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Allg. Zeitung Mainz: Statt fünf bald sechs? (Kommentar zu NPD-Erfolg
in Sachsen)
Mainz (ots) - Adolf Hitler demnächst als Wachsfigur im Berliner
"Madame Tussauds" und die NDP in allen Kreisparlamenten des
Freistaats Sachsen. Das passt. Der Ordnung halber sei angemerkt, dass
über die Positionierung des GröFaZ in der hauptstädtischen Dependance
der weltberühmten Londoner Puppenkiste noch gestritten wird. Dabei
geht es aber nur um formale Details. Da auch das Mutterhaus an der
Themse Unholde aller Art lebensgroß präsentiert, werden auch im
Preußischen die Dinge ihren Lauf nehmen. Viel schwerer wird es
gelingen, sich an mehr als fünf Prozent Stimmanteil der
rechtsextremen NPD am Oberlauf der Elbe zu gewöhnen. In Görlitz und
der Sächsischen Schweiz sind es sogar über sieben. War der Übergang
von der SED-Diktatur zu parlamentarischer Demokratie und sozial
verpflichteter Marktwirtschaft zu unvermittelt? Schließlich haben die
Bundesbürger-West mehr als zwanzig Jahre gebraucht, inspiriert und
begleitet von US-Amerikanern, Briten und Franzosen, einigermaßen zu
verinnerlichen, was mit der neuen Gesellschaftsordnung gemeint war.
Demokratie ist und bleibt unbequem; sie kommt nicht von selbst und
will schon deshalb immer wieder beworben sein: Eine vornehme Aufgabe
aller etablierter Parteien. Wo aber sind die? Die CDU hat sich noch
wacker geschlagen. Sie stellt die überwiegende Mehrheit der Landräte
und Bürgermeister. Dahinter kommt lange nichts - und dann die
Linkspartei, die sich auch nicht gerade als exponierte Hüterin des
Grundgesetzes hervor tut. Wenigstens sind die zweifelsfreien
Demokraten Sachsens noch in der Überzahl. Sie sollten zügig den
Schulterschluss suchen und gezielt die braunen Hochburgen bearbeiten.
Bleiben sie erfolglos, sind aus fünf großen Parteien in Bund und
Ländern bald sechs geworden. Und mit der Zersplitterung des
Parteiengefüges nimmt auch die Radikalisierung unweigerlich weiter
zu.
Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz
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