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Q: http://de.indymedia.org/2008/05/217287.shtml
Wikipedia wird immer brauner
NazipediaWatch 13.05.2008 17:55
Die Unterwanderung der Wikipedia durch Nazis und ihre willigen
Vollstrecker nimmmt immer extremere Formen an. Zeit, endlich was zu
unternehmen.
Das ist schon krass. Vor einiger Zeit noch hat eine Anzeige von Katina
Schubert das massive Nazi-Problem der Wikipedia halbwegs in die
Öffentlichkeit gezerrt und trotzdem tut sich in dieser Frage scheinbar
gar nichts in der Wikipedia, eher scheint es schlimmer zu werden. Die
Wikipedia wimmelt noch immer von geschichtsrevisionistischer Literatur,
mit der "Fakten" nachgewiesen werden. So ist beispielsweise die alte
Präventivschlagthese, wonach das Deutsche Reich die Sowjetunion nur
angegriffen hat, um einem Gegenschlag vorzubeugen, absoluter common
sense in der Wikipedia. Daneben wird aus Materialien des
Nationalsozialismus zitiert, ohne dass dies angegeben wird und die
neurechte "Junge Freiheit" darf als Quelle in den Artikeln angegeben
werden, indymedia hingegen wird als "linksextremistisch" geführt und ist
in Fußnoten verboetn.
In letzter Zeit tat sich nun wieder etwas. Unter dem Namen "Rosa
Liebknecht" meldete sich einst ein aggressiver Rechtsextremist an und
verbreitete äußerst erfolgreich Nazi-Propaganda, die heute kaum noch
rückgängig zu machen ist. Dabei halfen ihm auch diverse
Mehrfachaccounts. Irgendwann wurde auch er gesperrt, da es wohl zu
scharf wurde. Was eigentlich verwundert, da ja ein Wikipedia-Admin
unmissverständlich klargemacht hat, dass antisemitische Pöbeleien in der
Wikipedia überhaupt kein Problem darstellen. (
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Administratoren/Notizen&diff=prev&oldid3235499)
"Rosa Liebknecht" macht schließlich unter anderen Namen oder auch
unangemeldet weiter. Dabei war es auch völlig ok, dass er andere
Benutzer ins KZ wünschte und mit "Heil Hitler" grüßte: (
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title¾nutzer_Diskussion:Eintragung_ins_Nichts&diff=prev&oldid7737451)
Jetzt ist Rosa Liebknecht wieder da. Und alle freuen sich. Er ist nun
unter dem Namen "Friedrich Marx" angemeldet. Ein Benutzer, der sofort
auf ihn aufmerksam macht und die Sperre des Accounts forderte, wurde
ohne Begründung und Umschweife unbegrenzt gesperrt: (
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Vandalismusmeldung#Nazitroll_Rosa_Liebknecht_wieder_da_.28erl..29)
Gleiches geschah in einer Folgemeldung. (auf der gleichen Seite
nachlesbar). Die Drohung, die Wikipedia wegen der Duldung von
Morddrohungen und Nazi-Propaganda nochmals anzuzeigen, wurde dort mit
einer Sperre geahndet. Nicht etwa wurde gegen die Nazis vorgegangen,
sondern gegen die, die etwas gegen sie haben. Zitat: "Für das
Volksverhetzungsgelaber ist die IP erstmal 6 h gesperrt. — PDD — 18:18,
13. Mai 2008 (CEST)" Soviel Dummheit muss man erstmal verarbeiten. Die
Sache mit Anzeigendrohung bei Volksverhetzung (die in der Wikipedia
permanent vorkommt) ist allerdings alles andere als ein Einzelfall. Die
Wikipedia sieht sich hier schon jenseits aller geltenden Gesetze und
hakt Nazi-Propaganda bis hin zu den erwähnten Morddrohungen unter
"Meinungsfreiheit" ab.
Die Wikipedia wird täglich unerträglicher. Vielleicht gerade weil
juristische Schritte ausbleiben und diese Propagandaplattform für Nazis
sogar in linken Kreisen wegen der offenen Strukturen noch immer ein
hohes Ansehen genießt, fühlen sich die Nazis, die Administratoren
(oftmals identisch) immer sicherer und werden immer aktiver. Die Aktion
der Admins im obigen Fall kommt der Strafvereitelung nahe und
Volksverhetzung (vor allem in dieser Form) ist nunmal etwas anderes als
Ladendiebstahl.
Das Hauptproblem im Umgang mit der Wikipedia ist das, wonach sie eben
noch immer den Ruf genießt, frei, demokratisch und offen zu sein, eben
eine Plattform, die vernunftgesteuert ist und wo das bessere Argument,
der bessere Nachweis über die Aufnahme von Inhalten entscheidet. Wer das
noch glaubt, ist schlicht naiv. Die Wikipedia ist heute ein Konglomerat
aus ziemlich dämlichen Admins, die von einer Handvoll äußerst aktiver
Nazis, Rechtskonservativer, Neurechter und wie sie alle heißen, an der
Nase herumgeführt werden. Daneben gibt es eine kleine aber immer
wehrlosere Gruppe von Benutzern, die versuchen, diese Tendenzen
rückgängig zu machen. (
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Herr_Andrax/Der_Diderot-Club_f%C3%BCr_eine_freie_Wikipedia)
Benutzerinnen und Benutzer der Wikipedia können nur das tun, was sie
ohnehin tun sollten: Kritisch mit den Inhalten umgehen. Bei wichtigen
Angaben (z.B. über Opfer aus der Zeit des NS) die angegebene Quelle
genauestens untersuchen und, wenn nötig, Informationen über den Autor
einzuholen. In der Regel finden sich in den Fußnoten alles, was in
Revisionistenkreise Rang und Namen hat und was man sonst in Bibliotheken
nur gehen Antrag zu lesen bekommt. Selbst mitschreiben funktioniert in
der Wikipedia kaum noch, wenn man von der "anderen Seite" kommt. Als
unangemeldete_r Benutzer_in hat man ohnehin keine Chance, noch weniger,
wenn man versucht, sich irgendwie mit den Nazis in der Wikipedia zu
beschäftigen.
Ein paar Links zum Gruseln:
http://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug (das heißt tatsächlich
Polenfeldzug!)
http://de.wikipedia.org/wiki/Verbrechen_der_Roten_Armee_%28Zweiter_Weltkrieg%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschichte_des_2._Weltkrieges
http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Administratoren/Notizen/Archiv/2007/12#Neonazis_sperren
http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Metgethen
(Versionsgeschichte beachten!)
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Waffen-SS&diffC647607&oldidC646481
...
http://wikipedia-inside.unrast.org/
http://nazipedia.twoday.net/
http://archiv.twoday.net/stories/4654011/
P.S. Warum sollte uns das eigentlich interessieren? Die Wikipedia gehört
zu den meistbesuchtesten Seiten im Netz. Was in der Wikipedia steht,
wird oftmals als Wahrheit akzeptiert. Sie ist oftmals, gerade für
Schüler_innen, die erste und einzige Informationsquelle, Nazi-Propaganda
und vor allem der verbreitete Geschichtsrevisionismus lässt sich so am
besten tradieren. Und letztlich ist die Wikipedia eigentlich eine
wirklich gute Idee. Mittlerweile sind die Prinzipien der Offenheit und
des freien Wissenstransfers aber längst verschwunden. Das ist doch schade.
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