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Heute hielt der "Zug der Erinnerungen" (1) in Esslingen: Der Zug besteht
aus mehreren Waggons, die von einer Dampflok der "Ulmer
Eisenbahnfreunde" (2) gezogen wird. In den Waggons wird die Geschichte
der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien Jugendlicher
nacherzählt. Schwerpunkt der Ausstellung (3) ist das
Deportationsgeschehen in Deutschland: die Zustellung der
Deportationsbescheide, das Herrichten und Verlassen der Wohnungen, der
Weg zu den Sammellagern und von dort am helllichten Tag durch die Dörfer
und Städten zu den wartenden Zügen. Die Ausstellung befasst sich
schwerpunktmäßig mit den Schicksalen Jugendlicher und Kinder. Dazu
werden auch noch weitere Materialien und Informationen gesucht.
Vorab fand eine kleinere Kundgebung am Esslinger Bahnhof statt. Eingangs
hielten Gerhard Frank, Vorsitzender des DGB Ortsvereins Esslingen sowie
Oberbürgermeister Zieger kurze Beiträge. Musikalische Umrahmung gab es
durch "Three Times a Lady". (4)
Vor 66 Jahren, am Sabbathbeginn des 28. Novembers 1941 wurden hier vom
Hafenmarkt aus, der damals „Platz der SA“ hieß, 129 namentlich bekannte
jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Esslingen verschleppt. Es war die
erste größere Gruppe jüdischer Menschen die deportiert wurde – Frauen,
Kinder, Alte wie Junge, auf die das zentrale Auffanglager am Stuttgarter
Killesberg (5) wartete, von wo aus sie ihr Leidensweg ins
Konzentrationslager Riga führte. Weitere Deportationen gingen in die
sogenannten Ostlager, darunter Auschwitz und Theresienstadt.
Kritisiert wurde völlig zu Recht, daß die Bahn, deren Vorläufer
"Reichsbahn" von den Deportierten auch noch Geld für deren Transport
verlangte - Kinder 2 Reichspfennige, Erwachsene 4 Reichspfennige pro
Kilometer - heute für die Gedenkaktion auch noch Geld für jeden
gefahrenen Kilometer vom durchführenden Trägerverein verlangt. Damit
wurde auf ein kürzliches Schreiben von Wolfgang Tiefensee (SPD)
hingewiesen, in dem jegliche Hilfe verweigert wird. Die bei der
Kundgebung anwesenden Abgeordneten Wolfgang Drexler (SPD), Karin Roth
(SPD) und Markus Grübel (CDU) wurden aufgefordert, sich dafür
einzusetzen, daß dieser Skandal beendet wird.
In der Ausstellung selber wird ebenfalls die Kontinuität der führenden
Kopfe (6) bei der Bahn deutlich, die nach dem Ende des Faschismus aus
eben den selben Verantwortlichen bestand. Damit bildet die Bahn keine
Ausnahme von sonstigen staatlichen Institutionen. (7)
Es wird in vielen Bildern und Dokumenten von der damaligen Entwicklung
zum Faschismus sowie von zahllosen Einzelschicksalen der Opfer und dem
weiteren Lebensweg der wenigen Überlebenden berichtet.
Anschaulich wird über die aktive Beteiligung verschiedener Bürokraten an
den Transporten, die diese lapidar als "normalen Teil" ihrer Arbeit
betrachteten in kurzen Filmen berichtet.
Die Ausstellung nimmt dem Besucher nicht die Schlussfolgerungen aus den
Schilderungen des faschistischen Terrors ab. Wenngleich das mit
Sicherheit auch nicht Aufgabe einer solchen Ausstellung sein muss, so
wäre es doch wünschenswert, auch mehr zu aktuellen Entwicklungen vor Ort
einen konkreten Bezug herzustellen und auch Handlungsmöglichkeiten
anzubieten. So soll es in einer Reihe von Städten in Süddeutschland an
den nächsten Wochenenden wieder zu faschistischen Aufmärschen (8) kommen.
(1) http://www.zug-der-erinnerung.eu
(2) http://www.ulmer-eisenbahnfreunde.de
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Zug_der_Erinnerung
(4) http://www.threetimesalady.de
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6henpark_Killesberg
(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Dorpm%C3%BCller
(7)
http://www.gegeninformationsbuero.de/frameset.html?/krieg/befreiung60_broschuere.htm
(8)
http://www.antifa-freiburg.de/spip.php?page=antifa&id_breve'89&design=3
Bilder, Termine, weiterführende Links:
http://www.trueten.de/archives/3587-Beim-Zug-der-Erinnerung-in-Esslingen.html
--
Bonan tagon,
Thomas Trueten http://www.trueten.de
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