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08.06.08
âAutonome Nationalistenâ: Neues Outfit, alter Hass
Allgemein
Hip-Hop, Kapuzenpullover, englische Parolen - und extrem gewalttätig:
âAutonome Nationalistenâ werden im Rechtsextremismus immer
einflussreicher, fordern die NPD heraus. Der Verfassungsschutz warnt vor
ihnen, Politiker und Polizei befürchten sogar Tote bei StraÃenkämpfen.
Bundesweit für Aufsehen sorgten die âAutonomen Nationalistenâ (AN)
erstmals am 1. Mai in Hamburg. Etwa 1200 Rechtsextremisten - darunter
400 schwarz gekleidete Neonazis in einem Block formiert - marschierten
durch den Stadtteil Barmbek. Aus der Demonstration heraus wurden
Polizisten, Journalisten und Gegendemonstranten angegriffen.
âHätte die Polizei sich nicht dazwischengeworfen - es hätte Tote
gegebenâ, sagte der sichtlich mitgenommene Einsatzleiter der Hamburger
Polizei, Peter Born. Und Sachsen-Anhalts Leiter des
Verfassungsschutzes, Volker Limburg, warnte angesichts der aktuellen
Entwicklung: âEs ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Todesfall
kommt.â
Erstmals schwarzer Block in Berlin
Die âAutonomen Nationalistenâ treten schon seit längerem bei
rechtsextremen Demonstrationen gewalttätig auf. Bereits im Mai 2004 gab
es in Berlin einen schwarzen Block von âRechtsautonomenâ, der Polizisten
bedrängte. Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg listete zwischen
Juni 2005 bis Ende 2006 ein halbes Dutzend Aufmärsche auf, bei denen die
rechten StraÃenkämpfer gewalttätig wurden.
Im Jahr 2007 kam es bei einem Neonazi-Aufmarsch in Frankfurt am Main zu
internen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern, da sich
âAutonome Nationalistenâ nicht an die Vorgaben der Ordner gehalten
hatten. Und vor wenigen Wochen marschierten mehrere hundert schwarz
gekleidete Neonazis in Stolberg bei Aachen auf. Auch dort waren sie
äuÃerst aggressiv.
Bundesweite Aktion
Bis ins Jahr 2007 ging das Bundesamt für Verfassungsschutz von nur 200
âAutonomen Nationalistenâ aus, mittlerweile wurde diese Zahl auf 400
hochgesetzt. Die Zahl steigt möglicherweise bald weiter, denn die
Aktionsform AN kommt in der Neonazi-Szene offenbar an. Mittlerweile
haben sich die âRechtsautonomenâ - ganz nach linkem Vorbild der
âAntifaschistischen Aktionâ - zu einer âBundesweiten Aktionâ
zusammengeschlossen.
Etwa 25 Gruppen aus ganz Deutschland sind bislang dabei. Die
Schwerpunkte der âAutonomen Nationalistenâ liegen in Westdeutschland.
Hier konnten die Neonazis bislang keinen gröÃeren Anschluss an moderne
Subkulturen herstellen, daher nun diese neue Strategie. Auch Neonazis
streben offenbar nach einem modernen Lifestyle und wollen nicht mehr dem
Image des dumpfen âStiefel-Naziâ entsprechen.
âNo justice - no peaceâ
Die Ziele der âAutonomen Nationalistenâ sind allerdings ebenfalls
schnell aufgezählt: âIm Krieg gegen ein ScheiÃ-Systemâ stand auf einem
Transparent auf der Demonstration am 1. Mai in Hamburg. Und in dem
Konzept der âBundesweiten Aktionâ steht unter den Zielen: âDen Staat
(und seine Helfershelfer) bekämpfen, auf allen Ebenen, mit allen
Mitteln!â Weiter steht dort geschrieben: âAmerika? - Du kannst mich mal!â
Dies erscheint besonders bemerkenswert, sind die âRechtsautonomenâ doch
eine eindeutig durch westliche Subkulturen geprägte Strömung; dies wird
bei Musik (Hardcore, Hip-Hop), Kleidung (Kapuzenpullover, Jeans) und
auch den Parolen (âno justice - no peaceâ) deutlich.
Ohne organisatorischen Rahmen
Was die âAutonomen Nationalistenâ für die Sicherheitsbehörden schwer zu
greifen macht: Es gibt keine feste Organisation. âDas Bündnis hat keine
Führung, keine Kasse, kein Statut, ist kein Verein oder Partei. Aus den
Gruppenvertretern wird ein Rat gebildet wo Abstimmungen getätigt
werdenâ, heiÃt es in dem Konzept der âBundesweiten Aktionâ. Erfolgreiche
Modelle aus der einstmals groÃen linksextremen Bewegung werden kopiert
und an das völkische Weltbild angepasst.
Das birgt viel Sprengpotenzial für die angestrebte Einheit der
rechtsextremen Strömungen, die sich besonders die NPD mit ihrem âKampf
um den organisierten Willenâ auf die Fahnen geschrieben hat. Viele Jahre
hatte die NPD nach auÃen Wert auf ein bürgerliches und gesetzeskonformes
Auftreten gelegt - obwohl sie zahlreiche vorbestrafte Neonazis
integrierte. Dieses Wunschbild kann mit einem schwarzen Block voller
Autonomer - dem Inbegriff des Bürgerschrecks - auf den eigenen
Demonstrationen nicht mehr transportiert werden.
Spagat zwischen rechts und ganz rechts
Die rechtsextreme Partei ist zudem tief gespalten in einen bürgerlich
orientierten und einen ultra-radikalen Flügel. NPD-Chef Udo Voigt will
sowohl von der CDU/CSU enttäuschte Wähler für sich gewinnen, als auch
die militanten Neonazis an sich binden, stellen diese doch die
aktionistische Basis der Partei dar. Ein Spagat zwischen rechts und ganz
rechts, der zunehmend einem grotesken Eiertanz gleicht. Immer wieder
verwickelt sich die Parteispitze in Widersprüche, was die eigene
Position zu den âAutonomen Nationalistenâ angeht.
Experten gehen davon aus, dass sogar eine Spaltung bei diesem Thema
folgen könnte. Schon jetzt ist beispielsweise im NPD-Stammland Sachsen
zu beobachten, dass die Partei Mitglieder verliert, noch radikalere
Splittergruppen aber Zulauf haben. Und in Bayern nimmt die Spaltung
bereits Form an. Dort veranstaltete der bürgerliche Flügel der NPD einen
âBayerntagâ, der ultra-radikale Flügel rief hingegen zu einem
âFrankentagâ auf.
NPD-BLOG.INFO über die âAutonomen Nationalistenâ.
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