen zu bekommen.
Gibt es eine Hemmschwelle von Zeugen, weil sie befürchten, nach ihren
Aussagen selbst zum Opfer von Rechten zu werden?
Angst spielt eine ganz große Rolle. Das muss man klipp und klar sagen. Man
hat Angst, bei der Nennung von erkannten Personen später selbst durch diese
Repressalien zu erleiden. Ich muss allerdings sagen, dass mir persönlich
noch kein einziger Fall bekannt ist, bei denen Zeugen tatsächlich mit
späteren Repressalien konfrontiert waren.
Was plant Sachsens Polizei, um künftig stärker gegen rechte Gewalttäter
vorgehen zu können?
Auch wenn Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern nicht extremer ist,
haben wir natürlich ein Problem mit rechter Gewalt. Wir brauchen deshalb
weiter die Zivilcourage der Bevölkerung. Dazu habe ich jetzt festgelegt,
dass die Soko Rex weiter gezielt rechte Gewaltstraftaten bearbeitet und
dass wir uns dabei um personelle Verstärkungen bemühen. Ende des Monats,
spätestens Anfang Dezember sollen mobile Einsatz- und Fahndungsgruppen, die
wir schon einmal hatten, wieder in allen Regierungsbezirken präsent sein.
Auf die Weise wollen wir künftig genau dort, wo sich rechte Täter zu
Straftaten verabreden und versammeln, mit Polizeikräften vor Ort sein.
Das Gespräch führte Gunnar Saft
Quelle: www.ndrinfo.de, 27.11.2007
27.11.2007 / Niedersachsen
AKTION GEGEN RECHTSEXTREMIST RIEGER
Die Pläne des bekannten Hamburger Rechtsextremisten Jürgen Rieger für ein
Schulungszentrum auf dem sogenannten Heisenhof im niedersächsischen Verden
stehen offenbar vor dem endgültigen Aus. In einer spektakulären
Polizeiaktion sind von Rieger dort abgestellte Militärfahrzeuge aus dem
Dritten Reich beschlagnahmt worden.
Das berichtete NDR Info am Montag. Der Rechtsanwalt Rieger hatte das rund
26 Hektar große Gelände einer ehemaligen Bundeswehrkaserne in der Gemeinde
Dörverden im März 2004 erworben, um dort eine Schulungsstätte für Neonazis
einzurichten. Rieger handelte damals für eine in England registrierte Firma
namens "Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd.". Diese Firma wurde im vergangenen
Jahr aus dem englischen Register gestrichen, nachdem Rieger es offenbar
versäumt hatte, notwendige Bilanzunterlagen vorzulegen.
Der Abtransport seiner Militärfahrzeuge erfolgte auf Veranlassung des
Anwalts Görge Scheid, der als Nachtragsliquidator für das Heisenhof-Gelände
eingesetzt ist. Sein Büro hat den Abtransport der Fahrzeuge gegenüber NDR
Info bestätigt. Rieger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
"Verehrer von Adolf Hitler"
Der Rechtsextremist Jürgen Rieger aus Hamburg ist nach eigenen Angaben ein
"Verehrer von Adolf Hitler". Niedersachsens Verfassungsschutz bezeichnet
ihn als "fanatischen Rassisten". Der offenbar vermögende Rieger hatte seine
Sammlung von Militärfahrzeugen auf dem Heisenhof-Gelände gelagert. Der
Abtransport bedeutet nach Einschätzung des früheren Bürgermeisters der
Gemeinde Dörverden, Heiner Falldorf (SPD), eine schwere Niederlage für
Rieger: "Das ist hoffentlich der Anfang vom Ende dieser Affäre", sagte
Falldorf auf NDR Info.
NPD-Material beschlagnahmt
Betroffen vom Vorgehen des Liquidators ist nach Informationen von NDR Info
auch der niedersächsische Landesverband der rechtsextremistischen NPD. Nach
NDR Info vorliegenden Unterlagen hatte sie mehrere Tausend Wahlplakate und
Plakatständer auf dem Heisenhof eingelagert. Auch sie wurden
abtransportiert.
Riegers Pläne für ein Neonazi-Schulungszentrum in der Region hatten die
Gemeinde Dörverden und den Landkreis Verden bundesweit in die Schlagzeilen
gebracht. Ziviler und politischer Widerstand, sowie ein entschlossenes
Vorgehen von Landkreis- und Gemeindeverwaltung hatten die Umsetzung von
Riegers Plänen bisher verhindert.
Unsere Projekte 2007 werden u.a. gefördert & unterstützt durch: das
Landesprogramm "Weltoffenes Sachsen",den Lokalen Aktionsplan Sächsische
Schweiz, das "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend",
den Landkreis Sächsische Schweiz, die Stadt Pirna, die Amadeu-AntonioStiftung,
die Friedrich Ebert Siftung, die Städtische
Wohnungsbaugesellschaft Pirna, die AWO Sonnenstein GmbH, die AWO Sachsen
soziale Dienste GmbH, die Volksbank Pirna, den Pirnaer OBI Baumarkt, MDR
FIGARO, die DNK-Jugendkampagne: alle anders - alle gleich, die act Media
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Dankeschön!
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